The Tram SessionsInterview mit Anna Flytström und Jerry Boman

von Christoph Walter · 13.06.2009

Erzählt uns doch bitte erst einmal, worum es bei The Tram Sessions geht. Seit wann existiert die Seite und wie viele Episoden habt ihr bisher gefilmt?
Jerry: Die Idee, die dahintersteckt, ist sehr einfach - ein Song, eine Fahrt. Wir stecken Bands in die Straßenbahn, filmen das Ganze und stellen das Video ins Netz. Es ist mir fast schon peinlich, wie simpel es ist.
Anna: Wir betreiben die Website seit Februar und bisher haben wir mehr als 30 Episoden aufgezeichnet, von denen einige aber noch gar nicht hochgeladen wurden.

Wer von euch hatte denn die Idee, die Bands ausgerechnet in der Straßenbahn spielen zu lassen?
Jerry: Das war meine Idee. Ich habe von den Black Cab Sessions in London gehört und mir gedacht, dass man so etwas auch in der Göteborger Straßenbahn machen könnte. Der Verkehrsbetrieb hat mir dann auch die Erlaubnis gegeben, in den Bahnen zu filmen.
Anna: Als mir Jerry von der Idee erzählt hat, war ich sofort mit dabei. Immerhin müssen wir zu zweit sein, wenn wir filmen - einer nimmt den Ton auf und der andere hält die Kamera.

Vor Kurzem habe ich in einem Buch gelesen, dass das Nahverkehrssystem in Göteborg so kompliziert ist, dass nur ein paar wenige Einheimische es wirklich verstehen. Stimmt das? Ihr müsst es ja wissen, denn schließlich seid ihr oft mit der Straßenbahn unterwegs…
Jerry: Vielleicht ist es zu Beginn ein wenig kompliziert, aber Göteborg ist eine kleine Stadt und mit der Zeit kommt man schon zurecht. Aber die Leute hier beklagen sich gerne über die Straßenbahn.
Anna: Die Fahrtrichtungen und die Nummern auf den Zügen ändern sich ständig - das ist wirklich verwirrend. Trotzdem gibt es hier aber kaum eine bessere Art, sich fortzubewegen.

In Deutschland wirken die meisten Menschen sehr ernst, wenn sie mit der Bahn unterwegs sind und würden wahrscheinlich erst einmal erschrecken, wenn neben ihnen plötzlich eine Band anfängt zu spielen. Wie reagieren die Leute auf euch?
Jerry: Das Schöne ist, dass sich die meisten Fahrgäste freuen, wenn sie für ein paar Minuten aus dem Alltag herausgeholt werden. Obwohl die Leute hier normalerweise auch sehr ernst sind, werden wir oft angelächelt und bekommen viel Applaus.
Anna: Am Anfang hatte ich etwas Angst vor den Reaktionen, aber mittlerweile weiß ich, dass den meisten gefällt, was wir machen. Wir wollen ja auch niemandem auf die Nerven gehen, sondern den Fahrgästen etwas Freude bereiten.

Habt ihr eine persönliche Lieblingssession?
Jerry: Jede Session ist einmalig und wir haben beim Aufnehmen immer viel Spaß, aber ich glaube, die Episode mit Räfven gefällt mir besonders.
Anna: Ich mag die Episode mit Dapony Bros, weil das so viele sind und der Clip einfach sehr lustig geworden ist. Und die Session mit Tilde liebe ich auch - sie hat so eine großartige Stimme!

Die meisten Künstler bei The Tram Sessions kommen aus Göteborg. Ist es euch wichtig, vor allem lokale Musiker zu zeigen?
Jerry: Es ist einfacher für uns, mit einheimischen Bands zu arbeiten, weil wir die meisten davon ohnehin persönlich kennen. Uns ist vor allem wichtig, Musiker zu zeigen, die wir selbst mögen - egal, woher sie kommen.
Anna: Es gibt schon ein paar Sessions mit Bands aus Stockholm und anderen Orten in Schweden. Während der Festivalzeit im Sommer werden wir auch versuchen, ein paar internationale Künstler zu filmen. Aber generell ist es schon gut, vor allem weniger bekannten Bands eine Plattform zu geben - und den Zuschauern die Möglichkeit, Neues zu entdecken.

Könnt ihr ein wenig die Musikszene in Göteborg beschreiben? Was ist besonders daran?
Jerry: Viele Menschen scheinen zu glauben, dass die Musikszene hier ganz besonders ist, und wenn man will, findet man wirklich Gemeinsamkeiten zwischen vielen einheimischen Bands. Aber ich denke nicht, dass es ein Schlagwort gibt, mit der die Szene hier charakterisiert werden kann. Eigentlich ist es hier ähnlich wie in anderen Städten.
Anna: Meiner Meinung nach ist Göteborg in Sachen Musik die aufregendste Stadt in Schweden. Ich glaube schon, dass es in der Popmusik so etwas wie einen speziellen Göteborg-Sound gibt - fröhliche Melodien, schiefer Gesang und sehr tanzbar. Die Szene hier ist auch deshalb so gut, weil es in den letzten 20 Jahren viele erfolgreiche Bands gab, die den Nachwuchs stark beeinflusst haben.

Stellt euch vor, ihr könntet euch eine beliebige Band für The Tram Sessions wünschen. Wen würdet ihr nehmen?
Jerry: Wow, das ist eine schwierige Frage! Ich kann wirklich nehmen, wen ich will? In diesem Fall würde ich das Göteborger Symphonie-Orchester wählen. Das wäre dann eine ganze Straßenbahn voller Musiker. Das würde ich gerne sehen - und jeder andere sicher auch!
Anna: Ich bin ein großer Fan von Band Of Horses, Iron and Wine und Okkervil River, also würde ich wohl eine von diesen drei Bands nehmen. Aber auch Madonna oder Britney Spears wären sicher reizvoll. Vor allem, weil allein der Gedanke daran schon so seltsam und außergewöhnlich ist.

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