Foundlingsinterview mit Kim und Paul
Die Foundlings sind vier freundliche Gestalten aus Walthamstow in Nordostlondon: Paul (Gitarre, Sprechgesang, Geraunz und Gefauche), Tom (Gitarre), Kim (Bass) und Kuba (Schlagzeug). Live gespielt haben sie bis jetzt leider nur in London, aber sie warten auf die erstbeste Gelegenheit, um nach Deutschland zu kommen! Erster Ruhm wurde ihnen bereits seitens der britischen BBC zuteil, als Tom Robinson sie kürzlich in seinem Programm Introducing…fresh on the net vorstellte. Ihre zweite EP erscheint im Mai. Ich sprach mit Paul und Kim zu Hause in Walthamstow.
Vor Jahren habt ihr mal zusammen in der Band Limboland gespielt. Wie kommt es, dass ihr jetzt nach langer Zeit mit den Foundlings einen Neuanfang gewagt habt?
Paul: Das kam, als wir Tom kennen lernten und feststellten, dass wir eine Menge gemeinsam hatten. Erst redeten wir bloß über Musik, dann plötzlich hatten wir Gitarren in der Hand, und als wir irgendwann im Frühjahr 2007 ein Studio betraten, passierte es einfach. Wir haben zusammen gejammt und improvisiert und hatten am selben Tag vier oder fünf Songs fertig, die alle auf unserer ersten EP zu finden sind. Kim ließ sich erst nach unserer vierten Probesession überzeugen, mitzumachen, und so haben wir seit Anfang 2008 regelmäßige Gigs. Nachdem unsere erste Schlagzeugerin Lucy das Handtuch warf, haben wir in Kuba zum Glück einen Ersatz gefunden.
Erzählt mir was über eure EP…
Die war eigentlich unser erstes Demo, damals 2007 in aller Schnelle aufgenommen. Wir haben 28 Exemplare hergestellt und sie einfach bei einem Gig gratis verteilt.
Also das Rock’n’Roll-Sammlerstück schlechthin.
Ja, unser Freund Dave hat die Hüllen entworfen und gedruckt, und nach 28 Stück war der Toner alle. Das war’s dann halt.
Wie schreibt ihr eure Songs?
Paul: Das machen wir alle zusammen. Die Band hat keinen Anführer oder so was.
Kim: Die Jungs kümmern sich um die Gitarrenparts und die Effekte. Unser Ziel ist es, einen ganz anderen Sound zu machen als andere Bands in Moment. Jeder da draußen hält sich an das alte Schema „Strophe-Refrain-Strophe-Refrain“, während wir uns einfach treiben lassen und gucken, was für Töne aus den Instrumenten kommen.
Paul: Wir haben absichtlich keine Struktur in unseren Songs. Struktur finden wir langweilig.
Kim: Ich jamme einfach gerne, da hat man viel mehr Freiheit. Nach dem Gig kommen dann Leute auf dich zu und sagen, wow, das ist mal was anderes, das haben wir nicht erwartet. Letztes Jahr kamen welche vom „Organ“-Fanzine zu einem unserer Gigs; wir waren Vorgruppe und die wollten eigentlich über den Haupt-Act schreiben. Am Ende war dann mehr als die Hälfte ihres Artikels über uns! Das hat uns gewaltig Auftrieb gegeben.
Wer oder was sind eure Einflüsse?
Paul: Spacemen 3, MC5, Joy Division, Wire, Krautrock… Aber was soll das – wir wollen nichts wiederkäuen, wir wollen unser eigenes Ding kreieren.
Kim: Ich mag Magazine und PiL, und auch Joy Division. Und The Clash, als sie in ihre Reggae-Phase kamen. Und unser Drummer hat wieder eigene Ideen, die er umsetzt.
Paul: …und Jah Wobble, und die frühen Fall. Die meisten unserer Songs sind aber improvisiert, und vor allem sind sie nie fertig. Das ist so gewollt. Auf diese Weise geht unser Interesse an einem Song nie verloren. Es heißt aber auch, dass wir bei Liveauftritten nie so recht wissen, wo ein Song eigentlich zu Ende ist. Dann ist auf einmal unser 30-Minuten-Zeitfenster vorbei und wir haben nur vier oder fünf Songs gespielt.
Was ist mit den Texten? Ihr habt ja unter anderem auch politische Texte.
Paul: Die schreibe ich, und zwar meistens zwischen Tür und Angel. Aber es geht mir nicht um Parteipolitik oder irgendwelche Slogans. Wir sind keine politische Band. Wir lassen bloß unseren Ärger und Frust raus, über all die Heuchelei in der Gesellschaft, das Konsumdenken, den lächerlichen Zustand, in den die Menschheit geraten ist. Oft inspirieren mich die Nachrichten im Fernsehen. User frenzy ist z. B. ein richtig böser Song, da lassen wir einfach die Sau raus. Wir wollen uns nicht von Idioten regieren lassen, ob die jetzt rechts sind oder links. Unser Songtitel Be realistic – demand the impossible ist z. B. ein Zitat aus der Zeit der Unruhen in Paris 1968.
Kim: Manche Songtitel finden wir, indem wir ein Wörterbuch auf einer beliebigen Seite aufschlagen und blind mit dem Finger auf Wörter zeigen. So entstanden “Panoptic front” und “Sickly pacific“.
Kamt ihr so auch auf euren Bandnamen Foundlings?
Kim: Nein, der war Lucy’s Idee. Aber irgendwo sind wir wirklich Findelkinder, die nicht wissen, wer ihre Eltern sind. Verlassene Kinder. Früher hat man die im Körbchen vor der Kirche hingestellt und eine spezielle Glocke geläutet...
Wie ist die Sache mit Tom Robinson gelaufen?
Paul: Das war letzten September. Tom Robinson macht regelmäßig eine Sendung für neue Bands, man kann sich da online bewerben, und wir wurden mit Be realistic – demand the impossible ausgewählt. Tom sagte zuerst, er wolle möglichst kurze Songs haben, und dann spielt der ausgerechnet unser Sechs-Minuten-Epos. Es war echt eine aufregende Sache.
Kim: Ich habe vorher meine Mutter angerufen und sie hat gesagt: “Oh Kim, stell dir vor, die BBC, die BBC!” Leider ging die Sendung ungefähr um vier Uhr morgens über den Äther, da hören sowieso nur Fernfahrer zu und Leute mit Schlafstörungen. Trotzdem war unsere Myspace-Seite danach tagelang sehr gut besucht! Es ist super, dass jemand neuen Bands eine Chance im Radio gibt, so wie John Peel das früher getan hat.
Und was sind eure Pläne für die Zukunft?
Unsere zweite EP Thirst Born kommt demnächst raus, das heißt, man kann sie schon jetzt bei last.fm runterladen! Wir arbeiten an neuen Songs und hoffen bald auf Tour zu gehen, mal rauszukommen aus London. Am liebsten würden wir im Ausland spielen. Aber es gibt schon einige Anfragen von anderen Bands, die mit uns zusammen auf dem Programm stehen wollen!





















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