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Mike Doughty

Mike Doughty über Konzerte vor 30 Leuten, Barack Obama und das Schicksal eines Musikers.

HI Mike, gerne stelle ich als erstes in einem Interview die alles entscheidende Frage. Nämlich, welche Frage kannst du selbst gar nicht mehr hören ?
Das ist eine schwierige Frage. Aber die Frage „Stell doch mal deinen Sound vor“ lässt sich nicht einfach beantworten.

In Deutschland ist bisher ja nur dein Best-Of „Introduction“ erschienen. Wie würdest du dich selbst, deinem Publikum vorstellen ?
Das ist für Künstler fast unmöglich zu beantworten. Ich bin Texter, Musiker und Gitarrenspieler. Ich bin Sänger, der Rhythmen und besondere Klänge mag. Wobei ich nicht weis, ob meine Hörer meine Texte immer hören und verstehen können.

Wie läuft deine derzeitige Deutschlandtour ?
Wir sind jetzt seit 3 Wochen auf Tour. Berlin, Hamburg, München und jetzt sind wir hier in St. Leonhard im tiefsten Bayern gelandet. ( er lächelt ) Hier ist es ganz anders als in den USA, wo wir vor 1000-1500 Leuten spielen. Wir reisen mit dem Zug, was die Reise selbst schonmal wesentlich einfacher macht. Wir spielen hier eine wesentlich kleinere Auswahl von Songs vor 20-30 Zuschauern.

Wie fühlst du dich dabei vor so wenigen Zuschauern zu spielen ?
Ein Publikum ist ein Publikum. Wir spielen mit Herz. Musik ist immer Musik. Hier in Deutschland sind wir Anfänger, weshalb es auch wichtig ist vor kleinem Publikum zu spielen.

Gefällt dir diese Rolle des „umherreisenden“ Akustikmusikers ?
Ja, daß passt zu mir. „On the road“ bin ich glücklich. Das ist mein Leben, seit ich 1994 das erste mal auf Tour gewesen bin.

Dein Abschied von Soul Coughin erinnert mich an den Song „Solsbury Hill“ von Peter Gabriel. Auch er verabschiedete sich ja damals von einer kommerziell erfolgreichen Band und wurde anschliessend ein großartiger Solokünstler der „sein eigenes Ding“ durchzog. Was hat dich damals beeinflusst dich Solo durchzuschlagen ?
Mit Soul Coughin waren wir viel auf Tournee, wir haben alle 2 Jahre auch in Europa gespielt. In Amerika waren wir Stars, weshalb auch einige Leute „böse“ waren, als ich Soul Coughin verlassen habe. Für mich selbst musste ich es aber tun. Es war eine schwierige Zeit vor dem Publikum zu spielen, die waren eher unfreundlich. Die ersten 2-3 Jahre waren ein echter Kampf, aber ich selbst fühlte mich frei und glücklich und habe auch wieder Publikum erobert. Das spüre ich auch hier in Deutschland.

In einer Zeit in der es der Musik allgemein an Spirit fehlt, sprudeln deine Songs geradezu über von diesem Spirit. Ich persönlich finde das allein das Intro von „The only answer“ dein Songwritingtalent geradezu offenbart.
( Mike unterbricht ) Findest du ? Ich persönlich bin auch mehr geistig inspiriert, was meine Songs betrifft. Das ist seit ca. 2000 so, als ich mich von Soul Coughin verabschiedet habe. The only answer hingegen ist ein alter Song, welchen ich bereits 1996 geschrieben habe. Anscheinend hatte ich auch damals schon diesen Spirit.

Lässt du viel von deinen persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen in die Songs einfliessen ?
Immer – es ist immer eine Mischung aus Erfahrung und Vorstellung ( Fiktion ).

Schreibst du derzeit auch an neuen Songs ? Besteht die Chance einen Song über Deutschland zu hören zu bekommen ?
Ein neuer Song ist fertig, wir haben diesen aber noch nicht live gespielt. Ein Song über Deutschland ? …wer weis.

Ich habe ein Problem mit einem Song aus deinem Album „Skittish“. Ist ja schon ne Zeit her, aber was ist die Aussage von „Laundrytown“ ? Und wie ist dieser Song entstanden?
Das ist lustig. Der Song ist eigentlich ein Outtake. Damals war ich zur Miete in einer Gegend in der es sehr viele „Laundrymats“ – Waschsalons gab. Ich und meine Freunde verbrachten sehr viel Zeit in dieser Gegend, obwohl es eine teure Gegend war.

Einige deiner Songs sind auch politisch beeinflusst, was können wir von Mike Doughty in Zeiten der Finanzkrise erwarten ?
Ich habe eigentlich nur 2 politische Songs. Ich finde auch das Politik für Musiker kein wichtiges Thema ist.

Überall auf der Welt ist die Obama-Manie ausgebrochen. Stimmst du ein ?
Och ja. Ich bin da auch dabei. Er ist unser erster wirklich kluger Präsident seit ich am Leben bin. Clinton war auch gut, aber egoistisch. Aber ich glaube auch, daß Obama nicht überall auf der Welt so gehypt wird wie in den USA.

Wenn man deinen Myspace-Blog verfolgt, sieht man, daß du ein Fan moderner Fotografie bist. Ist das ein Hobby von dir ?
Fotos sind mir sehr wichtig. Es ist eine Ablenkung für meine Gedanken und eine Art Tagebuch.

Auf deinem letzten Blogeintrag gibst du dich begeistert von uns Deutschen. Wie hast du die Deutschen während deiner Tour kennengelernt ?
Es waren allesamt nette und coole Leute mit denen ich zu tun hatte. Es ist aber immer schwierig in einem fremden Land. Aber ich bin aus New York, vielleicht fällt es mir deshalb leichter.

Gibt es denn deutsche Bands die du kennst ?
Och ich kenne einige Krautrockbands aus den 80ern. Und ich habe ein wenig Tomte gehört und was von einer Band namens Luxuslärm. Deutsche Musik ist in Amerika aber unbekannt, da gibt es nur ein paar Alternative Radiostations die ein wenig New Wave, etc. spielen.

Nach unserem Interview sorgte Mike, gemeinsam mit Cellist „Scrap“ für einen netten, lockeren Akustikabend in der gefüllten Gaststube des Wirt z`Leonhard.

30.03.2009 // markus
 

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