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Josh Tillman (fleet foxes)interview mit Josh Tillman

Josh, du tourst gerade mit deiner eigenen Truppe durch Europa. Wie läuft es so?
Sehr gut. Ich muss sagen, dass es momentan die beste Tour ist. Weißt du, wenn man als Solo- Künstler unterwegs ist, dann gerät man leicht in eine Art Teufelskreis. Man sucht Musiker, die mit einem touren, doch dann fehlt die Zeit zum Proben, man ist angespannt und das schlägt sich natürlich auch auf die Musik und das Zusammenspiel Live nieder. Doch im Moment bin ich sehr zufrieden. Wir klingen wie eine tolle feste Band und sind prima eingespielt. Das ist sehr toll. So bringt das Touren unglaublich viel Spaß.

Dein Bruder Zach ist auch ein Mitglied deiner Band. Außerdem bestreitet er mit seinem Projekt Pearly Gate Music das Vorprogramm. Wer von euch beiden hat denn zuerst angefangen mit dem Musik machen?
Wir haben die Musik ungefähr zur gleichen Zeit entdeckt. Ich habe mit 12 angefangen, Schlagzeug zu spielen und er hat ungefähr mit 11 das Bass- Spielen für sich entdeckt. Beide spielten wir in wechselnden Bands, oft auch gemeinsam. Das gibt uns als Musiker eine sehr besondere Verbindung, schon alleine, weil wir seit 15 Jahren mehr oder weniger gemeinsam Musik machen.

Besteht zwischen euch eine Art Rivalität, wie es sie zwischen Brüdern gibt?
Nein, überhaupt nicht. Ich mag die Sachen, die Zach macht, unglaublich gerne. Wenn er einen Song schreibt, dann habe ich eigentlich jedes Mal das Gefühl, er hat diesen Text nur für mich geschrieben. Manchmal wünschte ich, mir wären diese Zeilen eingefallen. Aber seine Sachen bringen mir so viel Freude, dass es mir gar nicht in den Sinn käme, ihm auf irgendeine Weise mit Bitterkeit oder Rivalität entgegen zu treten. Dafür schätze ich ihn viel zu sehr und bin zu froh, ihn als Bruder zu haben.

Habt ihr noch mehr Geschwister?
Ja, wir haben noch zwei jüngere Schwestern. Die eine ist 20 und die jüngste ist 13. Aber sie sind nicht so sehr der Musik verfallen. Beide haben Klavierunterricht genommen, das war es aber auch schon. Zach und ich sind irgendwann wie besessen von der Musik geworden. Das ist den beiden erspart geblieben. Meine Eltern wollten eigentlich, dass Zach Ingenieur wird und ich sollte Lehrer werden, oder so was ähnliches. Davon sind wir beide nun ja ziemlich weit entfernt. Und unsere Eltern sind nicht wirklich glücklich darüber, aber wir können einfach nicht anders.

Es erfordert ja schon einiges an Mut, sein eigenes Ding durch zu ziehen und nicht darauf zu hören, was Menschen, die einem so nahe stehen wie die eigenen Eltern sagen. Siehst du das ähnlich und wie wichtig ist es dir, dass du diesen Mut aufgebracht hast?
Ich denke, das ist das Wichtigste überhaupt. Viele meine musikalischen Idole zeichnet dieser Schritt aus. Neil Young zum Beispiel. Ich habe ihn viel gehört und war immer fasziniert davon, wie er bereit war, das Risiko auf sich zu nehmen, etwas anzufangen, was wirklich nicht danach aussieht, als könnte es funktionieren. Aber wenn man es einfach macht, dann klappt es eben vielleicht doch. Und warum sollte man es nicht einfach probieren.

Gibt es noch weiter Bands/Künstler, die dich beeinflusst haben?
Ja, die erste Band, die ich auf dem College gehört habe, war Low. Die haben mich noch geprägt. Und in einer Zeit, in der ich sehr empfänglich für Einflüsse war, habe ich viel Nick Drake gehört, er hinterließ auch einen großen Eindruck auf mich. Außerdem schätze ich Bob Dylan sehr. Ihn habe ich auch auf der High School für mich entdeckt und er entfachte in mir die Liebe zur Akustik- Gitarre, meinem Lieblingsinstrument. Viele Leute finden dieses einfache Instrument ja eher langweilig, ich nicht. Als ich das erste Mal diesen schrägen Typen mit der merkwürdigen Stimme gehört habe, wie er singt und sonst keine weiteren Instrumente außer seiner Gitarre verwendet, um seine Songs zu untermalen, das hat mich sofort gefangen. Es liegt so etwas Schlichtes, eine Art Nacktheit in dem Sound einer Akustik- Gitarre, da geht für mich nichts drüber.

Du singst deine eigenen Songs und sie sind sehr emotional, man gewinnt den Eindruck, du packst viel von deiner tieferen Persönlichkeit in dein Songwriting. Kommst du dir da nicht auch manchmal nackt vor, wenn du auf der Bühne stehst und einer Menge von Leuten dein Innerstes darbietest?
Das ist ein interessanter Punkt. Am Anfang meiner Karriere war das wirklich so. Es fiel mir schwer, vor Leuten aufzutreten. Ich machte es zwar, aber es war hart. Man steht auf der Bühne und öffnet sich total. Und die Leute vor dir warten nur auf den Hauptakt; sie wissen es nicht zu schätzen, es interessiert sie nicht und du stößt mehr oder weniger auf taube Ohren. Bei der aktuellen Tour ist allerdings auch das anders. Diesmal sind wir der Hauptakt und die Leute kommen, um uns zu zu hören. Das ist ein viel besseres Gefühl.

Hast du es mal mit einer anderen Form der Kunst probiert?
Ja, sehr viel. Als ich auf der High School war, begann ich zu schreiben. Ich wollte sehr gerne Schriftsteller werden. Es entstanden einige Kurzgeschichten, manche wurden von unterschiedlichen Magazinen veröffentlicht. Das mache ich auch heute noch manchmal. Schreiben war mir eigentlich schon immer sehr wichtig. Darum geht es mir auch primär in meiner Musik. Der wichtigste und beste Teil meiner musikalischen Arbeit sind nicht die Aufnahmen im Studio oder die Auftritte auf Tour sondern das Schreiben meiner Texte. Das ist mir das Wichtigste. Aber um zurück auf deine Frage zu kommen: ich zeichne auch gerne und designe. Das ganze Artwork meines Albums habe ich selbst gemacht. Man kann also sagen, ich bin ein Tausendsassa.

Was willst du denn mit deiner Musik für dich erreichen?
Hmm, da habe ich noch nie drüber nachgedacht. Ich bin mehr so der ziellose Typ. Wenn ich mir im Laufe meiner Karriere je ein Ziel gesteckt hätte, wäre ich heute vermutlich schon weiter als ich es bin. Aber das stört mich in keiner Weise. Einfach, weil ich das Gefühl habe, alles von der Musik bekommen zu haben, was man bekommen kann. Und damit bin ich mehr als zufrieden.

01.03.2009 // karina
 

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