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ClickClickDeckerinterview mit Kevin Hamann

Eben ist dein neues Album “Den Umständen Entsprechend” erschienen und nun geht es für dich auf eine ausgedehnte Tour. Freust du dich, nach einer längeren Phase, in der du dich ausgiebig Bratze gewidmet hast, wieder als ClickClickDecker unterwegs zu sein?
Ja sehr. Ich freue mich darauf, die Lieder der neuen Platte präsentieren zu dürfen, oder darauf wieder eine Gitarre in der Hand zu halten und Angst davor zu haben, dass ich mich verspiele.

Bratze wird oft als dein „Nebenprojekt“ bezeichnet. Siehst du das selbst auch so oder stehen für dich ClickClickDecker und Bratze gleichberechtigt nebeneinander - quasi als zwei unterschiedliche Facetten des Künstlers Kevin Hamann?
Mittlerweile sind beide Sachen gleichberechtigt vom Aufwand und der Zeit, die man investiert. Trotzdem sind große Unterschiede zwischen beiden, das soll und wird auch so bleiben. Bei Bratze kann ich ganz andere Sachen machen und umgekehrt. Das ist toll. So wird mir nicht langweilig. Ebenso habe ich noch das reine Instrumental-Projekt My First Trumpet. Wieder was ganz anderes zum austoben und ausprobieren.

„Den Umständen Entsprechend” ist das erste ClickClickDecker-Album, das du nicht komplett im Alleingang eingespielt hast. Kannst du kurz etwas zum Entstehungsprozess der Platte erzählen?
Ich habs wie immer zuhause aufgenommen und war dann aber sehr unzufrieden mit dem Ergebnis. Es klang mir zu sehr nach den Platten zuvor.

Zum Glück kam dann Tobias Bade auf mich zu und meinte, wir sollten noch mal alles von vorne bis hinten neu im Studio aufnehmen. Zusammen mit Oliver Stangl haben wir das dann auch getan. Das war eine tolle Erfahrung für mich und sicher werde ich es wieder tun.

Der neue Weg - also mit Band im Rücken - scheint also für die aktuelle Platte der richtige gewesen zu sein. Könntest du dir aber auch vorstellen, das nächste Album wieder ganz alleine aufzunehmen?
Kommt ganz darauf an. Die Aufnahmen haben auf jeden Fall Hunger gemacht auf mehr davon.

Was an „Den Umständen Entsprechend” wieder besonders gut gelungen ist, sind die Texte, die sich dem Hörer nicht aufdrängen, sondern ihm genügend Spielraum für eigene Gedanken und Interpretationen lassen. Marcus Wiebusch hat einmal gesagt, für ihn sei Lyrik immer nur ein Vorschlag. Für dich auch?
Ich versuche immer, soviel Freiraum für Interpretationen zu lassen wie nur möglich. Es sind für mich nicht nur Vorschläge sondern in erster Linie meine Beobachtungen. Ob diese von mir richtig oder falsch gedeutet sind, soll der Hörer selber entscheiden. Das ist mir persönlich ziemlich wichtig. Auch dass Dialoge von allen Richtungen aus zu sehen sind. Du kannst derjenige sein, der angesprochen wird, aber auch derjenige, der spricht. Wenn ich von „du“ singe, kann es auch gut möglich sein, dass ich mich selber meine.

Die Grundstimmung bei den meisten der neuen Songs ist eher gedrückt, aber trotzdem hört man immer einen vorsichtigen Optimismus heraus. Passt ja irgendwie zur derzeitigen Weltlage...
An Missständen lange rumzumäkeln macht für mich wenig Sinn. Deshalb wahrscheinlich der vorsichtige Optimismus. Entweder man ändert was oder lässt es sein, dann sollte man aber auch die Schnauze halten.

Seit kurzem bist du auch als Autor aktiv. Was schreibt sich leichter - Songtexte oder Kurzgeschichten?
Beides. Wenn du etwas zum Ausdruck und auf den Punkt bringen willst, ein Vierzeiler. Wenn du aber jemanden ausgeschmückt an deinen Beobachtungen teilhaben lassen willst, eine Geschichte. Das Schwierige ist bei dem einen die Reduzierung, bei dem anderen das Auffüllen. Aber das ist auch der Reiz daran.

Auf dem Cover von „Den Umständen Entsprechend” gibt es Bilder von Wald- und Wildtieren zu sehen. Wer hatte die Idee dazu? Jan Kruse, der das Cover gestaltet hat, oder du?
Die Bilder kamen von mir. Ich habe einige davon in einem Wildpark nahe Hamburg einem älteren Ehepaar abgekauft. Sie haben die Bilder wahrscheinlich vor Jahren dort geschossen und auf Pappe geklebt. Sie sollten eigentlich als Postkarten dienen. Andere kommen aus einem Tiermagazin aus den 80ern, das ich auf einem Trödelmarkt gekauft hab.

Jan hat sie ausgedruckt und wir haben dann diese Quader daraus gebastelt. Dann haben wir ca. 1678 Bilder davon gemacht und eins ist es dann geworden.

Rein optisch unterscheidet sich das neue Album schon recht stark von seinen Vorgängern - ist das beabsichtigt oder hat sich das zufällig so ergeben?
Nein, das ist ganz bewusst. Nachdem klar war, dass ich die Platte nicht alleine aufnehme, wollte ich auf gar keinen Fall mein Gesicht oder ähnliches auf dem Cover.

Hast du schon konkrete Pläne für die Zeit nach der Tour oder gönnst du dir danach erst mal eine längere Pause?
Die Tour hat ja noch nicht mal angefangen und wird auch noch weiter fortgesetzt. Zur Zeit arbeite ich an einem neuen Album von My First Trumpet und ich denke, dass wir uns ab Sommer an die neue Bratze-Scheibe machen.

Also keine Pause!

11.02.2009 // christoph
 

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