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Dark Captain Light CaptainInterview mit Dan Carney

Das Cover-Artwork eures aktuellen Albums ist ziemlich außergewöhnlich (es zeigt unter anderem einen überdimensionierten Vogel, aus dessen Bauch Holzscheite auf brennende Häuser, auf denen verzweifelte kleine Menschen stehen, fallen). Was soll das Bild darstellen?
Chin, unser Schlagzeuger, hat es gemalt und es ist in der Tat außergewöhnlich. Wir wissen selbst nicht so genau, ob die Vögel in der Szene die Guten oder die Bösen sind und ob sie versuchen, den kleinen Menschen unter ihnen zu helfen oder ob sie nicht doch noch mehr zu deren Leid beitragen. Als ich Chin nach dem kleineren Vogel auf dem Ei fragte – für mich der fesselndste Aspekt des ganzen Bildes – sagte er: “That´s the master”. Er scheint also eine Idee davon zu haben, worum es geht, nehme ich an. Generell ist es aber so ein Bild, das du dir nur fünf Sekunden lang ansehen must, um alles um dich herum zu vergessen.

Die Songs auf “Miracle Kicker” sind eine Mischung aus Folk und elektronischen Elementen. Manche Leute würden ihnen dafür den Stempel “Folktronica” aufdrücken. Wie würdest du selbst eure Musik beschreiben?
Ich möchte das gar nicht erst versuchen. Ich hoffe, dass unsere Musik die Idee rüberbringt, dass etwas gleichzeitig einzigartig und außergewöhnlich, aber trotzdem leicht zugänglich und eingängig sein kann. Ich bin kein Freund von diesen ganzen Sub-Genres, in die alles eingeteilt wird. Unsere Musik ist genauso Musik wie die von Pharoah Sanders, Britney Spears, Megadeath und Tchaikovsky. Den Begriff Folktronica mag ich überhaupt nicht – ich glaube, er wird so schnell aus der Mode kommen wie damals Trip-Hop. Wenn wir Elektronik und akustische Gitarren miteinander kombinieren, dann geschieht das aus einem einzigen Grund: Weil es gut klingt.

Euer Album wurde von Dan Lea (By the Fireside) und Robin Proper-Sheppard (Sophia, God Machine) produziert. Hatten die beiden einen großen Einfluss auf die Songs?
Auf jeden Fall. Es ist großartig, mit Dan zu arbeiten – er ist ein Typ, der sich nicht zurückhält und einem immer sagt, was es aus seiner Sicht zu verbessern gibt.  Er hat eine Menge gute Ideen, von denen viele letzten Endes auch auf dem Album zu hören sind. Zum Beispiel ist er ein Meister des psychedelischen Pianos und der seltsamen, flirrenden Gesangsharmonien. Vor allem stimmt aber seine Herangehensweise und die Art, wie er über Musik denkt, mit unseren Ansichten weitgehend überein. Er versteht, wo wir hinwollen und das ist wohl das, was einen guten Produzenten ausmacht. Es ist für uns schwer vorstellbar, etwas ohne Dan aufzunehmen. Das sagt wohl schon alles.

Als unser Label uns anbot, Robin mit ins Boot zu holen, mussten wir nicht lange überlegen – Neil und ich sind große Fans von God Machine – und hatten viel Spaß bei der Arbeit mit ihm. Abgesehen von seinen technischen Fähigkeiten ist er ein sehr ehrlicher und leidenschaftlicher Mensch, der immer darauf aus ist, alles noch einen Tick besser zu machen. Absolut ideal also.

Abgesehen von der Musik hat uns Dan beigebracht, uns wie richtige Gentlemen zu kleiden und Robin hat uns gezeigt, wo man in London die besten Burritos bekommt – nämlich bei Tortilla in Islington.

Alles in allem haben Dan und Robin in großem Maße zum jetzigen Sound der Platte beigetragen und ich hoffe, dass Gott sie und ihre Seelen dafür beschützt.

Ihr habt als Duo begonnen, aber mittlerweile ist Dark Captain Light Captain zu einer Band mit sechs Mitgliedern angewachsen. Wie kam es dazu?
Giles stieg bereits knapp ein Jahr nach der Bandgründung ein und als wir mitten in den Aufnahmen zum Album steckten, merkten wir, dass wir noch ein paar mehr Musiker brauchen, um die Songs auch live angemessen rüberzubringen. Chin war die meiste Zeit sowieso mit im Studio dabei und mit Laura und Mike waren wir schon längere Zeit befreundet, also hat das ganz gut gepasst. Vorher war ich ein wenig skeptisch, eine komplette Band zu haben, weil das alleine aus organisatorischer Sicht eine Menge Arbeit ist, aber letzten Endes hat es nun doch bestens funktioniert. Alle sind sehr engagiert und bereit dazu, für die Band Opfer zu bringen. Ich bin begeistert davon, wie wir jetzt live klingen und freue mich schon sehr darauf, mit den anderen an neuem Material zu arbeiten.

Welchen Einfluss haben das Internet und Seiten wie MySpace auf euch?
Auf jeden Fall hat das Internet einen uneingeschränkt positiven Einfluss auf uns. Als wir vor ein paar Jahren angefangen haben, haben wir nichts anderes gemacht, als in Neils Haus zu sitzen und Sachen aufzunehmen. Irgendwann haben wir dann ein paar Sachen auf MySpace gestellt und die positiven Reaktionen auf unsere Musik haben uns erst dazu gebracht, darüber nachzudenken, wie es weitergehen könnte mit uns. Konzerte, Aufnahmen im Studio und so weiter. Dank MySpace haben wir viele Freunde kennen gelernt und die Möglichkeit bekommen, in großartigen Städten wie Berlin und Oslo aufzutreten. In letzter Zeit wurde „Miracle Kicker“ in vielen Blogs erwähnt und dadurch bekamen wir auch noch einmal einen Schub. Das Internet war also gut zu uns – und ist es immer noch.

Man hört immer wieder, dass das Ende des Albums nahe ist, weil sich Bands – auch wegen der neuen Vertriebsmöglichkeiten im Internet – in Zukunft stärker auf Singles konzentrieren werden. Wie stehst du dazu?
Ich glaube schon, dass in Zukunft das klassische Album als eine Sammlung von Songs, zwischen denen ein gewisser Zusammenhang besteht, immer mehr von anderen Sachen abgelöst werden wird.

Wahrscheinlich wird es noch eine Weile dauern, bis es größere Veränderungen gibt, weil die LP mit 45 bis 50 Minuten Laufzeit über so viele Jahre einfach das wichtigste Format war. Mit meinen Hörgewohnheiten bin ich sowieso etwas eigen – meistens höre ich zwei oder drei Songs von einem Künstler und wechsle dann zum nächsten.

Ich finde, dass dem Album an sich sowieso zu viel Bedeutung eingeräumt wird – ich kann die Alben in meiner Plattensammlung, auf denen jeder Song ein Meisterwerk ist, an einer Hand abzählen. Wahrscheinlich sogar an einem Finger.

Welches Format bevorzugst du selbst? Bist du schon komplett auf Mp3 umgestiegen oder hörst du weiter Musik von CD und auf Vinyl?
Ich nutze alle drei Formate. Früher habe ich mir viele Schallplatten gekauft und wenn ich mich auf ein Format beschränken müsste, würde ich wohl auch Vinyl wählen. Aber eigentlich ist es mir egal, woher die Musik kommt. Ich glaube, dass die Menschen, die sich darüber beschweren, dass der Klang von Mp3s so schlecht ist, nicht ganz verstehen, worum es bei Musik eigentlich geht. Trotzdem ist es natürlich viel schöner, eine Platte aufzulegen, als einen Song bei iTunes anzuklicken.

Zum Abschluss noch eine Frage: Warum sollten sich die Leute „Miracle Kicker“ unbedingt anhören?
Wenn sie es nicht tun, würde das mein ohnehin schon angeknackstes Herz brechen. Jeder weitere Misserfolg und jeder weitere Rückschlag führt dazu, dass ich mich immer mehr zurückziehe und eines Tages sogar die Fähigkeit zu sprechen verliere. Meine motorischen Fähigkeiten würde ich natürlich gleichzeitig auch verlieren. Am Ende würde ich dann wie gelähmt zu Hause sitzen, aus dem Fenster starren und darüber nachdenken, was alles passieren könnte, aber nie passieren wird. Ihr wisst also, was ihr zu tun habt!

25.11.2008 // christoph
 

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