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Mathias ahrberg von fairliebt.interview über faire klamotten

Mathias, erzähl doch mal kurz wer ihr seid.
Ich bin Mathias von fairliebt. Seit Anfang 2006 verkaufen Wiebke und ich von Hamburg aus bio-faire Shirts über die Domain fairliebt.com

Wiebke wollte halt gerne ein Label gründen, ich hatte die Idee mit der bio-fairen Produktion und da wir eh fast jeden Tag Kaffee trinken waren, nahm das ganze mehr und mehr Konturen an. Irgendwann haben wir dann einen Stapel Shirts gekauft und die fairliebt. GbR gegründet.

Und nun produziert ihr „faire“ klamotten?
Genau. Die Shirts von fairliebt. werden in Kenia unter zertifizierten Bedingungen aus Biobaumwolle produziert.

Ist denn fair nicht sowieso gleich Bio?
Das kann man so nicht sagen. Die Textilproduktion besteht ja aus vielen Arbeitsschritten. Von der Pflanze zum Garn zum Stoff zum fertigen Kleidungsstück. Grundsätzlich kann man sagen, das „fair“ bedeutet die Arbeitsbedingungen zu kontrollieren, „bio“ den Verzicht auf chemische Dünger, Färbemittel etc. Aber es stimmt schon, diese beiden Sachen als identisch wahrgenommen werden könnten. Gerade in den letzten Jahren sind viele tolle Labels, Läden und Projekte in dem Bereich gegründet worden die den konsequenten Weg „bio+fair“ gehen. Es gibt mittlerweile ein großes Spektrum an Möglichkeiten, dem Klamottenkauf eine ethische Komponente zu verleihen, mit ganz unterschiedlichen Konzepten.

Slowmo zum Beispiel lassen ihre Kollektion in Berlin aus Biobaumwolle produzieren. Zuendstoff bietet über den Onlineshop tolle Eco-Labels aus der ganzen Welt. Wenn man korrekt einkaufen will, kann man ganz grob zwischen den Produkteigenschaften Bio, fair, recycled und sozialverträglich unterscheiden.

Bio bezieht sich auf die Stoffe, ihre Produktion. Fair meint fairen Handel, also Abnahmepreise über dem Weltmarkt, langfristige Lieferbeziehungen. Recycled erklärt sich wohl von selbst. Und sozialverträglich meint eine Produktion in einem zertifizierten Betrieb, So kann man beispielsweise in China produzieren lassen, aber sicherstellen, das Arbeitnehmerrechte eingehalten und ausreichende Löhne gezahlt werden.

Wie wirkt sich das auf den preis der produkte aus? Im supermarkt hat man das gefühl, sobald ein ein „bio/öko“ siegel auf der verpackung klebt, ist die banane gleich mal doppelt so teuer. Ist das bei klamotten auch der fall?
Nee, das kann man so nicht sagen. Grade bei Klamotten gibt es ja viel mehr Faktoren die den Preis beeinflussen. Es liegt immer daran wo man den Vergleich sucht. Ein Shirt für 5 Euro gibt es bei den gängigen „Öko“-Anbietern wohl nicht, aber auch bei den einschlägigen Skate-Street-Style-etc Labels kosten die Shirts ja um die 30 Euro. Einfach mal gucken, viel teurer ist es nicht und Sonderangebote findet man immer.

Seit einiger zeit habt ihr einen  blog über „korrekte klamotten“. Was hat es damit auf sich?
korrekte-klamotten.de ist ein Multiblog der Mitte 08 gegründet wurde. Der Kreis von Projekten die korrekte Klamotten anbieten ist ja in Deutschland recht überschaubar, daher läuft man auf den einschlägigen Veranstaltungen immer denselben Nasen über den Weg. Da es im Grunde keine Konkurrenz gibt, haben wir dann überlegt wie man sich gut vernetzen kann. Daher die Idee einen Multiblog zu schreiben. Jedes Label, jeder Laden schreibt einen eigenen Blog, durch die verschiedenen Anbieter wird die Seite aber für viel mehr Menschen interessant. Und jedes Projekt kann über die Kommunikation seine eigene Idee von „korrekten Klamotten“ kommunizieren ohne sich auf einen Presse/Info-Text zu beschränken.

Ist dieser Blog denn auch für den normalen käufer/verbraucher interessant?
Absolut. Das war einer der Grundgedanken hinter dem Projekt. Das man die Kommunikation halt nicht auf die eigene Internetseite beschränkt, sondern eine weitere Möglichkeit hat mit interessierten Menschen in Kontakt zu kommen. Und wenn wir zum Beispiel mit fairliebt. neue Shirts bringen ist das den wenigsten Medien eine Zeile wert. Und ich bin eh begeisterter blogleser. Also ich mag diese direkte Art der Kommunikation, dass man immer mal was über das Label erzählen kann, was man so macht, was so passiert. Ich find das bei anderen interessant und vielleicht interessiert sich ja auch jemand für uns.

Kann man sagen, dass es in der modewelt einen „öko-boom“ gibt?
Es gibt in der öffentlichen Wahrnehmung definitv einen Boom für „Öko-Mode“ und in den Regalen auch einen Aufholbedarf. Mittlerweile gibt es ja in jedem Supermarkt fairgehandelten Kaffee und die meisten Verbraucher kennen die Vorteile von Biogemüse.

Bei der Kleiderproblematik kennen sich die meisten aber sehr wenig aus. Konventionelle Baumwolle bekommt anteilig den größten Pestizidcoktail ab, man spricht von der schmutzigsten Pflanze der Welt. Und wenn dann der Garn gesponnen und der Stoff gefärbt wurde, geht es weiter in Sweatshops mit miserablen Arbeitsbedingungen. Man muss den Teufel gar nicht an die Wand malen um die Bedingungen in der Textilindustrie abzubilden, das geht auch so.

Woher dieser Boom?
Nach anderen Bereichen wie Nahrungsmitteln fordern die VerbraucherInnen nun auch bei ihrer Kleidung mehr Transparenz. Man will wissen was man anzieht, wo das Geld hingeht und wer hinter dem Label steht. Immerhin machen die Produktionskosten eines Bekleidungsstückes oft nur einen Bruchteil des Preises im Laden aus. Dennoch wird um jeden Cent in den Fabriken gefeilscht. Mittlerweile haben nun viele Firmen und Unternehmer begriffen, dass der Mehrwert einer fairen Produktion mehr bedeutet, als ein paar Cent mehr auf dem Konto. Die Sweatshopproblematik, also die Produktion in Billiglohnländern, ist ja nicht erst gestern entstanden. Grob gesagt, begann die Auslagerung der Produktion Anfang der 80er Jahre und fand immer mehr Anhänger. Die Produktionskosten konnten immens gesenkt werden, wodurch Kapital frei wurde für verstärktes Marketing und ähnliches. Ehemals klassische Sportmarken konnten sich völlig neu mit coolem Image positionieren.

Mitte, Ende der 90er formierte sich dann eine Globalisierungskritische Bewegung die seitdem viel durchgemacht hat und die Stossrichtung ihrer Kritik in weiten Teilen konkretisieren konnte. Aber auch schon damals wurden Produkten aus sogenannten Sweatshops stark kritisiert und abgelehnt. Sweatshops zeichnen sich aus durch unsichere, schlechte Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne und oftmals fehlende Arbeitsverträge. Die Konsumenten begannen auf mehr auf dieses Thema zu achten, fragten nach wo ihre Kleidung produziert wurde.

Ist das der grund, wieso American Apparel durch „Sweatshop-free“ so viel erfolg hat?
Ja, sicherlich. Die haben halt als erste den Begriff „Sweatshop-free“ geprägt. Viele Bands fingen dann an ihre Merch-Sachen auf AA zu drucken und da eine Zeitlang AA als Speerspitze einer „guten“ Produktion galt, schrieben die Bands dann dazu: „Printed on AA“. Sowas ist halt schon gute Werbung. Das eigentliche Ding bei AA ist aber, das man es sich mit niemandem verscherzen möchte. Auf der einen Seite die „wie-auch-immer-alternative“ Kundschaft in den Läden, auf der anderen Seite Auftragsarbeiten für Kunden die „Made in U.S.A“ schätzen. In der Brand Eins gab es kürzlich einen guten Artikel zu dem Thema den ich einfach mal empfehlen möchte.

Glaubst du in der zukunft an einen sinneswandel auch bei den ketten wie H&M & co?
Mhm, hoffe ja, glaube nicht. Gerade eben wurde im Report Mainz ja noch über einen Produktionsort von H&M berichtet, in dem Arbeiter zum Teil Tagelang durcharbeiten mussten, geschlagen wurden, einen Hungerlohn für ihre Arbeit bekommen. Und dies alles vor dem Hintergrund das H&M sich rühmt, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen. Sollten die Unternehmen nicht ganz massiv ihre Bemühungen ausweiten, ihre Zulieferer dauerhaft und nachvollziehbar zu kontrollieren, sehe ich da wenig Möglichkeiten.

Ein großes deutsches Modehaus hat jetzt eine Kollektion aus Biobaumwolle gebracht, die zum selben Preis wie die üblichen Artikel in den Läden stehen. Dazu werden diese Teile quersubventioniert. Mhm. Ich mein, das Unternehmen wird ja einen Grund für ihre Gewinnmargen haben. Wenn nun quersubventioniert wird, klingt das für mich nicht, nach einem dauerhaften Engagement. Und man darf die Dimensionen da auch nicht vergessen. Der Anteil von ökologischer. Baumwolle an der weltweiten Produktion beträgt etwa 0,1%. Bisher ist das Thema als nur in den Medien, aber noch nicht am Markt angekommen.

was magst du den lesern zum schluß noch mitgeben?
Guckt auf die Internetseite was es da alles tolles gibt! Oder kommt einfach in Hamburg vorbei und trinkt nen Kaffee mit uns. Und wenn der nächste Kleidungskauf korrekt ist, dann ist das auch super.

15.11.2008 // andre
 

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