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freizeit98interview mit allen

Hallo, Markus, Andi und Gerhard. Ich hoffe es geht euch gut. Da am 09.06. euer Debütalbum erscheint wollten wir euch gern ein Paar Fragen stellen.
Euer Album, "Soul in Helsinki" wird gerade von den kompletten Rote Raupe Redakteuren rauf und runter gehört. Wie kam es zu dem Namen?
Es gibt eine finnische Kneipe in Augsburg, die Helsinki Bar heißt. Hier haben wir uns zum ersten Mal mit unseren Labelchefs von Milchmann Records getroffen. Zudem reizen uns immer wieder Lebensstil und Flair der skandinavischen Länder. Mit Soul können viele zuerst nichts anfangen und stellen sich meistens zuerst Whitney Houston, Mariah Carey oder ähnliches Gesäusel vor. Bei genauerer Durchwühlung des Archivs stellt man aber fest, dass die frühen 60s Soul Sachen genauso treibend wie vielschichtig sind und letztendlich viele Musikgenres beeinflusst haben. Diese Eigenschaften sowie die Tatsache, dass man den Begriff Soul nicht gerade mit einer deutschsprachigen Elektropop-Band verknüpfen würde, haben uns sehr gut gefallen. Und die kontroverse Kombination klingt doch auch ganz interessant, oder?

Ein Lied auf Eurer Cd heißt "Trampolin". Im Grunde vielleicht ein versteckter Titeltrack, da man bei allen Liedern das Gefühl hat, dass ihr gleich durch die Decke geht und den großen Sprung in die Herzen der Hörer wagt.
Das ist schön, wenn das so rüberkommt. Wir versuchen schon sehr eingängige und dynamische Stücke zu machen. Allerdings immer mit dem Augenmerk darauf, im richtigen Moment den richtigen Misston zu treffen, das Ganze tanzbar verwebt mit dem gewissen prüfenden Unterton - das Motto, welches uns auszeichnet, denke ich.

Eure Liebe zu den Pixies ist ja kein Geheimnis. Durch welche Bands wurdet ihr noch sozialisiert?
Wir selbst stellen immer wieder fest, dass wir - relativ gesehen - eher wenige deutschsprachige Bands hören. Markus hat Modest Mouse, Air sowie sehr gerne 60s French Pop in der Dauerrotation. Andis Lieblingsbands der letzten Jahre sind Guided by Voices, die Smiths und Mazzy Star. Gerhard steht u. a. auf Sonic Youth, Mogwai, 65daysofstatic, Turbostaat oder auch Coheed & Cambria, Zeke...(an dieser Stelle sollte die wohl endlose Aufzählung unterbrochen werden). Manchmal wird's mit ihm aber auch richtig anstrengend, wenn er mal wieder die Finger nicht von den Abba und Queen CDs lassen kann.

Euer Album habt ihr mit Hilfe von Tobias Siebert, der unter anderem auch bei "Delbo" spielt, aufgenommen. Könnt ihr bitte erklären wie es dazu kam?
Wir haben früher immer versucht, alles selbst zu machen. Vom Songwriting bis zum fertigen Song, von den Aufnahmen bis hin zum Artwork. Irgendwie waren wir aber nach unseren zwei inoffiziellen EPs an einem Punkt angelangt, an dem wir uns mit den eigenen Produktionen in einer Sackgasse wieder fanden. Wir wussten, eine Stufe weiter geht's nur, wenn wir ein passendes Tonstudio finden. Tobi ist diesbezüglich ja kein Unbekannter, und da wir seine Arbeiten für die klez.e- und delbo-Platten sehr mochten, war für uns klar, dass wir unbedingt mit ihm zusammenarbeiten wollten. Es klingt schon etwas paradox extra für die Aufnahmen in ein Tonstudio nach Berlin zu fahren. Letztendlich hat es sich aber für uns gelohnt und es war eine tolle Erfahrung für die Band, gemeinsam so konzentriert und intensiv an etwas zu arbeiten. Zumal Berlin ja eine Wahnsinnsstadt ist, deren Atmosphäre bestimmt auch irgendwie ihren Teil zum Album beigetragen hat.

Stimmt es, dass die "Beatsteaks" ein Konzert in eurem Bandraum gespielt haben?
Die Fußabdrücke vom Konzert sind jetzt noch an unserer Decke :) Das war echt ein Hammerabend, zu dem es durch einen VISIONS Videowettbewerb kam. Es sollten Gründe angegeben werden, warum die Beatsteaks ausgerechnet bei dir zuhause spielen sollten. Mit ein paar Freunden haben wir an einem Sonntagnachmittag ein paar Argumente filmisch festgehalten. Die Beatsteaks waren begeistert, obwohl sich später herausstellte, dass wir beim Überspielen auf die VHS Kassette aus Versehen mit "Long Play" aufgenommen hatten. (Ja, das ging früher, wer's nicht mehr kennt…) Das Ergebnis war, dass die Beatsteaks das ganze in doppelter Geschwindigkeit verabreicht bekamen, es aber trotzdem super fanden.

Letztens habe ich folgenden Satz über Euch gelesen: "Die Jungs klingen für ihr Alter schon recht erwachsen und können durchaus mit Bands wie ‚Sportfreunde Stiller' mithalten, wobei ich denke, dass sie mit dem ein oder anderen Song sogar schon weiter sind als die Sporties je kommen werden." Was haltet Ihr davon?
Vergleiche mit den Sportfreunden kommen häufiger auf. Ich denke aber, dass es bis auf die Drei Mann-Besetzung und die deutschen Texte eher wenige Gemeinsamkeiten gibt. Die Sportfreunde produzieren definitiv für die Masse, was ihr aktuelles Album anlässlich der Fußball-WM durchaus bestätigt, wohingegen wir uns als "Indieband" verstehen und dies auch bleiben wollen. Mit dem Mainstream wollen wir eigentlich in keiner Weise etwas zu tun haben; zwei Drittel der Band haben ja bereits einen Beruf. Ob man unsere Songs ausgefeilter oder komplexer findet, dies bleibt den Verlieben des Hörers überlassen. Dem einen dies, dem anderen das.

In einem kleinen Nest aufzuwachsen ist sicher nicht immer lustig. Da Ihr jetzt (durch Touren, etc.) eine Weile von dort weg gewesen seid, wie fühlt es sich dann an wieder zurückzukommen?
Es macht auf alle Fälle immer wieder Spaß durch die Lande zu tingeln, nach 14 Tagen tut es aber auch gut, die heimischen Pforten zu erreichen. Schade ist, dass "auf dem Land" oft von den selbsternannten Großstädtern mit "abseits des wahren Lebens" gleichgesetzt wird. Wie auch immer, als deutschsprachige Elektropop-Band haben wir es in unserer Region nicht gerade leicht. Viele Leute hören Heavy Metal, heiraten und dann hören nur noch Bayern 3 oder Antenne Bayern.

Was ist Euch besonders wichtig wenn ihr Lieder schreibt, und wie läuft dieser Prozess bei Euch ab?
Wir entwerfen viel und verwerfen dann auch wieder viel. Hat man erstmal einen gewissen Abstand zu einem neuen Song und bemerkt dann eine Stelle oder einen Teil, der nur mäßig ist, muss dieser sofort überarbeitet oder auch der komplette Song verworfen werden. Ein gutes Stück muss auch nach dem fünfzigsten Mal live spielen noch Spaß machen. Das ist eigentlich die Quintessenz. Ein Song entsteht dann so, dass Markus die Basis zusammen mit den elektronischen Sounds entwirft. Strukturen, Bassläufe und Schlagzeugbeats arbeiten wir dann im Kollektiv aus.

Zudem legt Ihr viel Wert auf die elektronische Untermalung Eurer Songs. Wann entstehen diese und wer zeichnet dafür verantwortlich?
Die Elektrosachen entstehen auf Markus' Rechner und bereits im Grundstadium jedes Songs. Für uns ist die Elektronik sehr wichtig, denn sie ist entscheidend für die Individualität jedes Stücks.

Wie fühlt ihr Euch im Angesicht des Release Eures Debütalbums?
Es ist schon ein gutes Gefühl, die ganze Entwicklung der Band, die Zeit, die wir investiert sowie den Aufwand, den wir im Studio und mit dem Artwork-Design betrieben haben, nun im kompakten 12x12cm Klappkarton-Format vor sich zu haben.

Was plant Ihr für die Zukunft?
Wir planen für das Album im Herbst eine Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Bis dahin ist aber noch etwas Zeit und somit für uns die Gelegenheit, bereits an neuen Stücken weiterzubasteln. Wenn alles gut läuft, so hoffen wir Anfang nächsten Jahres wieder im Radio Büllebrück-Studio aufnehmen zu können.

Irgendwie stelle ich diese Frage immer, daher wundert Euch nicht. Wie wichtig ist für Euch Kaffee?
Eine Tasse am Tag und du wirst garantiert 110! Da fällt mir ein, ich muss noch so einen Riesenpack Kaffepads bei eBay bestellen, für die Senseo-Maschine in unserem Proberaum…

Gibt es noch irgendwas, dass ihr den Rote Raupe Lesern mitteilen wollt?
Monokel mit Schnauzbart in Kombination ist wieder stark im Kommen!

07.06.2006 // tore
 

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