HerrenmagazinInterview mit Rasmus Engler
Die obligatorische Frage nach dem Empfinden, welches ja gerade nach dem Release nach dem ersten Album besonders euphorisch sein müsste, oder?
Um ganz ehrlich zu sein, hat sich zumindest für die Rhythmusgruppe, die diese Fragen beantwortet, durch die ständigen Verschiebungen des Veröffentlichungstermins eine gewisse Distanz zum Album aufgebaut. Die Reaktionen in der Presse sind zwar überwältigend und auch sonst ist das feedback fast durchgehend sehr positiv – aber für uns zählen doch momentan mehr die anstehenden Konzerte und die ganzen neuen Lieder, an den wir gerade arbeiten.
Mal ehrlich, wie langweilig sind eigentlich solche Albumaufnahmen? Ich meine, man sitzt ja die meiste Zeit rum, während die anderen ihre Parts aufnehmen. Wie habt ihr euch die Zeit vertrieben?
Die Langeweile hielt sich in Grenzen, immerhin waren ja alle vier Mitglieder der Band die gesamte Aufnahme über zumindest in Berlin. Wir haben im Internet beispielsweise den sehr lustigen Fischereifernsehexperten Bill Dance aus Amerika kennen gelernt oder das kulinarische Angebot im Siebertkiez erkundet. Mit Tobi (Siebert) wird es ohnehin niemals fad, unglaublich, der Mann! Er hält sich zudem einen Stamm von Leuten, die ständig im radiobullebrueck-Studio rumhängen und vorgeben, wichtige Aufgaben zu erledigen. So ist er nie allein.
Mal ehrlich, wie spannend sind eigentlich solche Albumaufnahmen? Ich meine, man sitzt da mit dem Instrument in der Hand und spielt und spielt und weiß, dass das Ergebnis auf Cd gepresst wird.
Ob und wann das Ergebnis mal auf einen Tonträger kommt, ist für den Moment der Aufnahme eigentlich unerheblich, man ist - vor allem mit unseren musikalischen Fähigkeiten - ausreichend damit beschäftigt, sich auf einen einigermaßen fehlerfreien take zu konzentrieren. Auch hierbei kam uns die endlose Geduld und das unerschütterliche Gemüt des Tobias Siebert zugute.
Und dann ist das Album fertig und wird von allen Seiten gefeiert! Bis dahin hat es aber lange gedauert. Wie war das bei euch zu Beginn? Wie waren die ersten Konzerte als Band und wie kamt ihr dazu?
Zu Beginn haben wir bei Deniz’ Mutter im Keller vor der Sauna geprobt und eben so vor uns hingewurschtelt. Wie es zu den ersten Konzerten kam, ist uns nach wie vor schleierhaft. Irgendwer muß wohl gefragt haben. Wir sind dann recht sorglos zu den Konzertorten gefahren und haben da eben so gespielt. Da nur wenige Leute kamen, waren wir recht entspannt.
Und dann ging es doch irgendwie schnell, oder? Erst der Verlagsdeal und dann der Vertrag mit Motor.
Beides entstand jeweils, nachdem Leute, die eben in der entsprechenden Position waren, auf Konzerten von uns auftauchen. Da nur wenige Leute kamen, waren wir recht entspannt... Der Vertrag mit Motor stand ein wenig länger im Raum, und als wir ihn dann unterzeichnet hatten, ging es recht schnell in Studio. Nachdem die Aufnahmen beendet waren, passierte erstmal eine Weile gar nichts. Und jetzt geht es weiter.
Euer Debütalbum „Atzelgift“ beinhaltet genau die Schrammelgitarren, auf die man gewartet hat. Einfachheit trifft auf Kanten trifft auf Ecken trifft auf durchdachte Songs. Und das ist wahrscheinlich der Punkt, warum „Atzelgift“ so gut funktioniert, denn hinter dem schlichten Grundgefühl den die Musik hinterlässt, verbirgt sich doch ein cleveres Songwriting. Wie nehmt ihr das selbst wahr?
Das Songwriting folgt keinem bestimmten Konzept. Wir können ja nur tun, wozu wir in der Lage sind und was uns gefällt. Deniz hat manchmal Probleme, gewisse Akkordfolgen zu spielen, weil er der Auffassung ist, dass man „das nicht machen“ könne. Meistens kann man ihn jedoch noch überzeugen.
Und dann natürlich die Texte. Irgendwie Parolenfrei, und dennoch mit diesen Sätzen versehen, die man am liebsten laut in die Welt hinausschreien will. Für mich wirken die Texte wie die Tagebucheinträge für die Tage die jeder hat. Universell auf einer Weise und doch mit einer persönlichen und eigenen Sprache versehen. Auch hier würde mich interessieren, wie ihr alle das selbst seht?
Aber das können wir doch nicht beurteilen! Die Texte entstehen für jede Laus, die uns über die Leber läuft. Und Deniz’ Texte unterscheiden sich sicherlich von Rasmus’ Texten, inhaltlich wie sprachlich. Aber wenn bestimmte persönliche Erfahrungen so verarbeitet werden, dass die Texte im Endeffekt „universell“ interpretierbar sind, dann ist das doch ganz schön so. Auch wenn es abgedroschen klingt.
Der Hamburger Bandjungle sei unübersichtlich, habe ich irgendwo gelesen. Wollt ihr vielleicht ein wenig Licht ins Dunkel bringen und ein paar Bands nennen, die größere Aufmerksamkeit verdient hätten?
Die momentan beste Band ist zweifelsohne xrfarflight, die soeben ihr wirklich phantastisches Debut-Album veröffentlicht hat. Ein begnadetes Duo, das vor allem live überaus phantastisch ist. Des Weiteren freuen wir uns auf die Platte von Flo Fernandez, doch wo bleibt sie? Höret außerdem The Sea, faraday und Honeyheads.
Kurz und schmerzlos eine Frage zum Schluss: Welches Verhältnis habt ihr zum Kaffee?
Deniz trinkt in letzter Zeit immer so komischen Granulatkaffee und bietet ihn auch schamlos seinen Gästen feil. Allerdings hat er nicht ganz Unrecht, wenn er meint, dass das Zeug im Endeffekt doch nicht so fürchterlich schmeckt. Stellst Du die Frage jeder Band? Eine gute Frage. Es gibt da auch ein gutes Lied, das hat Jan von Pop-u-Loud-Records mal erzählt, ein Schlager aus den Siebzigern mit dem Refrain „Komm mal vorbei, auf ne Tasse Kaffee“ oder so.





















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