atomicInterview mit rainer marschel
Ihr habt gerade euer zweites Album „Coming Up From The Streets“ raus gebracht. Seid Ihr mit dem Album und den Reaktionen zufrieden?
Rainer: Ja, wir sind sehr zufrieden! Es klingt wie ein Debüt Album und die Reaktionen sind weitgehend positiv! Was will man mehr.
Welche Kritik ist euch wichtiger? Die der Hörer oder die der Presse?
Rainer: Ich höre jedem gerne zu, der sich für unsere Musik interessiert, Geld dafür ausgibt und sich ernsthaft dafür Zeit nimmt. Das respektiere ich. Kritik speziell nehme ich mir aber grundsätzlich nur von Leuten zu Herzen, die mit dem Musik machen in unserem Genre schon mehr erreicht haben als wir selbst.
Es haben sich mit „Magic Daydream“ und „Face in Heaven“ zwei alte Songs der ersten EP „The Big Issue“ aus dem Jahr 2002 auf das aktuelle album geschlichen. In wie weit kann man „The Big Issue“ noch mit dem aktuellen Album vergleichen?
Rainer: Diese Songs habe ich geschrieben als ich gerade einmal ein Jahr Gitarre gespielt habe und beide wurden damals in weniger als einen Tag komplett produziert. Das war günstiges Homerecording um schnell eine Demo CD fürs Booking zu machen. Beide Songs blieben jedoch über die Jahre hinweg frisch und sehr beliebt. Es war auch so das damals unsere "The Big Issue" EP sich im Eigenvertrieb wie warme Semmeln verkaufte und für viel Furore sorgte so das es später viele als unser Debüt Album angesehen haben aber es war ja nur eine Demo CD und deswegen wären wir ja dumm gewesen solch tolle Lieder nicht endlich einmal amtlich aufzunehmen und offiziell zu veröffentlichen. Was hiermit geschehen ist und wir sind sehr froh darüber.
Nach dem Debutalbum „Wonderland Boulevard“ gab es eine komplett neue Besetzung. Was hat sich an der Arbeit des neuen Albums dadurch geändert?
Rainer: Bei "Wonderland Boulevard" war es bei den Aufnahmen so das ich die Songs geschrieben habe und diese meist uneingeprobt ins Studio gebracht wurden und dann wurde das beste versucht daraus zu machen. Intensives proben für den Studioaufnahmen gab es im Vergleich zu "Coming Up From The Streets" eigentlich nicht. Bespielsweise wurden die drei Tracks "Monkey Fingers", Devil May Cry" und "(You´ve Got) The Shining" an zwei Abenden mit der Band eingeprobt und am 3. Tag im Studio aufgenommen und ja, es lief sogar aussergewöhnlich gut für solche Vorraussetzungen. Bei den anderen Tracks war es wirklich so, ich kam mit den Songs ins Studio, dann zeigte ich den anderen dort die Lieder und wir machten das Beste daraus ohne sie wirklich intensiv eingeprobt zu haben. Es wurde damals viel improvisiert und experimentiert, in verschiedenen Studios aufgenommen, mit verschiedenen Produzenten etc. Natürlich war das alles auch der Grund warum das Album sich nie wie ein Debüt Album anfühlen konnte. Es war ein echt gutes Album mit einigen tollen Hits wie "Monkey Fingers", "(You´re) A Shining Star" oder "The Shelter" aber hörte sich wie ein 2. Album an. "Coming Up From The Streets" ist einfach so entstanden wie gewöhnlich Debüt Alben entstehen. In nur einem Studio mit nur einem Produzenten, man probt Songs ein Jahr lang intensiv zusammen ein, spielt sie vorher live etc. etc. Es gab auch keine Bandmitgliedswechsel. Aber das war mir von Anfang an klar das es so laufen wird.
Atomic bestehen ja bekanntlich auf 5 Leuten, aber in der Presse liest man immer nur von den „Marschel-Brüdern“. Wie sehen das die anderen drei Atomic´s?
Markus: Ich habe mir da noch nie etwas dabei gedacht. Ich finde das ganz normal, schliesslich sind die beiden schon seit knapp einem Jahrzehnt in dem Geschäft und haben Atomic aufgebaut. Ausserdem ist der Thomas unser Frontmann und über den wird doch bei Bands ohnehin meistens berichtet. Und wenn der Frontmann dann auch noch zufällig einen Zwillingsbruder hat - der auch noch in der Band spielt - dann macht das die Sache doch noch viel interessanter. Daniel: Für mich ist das okay, schließlich weiß wohl jeder, dass eine Band nur funktionieren kann, wenn alle Mitglieder 100%ig von ihrem Tun überzeugt sind. Wir sind ungefähr so wie ein gutes Fußballteam - jeder Mann ist wichtig, aber der Torwart schießt im Normalfall nun mal keine Tore. Holger: Das ist eigentlich recht einfach zu erklären, da ja die Marschel-Brüder den "harten" Kern bilden, nachdem es ja immer wieder Wechsel in der Band gab, weil es einfach nicht passte und weil sie ja auch Gründer der Band sind. Ausserdem stehen die beiden sehr oft mit Medienkontakten in Verbindung und leisten erwähnenswerte Arbeit ausserhalb der Tätigkeit auf der Bühne oder im Studio. Aber ich persönlich finde, dass in den neueren Reviews doch eigentlich ziemlich oft auch auf die anderen Bandmitglieder eingegangen wird, da die Medien jetzt vielleicht auch merken, dass diese Besetzung jetzt fruchtet.
Seit ca 2 Jahren steht eure jetzige Besetzung. Davor war allerdings ein reger Wechsel innerhalb des atomischen Gefüges zu beobachten. Was war da los?
Rainer: Was da los war? Ich könnte ein kultiges Buch darüber schreiben. Ihr würdet es aber eh nicht glauben. Ins Detail zu gehen würde den Rahmen dieses Interviews sprengen aber lass es mich so erklären: "Da waren einige Typen zur falschen Zeit am falschen Ort, haha." Oder warte mal, das Ganze ist mittlerweile witziger als trauriger. Jemand ist mal bei uns ausgestiegen weil er unbedingt mit seiner Freundin einen Brettspielladen in Thailand eröffnen wollte. Er meinte das ernst. Wir haben den Abschiedsbrief heute noch von ihm zu Hause liegen. Weniger witzig war, dass ein anderes Mitglied einen Heroinrückfall hatte und somit mussten wir uns von ihm trennen. Es war so, in Furth im Wald gibt es eine Entzugsanstalt für Abhängige jeglicher Art. Wir hatten dort damals zufällig jemand kennengelernt, der sehr gut Schlagzeug spielen konnte jedoch Ex-Junkie war. Wir waren damals sehr jung und haben uns nicht viel dabei gedacht, hauptsache war das wir einen Schlagzeuger hatten. Als er aber den Rückfall hatte und sich ebenso in unseren 19-jährigen Gitarrist verliebt hatte ;-) gings eben nicht mehr weiter. Ein anderer Gitarrist zu dieser Zeit ist nach unserem ersten Konzert ausgestiegen mit den Worten "Ich glaube, Atomic wird doch eh nie was reissen." Er schämt sich heute noch dafür und ist danach auf keiner Bühne mehr gestanden. Jetzt weisst du was los war. Das war die Geschichte (in der Kurzfassung) der ersten Besetzung. Was meinst was da sonst noch alles danach los war. :-)
Wenn die Presse von Atomic berichtet, wird im selben Atemzug „Oasis“ genannt. Wie steht Ihr heute noch zu diesem ständigen Vergleich?
Rainer: Ich könnte mir schlimmeres vorstellen. Stell Dir vor jemand vergleicht dich ständig mit Phil Collins, Joe Cocker oder den Puhdys.
In letzter Zeit konntet Ihr auf einigen Supportshows für die „Babyshambles“ und „Sportfreunde Stiller“ aufspielen. Wie war es vor einem großen Publikum zu spielen und wie war die Resonanz?
Rainer: Die Resonanz war natürlich riesengross. Der Rolling Stone druckte z.B. ein Feature in die Ausgabe (März 2008) "Atomic mit Pete Doherty auf Österreich Tour". Aber auch mit den Sportfreunden Stiller war es sehr angenehm als Support zu spielen. Wir hatten überall ein tolles Publikum erlebt!
Furth im Wald (9300 Einwohner, Bayerischer Wald) gehört nicht gerade zu dem Musikhauptstädten. Hattet Ihr schon mal an einen Umzug nach Berlin oder Hamburg geplant? Oder kommt das für euch nicht in Frage?
Rainer: Nein, daran haben wir bisher nie gedacht weil uns dadurch kein Vorteil bewusst war. Wir sind ja gerade deshalb einzigartig und in unserer bayerischen Heimat fühlen wir uns wohl und das kann auch sehr inspirierend sein. Gute Musik kommt auch vom Dorf! Es ist echt sowas von egal ob Hamburg, Berlin oder Furth im Wald. Gute Bands können überall entstehen. Ausserdem können wir Atomic hier von Furth im Wald aus definitiv besser organisieren und managen als wenn wir in Berlin wohnen würden. Wie das im Detail aussieht würde den Rahmen dieses Interviews sprengen.
Auf was darf man sich in Zukunft freuen?
Rainer: Auf sehr viele Konzerte in ganz Deutschland und Österreich. Wir sind bekanntlich immer fleissig am touren. Desweiteren haben wir kürzlich angefangen neue Songs zu schreiben. Den ein oder anderen wird man sicherlich im laufe des Jahres bei den Konzerten hören können. Seid gespannt!
Stichpunkt: Festivals. Sieht man euch bei dem einen oder anderen Festival auf oder vor der Bühne?
Rainer: Na sicher! Auf der Bühne z.B. beim Bochum Total und vor der Bühne unter anderem Rock im Park vor der Alternastage.
Zum Schluss noch eine Sportfrage: Wer wird Europameister 2008?
Rainer: Wenn Du Fussball meinst: Deutschland natürlich! Thomas: Deutschland und wenn wir das schlechteste Team hätten würde ich das Gleiche sagen! ;-) Ansonsten könnte Portugal gewiss nochmal gross zuschlagen oder Spanien auch endlich mal eine grössere Rolle bei einem Turnier spielen. Markus: Schliesse mich da den Brüdern an. Holger: Türkei! ;-) Daniel: Österreich .... ne, Schmarn, Deutschland natürlich! ;-)





















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