Gisbert zu KnyphausenInterview mit Gisbert zu Knyphausen
Hallo Gisbert und Glückwunsch zu deinem sehr gelungenen Debütalbum. Wie fühlt sich das für dich an, so eine Cd in Händen halten zu können, die auch noch über Pias veröffentlicht wird?
So ganz zu mir durchgedrungen ist es noch nicht. Die Promo-CD in den Händen zu halten und zu wissen, dass das bald in die Läden kommt, war schon ein abgefahrenes Gefühl. Wie es dann ist, meine CD auch im Laden stehen zu sehen, darauf bin ich gespannt. Auf jeden Fall ist das alles jetzt schon ein schöner Traum, der wahr geworden ist.
Du beginnst dein Album mit dem Lied „Neues Jahr“ und den Worten: „Es ist 12, ich bin gespannt was sich ändert.“ Das könnte man durchaus auch auf deine Situation als Musiker beziehen. Daher die Frage nach den Veränderungen die so eine Albumveröffentlichung nach sich zieht.
Die grösste Veränderung ist wohl die, dass ich durch die Veröffentlichung und die damit verbundene Promo (mit Interviews und meinen Fotos in der Musikpresse) zu einer mehr oder weniger öffentlichen Person werde. Das ist ne komische Sache, die ich eigentlich auch nicht so gerne mag, die sich aber zum Glück bei der Musik die ich mache auch in Grenzen halten wird. In der Position eines Musikers wie Grönemeyer zum Beispiel, der überall auf der Strasse zugequatscht wird, will ich nicht sein. Ganz anders ist das natürlich, wenn ich auf der Bühne stehe und singe, das macht mir Spass, aber abseits der Bühne will ich lieber nicht zuviel über den ganzen Quatsch reden ;-) Womit wir auch schon bei der nächsten Veränderung sind: Ich werde um einiges mehr unterwegs sein, in der nächsten Zeit, sehr viel live spielen und darauf freue ich mich sehr. Ansonsten ändert sich glaube ich nicht soviel. Ich hab mich mit der Veröffentlichung dazu entschieden, mein Musikerleben ein bisschen ernsthafter zu verfolgen und den Grossteil meiner Zeit darauf zu verwenden.
Du hast im Grunde zwei musikalischen Seiten die du ausleben kannst. Einmal die Ruhige, in der du nur deiner Gitarren und deinen Texten vertraust. Die andere ist die, bei der du von einer Band im Hintergrund unterstützt wirst und bei der es auch mal lauter zu Werke geht. Kannst du für dich eigentlich sagen welche Seite dir am besten gefällt?
Welche Seite mir besser gefällt kann ich nicht sagen, beide haben ihren eigenen Reiz. Seinen Anfang nimmt es immer mit Gitarre und Text und so trete ich live ja auch oft auf, aber irgendwann sehne ich mich dann immer nach mehr musikalischer Vielfalt und Interaktion mit anderen Musikern. Ich will ja nicht nur Texte mit Musik unterlegen, sondern auch gute Songs schreiben, wo man auch mal die Musik hören kann ohne auf den Text fixiert zu sein. Das geht besser mit Band, finde ich.
Manche Lieder auf deinem Album sind dem ein oder anderem ja noch von den Omaha Records Samplern oder deiner Doppel Cd bekannt. Daher fällt auch sofort die Weiterentwicklung der Songs auf. Als Beispiel könnte man „Kleine Ballade“ nehmen, das früher durch die behutsame Zerbrechlichkeit der gezupften Gitarren und deinen Worten zu der Liebe beeindruckte. Dieses Lied wird jetzt sachte von deiner Band unterstützt und erhält so zusätzliche Klasse. Wie schwer war diese Umsetzung von Solo auf Band? Hast du der Band Vorschläge gemacht, was sie spielen soll, und wie lange hat dieser Prozess gedauert?
So schwer war die Umsetzung eigentlich gar nicht. Ich habe den Leuten meine Lieder vorgespielt und vage Vorschläge gemacht und dann haben wir so lange im Proberaum damit rumgespielt bis ich zufrieden war. Das ging aber meistens ganz schnell. Sind ja auch alles gute Musiker :-)
Das Besondere an deiner Musik sind vor allem die Texte, die immer ganz tief schürfen und immer ein bisschen Wahrheit an den Tag fördern. Selten hat man deutsche Texte gehört in denen man sich so schnell wieder finden kann, die aber trotzdem vor Wortgewandtheit strotzen. Ich weiß, die nachfolgende Frage hört ein Musiker ungern, aber dennoch erscheint mir das gerade bei deinen Worte wichtig: Wie entstehen deine Texte?
Es ist nicht so einfach jemandem zu beschreiben, wie ein Text entsteht. Bei mir ist es vor allem ein unglaublich nerviger Kampf mit mir selber. Es gibt ja Leute, die einen sehr hohen textlichen Output haben und dann eigentlich "nur noch" die ungeeigneten Passagen streichen müssen. Mir fliegen die Worte nicht zu und die wenigen die ich aufschreibe versuche ich so lange wie möglich gut zu finden, bevor der grosse Textdiktator in mir hervor kommt und alles in den Mülleimer werfen will. Ich kämpfe gegen meine Selbstzensur und gegen meinen inneren Schweinehund an, der mich auch oft genug daran hindert eine gute Idee auszuarbeiten. Letztendlich fängt es meistens an mit einer Textzeile, die mir gut gefällt und um die herum ich dann den Rest des Textes bastele und versuche herauszufinden welche Geschichte diese Textzeile erzählen will. Bei dem Lied "Kleine Ballade" zum Beispiel fing es an mit der Zeile: "Meine Gedanken schwirren stumm um dich herum. Doch du schickst sie wieder fort." Bei manchen Texten hatte ich aber auch regelrecht einen Drang etwas loszuwerden und auszukotzen, die Lieder waren dann auch schneller fertig. Meistens hab ich diesen Drang aber nicht.
Auch hat man das Gefühl, dass du deine Texte teilweise auf dich beziehst. „Spieglein, Spieglein“ wäre so ein Kandidat. Kann man das so sagen?
Ja, definitiv. Der Ausgangspunkt in meinen Liedern liegt meistens bei mir selbst. Spieglein, Spieglein handelt komplett von mir, es ist ein Tritt in den eigenen Hintern, geschrieben aus der Perspektive eines sprechenden Spiegels.
Wie geht es eigentlich mit Omaha Records weiter? Gibt es demnächst weitere Veröffentlichungen?
Es gibt leider noch keinen richtigen Plan für Omaha-Records, wir müssen mal schauen in welcher Form wir diese Seite weiterführen wollen. Auf jeden Fall aber wird es eine Wiederholung unseres kleinen Festivals geben, das letztes Jahr in Freiburg veranstaltet wurde und mindestens einen Downloadsampler pro Jahr.
Ich könnte mir vorstellen, dass du ohne Kaffee nicht leben könntest. Warum ich das glaube weiß ich auch nicht so recht, aber ich lasse mich gern von dir vom Gegenteil überzeugen. Daher die Frage: Wie stehst du zum Kaffee?
Ich trinke eine ganze Menge Kaffee, aber ohne könnte ich auch leben. Will ich aber nicht.





















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