Scott Matthewinterview mit Scott Matthew
Vor wenigen Wochen kam über Glitterhouse das Debüt-Album von Scott Matthew heraus. Der australische Wahl-New Yorker wird oft mit Anthony Hegarty in einen Topf geworfen. Auch, wenn dieser Vergleich nicht allzu fern liegt, hat er doch seine ganz eigene Art den, nicht immer leichten Kompromiss zwischen Melancholie und Kitsch zu schaffen. Auf seiner aktuellen Tour macht er auch in Hamburg halt. Vor seinem großartigen Konzert im Kampnagel stand er, höchst sympathisch, Rede und Antwort.
Du hast vor kurzem dein erstes Solo-Album veröffentlicht. Im Zentrum deiner Musik steht natürlich und eindeutig dein Gesang. Wann hast du deine Stimme und diese, doch spezielle Art des Gesangs für dich entdeckt. Musstest du dafür eine neue Dimension deiner Stimme offenlegen?
Nein. Es ist im Prinzip das was ich mein ganzes Leben gemacht habe. Meine Musik hatte eigentlich schon immer etwas Balladeskes. Auch meine Texte waren immer irgendwie melancholisch und, auch wenn ich nicht nur Ballenden gesungen habe war meine Stimme doch dem angelehnt. Ich habe Balladen also schon immer geliebt. Es hat nur eine Weile gedauert bis ich akzeptierte, dass das eben die Art Musik ist die ich mache. Denn viele Leute da draußen haben eine tradierte Erwartung an Musik, die in die Richtung von Up-beat, Pop oder rockigeren Sounds geht.
Du hast in den letzten Jahren auch in einer Formation namens Elva Snow gesungen. Deine Stimme war schon nahe an ihrem aktuellen Klang dran. Nur die Instrumentierung und die Strukturen waren um Längen poppiger, als die Songs auf deinem Album. Diese klingen eher nach Kammermusik, nicht zuletzt wegen der Instrumente, wie der Okulele, oder dem Cello. War das eine bewusste Stil-Entscheidung oder einfach Zufall?
Sowohl als auch. Einige Sachen waren schon eine direkte Entscheidung. Andere Elemente kamen einfach deshalb hinzu, weil meine Freunde um mich herum eben solche Instrumente spielen. Aber natürlich hatte ich auch eine Idee wie die Songs klingen sollen. Ich wollte, dass es warm und intim klingt, eben einen organischen Sound. Ich wollte auch so wenig Technik wie möglich benutzten. Ich bin absolut technophob (lacht). Es war mir wichtig, dass alles ehrlich klingt, und um ehrliche Musik zu machen brauche ich ehrliche, also traditionelle Instrumente.
Also habt ihr auch keine Computer bei den Aufnahmen benutzt und auf ein Tonband o.Ä. aufgenommen?
Nein, so weit haben wir es dann doch nicht getrieben! (lacht)
In dem Song "Abandoned" singst du im Refrain: "God it´s weard God it´s strange to be the only one to talk to, /... to be the only one to dance with". Und das ist nur ein Beispiel. Sind alle deine Texte autobiographisch? Wenn dem so ist scheinst du ein sehr, sehr trauriger Mensch zu sein.
(lacht) Vielen Dank! Ja, es ist schon alles autobiographisch. Die Leute fragen mich sehr oft was mit mir los sei, ich sei so deprimiert. Bin ich aber gar nicht. Tatsächlich bin ich ein glücklicher Mensch. Aus irgendwelchen Gründen fühle ich mich aber sehr hingezogen zur Melancholie vor allem wenn ich Musik mache. Ich finde in der Melancholie steckt sehr viel Romantik und ich würde mich selbst als Romantiker bezeichnen. In meinem täglichen Leben bin ich also ein glücklicher Mensch, und so wie jeder andere habe ich meinen Herzschmerz oder es geht etwas in die Brüche, erlebe Verluste oder habe Angst. Ich habe eben einfach entschieden darüber zu singen.
Mit welchem Wort oder welchem Satz würdest du dein Album beschreiben?
Ich bevorzuge das Adjektiv "ehrlich". Ich will ich selbst sein und singen worüber ich möchte und das entsteht aus einem Gefühl von Ehrlichkeit.
Des Öfteren wurdest du mit den Worten: "I´m a quite noise-maker" zitiert. Wer oder was ist der Lärm. Wo steckt er in deiner Musik. Versuchst du vielleicht, einen emotionalen Lärm bei den Zuhörern zu schaffen?
Mh... Das ist auch ein schöner Vergleich. Mit diesem Satz meinte ich eigentlich nur, dass ich nicht das Verlangen habe aufdringlich, dreist oder laut zu sein. Zumindest mit meiner Musik. (lacht) Hin und wieder kann ich schon aufdringlich sein. Auch die Tatsache, dass ich zum Beispiel keine Drums oder Percussion benutze, mich auf ein ruhigeres Level beschränke, schließt dieser Satz ein.
In dem Film "Shortbus" von John Cameron Mitchell hast du sowohl eine Rolle gespielt, als auch Songs zum Soundtrack beigetragen!
Naja, ich habe nicht wirklich eine Rolle gespielt sondern eher mich selbst und auch einige Song dafür geschrieben. Unter anderem auch den Song "In the End" für das Finale des Films. Meine Version des Song ist sowohl auf meinem Album, als auch auf dem Soundtrack. Meine Aufgabe war es einen Song für einen der Hauptcharaktere zu schreiben. Dieser singt ihn am Ende des Films.
5 oder 6 Songs auf deinem Album sind auch schon auf dem "Shortbus" Soundtrack enthalten. Macht es für dich einen Unterschied ob du für den Film oder für dich selbst schreibst? Hattest du das Gefühl dich in die Charaktere hineinversetzten zu müssen, oder entsprach deine Gefühlswelt in gewisser Hinsicht ohnehin den Rollen und dem Thema des Films?
Es hat schon alles gepasst. John mochte meine Musik, und es gab schon eine Verbindung zwischen meiner Art von Musik und dem, was er sich für seinen Film vorstellte. Für mich selbst war es natürlich schon etwas komisch, denn ich war einer anderen Art von Kritik ausgesetzt. Ich kam mit meinen Songs und hörte mir an was sie dazu zu sagen hatten. Nicht, dass ich nicht gern Kritik annehme, aber es war schon etwas aufregend, und ich war sehr nervös. Aber es ist ja alles gut gegangen. Gott sei Dank!
Passen die "Shortbus" Songs und die später geschriebenen trotzdem für dich zusammen? Ist das Album trotzdem ein großes Ganzes?
Das bin schon alles ich. Für die "Shortbus" Songs bekam ich vorher das Skript und habe mich davon inspirieren lassen. Ich hätte diese Songs auch nicht schreiben können wenn es etwas anderes gewesen wäre als ich sonst mache.
Einer der Protagonisten im Film sagt, dass das Schöne an New York sei, dass die Menschen die in diese Stadt kommen, alle nach Vergebung für irgendetwas suchen. Was war für dich der Grund von Australien nach New York zu ziehen?
Ich bin in Australien aufgewachsen, hatte aber nie das Gefühl dort hinzugehören. Ich war irgendwie gelangweilt und wollte etwas erleben. Ich habe also überlegt welches die größte Stadt ist, in der es sich lohnt zu leben, und das war dann New York. Und nun lebe ich dort schon seit 11 Jahren.
Es klingt vielleicht sehr Klischee haft, aber ist diese Stadt eine wichtige Inspiration für dich?
Nein, ich denke ich kann überall meine Songs schreiben. Denn ich schreibe weniger über meine Umwelt, als über Beziehungen zwischen Menschen oder das Fehlen dieser. Also von daher ist New York nicht meine notwenige Inspiration. Ich genieße es auch in Europa auf Tour zu sein, und aus der Stadt heraus zu kommen, denn sie ist schon sehr schnell, sie drängt sich einem auf. Sie ist auch ungemütlich und teuer. Aber man kann überall die richtigen Leute um sich scharren und eine schöne Zeit haben.
Eine letzte Frage: Denkst du es gibt den perfekten Song. Bist du, wie vielleicht viele, auf der Suche danach?
Oh nein. Das würde mich nur fertig machen. Perfektion. Ich bin kein Perfektionist, in jeglicher Hinsicht. (lacht) Darüber gibt es bestimmt viele verschiedene Ansichten. Wenn ich also darüber nachdenken würde, würde ich verrückt werden. Ich sehe mich selbst auch nicht als so talentiert an. Ich mache alles so, wie es kommt und hoffe, dass die Leute es mögen. Und ich bin dankbar dafür, dass es einige Leute tun. Ich versuche einfach weiter Songs zu schreiben. Wenn etwas in meinem Leben passiert was mich traurig macht, fließt ein Song aus mir heraus.





















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