delboInterview mit Tobias Siebert und daniel spindler
Die Musik auf "Grande Finesse" wird von einer Leichtigkeit getragen, die ihres Gleichen sucht in der hiesigen Musiklandschaft. Trotzdem werdet ihr gern als zu kompliziert dargestellt, so als müsste man studierter Musiker sein um eure Lieder zu verstehen. Manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, das die Journalisten eure Musik einmal Hören und sich dann eine Argumentationskette zurechtlegen wie z.b. diese hier: "Krummer Takt + ungewohnte Wortgefüge = zu kompliziert". Das ist natürlich alles sehr spekulativ, aber dennoch würde mich interessieren wie ihr das als Band wahrnehmt.
Tobias Siebert: Wir hören und lesen das in Ansätzen, wie du es beschreibst, schon von Anfang an. Aber das geht ja nicht nur uns so. Mir ist über die Zeit klar geworden, dass wie in so vielen anderen Bereichen gerne der "einfache Weg" betreten wird, biegt man etwas davon ab, kann man nicht mehr damit rechnen, dass es mehr als ich sage mal 10 prozent der Leute, die sich überhaupt für Musik interessieren, verstehen. Journalisten und sind da meist leider keine Ausnahme. Dabei haben sie meines Erachtens nach die Position der Lehrer! Also ich will sagen, was nicht beigebracht wird, kann sich auch schlechter verbreiten. Aber mal sehen, wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass die Leute sich inzwischen dafür interessieren, was sie Essen!
Denkt ihr, dass man als deutsch singende Band momentan nur dann im großen Stil wahrgenommen wird, wenn man über den Hafen und Befindlichkeiten in der Art der Hamburger Schule singt?
ts: Nein, ich denke es braucht weitaus mehr, als deutschsprachige Band im großen Stil wahrgenommen zu werden. Da muß alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und das war für einige in der letzten Zeit ja nicht gerade so.
Ihr hab in einem Interview gesagt, dass es euer Anspruch ist oberflächlich astreine Popmusik zu machen und diese dann harmonisch durch krumme Takte in den tieferen Schichten zu ergänzen. Wie nahe seid ihr diesem Ideal bisher gekommen?
ts: Wenn wir ein Stück als fertig betrachten, hat es genau das geschafft.
Apropos Popmusik. Auf "Grande Finesse" befindet sich mit "Belvedere" ein Lied, welches durch und durch dem Pop frönt, sich in Streicher hüllt, aber trotzdem in keinem Moment etwas anderes ist als "Delbo". Da hört man nicht nur wie weit eure Grenzen als Band reichen, sondern auch dass Kunst gleich Pop sein kann. Das finde ich gerade in einer künstlichen Welt, die aus Klingeltönen zu bestehen scheint, sehr beruhigend. Wie seht ihr das, und könnt ihr uns von Entstehung von "Belvedere" berichten?
ts: Wie du schon sagst, es klingt nach Delbo. Mehr haben wir darüber auch gar nicht nachgedacht. Am Ende ist es natürlich schön, dass wir damit ein Stück geschaffen haben, das gut gefällt und den Kreis unserer Hörer erweitert. Ich weiß gar nicht, wenn Leute das Stück als Weckruf in ihrem Handy haben wollen, ist das ja vielleicht auch ein gutes Zeichen, weil in dem Moment da nicht DJ Ötzi läuft.
Zum ersten Mal hat Daniel ein Lied ganz alleine geschrieben. Welches war das, wie kam es dazu und wie waren die Reaktion von Florian und Tobias?
ts: Das Lied heißt Piamo. Daniel hatte es auf seinem Computer zusammengebastelt. Ich glaube wir haben es gehört und gesagt: das muß unbedingt mit auf die Platte...
Neben dem Fundament Gitarre, Bass und Schlagzeug, hört man auf "Grande Finesse" Flöten, Streicher und ein Horn. Das ist zwar neu, doch diese Instrumente wurden so harmonisch in den Bandsound integriert, dass man das Gefühl bekommt, sie gehörten schon immer zu "Delbo". Wie kam es zu dem Einsatz dieser Instrumente, wer hat die Arrangements dazu geschrieben und werden diese auch in zukünftigen Liedern eine Rolle spielen?
ts: Das haben wir auch so gefühlt. Irgendwie war klar, dass wir diese Instrumente an genau diesen Stellen einsetzen möchten. Wir mussten da gar nicht viel drüber reden. Die Arrangements haben delbo und ich mit den jeweiligen Musikern zusammen entworfen. Ich glaube sie haben auch gleich gefühlt, in welche Richtung es gehen soll. Das hat sehr viel Spaß gemacht.
Die Texte, früher wie heute, sind wie Türen zu denen man sich selbst die Schlüssel suchen muss. Dadurch entsteht eine Suche, bei der der Hörer in sich hineinhören, und sich Stück für Stück erraten muss (um es in den Worten von "Polo" zu sagen). Wobei sich das Raten natürlich auf Fakten und Fragmente der Vergangenheit stütz. Wie seht ihr das? Welchen Bezug habt ihr selbst zu den Texten und wie entstehen die Texte?
daniel spindler: Zu den Texten gibt es eigentlich nicht so viel zu sagen. Die sind ja eher subjektiv und an wenigen Stellen sehr eindeutig. Und irgendwie sind wohl auch die eigentlich eindeutigen Stellen wohl nicht so eindeutig. Die Texte enstehen im Grunde wie die Musik. Sie sind auf einmal da und füllen sich dann mit Sinn oder Anspruch oder Drängen. Wenn sie passen, bleiben sie.
Einer der eindrucksvollsten Texte des Albums befindet sich in "Moto", in dem der Mensch in seiner Zwischenmenschlichkeit schlicht als Körper dargestellt wird. Steckt dahinter eine bewusste Reduktion, die man eingehen muss um die Dinge klarer vor sich zu sehen? So in der Art eines Paul Austers', der seinen Hauptfiguren gern alles nimmt um sie dadurch ihrer eigenen Identität näher zu bringen. Anders könnte man fragen: Muss man sich reduzieren um sich selbst zu finden? Und ist das überhaupt Teil des Liedes, oder interpretiere ich da etwas hinein, dass überhaupt kein Thema ist?
daniel spindler: Das Reduzieren ist in jedem Fall ein guter Weg, sich über etwas klar zu werden. Wenn am Ende wenige Dinge übrig bleiben, die sich übersichtlich anordnen lassen, das bereitet schon einige Freude. Das ist ja dann auch eigentlich das reizvolle: mit ganz wenigen Teilen zu hantieren und damit dann etwas anzustellen, das funktioniert. Und der Text ist ja auch sehr nüchtern und aufgeräumt. Könnte also schon sein.
Das Album klingt sehr kompakt und ausgewogen. Macht ihr euch beim Schreiben eines Albums darüber Gedanken, das am Ende eine gewisse Homogenität entsteht? Bzw. Ist das überhaupt möglich?
ts: Nee gar nicht. Ich kann mir auch nur schwer vorstellen, wie das überhaupt gehen soll.
Neben der Band "Delbo" arbeitet ihr akribisch an der musikalischen Weltherrschaft. Neben der Labelarbeit zu Sinnbus und der Band Klez.e seid ihr als Studiomusiker, Livemusiker, Produzent, Solokünstler, etc. engagiert. Bleibt da überhaupt noch Raum für andere, nicht musikbezogene Tätigkeiten?
ts: Für mich nicht. Ich schaffe es gerade noch, am Abend ein Wein mit meiner Liebsten zu trinken und über den Tag zu reden. Das ist sehr wenig, wenn es um das eigene Leben geht, aber all das bereitet mir soviel Gutes. Es gab Zeiten, an denen konnte ich mir nicht aussuchen, was ich morgen machen werde.
Zu guter Letzt eine Frage über Kaffee. Klingt komisch, habe ich mir aber irgendwie angewöhnt, da ich es interessant finde wie unterschiedlich etwas so einfaches wie Kaffee wahrgenommen wird. Daher die Frage, wie steht ihr dazu?
ts: Ich mag es, frisch gemahlenen Kaffee zu riechen. Morgens etwa im Studio, ist es das Erste was gemacht wird, dann liegt da dieser Duft im Raum. Ich kann selbst keinen Kaffee trinken, da ich dann einen Herzschlag von ca. 5555 mal die Minute bekomme. Ich habe keine Ahnung woran das liegt, aber es geht nur mit reichlich Wasser wieder weg. Oder das soll so sein, aber dann wäre Kaffee halt nichts für mich!





















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