the go findinterview mit dieter sermeus
hamburg ist eure vierte tourstation von insgesamt sechs konzerten in deutschland. wie war die tour bisher? wie haben die leute auf euch reagiert?
wir waren schon vor ein paar wochen für nur ein konzert in wiesbaden, als einstimmung sozusagen. auf der tour waren wir in den letzten drei tagen in erlangen, leipzig und göttingen. und wir trafen bisher nur auf nette leute und fühlen uns sehr willkommen. von den reaktionen der leute gibt es zwischen den städten zwar schon unterschiede aber sympathie ist da auf jeden fall ein gemeinsamer nenner. in göttingen war das publikum zum beispiel eher reserviert aber kam dann trotzdem zahlreich zum merchandisestand. also scheint es ihnen schon gefallen zu haben. in leipzig hingegen fingen die leute schnell an ein wenig an zu tanzen und es war mit ca. 150 leuten sehr voll. das war natürlich wunderbar für uns.
in belgien werdet ihr drei shows an drei abenden hintereinander in brüssel spielen. das scheint ja für einen ziemlich hohen status in belgien zu sprechen.
naja, wir spielen diese konzerte "nur" als vorband für eine bekannte belgische pop-band. sie haben uns gefragt ob wir mit ihnen spielen wollen und wir haben natürlich zugestimmt, weil es auch eine chance für uns ist etwas aus unserer szene herauszukommen. es ist nicht so, dass wir die indieszene nicht mögen würden. im gegenteil. wir lieben sie sehr, aber ich denke the go find ist keine extreme musik sondern eben auch eine art pop, die nicht nur indieohren vorbehalten sein muss. ich denke, dass zum beispiel auch deinen eltern the go find gefallen könnte. wir sind also keine grosse band in belgien, wenn du das meinst. zwar sind wir schon bekannt aber eher in einem bestimmten kreis von leuten. zu unseren konzerten kommen im durchschnitt 450 leute und das ist natürlich super. und mich stört es auch nicht, eher zu den kleineren bands zu gehören. denn wir haben so die möglichkeit im ausland in kleinen clubs zu spielen, während die grossen belgischen bands nicht über die landesgrenzen hinaus kommen weil es schlicht zu teuer wäre.
lass uns über die musik reden. dein erstes album "miami" hast du noch ganz allein aufgenommen. the go find war eine person. für "stars on the wall" ist nun eine vierköpfige band daraus geworden, was auch den sound etwas vom elektronischen weg verändert hat. war das eher zufall oder wolltest du einfach eine komplette band?
ja, das stimmt. bei dem ersten album war ich noch allein. um die songs live auf der bühne umzusetzen hatte ich ohnehin immer eine band, und es kam die idee auf, das zweite album einfach zusammen zu machen. ich merkte auch, dass ich keine lust mehr hatte musik allein in meinem kämmerlein zu machen. ich wurde etwas einsam möchte ich behaupten (lacht). die jungs gaben mir das feedback das ich brauchte, und das hatte natürlich auch einfluss auf den sound. mit dem dritten album werden wir uns vielleicht wieder mehr in die elektronischen gefilde wagen. mal schauen.
in kritiken zu dem ersten album wurden bands wie the notwist oder console als vergleich herangezogen. "stars on the wall" hat mit seiner ruhigen analogen art für mich eher einen ben gibbard touch. womit würdest du dich gern vergleichen oder verglichen werden?
ich höre selbst sehr viel musik, und ein vergleich mit ben gibbard ist natürlich nicht schlecht. ich habe ihn schon ein paar mal getroffen und ich mag ihn und seine musik sehr. ich wünschte, ich wäre so bekannt wie er (lacht). ich wurde vielleicht auch von ihm beeinflusst aber ich denke der meiste einfluss für dieses album kam von fleetwood mac. nicht weil ich sie ständig höre, aber ich habe ein paar alte platten von ihnen gefunden und ich mag wie sie klingen. vor allem auf dem "rumours" album. vielleicht ist meine stimme der von ben gibbard schon etwas ähnlich. auf "stars on the wall" ist auch ein song der "new year" heisst. jetzt sage ich natürlich es ist ein tribut an death cab for cutie (lacht).
ihr seid bei dem berliner label morr music auf dem auch die schon genannten the notwist, tied& trickled trio und auch seabear sind. ich finde es ist ein sehr besonderes label und the go find scheinen einfach dahin zu gehören. geht es dir genauso?
ja, es ist auf jeden fall ein besonderes label. wenn ich sagen würde es ist wie eine familie wäre das wohl ein bisschen zu emotional, weil ich nicht jede band des labels kenne. aber die einstellung zur musik, wie mit ihr umgegangen wird und die art wie versucht wird sie den leuten nahe zu bringen, empfinde ich schon als sehr besonders. es ist auch das drumherum, wie das grafikdesign von human empire zum beispiel. es passt einfach perfekt zusammen und es herrscht eine angenehme atmosphäre. ich denke es ist auch so, dass thomas morr nicht bands signt nur weil ihm die musik gut gefällt. er muss die leute auch mögen. deshalb sind auf diesem label eben nur nette leute vertreten. oder sagen wir es so: wenn ich ein arroganter penner wäre, wäre ich nicht auf diesem label.
vorhin hast du schon die chance erwähnt, mit dem support für eine bekannte belgische band, the go find einem grösseren publikum zugänglich zu machen. würdest du auch in erwägung ziehen zu einem major label zu wechseln wenn es die möglichkeit gäbe?
wenn irgendwann ein angebot kommen würde, könnte man darüber nachdenken. aber die zeiten in der musikindustrie sind ja bekanntlich hart. und ich finde morr music geht mit dieser situation sehr gut um und ist auf das was in der zukunft noch kommen mag besser vorbereitet als einige major labels. ich denke in der zukunft werden die leute platten nicht mehr nur wegen der musik kaufen, sondern auch das was um die musik herum passiert wird immer wichtiger. zum beispiel das grafik design oder das schon erwähnte gefühl für musik und ihren wert und das image eines labels. ich denke nicht, dass das ein major label leisten kann und morr music könnte darauf eine gute antwort sein! um auf deine frage zu antworten: ich würde bestimmt mal darüber nachdenken, aber momentan wäre meine antwort auf jeden fall: nein.
noch einmal zurück zur musik. wie wir ja schon festgestellt haben klingt das neue album eher gediegen. und ich vermisse ein wenig songs wie "over the edge", also solche mit einer vielleicht tanzbaren four-to-the-floor attitüde. lag diese entwicklung vielleicht neben dem anwachsen zur kompletten band an solchen dingen wie einer anderen lebenssituation oder ähnlichem?
du hast recht. es ist einfach gediegener. und ich muss sagen, wir haben uns bemüht es so hinzubekommen. ich bin sehr stolz auf das album. aber aus der heutigen perspektive denke ich auch, dass vielleicht 2-3 songs wie "over the edge" nicht schlecht gewesen wären. aber sind sie einfach nicht. wenn man songs schreibt ist es manchmal so, dass plötzlich so etwas wie "over the egde" entsteht und du weisst sofort: das ist ein guter song. aber wir arbeiten gerade an neuen songs und ich habe das gefühl wir gehen wieder ein wenig dorthin zurück. wir haben gemerkt, dass wir den leuten auch gern die möglichkeit geben wollen zu unseren songs zu tanzen. aber genau diese entwicklungen von album zu album sind mir auch wichtig, denn das hält ja auch die spannung beim musikmachen aufrecht. ich möchte nicht dreimal das gleiche album machen.
eine letzte frage. man hört und liest oft die phrase von der suche nach dem perfekten song. hast du ein bild von dem perfekten song in deinem kopf? oder denkst du es gibt keinen perfekten song?
ich denke, man muss immer auf der suche nach dem perfekten song bleiben. unser erster perfekter song war vielleicht "over the edge", dann machten wir uns auf die suche nach dem nächsten. und ich finde mit "dictionary" haben wir es wieder ganz gut hinbekommen. der perfekte song sollte dich glücklich machen und dir das gefühl geben, tanzen zu wollen oder er lässt dich weinen. auf jeden fall sollt er etwas in dir auslösen. vielleicht wechselt der perfekte song auch mit jedem tag oder für dich ist es ein anderer als für mich. ich weiss es nicht. die frage ist wirklich schwierig zu beantworten. es gibt wohl auch kein geheimnis, wie man den perfekten song schreibt. es muss einfach aus dir rauskommen. wenn du irgendwo allein sitzt, schreibst und denkst: "oh yes!". das ist der moment auf den es ankommt denke ich. du wirst dann vielleicht losgehen, ihn einigen leuten vorspielen und sie werden sagen: "ja, nicht schlecht, aber das ist kein perfekter song". du musst einfach in dem moment glücklich sein wenn du deinen eigenen perfekten song schreibst.





















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