Die TürenInterview mit Maurice Summen
Tasten wir uns mal von außen nach innen. Die gesamte Hülle von "Popo" ist etwas ungewöhnlich. Wie kam es zu dem Supermarkt (Aldi)/Baumarkt Design und warum Aldi Nord, warum ist auf der CD ein Stück Fleisch abgebildet?
Die Idee kam Ramin im Prinzenbad in KreuzBerg. Er sah in einer Fülle von Badehandtüchern - eins mit dem Aldi-Nord-Muster und dachte sich: "Wow! Flashig!". Dann klagen ja gerade alle in Indiedeutschland über Plattenverkaufszahlen. Wir dachten uns deshalb: Schön billig muss es aussehen, weg vom Kunstprodukt, rein in den Discounter! Die Wurstscheibe war ein Witz des Grafikers. Er hatte an jenem Tag wohl einen Clown gefrühstückt.
"Popo" hat ja nicht viel mit Supermarkt oder Gesellschaft zu tun, wie kam es dann zu diesem Namen?
Keine Ahnung. Der war auf einmal da. Ein bischen will der Titel, ähnlich wie vielleicht Tocotronic mit "Kapitualtion" so etwas wie ein Gefühl der Niederlage transportieren. Aber wir nehmen es mit Humor. Eine Art "Funky Kapitulation". "Scheiss egal" sozusagen.
Das gesamte Album scheint von einem gewissen Ernst eingenebelt zu sein. Ihr besingt in vielen der Songs die sozial kritische Lage Deutschlands. Steckt dahinter ein besonderes Statement, was wollt ihr mit den Aussagen erreichen?
Hmmm....Erreichen wollen wir damit naturgemäß erstmal die Leute. Wir finden es ist ein Album, dass trotz seiner Themenschwerkraft, gute Laune macht.
Einfach ein Lebensgefühl das man teilen möchte: "Geteiltes Leid ist halbes Leid", sagt der Volksmund.
Zwar ist euer letztes Album zwei Jahre her, an Aktualität fehlt es ihm aber nicht, wie kommt das?
"Unterwegs mit Mother Earth" entstand in einer sehr seltsamen Phase der Band. Verstanden haben wir diese Platte damals selbst nicht so richtig. Aber retrospektiv hatte sich da schon vieles angedeutet was auf "Popo" weiter perfektioniert wurde.
Eine sehr unterbewußte Platte also. Eine kleine Wunschmaschine. Ein bischen wie "Alice im Wunderland für Indietroniker"
Trotz der kritischen Texte ist die Musik tanzbar, eher beschwingt. Wolltet ihr da beabsichtigt einen Gegensatz schaffen?
Mann muss ja kein Volltrottel sein um gute Laune zu haben. Bei vielen Menschen gibt es so eine gespielte Ernsthaftigkeit, der als guter, nobler Ton verstanden wird. So ein Alpha-Männchen-Weibchen-Codex. Aber man schaue nur mal auf die Literaten in der Zeit der Romantik. Das waren auch keine Partymuffel. Mann muss sich für Glückshormone wegen uns auch nicht schämen. Die Kategorie "Peinliche Lieblingslieder" z.B. gibt es bei uns nicht.
Und wenn man sich ebenmal die Musikgeschichte anschaut, also Folk, oder Blues oder wegen meiner die Beatles dann stehen wir da ja nicht allein auf weiter Flur. Also eine beseelte, bewegende Laune in teilweise mehr oder weniger aussichtslosen Lebenssituation zu verbreiten. Hoffnung klingt immer wie Kirche von unten aber es geht tatsächlich auch darum: Um Hoffnung.
Die Türen haben Zuwachs bekommen. Michael Mühlhaus und Markus Spin sind nun mit an Bord. Warum habt ihr euch zu einer Vergrößrung entschlossen?
Es war von Anfang an Teil des Konzepts. Michael Mühlhaus und Markus Spin sind zwei großartige Musiker, jeder auf seine Art, ohne die der Sound der Platte ein vollkommen anderer wäre. Sie sind nun nicht mehr wegzudenken.
War es am Anfang schwierig einen neuen Arbeitsrhythmus zu finden, schließlich wart ihr (Ramin, Gunther, Maurice) nach zwei Alben und einer Labelgründung ein eingespieltes Team?!
Nein, das ging sehr schnell sehr gut. Die Bandchemie fühlt sich gut an. Eine Stressband würde sich ganz anders anhören. Auf jeden Fall nicht so entspannt wie DIE TÜREN gerade im Moment.
Um "Das Herz war Nihilismus" raus zubringen habt ihr euer eigenes Label "Staatsakt" gegründet. Weiterhin erscheinen eure Alben auf diesem Label, aber nun auch Platten anderer Künstler, habt ihr je daran gedacht nicht mehr auf eurem eigenen Label zu produzieren und wie mühsam ist es ein Label und eine Band gleichzeitig zu haben?
Wie alle Lebensentscheidungen birgt auch diese Entschedung Vor- und Nachteile mit sich: Mehr Freiheit - mehr Verantwortung. Staatsakt funtioniert als Plattform für den singenden Freundes- und Bekanntenkreis hervorragend. Als Erfogsmaschine haben wir natürlich zu kämpfen wie jedes andere Unternehmen auch. Und das empfindlichste menschliche Organ ist und bleibt immer noch das Portemonnaie.
Wie funktioniert der Schreib - und Aufnahmeprozess von neuen Songs bei euch?
Es soll unser Erfolgsgeheimnis bleiben. Bitte.
Habt ihr schon mal vor einem sitzenden Publikum gespielt oder könntet ihr euch vorstellen es mal zu machen?
Ja, haben wir. In Fulda haben wir mal an einem Sonntag Abend die vielleicht 20 Gäste auf die Bühne gebeten. Wir haben einen Sitzkreis gebildet. Wie auf einem Kindergeburtstag, haben einen Ball rumgehen lassen, und jeder durfte sich vorstellen. Lediglich die fettigen Bockwürstchen und Pommes haben zum vollständigen Kindergeburtstagsglück mit anschließendem Schlechtfühlen gefehlt.





















Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare die in der Vergangenheit schon einmal aktiviert wurden, werden sofort veröffentlicht.