Logo

kate moshinterview mit allen

hallo. wie fühlt ihr euch gerade?
ganz in ordnung, außer daß die zeit für mich gerade davonläuft. zu viele pläne, zu viele baustellen, die nächsten monate sind schon verplant und urlaub kann ich mir schenken. mit anderen worten. alles ganz normal. und dazu kommt noch die vorfreude auf die kommende dreiwöchige tour.

eure platte "breakfast epiphanies" ist gerade erschienen und wird überall hochgelobt. wie nehmt ihr den rummel um eure band wahr?
jedenfalls nicht als rummel. wir freuen uns alle sehr darüber, dass wir mehr aufmerksamkeit erhalten, daß "breakfast epiphanies" ankommt und gefällt. das war bei unserer ersten platte "life is funfair" noch etwas anders. da gab es ebenfalls viel lob, aber das ganze fand eher in kleineren kreisen, sprich fan- und onlinezines statt. für diese arbeit sind wir sehr dankbar. die printmedien sind da ja erstmal vorsichtig, warten erst einmal ab, wie sich das so entwickelt. da muß man auf jeden fall schon ein bißchen kritik üben, sie könnten sich ruhig öfter mal etwas trauen und nicht immer die sicheren nummern aus großbritannien nach vorne bringen, den vorwurf müssen sie sich gefallen lassen. gerade deshalb sind wir aber froh, als deutsche band so viel unterstützung von z.b. intro, visions und spex erhalten zu haben, auch wenn letztere trotz tourpräsentation, sowohl den geplanten artikel als auch die tourdaten vergessen haben. sowas passiert halt. ist halt manchmal ein schwerer weg.

habt ihr nach eurer ep "it`s 4 am and already hell" einen erhöhten druck wahrgenommen? und hat euch dies bei den arbeiten zu eurem album in irgendeiner art beeinflusst?
vorweg: manche leute behaupten, ich sei besserwisserisch. zur untermauerung der hinweis, daß die ep "4 am and it's already hell" heißt. es gab da schon eine erwartungshaltung mit der man erst einmal umzugehen lernen mußte. das hat zwischenzeitlich dazu geführt, dass ich gedacht habe, die neuen songs seien alle mist, das album ist zusammengeflickt, etc. doch das ist ein normaler und wichtiger vorgang während der arbeit an einer platte, er hilft bei der selbstreflexion und spornt einen an, dinge besser zu tun und die größtmögliche arbeit und energie abzurufen. da man aber so tief drinsteckt, kann der schuß wie oben beschrieben auch nach hinten losgehen. dann muß man mal kurz abschalten, luftholen und sich eine pause gönnen. auch wenn's schwer fällt. sonst werden die an einen selbst gestellten hohen ansprüche durch den zusätzlichen druck von außen unerfüllbar.

war die zeit zwischen dem release der ep und der des albums für euch? wie sehr hat euch diese zeit als band verändert.
im november gab es die zweiwöchige tour durch vornehmlich kleine clubs. da war es meistens rappelvoll und man hat diese angenehme nähe zum publikum. es war schön zu sehen, daß in städten, in denen wir vorher noch nicht gespielt hatten so viele leute aufgetaucht sind. es war aber auch ganz schön anstrengend, nach dem konzert feiern, kurz schlafen, tagsüber auto fahren usw. die letzten drei tourtage bin ich körperlich recht angeschlagen gewesen und das tat mir natürlich leid für die besucher der letzten konzerte, die das ganze dann mit leicht angezogener handbremse sehen mußten. das hat mir dann aufgezeigt, etwas schonender mit meinen körperlichen ressourcen umzugehen. dann begannen direkt im anschluß die aufnahmen zum album, die wir ja selbst in unserem eigenen studio bellevue aufnehmen und flos erkenntnis, mit zwei bands (delbo, kate mosh) und arbeit keine zeit für sich selbst und seine freundin mehr zu haben. das war natürlich eine schwierige situation: albumrelease im frühjahr, schon die englandtournee im januar mit sometree und tour de sinnbus im februar geplant, aber noch keinen schlagzeuger zur hand. gleichzeitig auch keine zeit zum suchen, da wir ja die arbeiten am album abschließen mußten und unser bassist micha voll in sein diplom eingespannt. noch fragen? doch wir hatten unglaubliches glück, wie die jungfrau zum kinde auf unseren neuen schlagzeuger jens zu treffen. der kerl ist schon der wahnsinn, hat sich in unglaublich kurzer zeit die wahrlich nicht einfachen stücke draufgeschafft, ist sowieso ein fetziger schlagzeuger und bringt auch die sonstigen eigenschaften mit, die nötig sind, um bei kate mosh zu spielen. aufopferungsgabe und den glauben an die band, die es jedem von uns ermöglicht, von nichts zu leben. oder so ähnlich. wir sind froh, heil durch diese ereignisreiche, arbeitsame und auch erfolgreiche zeit gekommen zu sein.

euer erstes album erschien bei dem wundervollen berliner label "sinnbus". ihr habt immer wieder betont wie sehr euch dieses label am herzen liegt. warum seid ihr dennoch zu "noise o lution" gewechselt und wie kam diese zusammenarbeit zu stande.
vielen dank für das "wundervoll". sebi und ich sind ja beide aktiv bei sinnbus tätig, soweit es unsere momentan recht eingeschränkte zeit zulässt und das hört man gerne. die entscheidung ist uns alles andere als leicht gefallen, nach längerem abwägen haben uns aber die möglichkeit, nach songwriting, aufnahmen, mix und artworkstress das produkt aus der hand zu geben, nicht noch promoarbeit und sonstigen stress auf unseren schultern zu spüren, nicht uns selbst anpreisen zu müssen und arnes wunderbare art überzeugt, von nun an auf noisolution zu veröffentlichen. außerdem schafft das mehr freiräume bei der labelarbeit für die nächsten sinnbusveröffentlichungen. und da kommt dieses jahr noch einiges: kinn, alarma man und polarkreis 18. zur auflockerung noch eine kurze anekdote dazwischengeschoben: am merchstand bei lauter musik: "wie heißt euer label - no solution?" zurückgeschrien: "nois-o-lution!" - "und vorher wart ihr wo?" "sinnbus!" - "sinnlos?"

wie sehr sind die sinnbus bands untereinander verstrickt? gibt man sich untereinander ratschläge? hilft man sich im studio, oder ist jeder für sich autark?
vieles läuft über die persönliche ebene, man ist untereinander befreundet, hilft sich aus, stellt mal einen ersatzmusiker, wenn das eigentliche bandmitglied verhindert ist, begleitet auf touren. seidenmatt und kam as haben ihre letzten alben im studio bellevue aufgenommen, da steht man natürlich auch als produzent zur seite. und man beeinflußt sich natürlich gegenseitig mit der musik. das sinnbusumfeld ist wahrscheinlich eine unserer größten inspirationsquellen.

wie sind die lieder auf "breakfast epiphanies" entstanden? sie wirken so, als würdet ihr im proberaum stehen und diskutieren, wie das lied weitergehen, bzw, welche richtung es einschlagen soll. wie schwer ist dieser prozess?
der prozess des songwritings ist relativ einfach. großartige diskussionen entstehen eigentlich nicht, man feilt eher an den kleinen aber sehr wichtigen feinheiten, an übergängen, am anpassen der eigenen melodien an die läufe der anderen, wem man jetzt mehr gewicht gibt und was man einfacher hält. vor den aufnahmen kehrt man dann noch mal mit dem besen drüber und befreit sich von dem dreck, der wie die made in dem fettsten speck herumschmarotzt mit wohlbehagen. ja. gut. insgesamt sind wir sehr froh, daß wir immer noch genügend ideen haben, um nicht krampfhaft an etwas festzuhalten, das im jeweiligen moment nicht so gut funktioniert, obwohl es sich um eine sehr schöne idee handelt. vieles vom jetzigen album ist schon mehrere jahre alt und hat halt nur auf den richtigen zeitpunkt gewartet.

könnt ihr vielleicht den moment beschreiben, wenn ihr im proberaum steht und alle das gefühl haben, dass dieser rhythmus, diese melodie oder dieser übergang, welcher gerade gespielt wurde, einfach perfekt ist.
das ist schwer zu beschreiben. früher ist mir da immer so ein schauer über den rücken gelaufen, man schaut die anderen an und merkt, daß man das wahrscheinlich nur selbst empfunden hat. heute erfahre ich diesen schauer zwar nicht mehr, aber in solchen momenten merkt man einfach, daß es unglaublichen spaß macht, zu spielen, daß man gar nicht mehr aufhören will, bis einem die finger weh tun. perfekt ist das dann allerdings nur für die beteiligten und eben nur in jenem moment. ob das dann aufgenommen oder live auch funktioniert ist fraglich, da bedarf es dann schon einer menge erfahrung und einiger kniffe, um das adäquat für den hörer zu übersetzen.

wie wichtig ist für euch kaffee? könntet ihr auf tour ohne kaffee leben?
wenn kaffee so gut schmecken würde, wie er riecht, würde ich nichts anderes mehr trinken. deshalb ist kaffeetrinken eher so etwas wie ein ritus, ein gemeinsames erleben am frühstückstisch, á la "so, der tag kann beginnen". man setzt sich in den bus und fährt los. ich persönlich vertrage meist nicht mehr als eine tasse, danach rebelliert mein magen. die anderen haben da größere aufnahmekapazitäten. mir würde er nicht fehlen.

mit welcher band würdet ihr gern mal touren, und warum?
sonic youth. weil es ein traum ist. und ansonsten mit allen bands, die gute musik machen und menschlich fest geerdet sind. das sind eine ganze menge.

03.05.2006 // tore
 

Kommentar abgeben

 
 
 
 
 
Kommentar absenden
 

Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare die in der Vergangenheit schon einmal aktiviert wurden, werden sofort veröffentlicht.

 
 
Real Time Web Analytics