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astra kidInterview mit Pele Götzer und einigen anderen auf dem sorf festival 2007

Man stelle sich ein kleines Festival vor, auf dem nur Bayrisch gesprochen wird. Weiter versuche man sich vorzustellen, auf dem kalten Boden, zwischen zwei Sprintern zu sitzen, um einen rum etliche Menschen, die was zu sagen haben. Nicht unbedingt ins Diktiergerät, aber sich eben unterhalten.

Man erinnere sich an Pele Götzer, der hier sitzt und erzählt. Erzählt von der Zeit als es die junge Band Astra Kid noch gab und davon, weswegen es sie nicht mehr gibt. Zwischendurch bekommt man ein Statement von Marc, dem Schlagzeuger und André, dem Gitarristen.

Man lese dieses Interview mit dem Hintergrund, dass die Band trotz Trennung gerade, wie sie selbst sagt, das beste Konzert ihrer Konzerte gespielt halt. Man lese es mit Bedacht, denn oft waren diese Herren so verwirrend, aber selten, vielleicht nie, so erbarmungslos ehrlich.

Pele spielt auf einem Gerät eine Kassette vor.

- "Werf ihn in den Teig und streu etwas Mehl darüber, damit es schneller heilt!"
- "Nein, nein. Das tu ich nicht, denn du hast sicher etwas vor!"
- "Tu was ich dir sage!"
- "Nein, das kann ich nicht! Das tu ich nicht!"

Pele: Ist übrigens aus dem "City Music" in Datteln, dieses Gerät. Ich hatte die Kassette auch die ganze Zeit mit, also wenn ich Pause gemacht hab, dann hat man das gehört! Man kann halt ein Mikro, ein Instrument... Kann man sich mit in die Fußgängerzone stellen. Es ist irgendwie selbst gebaut, 15 Watt.

- "Wenn du nicht tust was ich will, dann fress ich dich!"

Pele: Jetzt bin ich mal gespannt, ich hab lange mehr kein Interview gegeben. Das wird dann nachher sogar schriftlich sein. Wo?

Andreas: Auf Rote Raupe*.

Pele: Ah, roteraupe.de. Für die hab ich mal ein Bild gemalt auf einem Festival. Da hab ich, glaub ich, eine Maus gemalt und hab die rot angemalt und dadrüber "Rote Raupe" geschrieben. Das wurd versteigert, auf einem Festival bei München. Da hatten wir vorher noch den Keilriemen gerissen und der wurde uns dann noch repariert und wir waren eine Stunde zu spät, deswegen durfte TELE irgendwie eine halbe Stunde länger spielen. Wir kamen an, wir hatten da glaub ich eine Fahrt von zwölf Stunden. Rote Raupe find ich toll!

Tamara: Vor ungefähr einem Jahr habt ihr euer letztes Konzert gespielt, was, wie mir berichtet wurde, sehr tragisch war.

Pele: Tragisch war es?

Tamara: Ja, sehr emotional.

Pele: Ja, es waren zwei Stunden fünfundvierzig, die ja... Ne, es war aber auch schön.

Tamara: Emotional heißt ja nichts Schlechtes.

Pele: Ja. Ne, wir haben uns ja schon vorher damit abgefunden. Das war ja schon ein halbes Jahr vorher klar, dass wir uns auflösen. Und dann dachten wir erst Abschiedskonzerte sind ein bisschen blöd, weil das klingt so nach Abzocke. Aber weil wir mit dem Grend in Essen ein gutes Verhältnis hatten, war es dann so, dass wir da einfach zwei Termine direkt gemacht haben, die nach zwei Tagen ausverkauft waren. Und dann haben aber die sich aufgeregt, die sich am ersten Tag Karten geholt haben und haben sich dann noch Karten für den zweiten Tag geholt. Das heißt es waren eigentlich zweimal die Gleichen da. Es war aber zweimal ausverkauft. Gut, ne?

Tamara: Wie hat sich das angefühlt?

Pele: Es war ja eigentlich auf der letzten Tour auch, dass wir 250 Leute teilweise da hatten. Und wir haben uns gefragt: "Warum war das nicht vorher so? Muss man sich dazu erst auflösen?"

Tamara: Man hätte die Auflösung rückgängig machen können...

Pele: Ähm... ne. Ich bin da rigoros. Es ist so, wie ich niemals was mit einer Ex-Freundin anfangen würde.

Tamara: Ihr habt euch jung zusammengefunden, in einer Kleinstadt.

Pele: Richtig. In der Kleinstadt.

Tamara: Datteln. Wie kam es denn dazu, ihr seid ja halb verwandt alle.

Pele: Ja, mein Bruder und ich sind verwandt.

Tamara: Sollte man meinen. Ach so, warum habt ihr den Marc so hervorgehoben heute?

Pele: Den Marc? Ach so, ne. Ich habe gesagt, ich spiele das erste Lied alleine und ab dem zweiten Lied stelle ich dann alle Bandmitglieder vor. Und der Marc war der erste, der so sagte: "Du darfst alles machen, aber du darfst niemals die Bandmitglieder vorstellen!" Und dann hab ich halt niemanden vorgestellt außer den Marc. Aber dafür acht Mal. Er hat sich auch sehr gefreut.

Tamara: Ach schön.

Whisky wird ausgeschenkt.

Pele: So, weiter gehts.

Tamara: Trink mal deinen Whiskey, du kannst danach nicht mehr reden.

Pele: Ich trink den nicht auf Ex! Whiskey trinkt man auf Zimmertemperatur, ohne Eis und langsam. Das macht man eigentlich mit gutem Whisky, das ist jetzt Bourbon. Da kann ich dir auch ein bisschen was zu erklären, aber Whiskey pur muss man eigentlich trinken auf Zimmertemperatur und langsam, vor allen Dingen.

Tamara: Also.

Pele: Weiter geht's.

Tamara: Wenn ihr in einer Kleinstadt, wie Datteln, gewohnt habt und Musik gemacht habt, wie habt ihr dann überhaupt Aufmerksamkeit von einem Label bekommen, so dass ihr überhaupt eine Platte aufnehmen konntet.

Pele: Wir haben die Platte selber quasi vorproduziert, in einem Ministudio, für 300 Mark in Wetter. Mit einem Menschen der Ellermaier hieß. Und haben dann Kassetten an Labels geschickt, kein Scherz. Und unter Anderem, ist dann zufällig mal eine beim Tonhaus in Dortmund gelandet. Und das war halt Dortmund-Mengende, das war halt um die Ecke. Und die haben gesagt: "Ja, das machen wir!" Und eigentlich, in erster Linie war es wichtig, dass wir dann halt Wintrup plötzlich dabei hatten, das ist unser Verlag. Auch jetzt halt der Verlag von Wir sind Helden und von Diane und der verlegt halt Sachen...

Andreas: Vieles, verdammt vieles.

Pele: Ja, einfach weil sie groß sind und die auch Geld haben. Und die haben dann gesagt: "Gut, dann steuern wir euch einfach mal ein bisschen Geld dazu und dann nehmt ihr eine Platte auf!" Und ja... so kam eins zum anderen. Wir haben halt das erste Video, das "Planet der Affen" - Video. Ist halt auch echt aus Low-Budget-gründen entstanden, aber es kam halt bei der "heavy Rotation" bei Viva2 damals noch. Und das ist ein großartiges Video, oder?

Andreas: Hab ich neulich erst das erste Mal gesehen, aber es ist herrlich.

Kai (Freund der Schwester): Hab ich bei Myspace vor einer Woche das erste Mal gesehen. Und das ist echt total abgefahren.

Pele: Ist von mir das Drehbuch auch, wie man sieht vielleicht. Und ich hab halt irgendwann gesagt: "Ja, das Telefon nehmen wir auch noch mit. Weil irgendwo können wir das bestimmt einbauen!" Der ganze Dreh hat drei Stunden gedauert, weil dann fing es ja an zu regnen. Deswegen sind am Ende auch so Regentropfen auf der Kamera. Und damit war es durch. Es hat halt der Anton Kaun aus Weinheim gemacht, der macht auch die ganzen Visuals für Notwist und so. Und der war halt dabei und macht bei Konsole auch irgendwie mit, ich weiß gar nicht. Und der hat aber auch schon Notwist Videos gedreht und so. Also, so Low-Budgetsachen irgendwie.

Tamara: Was ich an euren Alben besonders faszinierend finde, was ich glaub ich, bei keiner anderen Band so stark hatte, ist dass die Texte so nah am Zuhörer sind oder an dem an den es gerichtet ist.

Pele: Ursprünglich ist es ja an mich gerichtet. Die sind halt einfach ehrlich und mir fällt halt auf, dass die Leute, die man so kennen lernt eigentlich ähnlich denken. Von daher... Anders kann ich auch nicht wirklich schreiben. Also, ich mein, ich versuch das jetzt bei Autobahn und bei Pele Caster zwischendurch mal so ein bisschen abzulegen. Mal wirklich so zu denken: "Hey, man kann ja auch Spaß haben!" Weil das hab ich ja eigentlich genug. Aber ich konnte nie... Ich konnte eigentlich immer nur traurige Lieder schreiben. Im Endeffekt, auch wenn die in Dur waren und irgendwie wie "Yeah Yeah Yeah" das ist eigentlich auch ein Lied, was traurig ist.

Andreas: Natürlich ist es traurig.

Pele: Ja - es sind halt so über Leute, die halt einfach fest hängen und nicht mehr nicht mehr raus kommen und die ganze Zeit eigentlich nur davon erzählen, aber nicht damit aufhören. Und nichts machen, vor allen Dingen. So fing das auch quasi mit Astra Kid an. Mir war klar, dass ich irgendwas machen muss, um aus dieser Stadt raus zu kommen. Ich hab da Freunde, die sind da, die leben da immer noch, in meinem Alter. Die sind da verheiratet und haben ihren Job in Datteln. Ich meine, wenn du die fragst: " Warst du schon mal in Hamburg" Dann sagen die: "Hä? Ne, schaff ich ja gar nicht. Muss ja arbeiten und so. Aber ich war auf Mallorca!" Da sag ich: "Da war ich noch nicht, da will ich aber auch nicht hin!" Und die kennen dann nur das und das. Und es ist halt wichtig immer viel kennen zu lernen. Und das festhalten. Und es war dann eigentlich bei Astra Kid dann auch so, dass die Lieder quasi, das was ich erlebt hab festgehalten haben. Es ist eigentlich nur das, dass ich es halt irgendwie festhalten wollte und es ist auch, dass ich jedes Lied irgendwie noch mit der Situation damals verbinde. Gähni-Gähn, das sagt wahrscheinlich jeder Musiker, aber wir haben halt zwei Mal geprobt und ich dachte halt bei der ersten Probe: "Auweia, mit Astra Kid jetzt aufzutreten, klingt wie eine drittklassige Schülerband." Zweite Probe ging und als wir dann heute auf der Bühne waren, war alles wieder da. Und es war auch jeder Augenblick da. Das war eigentlich das beste Astra Kid Konzert, was wir je gespielt haben. Jetzt ohne Scheiß. Ich war noch nie so gedankenlos befreit auf der Bühne. Also, das wichtigste ist glaub ich, nicht denken sondern spielen. Vorher kann man nachdenken, um das Lied fertig zu machen, aber dann muss es drin sein.

Tamara: Und wie ist es nach der Zeit, die ihr getrennt wart, wieder aufzutreten und wieder ein Gebilde darzustellen?

Pele: Wenn wir uns begegnen sind wir immer ein Gebilde. Das ist halt so, wir kommen da auch nicht raus. Wenn wir uns treffen machen wir die gleichen Witze, wie vor zwei Jahren, wie vor zehn Jahren. Die laufen auch so durch. Also, irgendwann ist dann ja auch die Kreativität am Ende und dann sagt man halt so was, wie:" Hast du schon mal die neue Nessy Brutango gehört?" Zum Beispiel. Und das finden dann alle lustig. Ihr findet es auch lustig, oder?

Andreas: Nelly Brunatgo...

Pele: Nessy Brutängo? Na, klar!

Tamara: Es folgte das zweite Album. Ich weiß noch, dass ich auf der Releaseparty war, in Düsseldorf, im Unique. Das war mal ein Puff.

Pele: Ja, da war nicht viel los. Ich hab mir aber tierisch Mühe gegeben und hab dann dafür für alle anderen mitgetrunken und bin dann aus dem Bully gefallen und hab mir ein Loch in mein Schienbein, also daneben an einem Fahrradständer war eine Schraube, direkt ins Bein gehauen. Da war einfach nur ein Loch! Wir sind erst weitergefahren und wir dachten: "Es blutet doch." Sind wir zum Krankenhaus gefahren und ich dachte so: "Uaaah. Guck mal da ist der Zivi vom Krankenhaus, der legt mich da auf eine Bahre. Dann sagt er zu mir: "Ja, das müssen wir raus schneiden! Das ist kaputtes Gewebe." Hab ich gelacht: "Ja, klar. Näh mal zu!" Da hat er uns auch ganz schnell rausgeholt. In so einem Dattelner Krankenhaus, da hast du auch echt keinen Spaß. Und dann war der halt da und hat das echt raus geschnitten. Fand ich schräg. Ähm... aber was war deine Frage jetzt?

Tamara: Und dann war ja auch mit der Platte nicht so viel los...

Pele: Ne. Das war, weil wir beim Aldi der Plattenindustrie waren.

Tamara: Stimmt, ihr hattet ja auch das Label gewechselt.

Pele: V2. Die kaufen viel, machen nix. Das wird halt von amerikanischen, wirklich, Investoren, also von Großfirmen aus Amerika irgendwie gefördert. Das Label. Die kaufen halt etliche viele Künstler, deswegen haben die einen Wahnsinns Zuwachs. Sterne - neue Platte - verreckt. Hurra! Und das ist fürchterlich. Aber ich wollte es irgendwann mal sagen. Vielleicht flieg ich dann auch bei ihnen raus, ich weiß es nicht.

Tamara: Ich kann das auch raus schneiden.

Pele: Ja, ich überleg mir das noch mal. Aber im Endeffekt ist es so, dass das Label wirklich Sachen einfach aufkauft, viel produziert und dann halt über diese Mini-Betriebe über die die Sachen dann rauskommen, finanziell - Und am Ende, ich meine, was ist aus den Leuten geworden, die da gesignt wurden? Außer halt V2 England funktioniert. Das funktioniert, aber V2 Deutschland ist einfach definitiv nur noch so... Es sieht so aus, wie als wäre es für mittellose Künstler, um da halt Platten zu produzieren, aber danach dann auch nichts mehr. Und das ist halt "juicy"? Und deswegen ist da auch nichts passiert. Ich hätte nie gedacht, dass ich das so offiziell mal sagen würde, aber tja... Ihr dürft das so verwenden.

Tamara: Sehr gut. Und dann habt ihr euch in Folge dessen getrennt, einfach weil ihr keinen Erfolg hattet?!

Pele: Ne, das war einfach nur... Das hatte damit zu tun, dass... Ich mein, wir waren ewig lang unterwegs, was wir schon mochten, sonst würden wir nicht Autobahn machen. Wir sind immer noch der Meinung, dass es eigentlich ein ganz schönes Leben ist. Das halt ein Augenblick vieles andere aufwerten kann.

Marc kommt.

Pele: Das ist Marc unser Schlagzeuger. Ex-Schlagzeuger! Übrigens: Marc Baumann am Schlagzeug!

Tamara: Ich weiß noch, ich wollte mal Sticks von dir haben und wolltest mir nur einen Akustikstick geben - da war ich ein bisschen beleidigt.

Marc: Was ist denn ein Akustikstick?

Tamara: Ja, die mit den Stäben drin.

Marc: Ach so. Weißt du wie teuer die waren? 30 Euro, zwei.

Pele: Ja, aber warum kaufst du dir auch so teure Sachen?

Abschweifungen.

Tamara: Du wolltest gerade erklären, warum ihr euch getrennt habt, aber euch trotzdem noch lieb habt.

Pele: Das hat halt damit zu tun, dass die Jungs einfach mal ein gesichertes Leben haben wollten - Also, zwei von vieren. Und die bringen jetzt beide gerade ihr Studium zu Ende und werden dann halt Jobs annehmen und werden dabei dann halt Geld verdienen und ihre Miete zahlen können und werden dann so ein langweiliges Leben führen, ne? Aber, der Marc, der ist auch ein bisschen kaputt gegangen. Der sieht jetzt wesentlich frischer aus, seitdem er Astra Kid nicht mehr macht. Sag mal Marc, warum hast du aufhören wollen? Setz dich mal und sag, warum du hast aufhören wollen. Ich sollte mich übrigens verbessern: Ich sage V2 ist das McDonalds der Plattenfirmen.

Marc: Oh, geht's ab hier?

Pele: Ne, ich war jetzt mal ehrlich heute.

Marc: Hast du eine Zigarette, Pele?

Pele: Ne, aber ich besorg welche. Pass auf, du musst jetzt einfach mal sagen, warum du aufgehört hast, weil wir uns ja trotzdem doch so lieb haben.

Marc: Ja... geht.

Tamara: Auf jeden Fall wolltest du ein festes Leben haben, mir festem Einkommen und Sicherheiten.

Marc: Nein.

Tamara: Sondern? Hat der Pele so gesagt!

Marc: Also, ich werde ja bald diplomierter Grafikdesigner sein und da kriegt man auch kein Geld. Also, es ist eigentlich genauso wie vorher, nur man ist alleine, und man muss nicht so viel durch die Gegend fahren. Das ist der Unterschied. Sonst macht man auch kreative Sachen und kriegt kein Geld dafür.

Andreas: Du hast im Prinzip so eine Tourneurose.

Marc: Jaaaa, Touren ist jetzt nicht so der Hammer. Doch, eigentlich doch. Doch. Doch ist toll! Nein, ist ja das, was am meisten Spaß macht, aber man kommt... - Ey, warum mach ich ein Interview?

Pele: Hast du. Musst du.

Tamara: Erzähl ruhig. Ist wie eine Therapie.

Pele: Du kannst sagen was du willst, du bist raus!

Marc: Ich bin zu alt. Ich glaub das war es. Die Krise mit 30, die war es.

Tamara: Welche Krise?

Marc: Ja, auf jeden Fall. Ihr kommt ja in das Alter. Viel Spaß!

Pele: Dir ist bewusst, dass ich auch bei Klee Bassist bin, oder?

Marc: Du? Ja. Ja, die sind ja - hallo? Ja, aber wann haben die denn überhaupt angefangen mit Klee? Das war ja schon nach 30. Die hatten ihre Krise dann ja schon bearbeitet.

Pele: Das war ja schon vorher, genau.

Marc: Ja. Deswegen ging das ja. Also, jetzt fühl ich mich auch wieder gut, so mit älter und so.

Pele: 31.

Marc: Ja, dann hat man das alles so für sich ausgemacht. Und das ist gut, da könnte man jetzt auch Musik machen. Wenn man sich auf Lotterleben einstellt.

Tamara: Du brauchst also geregelte Bahnen.

Marc: Ja, ne. Ja, gut. Wir müssen das hier ja mal abschließen. Ja, ich brauche geregelte Bahnen.

Pele: So, und jetzt fragen wir den André!

André: Was wollt ihr mich denn fragen?

Tamara: Warum wolltest du nicht mehr Astra Kid machen?

Pele: Das weiß der überhaupt gar nicht.

André: Was? Astra Kid gibt es nicht mehr? Für mich war das letzte Album, das "Stereo" Album, das geilste Album der Musikgeschichte in Deutschland! Nein, jetzt ernsthaft. Ich fand es richtig toll und hab fest daran geglaubt, dass es was wird. Denn für mich persönlich war es immer die letzte Möglichkeit, dass es überhaupt was wird. Und im Nachhinein, meiner Meinung nach, haben sich die Prioritäten geändert. Man hat irgendwie Auftritte bekommen, von der Bookingagentur, hat gesagt: "Ne, da kann ich nicht. Ich schreib eine Klausur, ich muss lernen. Oder "Ich geh halt lieber arbeiten und verdiene Geld für meine Vermieter." Es hat sich halt langsam im Laufe der Zeit immer mehr verschoben. Und ich sag mal, man ist als Band irgendwie immer mehr und mehr auseinander gegangen bzw. man hat gemerkt es hat nicht mehr so die Priorität sich auf die Musik zu konzentrieren. Und deswegen kam dieser Split zustande. Was ich sehr schade finde. Wie gesagt ich vermiss es immens, aber wie Pele schon sagt, es hat irgendwie mit Zukunftsängsten zu tun. Also, erstmal will ich mein Studium beenden und ob man dann noch mal ein Revival startet oder was weiß ich was. CD Nummer 4 raus bringt, vielleicht. Ich weiß es nicht. Aber mal schauen. Wie gesagt, ich vermiss es schon sehr. Aber es war auf jeden Fall der richtige Entschluss, denke ich.

Tamara: Also ist es für dich jedes Mal schön, wenn man auf dem Sorf spielen kann.

André: Das Sorf ist mir relativ egal.

Tamara: Oder allgemein.

André: Ja klar. Allein schon mit den Jungs zu proben ist sehr lustig und auch im Bulli zu fahren. Es ist schon immer sehr speziell. Es gibt Sachen, die vermisst man. Aber es gibt auch Sachen die sehr chaotisch immer sind, die auch statt finden, wo man immer eher froh ist, dass man die nicht mehr so oft mitbekommt. Aber generell ist es wirklich sehr schade einfach. Und vielleicht wird es auch noch mal was. Vielleicht tun wir uns noch mal zusammen oder irgendwas. Also, ich bin da überhaupt nicht abgeneigt. Aber wie gesagt, erstmal muss jeder sein Ding machen und schauen, wie er zurecht kommt und dann sehen wir weiter.

Tamara: Und machst du nebenbei noch irgendwas Musikalisches?

André: Ne, jetzt gerade nicht. Nein, ich will erstmal mein Studium beenden, das ist für mich gerade meine Maxime, meine Leidenschaft. Und das muss erstmal. Und was danach so kommt, schaun wir mal eben. Also, wie gesagt, erstmal Sicherheit im Berufsleben oder wie auch immer. Dass man ein bisschen Geld verdient, dass man nicht den Cent drei Mal umdrehen muss, sondern keine Angst haben muss, ob man seine Miete nicht bezahlen kann. Solche Sachen. Da hab ich, ganz ehrlich gesagt, keine Lust mehr zu.

Tamara: Was studierst du?

André: Elektrotechnik. Aber ich bin bald fertig.

Tamara: ich glaub du und Chris sind die einzigen, die noch wirklich Musikprojekte am Laufen haben, oder?

Pele: Richtig.

Tamara: Du hast Pele Caster, du hast Autobahn und du hast Klee.

Pele: Ja.

Tamara: Machst du auch Fettpfanne? Ne, da bist du nur der Dollar-Manager.

Pele: Nur der Produzent. Ich produziere ja auch alles selbst. Nein, das wäre auch alles zu teuer sonst.

Mark: Pele will mal die Welt beherrschen.

Tamara: Also, hast du auch ein kleines Studio?!

Pele: Nein, also alles was man auf Myspace hören kann, hab ich alles alleine im Proberaum gemacht.

Tamara: Dich stört es also nicht so ein Lotterleben zu führen?

Und hier droht der Wind das die restlichen Minuten des Interviews vollkommen unkenntlich zu machen. Pele erzählt nun davon, wie schön er es findet unterwegs zu sein und wie ungern er sein Heim beehrt. Woran das liegt? Zu einem großen Teil daran vor "regierungstechnischen Eskapaden" zu flüchten. Steuererklärungen, die Krankenversicherungen und Monatsmieten verfolgen ihn da. Er meint es wäre toll unterwegs zu sein, aber wenn man wieder heim kommt, würde es einen doppelt treffen.

Der Wind ist gnädig, die Frage nach einer Wiederzusammenführung wird beantwortet.

Tamara: Es verlauteten vorhin Töne, dass man Astra Kid vermisst, also von der Band selber. Hast du das mitbekommen?

Pele: Von uns selbst? Von wem?

Tamara: Von André.

Pele: Tatsächlich? Dann sollte er das mal laut sagen. Aber er hat wahrscheinlich gesagt, er vermisst es schon, aber...

Tamara: Ja, dass man ja eine Sicherheit für die Zukunft haben will. Aber er hat gesagt, er vermisse Astra Kid sehr und wäre auch einer Reunion nicht abgeneigt.

André: Ja, aber erst mal sehen, gucken was das Schicksal so bringt.

Pele: Ja, aber genau dieses Ding! Dafür ist halt schon Musikerdasein nicht gemacht. Also, erst mal Musiker sein und dann abgesichert sein, das ist nicht der richtige Weg! Dann ist es für mich kein Musiker!

Tamara: Das heißt eine Reunion wäre für dich unauthentisch?

Pele: Richtig!

André: Ich weiß aber auch, dass es niemals eine Reunion geben wird.

Pele: Entweder macht man Musik, oder man macht es nicht. Diese Rumstudiererei oder sonst was... Da bin ich halt altmodisch, egal wie schlecht die Situation ist, und ich vielleicht am Tag einen Brühewürfel essen kann vielleicht mal, solche Sachen gab es auch, also, in flüssiger Form dann auch, früher. Nein, ich denke halt, es gibt Menschen die wollen das und es gibt Menschen die wollen das nicht. Und deswegen gibt es Astra Kid nicht mehr. Obwohl es freundschaftlich genauso ist wie vorher.

09.06.2007 // tamara
 

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