ClickClickDeckerinterview auf dem melt! festival 2007
Hier zu lesen nun, ein wundersames Interview mit Kevin Hamann aka Click Click Decker. Ein reizend wunderlicher junger Mann, der The Nosliw halb verpasste, um mir einige Fragen zu beantworten. Dabei saßen wir auf der reizenden Terrasse des gar exquisiten Restaurants de la Mélt und ließen uns von einem lieblichen Lichtspiel verzaubern. Wo nun die Ironie liegt, das vermag jeder Leser selbst zu erkennen.
Das ist dein erstes Festival überhaupt?
Nein, das erste dieser Größe. Also, das letzte Mal auf einem Festival war ich vor zehn Jahren, selber - als Gast. Und in dem Dorf, in dem ich gewohnt habe, da gab es ein Festival auch. Das hieß Waldheim Festival, da hab ich auch Boa, Abwärts, Illegal 2001 und andere Bands gesehen. Aber von der Größe her ist es mein erstes Festival. Auch als Gast, weil ich bleib ja bis Sonntag auch hier. Und insofern ist es das erste Große, ja richtig.
Wie hast du den Auftritt heute hier empfunden?
Der Auftritt heute war super! Also, uns hat es sehr gefallen. Und wie das Festival war - das weiß ich noch nicht.
Hat ein bisschen chaotisch gewirkt, was ich von dem Auftritt gesehen habe.
Ja, kann ja so sein.
Was hatte es mit dem Hut auf sich?
Der kam ja nicht von uns! Darauf mussten wir ja reagieren. Deshalb war es vielleicht ein bisschen chaotisch, weil uns das aus unserem Universum geworfen hat, keine Ahnung. Aber vielleicht war es deshalb ein bisschen chaotisch, wegen dem Hut. Ich hab gelesen, dass du manchmal mit Band auftrittst und manchmal nicht und dass dir das Arbeiten mit Bands, oder anderen Menschen generell, zu langsam ist. Also, erst mal die eine Sache, mit dem Live: ich hab es sieben Jahre lang allein gemacht auf der Bühne und ich mache es jetzt seit letztes Jahr August mit der Band. Das ist einfach mal was Neues, was das ich ausprobiere oder wir alle selber ausprobieren. Und gefällt mir auch, es gefällt mir auch sehr, sehr gut, aber das soll nicht heißen, dass es jetzt quasi nur noch mit Band sein wird. Und das mit dem Arbeiten zusammen... Ich arbeite einfach zu Hause und da ist es immer schwierig Leute einzuladen. Und mit einer Band Musik zu machen hab ich irgendwie schlechte Erfahrungen mit gemacht in meiner Jugend. Irgendwie hab ich angefangen es einfach alleine zu machen. Und damit hab ich die besten Erfahrungen gemacht, es einfach alleine zu machen.
Was für Erfahrungen hattest du in deiner Jugend damit?
Schlechte Erfahrungen.
Ja, hattest du eine Schülerband die dann irgendwie schwierig war, oder...
Ne ne, eine Schülerband hatte ich leider nie. Und an den Schulen an denen ich war wurde Musikunterricht leider nie angeboten.
Gar kein Musikunterricht?
Nein, leider nicht.
Ungewöhnlich.
Ja, ich finde es nicht ungewöhnlich, ich finde es schade. Also, keine Schülerband. Ne, ich hab früher in einigen Bands gespielt. Und keine Ahnung, es hat mir nicht gefallen. Man muss sich auf so viele Sachen einlassen und auf so viele Kompromisse beim Liederschreiben und -machen eingehen. Ach, ich weiß nicht! Hat mir einfach nicht gefallen.
Also, war dir das zu viel immer Kompromisse etc. eingehen zu müssen?!
Ja, vielleicht bin ich da zu egomanisch. Dass ich einfach lieber alles selber in der Hand habe.
Hat es dich irgendwann mal gereizt mit Produzenten zu arbeiten, um eine Meinung zu haben, von jemandem der ein bisschen weiter weg ist?
Ah, das ist eine Sache, die ich sowieso mache. Also, wenn ich Sachen schreibe, aufnehme, dann hört das immer ein bestimmter Kreis, der dazu Sachen sagt und der auch umarrangiert oder verändert. Aber das Grundprinzip, das Gerüst das will ich immer selber aufstellen. Und mit einem Produzenten hab ich nie gearbeitet und hat sich nie ergeben. Aber jetzt gerade arbeite ich z.B. sehr viel mit meinem Gitarristen zusammen, also meinem Live-Gitarristen . Und ich weiß auch sehr zu schätzen, was er so einbringt und es ist auch eine sehr fruchtbare Arbeit. Aber Produzenten in dem Sinne... find ich auch ganz schlimm, diesen Ausdruck "Produzenten". Obwohl ich gerade bei einer anderen Band, deren Album ich bald raus bringe, seh ich gerade, die arbeiten gerade mit einem Produzenten zusammen, wie sehr das auch da fruchtet. Dass die da teilweise von leben und sich auch die Aufnahmen zum Teil verändern, zum Positiven noch mehr. Also, ich weiß es auch zu schätzen, dass Produzenten eine wichtige Stelle auch haben, teilweise. Aber ich selber bin noch nie in den Genuss gekommen, ich kann es mir auch nicht leisten. Das ist, glaub ich, der wichtigste Aspekt, ich kann es mir nicht leisten. Ich kann mir auch keine Band leisten, also mit der Band aufzunehmen, viel zu teuer alles. Ins Studio zu gehen und so, ist viel zu teuer. Lieber mach ich es zu Hause, am Computer, ich hab keine Studiokosten, ist viel besser!
Glaubst du, dass eher jüngere Bands Produzenten nutzen, eben weil sie noch nicht so viel Erfahrung haben?
Kann ich niemandem raten. Die Frage war, ob ich es glaube?! Ich weiß es nicht, ich kann es nicht einschätzen, weil ich mich damit nicht beschäftige, aber ich würde es auf jeden Fall keinem raten. Ich selber komme aus der Homerecording-Ecke und ich mach es auch immer noch. Und die Möglichkeiten heute zu Hause aufzunehmen oder im Proberaum sind noch viel geiler als damals vor 15 Jahren, als ich angefangen hab, selber mit dem Kassettenrecorder. Jeder hat einen Computer zu Hause, jeder kann unglaublich viele Spuren zu Hause aufnehmen und kann jedes Studio ersetzen. Also, warum sollte jemand mit irgendeinem Produzenten ins Studio gehen? Eigentlich ist das Quatsch! Wenn man irgendwie meint, man braucht jemanden der da einem hilft oder man hat nicht das technische Know-how oder wie auch immer und man muss was fertig stellen, dann sollen sie es machen, ich finde learning by doing. Man muss das immer irgendwie selber ausprobieren, sehen wie weit man kommt und... ja, Homerecording.
Ich finde deutsche Bands kann man gut in so kleine Grüppchen unterteilen. Z.B. gehören einige Bands vom Grand Hotel zusammen, dann gehören zusammen Anajo und Tele, die Kilians mit den Dalles usw. Solche Sachen eben, es gibt so kleine Grüppchen, die sich musikalisch ähneln.
OK, also Grand Hotel hab ich verstanden, Anajo und Tele auch noch so ein bisschen. Aber ich hätte eher gedacht... Wer kommt denn sonst noch aus Augsburg?
Roman Fischer, aber der hört sich ja ganz anders an.
Ja, stimmt, der singt ja auch auf Englisch. Und Kilians kenn ich nicht und Dalles kenn ich auch nicht.
Das ist sind auch noch jüngere Band. Aber du hast verstanden, was ich meine?
Ja.
Und bei dir hab ich das aber, dass ich dich eigentlich keiner Gruppe zuordnen kann.
Oh, das ist aber nett! Vielen Dank!
Ja, da ist auch wirklich ein Kompliment.
Das seh ich allerdings genauso.
Weil deine Musik halt immer sehr unterschiedlich ist, aber auch nicht das was man immer hört. Es ist deutsche Musik, mit deutschen Texten, mit sehr besonderen Texten, aber es ist eben nicht das, was man immer hat. Und ich finde deine Texte wirken immer sehr ehrlich und aus dem Leben gegriffen. Sind das Sachen, die dir passieren oder über die du nachdenkst oder die Freunden passiert sind? Oder wie kommt da was zusammen?
Das kommt aus meinem Leben oder meinem Umfeld zustande, ja.
Hast du kein Problem damit, das deinen Zuhörern offen darzulegen?
Ne, weil ich das immer einigermaßen versuche zu verschlüsseln. Auf eine Art und Weise gebe ich viel preis, aber für mich ist es in Ordnung, weil ich es für mich immer noch so gut verschlüssel, dass es nicht zu privat wird. Dass ich unangreifbar immer noch bin, also für mich selber. Dass ich quasi der Meinung bin, dass ich noch nicht zu viel preisgegeben habe. Durch dieses Texte codieren baue ich mir einfach so eine Mauer, so zum Schutz davor, dass das nicht zu privat werden könnte.
Aber ich finde deine Texte sind immer noch relativ deutlich.
Vielleicht meinst du sie sind deutlich, weil du sie eventuell vielleicht auf deinen eigenen Alltag übertragen kannst. Und das ist ja gerade das Schwierige daran, meine eigenen Erlebnisse so zu verbasteln, dass sie quasi halt kompatibel sind und dass jeder irgendwas daran findet. Sicherlich geb ich darin auch viel preis, aber auf eine Art und Weise, da kann ich mir auch vorstellen, dass es vielen Menschen auch selber so geht, wie mir auch. Das ist auch gerade das Interessante daran und das ist auch gerade die Herausforderung daran. Jemandem was mitzuteilen und er denkt dann " Ey, seh ich ähnlich!" oder "Ist mir auch mal passiert!" oder "Ja, ich weiß was du meinst!". Da geht es doch nicht darum, dass ich sage "Das ist mir passiert!", sondern da geht es darum "Das kann dir auch passieren oder vielleicht ist es dir schon passiert!" Diese Textfragen sind immer sehr schwierig.
Wo willst du mit Click Click Decker hin?
Wo ich damit hin will? Keine Ahnung. Wie meinst du "Wo ich damit hin will?"
Ich meine, jetzt kennt man dich, wenn man sich mit deutscher Musik beschäftigt, die nicht super bekannt ist. Aber den meisten Leuten sagst du ja weniger was, wenn man jetzt mal in eine normale Kneipe geht. Und hättest du gerne, dass das anders ist und mehr Leute wissen wer du bist?
Was heißt "Hätte ich es gerne...?" Ich glaube, es ist der Wunsch von jedem Künstler, dass seine Kunst halt irgendwie so weite Bögen schlägt, aber es ist nicht meine Aufgabe das zu tun. Ich mach das, was ich machen will und ich freu mich darüber, dass sich der Kreis immer weiter öffnet und immer mehr Leute dazu kommen, aber es ist keine Maxime. Also, ich hasche nicht nach Ruhm, sag ich mal so. Ich bin damit zufrieden, wie es gerade läuft. Und wenn es nächstes Mal noch besser läuft freu ich mich darüber, aber muss auch nicht unbedingt sein. Ich glaub, ich wär auch nicht enttäuscht davon. Weil... ich weiß nicht, ich mach die Scheiße schon seit fast zehn Jahren und da entwickelt man dann einfach so eine... keine Egalhaltung, aber man wird ein bisschen ruhiger und man hat nicht unbedingt dieses "Es muss jetzt unbedingt nach vorne gehen! Ganz viele Leute müssen die Platte kaufen!" Man ist schneller zufrieden mit den Dingen, die passieren. Und wo ich hin will? Keine Ahnung, ich weiß es nicht. Mach ich mir keine Gedanken drüber. Jetzt gerade geht es mir super, ich fühl mich gut, kann grade ein bisschen davon leben, von dem Kram. Und was nächstes Jahr ist, weiß ich nicht. Ist mir auch egal, ehrlich gesagt. Ich kann auch wieder arbeiten gehen, hab ich kein Problem mit.





















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