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tentinterview mit Alexander, Malte und Benedikt

Wie geht es euch denn gerade? Euer Debütalbum wurde gerade veröffentlicht und von der Presse gehörig gelobt. Zumindest habe ich bisher noch keine negative Kritik gelesen.
A: Es geht uns sehr gut. Und das hängt sicherlich auch damit zusammen, daß das Album nun endlich veröffentlicht ist. Ich denke, daß die Zeit zwischen der Produktion und der Veröffentlichung eines Albums für viele Musiker besonders schrecklich ist. Man stelle sich eine junge Mutter vor, die Monate lang keine Fotos ihres Neugeborenen an alle ihre Bekannten schicken darf. Auch ich habe noch keine negative Kritik gelesen, und das ist auch gut so, denn - um mal in dem Mutter-Kind-Bild zu bleiben - das wäre bestimmt sehr verletzend und unangenehm gewesen.
M: Ich bin froh endlich im Haifischbecken angekommen zu sein.

Beschreibt doch mal die Zeit, die seit eurer letzt jährigen Ep zurückliegt. Was ist alles passiert? Bzw. Was hat sich verändert?
A: Wir haben ein Album aufgenommen und jede Menge Konzerte gespielt. Die Zeit und Arbeit, die wir in die Band investieren, haben sich vervielfacht, wobei es natürlich nichts gibt, was wir lieber täten.

Viele Bands die live eine Macht sind versagen auf Platte. Ihr fangt die Energie, die ihr auf der Bühne an den Tag legt auch im Studio ein. Dass das keine einfache Aufgabe ist klar. Beschreibt doch mal eure Zeit im Studio und wie ihr glaubt, die Live Energie dorthin mitgenommen zu haben?
A: Wir hatten mit Oliver Zülch einen Produzenten der Spitzenklasse, der wie wir das Ziel hatte soviel wie möglich von der Live-Energie auf das Album zu bringen. Also hat er sich in den Probenraum gesetzt, und wir haben ihm alle Stücke unglaublich laut vorgespielt. Im Laufe der Aufnahmen hat er uns dann immer wieder ziemlich merkwürdige Geräusche aufnehmen lassen, die im Albumkontext so klingen wie der angenehm ohrenbetäubende Lärm, den man sonst nur bei sehr lauten Club-Konzerten zu hören bekommt.
M: Ich glaube die Energie entsteht bei uns im Proberaum. Was wir auf der Platte versucht haben ist dem Zuhörer das Gefühl zu geben er stehe bei uns im Proberaum, zumindest was das unser Ziel. Zusammen mit solch einem Übermenschen als Produzent wie der Oliver Zülch war es eigentlich relativ einfach das auch umsetzten zu können. Den Bass haben wir z.B. immer gleichzeitig clean und verzerrt über zwei Verschiedenen Amps abgenommen und alle möglichen Bodentreter ausprobiert bis wir mit dem Sound zufrieden waren. Bei Hard to Stop kommt ein Oliver Zülch dann einfach auf die Idee den Bass im Refrain Stereo abzumischen, was einen echt umhaut…

Ein großer Vorteil eurer CD ist aber nicht nur die Energie, sondern auch die Kürze. Hattet ihr noch mehr Lieder, oder waren es die einzigen Lieder die ihr aufgenommen habt?
A: Zu Beginn der Produktion haben wir für einige weitere Stücke die Basic Tracks aufgenommen, unter anderem weil wir einen Song der EP auf dem Album haben wollten und nicht sicher waren, welcher sich am besten einfügen würde. Gegen Ende der Produktion haben wir dann noch ein paar Demos aufgenommen, um besser an neuen Stücken arbeiten zu können. Es stand allerdings schon recht früh fest, daß das Album zwölf Stücke umfassen sollte, und damit auch, daß es unter 30 Minuten bleiben würde.

Die gesamte Musikindustrie ist momentan im Umbruch und wird sich zwangsläufig in den nächsten Jahren drastisch verändern. Ash wollen zum Beispiel keine Alben mehr produzieren. Ist das für euch auch ein Mittel um kurzfristiger und zielgerichteter zu arbeiten?
A: Man kann sicherlich kurzfristiger arbeiten, wenn man jeden Song sofort quasi als Single produziert und digital anbietet, und gerade in Anbetracht der langen Zeit, die ein gutes Album braucht, ist das sehr verlockend. Ich denke aber, daß man Bands nur im Albumkontext (und natürlich live) adäquat wahrnehmen und bewerten kann, daß das Album die Königsdisziplin des Musizierens ist, und daß es als Künstler deprimierend ist, auf einen Song reduziert zu werden.
M: Das Album als komplettes Gesamtkunstwerk bleibt sicher nach wie vor das, woran sich eine Band messen lassen muss. Zwangsläufig ist klar das die CD Verkäufe zurückgehen werden und der download und mobile markt zunehmen wird. Dennoch kann es doch nicht das Ziel einer Band sein aufgrund dessen nur noch SingleTracks zu Produzieren.

Mit welchen Bands werdet ihr denn am häufigsten verglichen? Gibt es dabei eine mit der ihr nichts zu tun haben wollt?
A: Die Bands mit denen wir am häufigsten verglichen werden sind Weezer, Muse und Arctic Monkeys. Das sind alles Bands, die ein fantastisches Debut-Album hingelegt haben, daß es innerhalb weniger Hördurchgänge von "ganz nett" nach "unglaublich gut" schafft; insofern ist das schmeichelhaft, der musikalische Vergleich aber für mich nicht unbedingt nachvollziehbar.

Gibt es denn Vorbilder, an denen ihr eure Musik orientiert?
A: Die "Vorbilder", die ich als Musiker habe sind solche Bands wie Spoon oder Nada Surf, die ihre Musik eben nicht irgendwo orientieren, sondern mit jedem Album mehr zu sich selber finden um sich als Band zu manifestieren.
M: Für mich gibt es ganz klar ein paar Bassisten deren Sound mich immer Fasziniert und Inspiriert hat, z.B. Chris Wolstenhome von Muse. Von daher muss ich zugeben dass ich mich an solchen Musikern zumindes Soundmäßig orientiert habe.

Was plant ihr denn für die Zukunft? Unmittelbar und/oder Entfernt?
A: Wir würden es gerne schaffen, auch außerhalb Deutschlands zu veröffentlichen und Konzerte zu spielen. Es ist schon merkwürdig, wie oft Menschen, die uns ein Kompliment machen wollen, behaupten, wir würden angenehm undeutsch klingen. Und dieses Vorurteil, daß deutsche Bands immer schlecht sind, gibt es komischerweise nur in Deutschland.

Gern würden wir euch bitten 5 Bands anzuhören und zu jeweiligen eure Meinung abzugeben:
Kinderzimmer Produktions - Das T (www.myspace.com/kinderzimmerproductions)
A: Kinderzimmer Productions gehören zu den wenigen Rap-Sachen, die mir gut gefallen, weil die Texte prima sind. Den Track finde ich allerdings nicht wirklich repräsentativ.
B: Gut, dass sie zurück sind. Wohltuend nach all dem BushidoSidoFler-Mist. Erinnert an die Zeit als deutscher HipHop inhaltlich und handwerklich international mithalten konnte.
M: Geiles Gitarrensample nach dem Refrain…

Pavement - Cut your Hair (www.myspace.com/pavementrock)
A: Crooked Rain ist auf jeden Fall unter meinen 10 Platten für die berühmte einsame Insel.
B: Klassiker. Unser Sänger sieht auch aus wie Stephen Malkmus. Müssen wir das deswegen besprechen?
M: Mit der Band werde ich trotz aller Lorberen von Alex und Benne einfach nicht warm.

Tomahawk - Ghost Dance (www.myspace.com/tomahawkofficial)
A: Das ist vielleicht irgendwie interessant aber so gar nichts für mich, genau wie das meiste was Mike Patton so macht.
B: Schamanenrock. Trancen an mir vorbei. Ich war aber mal Faith no more-Fan wie jeder Pubertant in den 90ern. Live vielleicht gut mit Meskalin im Blut.
M: Erinnert mich irgendwie an "Fear and Loathing in Las Vegas"…

Ben Weaver - Wings as Knives (www.myspace.com/benweavermusic)
A: Typischer Fall für Glitterhouse, würde ich mal sagen. Das ist immer ganz große Poesie, die musikalisch aber so verpackt ist, daß ich mich wahrscheinlich mit 60 noch zu jung dafür fühlen werde.
B: Schöne Dramaturgie hat der Song. Berührt mich aber leider nicht so.
M: Sehr, sehr schön.

Editors - Smokers outside the hospital doors (www.myspace.com/editorsmusic)
A: Es ist gemein sowas zu sagen, aber für mich ist diese Band einfach nur die britische Ausgabe von Interpol. Braucht meiner Meinung nach kein Mensch…
B: Ich muss weg.
M: Mich erinnerts auch an Interpol. Sorry, die waren vorher da…

Zum Schluss eine Frage nach der Bedeutung von Kaffee? Wie wichtig ist er für euch als Menschen und als Band?
A: Kaffee ist eines der drei sinnvollsten Getränke der Welt; you can sleep when your dead.
B: Ich bin süchtig nach Kaffee und ich weiß nicht ob das gut oder schlecht ist. Als Bandmitglied hilft es ungemein trotz eines Katers Konzerte spielen zu können.

M: Ohne Kaffee und Kippe am Morgen ist der Tag einfach fürn Arsch. Vielen Dank für eure Zeit und viel Erfolg auch weiterhin!

28.06.2007 // tore
 

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