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pawnshop orchestra und michael elektrichgegenseitiges interview

na michael. was haben wir denn gemeinsam, außer dass wir schlecht rasiert mit laptop und gitarre unsere songs darbieten?
nun. laut dem lokalblatt ingolstadts kommen wir beide aus ingolstadt, und was tatsächlich stimmt ist, dass wir im selben jahr geboren sind. zudem glaube ich, dass wir noch die gemeinsamkeit teilen, dass wir einen hang dazu haben, musik als etwas sehr spontanes zu begreifen.

meinst du, dass es daran liegt, dass wir die songs alleine arrangieren, oder arrangierst du überhaupt alleine?
größtenteils mache ich das alleine, ja. wobei es in letzter zeit immer häufiger vorkommt, dass ich um fremde mithilfe sehr dankbar bin. was sich dann aber auch sehr spontan abspielt. heißt, wenn gerade ein musikerkollege anwesend ist, dann frage ich auch gerne mal, ob er lust hat, mit mir etwas zu machen. eben mehr oder weniger zufällig. ansonsten glaube ich schon, dass man alleine, also als solomusiker, schon spontaner sein kann und auch zwangsläufig ist, als wie in einer band.

ähnlich bei mir. gerade im studio wo ich aufnehme, bin ich immer dankbar, dass mir jemand zeigt, wie man kreativer bass spielt als ständig auf den grundtönen rumzuschrabbeln. in den meisten fällen macht das dann vander, der auch bei der kiesgroup und den dativ boys spielt, sonst programmiere ich beats alleine und mit gitarren und keyboard komm ich noch ganz gut zurecht. aber um auf den ausgangspunkt zurückzukommen, alleine traue ich mich mehr trash. noiseparts oder yo la tengo gitarrensoli entstehen ausschließlich daheim beim aufnehmen und meist aus wutanfällen, dass ich die melodie versemmel oder die soundqualität so schlecht ist, dass ich den verzerrer gleich bis zum feedbacken aufdrehe. ich bin ja bei eletkronischer unterstützung auch noch recht kurz zugange, du hast ja gleich mit beats und clicks zur gitarre begonnen, oder?
ganz so ist das nicht richtig. als ich angefangen habe solo zu machen habe ich mich auch noch am schlagzeug versucht, habe das allerdings sehr schnell aufgegeben. und bin dann eben umgestiegen auf groovebox und allmählich dann auf laptop. wobei ich gerade jetzt zur tour dahin tendiere, den schwerpunkt auf akkustikgitarre und stimme zu verlagern. vorher sah ich die elektronik gleichberechtigt nebenher, jetzt verstehe ich sie mehr als unterstützung und untermalung, aber nicht mehr als eine der tragenden säulen.

bei mir ist es eher umgekehrt, meine ersten beiden platten habe ich ziemlich akustisch aufgenommen, meist sogar auf verzerrer und effektpedale verzichtet, nun verschiebt sich das ganze in eine elektronischere richtung, auf dem album, dass ich gerade aufnehme gibt es sogar eine nummer, die gänzlich ohne gitarre auskommt. du hast dir davon ja ein bild machen können bei den bisherigen konzerten. ich habe ja ein wenig angst, dass der bruch von den folky slide-gitarren balladen zu rockigen beatmonstern wie "dizzy" ein wenig zu krass ist. wie siehst, oder besser, hörst du das?
gar nicht so. ich finde die jetzige mischung in deinem live-programm ziemlich gut und super ausgewogen. und ich bin immer ganz froh als zuschauer, wenn zwischendrin auch mal was kommt, was vielleicht auf den ersten blick nicht so reinpassen mag. denn das erhält die spannung und macht es einfach interessanter. und nicht so langwierig oder langweilig, als wie wenn alles aus einem 1000%igen guss kommt. ich habe ja auch lange rumgemacht, um für die tour ein passendes live-set auf die beine zu stellen, und habe da auch bewusst versucht, die alten sachen mit den neuen, die sich teils schon sehr unterscheiden, in ein passendes verhältnis zu bekommen. und da frage ich mal gleich zurück, wie siehst, oder eben besser, hörst du das?

ich finde auf jeden fall, dass es nicht nach viel arbeit klingt. und das im positiven, also nicht bemüht, sondern alles sehr locker, frisch und die spontanität deiner songs geht nicht verloren. und wie du schon sagtest, es ist interessanter, wenn man ein paar brüche im live-set hat. wirkliche alleinunterhalter, so wie bernd begemann oder clickclickdecker, schaffen es allerdings nur mit gitarre einen ganzen abend zu unterhalten. macht uns das jetzt zu schlechteren menschen?
hmmm. muss ich darauf antworten?!? - nein, also, mal so gesagt: für mich wurde immer mehr zum entscheidenden kriterium, ob man sich auf der bühne, oder auch im proberaum, eigentlich egal wo, mit seinen songs wohl fühlt.

das ist doch eigentlich klar, dass man sich mit den liedern wohl fühlen muss. wenn ein stück bei mir unbehagen auslöst, dann schmeiß ich es gleich in die tonne. wobei es einen song bei mir gibt, den ich ungern live spiele, der aber gerne verlangt wird.
und der wäre?

"sebastian deisler" bzw. "der traurige fussballer".
also. da meine platte "the milkman, hit by winging electronics" ja gänzlich von mir selbst zuhause und im studio gemacht wurde, kam es bei der anschließenden live-umsetzung schon dazu, dass es kompromisse gab, mit denen ich nicht zurecht gekommen bin, oder schlicht unzufrieden war und mich eben damit nicht wohl gefühlt habe. aber mit den neuen liedern und einer neubearbeitung alter lieder des albums habe ich jetzt ein live-set, bei dem ich mich so unglaublich wohl fühle, was mir auch einen unglaublichen auftrieb verleit, wenn man so sagen möchte. um also noch mal zurückzukommen, auf die schlechtere mensch frage: im moment mache ich das, was ich im moment musikalisch machen möchte. weshalb so etwas für mich gar nicht in frage steht. und ich denke, bei dir ist das sehr ähnlich.

war auch eher ein scherz, wobei bernd begemann mal bei einer show in hambrug zugegen war und so lange über meine verstimmte gitarre gemeckert hat, bis ich sie ihm zum stimmen gab. aber er hat's auch nicht geschafft, ha!
du nimmst ja gerade neue sachen auf. gibt es da schon eine zeitplanung? also, kann man schon sagen, wann die sachen veröffentlicht werden?

nein, gar nicht. es sollte zuerst auch nur eine e.p. werden, doch schreib ich momentan relativ viele stücke, so dass es eh schon eine acht song e.p. gewesen wäre und dann kam noch ein song dazu und eine neun song e.p. ist irgendwie doof, so nehme ich mir jetzt die zeit, schreibe ein wenig und nehme dann noch ein paar lieder auf. am ende soll es dann ein richtiges album werden. allerdings habe ich noch eine neue e.p. aufgenommen, die schon fertig ist. eine fortsetzung von meiner ersten 7inch. ebenfalls vier songs, die wieder sehr folkig und countriesk sind. dafür suche ich noch ein label, wüsstest du nicht eines?
wie? nicht mehr lolila?

das ist ja mein label. also ich mach das mit zwei freunden zusammen. so müsste ich das alles selbst zahlen. außerdem stehe ich ja unglaublich auf zusammenhänge, die es im hiphop und in diesem speziellen fall gerade in der elektronik gibt, dass man sich gar nicht so sehr an ein label bindet. ich hätte ja auch lust so was wie aggro berlin zu machen, einen "ansage" sampler mit lolila, wo bei den songs der feature gedanke aufgegriffen wird und man viel mehr miteinander macht.
mehr zusammenarbeit. oh ja. das denke ich mir auch schon etwas länger. und wir beide meinten ja eh schon, dass wir in die richtung mal denken sollten. von dem her würde ich sagen: aufgemerkt ihr da draußen. wir haben da schon noch was vor!

worauf ich auch bock hätte wäre eine produzenten platte. das gibt es im hiphop auch. eben jeder song mit anderen produzenten und musikern, aber schon eine pawnshop orchestra veröffentlichung. gibt es bei dir eigentlich so was wie einen traum-kollaborateur?
zuerst: die platte würde ich gerne hören! und einen traum-partner habe ich eigentlich so jetzt nicht. ich hatte mir immer gewünscht, auf dem nächsten album bei jedem stück einen anderen gastmusiker dabei zu haben, mit dem man auch den jeweiligen song von anfang bis ende schreibt, arrangiert, aufnimmt, etc.. leute, mit denen ich gerne songs zusammen machen würde, wären ja genug vorhanden, aber das zeitliche problem hat es bis jetzt nicht zugelassen, diesen traum wirklichkeit werden zu lassen.

(traurig) wie, dir fällt kein traum-partner ein?
ach ja! pawnshop orchestra vielleicht!? ... klar, mit dir würde ich auch gerne einen song machen. aber wie gesagt, da gibt es mittlerweile so viele gute leute, oft auch solomusiker, mit denen ich so gerne mal was machen würde.

lass mal aufhören, die wg-katze helga braucht liebe!
stimmt. deswegen sagen wir noch danke an die rote raupe und ich zu dir danke für das gespräch.

ich habe zu denken, äh danken.

05.03.2006 //
 

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