teleinterview mit francesco
Euer Afrikaaufenthalt liegt zwar schon ein wenig zurück, wir würden aber trotzdem gern ein bisschen drüber sprechen. Wie kam es denn dazu, dass das Goethe Institut auf euch zu kam und euch nach Afrika eingeladen hat?
Wir haben in Warschau auf einem Festival gespielt, welches vom Geothe Institut organisiert wurde. Da waren unter anderem auch Mia und die Beginner dabei. Seit dem hatten uns das Geothe Institut wahrscheinlich in der Kartei und haben uns so einfach angerufen und gefragt ob wir Zeit und Lust hätten eine Tour durch Süd Ost Afrika zu machen. Da haben wir ja gesagt.
Kann man so ein Angebot ausschlagen?
Ja klar, kann man das ausschlagen. Aus einem rein geschäftlichen Gesichtspunkt bringt das ja gar nichts. Wenn man gerade eine Platte aufgenommen hat und mitten in der Promotion steckt und eine Tour macht, dann geht das nicht. Aber für uns war der Zeitpunkt perfekt, weil wir gerade dabei waren eine Platte aufzunehmen und nicht genau wussten wo diese hinführen soll. Unser Plan war dann die Platte fertig zu machen und die Lieder schon mal zu spielen um sie für uns zu checken. Das hat aber leider zeitlich nicht ganz geklappt. Die Platte war dann so halbfertig und wir haben so ein bisschen was gespielt. Aber es war eine sehr gute Zeit und auch musikalisch sehr interessant.
Gab es ein prägendes Erlebnis welches dir in Erinnerung geblieben ist?
Da gab es einige. Einmal hatten wir einen sehr schönen Abend in Maputo (Mosambik). Dort gab es eine sehr schöne Bühne auf die wir uns viele Leute geholt haben um mit diesem zusammen zu spielen. Am späteren Abend sind wir noch in einen anderen Club gegangen wo wir uns bei einer Session beteiligt haben und viele Leute kennen gelernt haben. Eine davon hat uns auch schon in Berlin besucht. Es war eine sehr fruchtbare Zeit.
Du meintest, dass ihr angefangen habt das Album aufzunehmen und dann nach Afrika gegangen seid. Hatte dieser Aufenthalt eine Auswirkung auf das Album und wäre es anders geworden, wärt ihr nicht in Afrika gewesen?
Das kann man schwer sagen. Es gibt keine konkreten Auswirkungen. Wir haben unser Songwriting nicht daran ausgerichtet und haben keine afrikanischen Rhythmen eingebaut. Die Auswirkungen sind eher tiefer und länger wirkend. Ich mein, wir machen so wieso immer nur unsere Musik und was da von außen kommt, kann man immer schwierig orten.
Im Berlin habt ihr euch wieder ein Studio zusammen mit Geschmeido eingerichtet. Gab es Überlegungen euch ein eigenes Arbeitsumfeld, losgelöst von Geschmeido zu schaffen?
Nein, nicht wirklich. Wir haben zusammen angefangen, hängen nach wie vor sehr viel zusammen. Wir teilen uns ja auch einen Schlagzeuger. Bisher haben wir uns auch ganz gut abgewechselt mit dem Plattenaufnehmen. Im Moment haben wir gerade beide eine Platte fertig, jetzt könnte es vielleicht ein bisschen stressig werden.
Trifft man sich zufällig im Studio, oder ist das abgesprochen?
Dann läuft es blöd wenn man sich zufällig im Studio trifft. Ne, eigentlich sprechen wir uns immer ganz gut ab.
Kommt es auch vor, dass man sich gegenseitig im Studio hilft?
Auf jeden Fall, das gibt es oft und nicht nur im Studio. Man tauscht sich viel aus. Selbst die Verbindungen die man als Band aufbaut werden ausgetauscht. Wenn man z.B. irgendwo zum Mischen hingeht und das war besonders gut, dann gibt man das weiter und die andere Band geht auch dort hin.
Gab es Überlegungen gemeinsam auf Tour zu gehen, gerade da ja die beiden Alben fast gleichzeitig erschienen sind?
Eher nicht. Da wollte jeder seine eigene Tour und keiner die Vorband vom anderen sein.
Ihr habt die Geothe Instut Reise gemacht, ward beim Bundesvision Songcontest, ward Vorgruppe von Juli, spielt aber auch auf dem Immergut diesen Sommer. Gibt es bei euch keine Abgrenzung zwischen "Mainstream" und "Indie". Ist es euch egal wer euch hört? Wollt ihr Tele für alle sein, auch für den Tokio Hotel Groupie? Gibt es da Überlegungen dazu?
Mmmmh. Man kommt glaube ich nicht weit mit diesen Überlegungen. Es bringt nichts wenn man anfängt zu überlegen wer einen eigentlich hören soll oder darf. Man merkt aber relativ schnell wenn man fehl am Platz ist. Allgemein gesprochen ist es immer eine eher undankbare Aufgabe von jemand Vorgruppe zu spielen. Das ist egal ob das Juli ist oder jemand total abgefahrener. Manchmal klappt es und manchmal nicht. Manchmal kriegt man die Leute und manchmal nicht. Manchmal macht man Sachen die Schön sind und manchmal Dinge die nützlich sind. Dieses indie und Mainstream Ding hat sich in meinen Augen eigentlich auch ziemlich erledigt. Es verkauft ja niemand mehr Platten. Klar, ich verstehe schon dass da eigentlich etwas anderes hinter dem Indie-gedanken steckt. Das hat mir aber noch nie so wirklich eingeleuchtet. Es gibt ja nur ganz wenige Bands die wirklich sagen können, dass sie so eigenständig und unabhängig in dem Sinne von Independent sind. Aber genauso wie es den Mainstream gibt, gibt es den Indiemainstream. Und da gibt es dann auch viele Bands die ähnlich klingen und die erfolgreich sind. Wie soll man die dann nennen? Und das mit Juli war auch so eine Sache. Da war noch ein Platz frei und dann haben wir da halt gespielt. Vielleicht haben wir ja ein paar Leute auf unsere Seite bringen können.
Habt ihr danach ein Album verkauft?
Du meinst nach den Konzerten? Ja, das schon. Aber ob die Leute dann in die Läden gerannt sind, weiß ich nicht. Genauso bei Stefan Raab. Ich meine das ist ja genau das womit Stefan Raab immer hausiert: Die Bands die bei mir auftreten die Charten auch. Obwohl das mit dem Charten auch eine komische Sache ist. Die Bands, in die ein Haufen Geld gepulvert wird, die Charten. Wenn du für eine Band ein paar Million Euro ausgibst und dann landet diese in den Charts. Aber was bringt die Chartsplatzierung wenn man nur so viel verdient wie man rein gesteckt hat, oder vielleicht sogar nicht weniger. Das ist alles so ein bisschen komisches Geschäft. Malor Labels wissen oder befürchten das sie nicht mehr ganz Up To Date und eigentlich so eine Art Dinosaurier sind, geben aber nach wie vor ein Haufen Kohle aus. Die Leben immer noch, haben aber eigentlich keine Daseinsberechtigung mehr. Das ist so ein bisschen eigenartig.
Ist euer Album eigentlich in die Top 100 eingestiegen?
Ja, auf Platz 88 glaube ich.
Machen wir mal eine kleinen Schnitt. Wir haben euch schon ein paar Mal Live gesehen und hatten immer den Eindruck, dass die Band sehr fröhlich und humorvoll ist. Wenn man sich dann mit den Texten beschäftigt wirkt das dann etwas konträr zu dieser Fröhlichkeit. Macht ihr nur gute Miene zum bösen Spiel, oder seid ihr positive Menschen?
Puh, das ist eine schwierige Frage. Wir sind wahrscheinlich montags positiv und dienstags negativ, oder so was. Aber in die Musik fließen alle möglichen Stimmungen mit ein. Mmmh. Die Texte sind dann doch ein bisschen was anderes. Man kann nicht eines entlang dem anderen machen. Wenn man ein Riff hat, das hüpfig oder wattebauschmäßig ist und macht darauf dann genauso eine Text, wie zum Beispiel: gib mir die Hand und wir laufen in den Sonnenuntergang, ist das auch unpassend. Andererseits kontrastieren wir das aber auch nicht bewusst. Also wir sagen jetzt nicht: Ah das ist irgendwie zu schmierig, lass uns da mal eine fiese Textzeile draufbraten und dann ist es wieder o.k. Es gibt aber schon immer Brechungen, dass ist auch wichtig wie ich finde.
Die Texte auf eurem Album klingen teilweise sehr global. Liegt das vielleicht auch ein bisschen an eurem Umzug nach Berlin?
Wenn man in Berlin wohnt, ist einem erstmal nur bewusst dass man in Berlin wohnt. Und Berlin genügt sich zum einem erstmal selbst. Aber wie meinst ihr das, dass die Texte global sind?
Zum Beispiel geht es um Coca Cola Brasilien, oder um Hans der durch die Welt geht. Dann tauchen große Städte auf und das Wort Welt, welches sich fast wie ein roter Faden durch das ganze Album zieht. Wie entsteht so was? Seid ihr vielleicht eine Band, die untereinander viel diskutiert über das geschehen auf der Welt? Entstehen dadurch neue Texte?
Ne, das ist eigentlich ein sehr einsames Geschäft. Zumindest mit den Texten. Wir diskutieren schon über die Texte und auch über andere Dinge, aber über Wörter wie Welt oder auch Leben (ist ja auch so ein Wort) ist das schwierig. Dennoch sind das immer wieder Beziehungspunkte, die auch wichtig sind. Wenn ich zum Beispiel tagelang in dem Zimmer rum sitzen würde, in dem wir gerade sitzen, dann würde irgendwann ein Gedanke wie "Welt" kommen. Also die Beziehung zwischen diesem Zimmer und der Welt die da draußen ist. Darauf folgt dann gleich die Überlegung was ist überhaupt diese Welt die da draußen ist. Ist es die Stadt in der das Zimmer liegt oder gehört da noch mehr dazu. Bei solchen Dingen geht es oft darum Entfernungen ab zumessen. Mit diesen Dingen zu spielen ist sehr schön. Man kann Bilder entstehen lassen die man nicht unbedingt gleich abschätzen kann.
Also spielt die globale Sichtweise durchaus eine wichtige Rolle innerhalb deiner Texte.
Das kann man schon sagen. Ich meine es geht sehr schnell das man überhaupt nicht global ist. Dieses blöde alte Bild vom Tellerrand über den nicht drüber hinaus schaut. Um Texte zu schreiben muss man das machen.
War dann die Reise nach Afrika ganz gut um mal wieder über den Tellerrand hinauszuschauen? Braucht man das dann?
So weit muss man gar nicht fahren. Es reicht schon wenn man seine gewohnte Umgebung verlässt und 20 Minuten eine andere Richtung fährt. Dann fängt man an die Orte die man kennt und die man nicht kennt zu einander in Beziehung setzt. Genauso ist es zum Beispiel mit dem Leben. Man durchlebt Momente die man dann wiederum in Beziehung mit etwas Großen setzt. Dafür ist dann Afrika sehr gut. Da bekommt man ganz andere Lebensentwürfen innerhalb katastrophaler Umständen vorgestellt.
Um noch ein bisschen bei den Texten zu bleiben. Man liest immer, dass du die Texte intuitiv auf die Musik schreibst, du dir also im Vorfeld kein Thema ausdenkst über das du singen willst. Wie kann man sich diesen Prozess vorstellen?
Der erste Impuls ist ein sehr intuitiver. Wir stehen im Raum und es gibt noch kein Lied und irgendjemand beginnt zu spielen und ich fange an zu singen. Manchmal singe ich da auch schon Wörter die dann auch später im fertigen Text sind. Bis dieser dann aber fertig ist, sitze ich noch lange vorm leeren Blatt. Nach diesem Prozess kann es passieren, dass wir die Musik auf Grund der Texte wieder ändern. Eine Art Wechselspiel. Deswegen dauert es dann auch mal ein Jahr um eine Platte aufzunehmen.
"Tele" besteht aus 6 Musikern. Ist das Songwriting ein demokratischer Prozess, bei dem jeder Ideen einbringt?
Ja, das ist tatsächlich so und ist auch eine gute Sache, aber wir müssen uns das mal abgewöhnen. Wir haben uns vorgenommen, dass wir Speziallisten für spezielle Songs einführen. Wenn einem das Lied besonders wichtig ist, dann soll dieser in Zukunft verstärkt Vorschläge einbringen damit sich die anderen auf andere Lieder konzentrieren können. Es passiert oft, das wir alle anfangen an den Liedern rumschrauben. Diese Arbeitsweise müssen wir, wie gesagt ändern. Für dieses Album hatten wir ursprünglich um die 40 Lieder und es sind nicht unbedingt die besten auf der Platte. Sondern nur die die wir hinbekommen haben. Teilweise haben wir Songs 5 Mal aufgenommen und die sind nicht auf der Platte, da immer ein paar Kleinigkeiten nicht gepasst haben.
Im Titelsong des letzten Albums hieß es: "Wovon sollen wir leben, wenn nicht davon, wie wollen wir sein, wenn nicht glücklich." Beim neuen Album heißt es: Wir brauchen … außer du und ich." Braucht man außer der Liebe nichts um glücklich zu sein?
Jein. Für mich ist ein Lied nur eine Stichprobe aus dem Leben. Es gibt diese Momente in denen das so ist. Das ist aber nicht auf die Band übertragbar. Ich finde das es ist aber ein schöner Gedanke. Dieses Gefühl der Nähe und sich selbst zu genügen.
Bist du ein bescheidener Mensch?
Nein, ich bin kein bescheidener Mensch. In bestimmten Sachen sicher, aber im Großen und Ganzen nicht.
Wie stellst du das fest?
Ich stelle mir vor, dass bescheidene Menschen relativ oft zufrieden sind mit allem Möglichen. Ich bin dagegen sehr oft unzufrieden. Ich denke mir dann: nein, dass reicht mir jetzt nicht. Bescheidene Menschen denken, dass ihnen die Dinge die sie bekommen zu stehen und schon richtig sind. So bin ich überhaupt nicht.
Eine Zeile ist uns noch aufgefallen. Und zwar singst du glaube wir im Lied "Bye Bye Berlin": "Ich weiß ich bin hier zum Lernen." Was hast du denn in Berlin gelernt?
In Berlin habe ich gelernt wie man sich bewegen und arrangieren kann jenseits von solchen Gefühlen wie Heimat. Das war für mich eine neue Art der Orientierung. Berlin ist keine Stadt in die man sich einbetten kann. Weiter habe ich gelernt, dass man alle möglichen Sachen aus seinem Leben machen kann. Man kann auch verplant sein, dass sind ja sowie so die meisten in Berlin. Aber das ist nicht ganz einfach zu erklären. In der Zeit in der ich in Berlin wohne sind mir auch 2 Kinder geschenkt und durch die habe ich mehr gelernt als von der Stadt in der ich wohne.
Du hast ja früher viel Hip Hop gehört. Beobachtest du die aktuelle Hip Hop / Rap Szene in Deutschland und was ist deine Meinung dazu? Es gibt nur noch Aggro Berlin und dann eigentlich nichts mehr.
Aggro Berlin ist wahrscheinlich nicht so schlecht wie alle immer sagen. Aber so jemand wie Fler und Bushido die können eigentlich überhaupt nichts. Das ist aber auch so ein Rapphänomen. Solche Leute werden aufgebaut damit andere Leute irgendwas in denen sehen. Das Interessante find ich, ist immer, wenn ein guter Rapper merkt dass er Geschichten erzählen kann. Wie das zum Beispiel bei Dendeman der Fall war. Die neuen Sachen kenne ich jetzt nicht. Teilweise gibt es aber schon gute Leute, aber so richtig neue gute Sachen, habe ich lange nicht gehört. Es gab diese "Deine Lieblingsrapper", die waren schon lustig. Wenn man aber Rap hören will muss man wo anders hinhören. Wenn Snoop oder Jay-Z eine Platte machen, kann man sich sicher sein, dass da auch gute Sachen drauf sind.
Welche Platte Hip Hop läuft dann gerade bei dir im Cd Player?
Die letzte Hip Hop Platte die ich intensiv gehört habe war Common.
Zum Schluss würden wir dich bitten 5 kurze Fragen mit der bitte um eine kurze Frage.
Was ist der beste Beatles Song?
Oh, das geht aber nicht. da kann ich keine kurze Antwort geben. Mmmh. Na gut, der beste Beatles Song ist "For No one"
Der wichtigste Gegenstand auf Tour außer den Instrumenten?
Im Moment Tony Hawk Underground
Wer wird deutscher Meister?
Ich fürchte Bayern. (Da das Interview an einem Samstag war und Francesco die Ergebnisse nicht kannte, habe wir ihm kurz gesagt das Bayern gegen Frankfurt verloren und Schalke gegen Stuttgart gewonnen hat). Dann wird Werder Meister, Schalke darf nicht Meister werden.
Der letzte Kino Film?
Oh, dass weiß ich nicht mehr. Das ist zu lange her.
Dann vielleicht eine Dvd?
Im Bus haben wir uns letztens "Stranger than Paradise" von Jim Jarmusch gesehen.
Welches war die berühmteste Person die du in Berlin gesehen hast?
Da gibt es viele. Sandra Maischberger treffe ich immer beim Kaizers an der Kasse. Alfred Biolek und Jürgen Tritin sieht man auch des Öfteren. Das mit dem liebsten Beatles Song würde ich gern noch mal revidieren. Ne, mmh. Doch. Eigentlich ist mein liebster Beatles Song: "Get Back".





















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