dr. nortoninterview mit max
Ihr lebt ja momentan den Traum den jede junge Band leben will. Bandcontest gewonnen, auf Tour gegangen, vielen neuen Freunde gewonnen, Plattenvertrag unterschrieben und kurz darauf schon ein Album veröffentlicht, für das ihr überall Lob erntet. Wie habt ihr das alles wahrgenommen? Kann man das eigentlich schon komplett fassen?
Da wir wirklich sehr viel Zeit und Arbeit investieren und so ziemlich alles bis dato selbst gemacht haben (die Lorbeeren, mit denen sich z.B. Clap Your Hands Say Yeah auch schmücken), nehme ich's als die verdiente Belohnung für die Mühe war. Das soll nicht arrogant klingen, aber hier denke ich, können wir uns schon mal selbst auf die Schulter klopfen.
Ihr werdet aber nicht nur Bejubelt. Kritik findet und liest man immer wieder. Da scheinen sich die Medien geeinigt zu haben. Die Band ist gut, das Potential ist da, nur klingen sie noch nicht eigenständig genug. Interessiert euch das und wie geht ihr damit um?
Kritik interessiert uns ab dem Punkt, wo wir das Gefühl haben, dass sich jemand die Zeit und Mühe gemacht hat, unsere CD bis zum Ende durchzuhören und nicht nur den Pressetext abschreibt. Meine ganz vorsichtige Schätzung wäre, dass das in etwa 40% aller mir bekannten Fälle so ist: Dass "your plot - the prison - my escape" in den Ohren der Presse nicht eigenständig genug klingt, können wir nachvollziehen - immerhin haben wir die Songs über einen sehr langen Zeitraum geschrieben (den ältesten, Now I have to Go Again, haben wir 2002 gemacht!!). Unser Debüt portraitiert den musikalischen Selbstfindungsprozess, den wir durchgemacht haben. Die nächste Platte wird vermutlich kompakter klingen.
Ein weiterer Kritikpunkt, den man anbringen kann ist der eher dünne Sound des Albums. Das passt zwar zu den 60er Jahren und war vielleicht bewusst so gewählt, nimmt den Songs aber ein bisschen die Energie, die ihr normalerweise auf der Bühne verbreitet.
Der Album Sound ist in Hamburg in Zusammenarbeit mit Gregor Hennig entstanden und ist unserer Meinung nach genau das richtige für die Songs. Der Sound hat eigentlich nichts mit den 60ern zu tun, wir haben nie gesagt: Gregor, lass das mal so klingen, wie bei den _______ (beliebigen 60s Bandnamen bitte hier einfügen). Genauso wenig ist uns eingefallen, zu sagen: Ey, lass das mal so richtig fett klingen. Die Songs haben genau das Gewand bekommen, das ihnen am besten steht. Wir wollten mit "your plot…" etwas schaffen, was für sich selbst stehen kann und nicht nur Skizzen unseres Livesets abliefern. Dass live mehr Energie rüberkommt, ist uns vollkommen klar - und das ist auch sehr gut so. Eine Band live zu erleben und die Platte von ihnen zu hören sind zwei verschiedene Dinge.
Live habt ihr euch mittlerweile einen fast legendären Ruf erspielt. Meist in viel zu kleinen und restlos überfüllten Kellern und Clubs zelebriert ihr euere ekstatische Show bis ihr auch den letzte von eurer Qualität überzeugt habt. Bereitet ihr euch speziell darauf vor oder lasst ihr euch einfach treiben?
Es gibt zwei Band-Rituale, die vor unseren Shows stattfinden: Das eine ist ein mehr oder weniger sinnloser Spruch, den wir gemeinsam sprechen (löst alle möglichen lustigen Reaktionen aus bei denen, die's im Backstagebereich mitkriegen). Und das andere ist geheim.
Egal wo man im Internet auf euch stößt, immer werden eure Klamotten erwähnt. Da werdet ihr einmal als "Krawatten-Rocker" bezeichnet und an anderer Stelle heißt es dann: "… denn ein stylishes Auftreten ist bei dem Vierer ja Standard." Selbst in eurer Info steht als erstes "Dr.norton are well dressed". Legt ihr darauf besonderen Wert und wenn ja, warum?
Ja, wir legen Wert auf unser äußeres Erscheinungsbild - bei einer guten Band stimmt die ganze Packung, d.h. was die Band in ihren Texten ausdrücken will, wie ihre Songs klingen und eben auch, wie sie sich präsentieren. Wenn ich auf Konzerte gehe, oder mir beispielsweise die Homepage von einer Band ansehe, dann achte ich auf jeden Fall auch aufs Aussehen! Warum ist das so? Ein Grund ist mit Sicherheit eine gewisse Art Disziplin, die darin zum Ausdruck kommt. Disziplin heißt hier, dass wir jedes einzelne Konzert ernst nehmen - egal ob vor 5 oder 500 Leuten - und darum auch jedes Mal unser Bühnenoutfit anziehen. Früher hatten wir noch einen strengeren Dresscode, die Blazer und die Hemden waren noch so etwas wie eine Verkleidung: Wir mussten uns erstmal an unsere Rolle auf der Bühne rantasten und sind an die Sache als eine Art Schauspiel herangegangen. Mittlerweile sind wir aber so weit als Rockband gewachsen, dass es kein Schauspiel mehr ist, was wir auf der Bühne präsentieren. So blöd sich das liest: Wir haben gelernt, auf der Bühne wir selbst zu sein - sozusagen uns selbst zu spielen und nicht irgendein Rock-Klischee.
Das Internet verrät aber auch noch andere Dinge über euch und zwar über eure Gründung. Angeblich habt ihr euch kennen gelernt als ihr alle 4 hinter ein und demselben Mädchen aus San Francisco her ward. Was könnt oder besser wollt ihr denn dazu sagen? Das klingt ja ziemlich ausgedacht.
Gute Geschichten sind immer wahr.
Ihr seid alle von München nach Berlin gezogen. Wieso habt ihr diesen Schritt unternommen? Habt ihr in München keine Perspektive für euch als Band gesehen?
2006 standen für uns wichtige Entscheidungen an. Wir alle waren entweder mit dem B.A.-Studium fertig oder hatten das Vordiplom bestanden. Um sowohl die Band haben zu können als auch studieren (vier unterschiedliche Studiengänge!) zu können, waren wir auf der Suche nach einer Stadt in der eben beides möglich ist. Wir haben uns für Berlin entschieden. Hmm? Im Moment sind wir dabei uns an die neue Stadt ranzutasten.
Kürzlich habt ihr in der Uschi Obermayer Verfilmung "Das wilde Leben" mitgespielt. Wie kam es dazu und wie war es?
Wir hatten vor einiger Zeit mal ein Konzert während der Hofer Filmfestspiele gespielt. Da sind wir wohl einigen Leuten aus dem Film-Biz im Gedächtnis geblieben. Jedenfalls kam irgendwann Anfang 2006 die Anfrage ob wir bei dem Film "Das wilde Leben" mitspielen wollen. Man suchte für eine Clubszene in Schwabing noch eine "dynamische" Band. Der Tag am Set war aber schließlich spannender als das finale Ergebnis.
Ihr geht demnächst wieder auf Tour. Wie wichtig ist für euch dabei das Getränk Kaffee?
Wenn man auf Tour ist lebt man einen ganz außergewöhnlichen Tages-Nachtrhythmus. Man steht spät in der Nacht auf der Bühne und bis der Körper von dem Level wieder runter ist, vergeht schon bisschen Zeit. Auf den Punkt gebracht: man schläft einfach sehr wenig und an diesem Punkt kommt dann Kaffee ins Spiel.





















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