DoctorellaIm Gespräch mit Kerstin, Sandra und Mesut

von Eva-Marie Meyer · 30.10.2012

vor ihrem auftritt in aschaffenburg traf ich kerstin, sandra und mesut von doctorella. wir reden über märchen, verrücktheit und pussy riot. vor allen ding letzteres endete in einem leidenschaftlichen plädoyer. hoffnungen für die deutschen musikzeitschriften haben sie keine mehr und pussy riot war dabei nur die spitze des eisbergs. wir erfahren, was dornröschen mit dem patriarchat und neoliberalismus zu tun hat und warum doctorella die musikalischen aufräumarbeiten der nullerjahre übernommen haben.


Euer Album heißt “Drogen und Psychologen”. Beide haben uns belogen. Wer kann uns dann helfen?
Sandra, Kerstin: Doctorella!

Sandra: Die innere Stimme! Eigentlich ist ein Song darüber, wie es ist komplett traumatisiert zu sein von komplett allem, was man je erlebt hat. Also auch von allen falschen Substanzen und falschen Freunden. Es geht eigentlich darum, sich dadurch zu erholen, indem man das alles von sich wirft und so durch die eigenen Mythen durchgeht, authentisch wird - ohne fremde Substanzen und auch ohne falsche Freunde.

Mesut: Also für mich war Musik auf jeden Fall ein Weg raus aus schlimmer Kindheit. Musik ist auf jeden Fall eine wichtige Therapie für mich, die die echtere Droge darstellt, die nicht so viel zerstört, wie alle anderen Drogen.

Kerstin: Deshalb haben wir das Album eigentlich Drogen und Psychologen genannt, weil wir natürlich auch die Drogen und Psychologen sind. Die Songs wirken hoffentlich einerseits wie ein Exzess und anderseits als Heilung.

Sandra: Und der Song ist ja auch Titelsong und Streaming of Consciousness in der Mitte der Platte, wo beides sozusagen zusammenkommt. Also die Heilungslieder und...

Mesut: (unterbricht) Wo man auf Koks in der Therapie sitzt!

Gelächter

Sandra: Genau, sehr gut. Das Lied durchläuft sozusagen nochmal alle Stufen und entlädt sich am Ende in dieser Aufzählung (Freunde, Artverwandte...)

Welche Rolle hat die Stadt Berlin für euer Album gespielt?
Sandra: Das Verhältnis zu Berlin ist ein Gutes. Den Song “Liebe Stadt” habe ich lustigerweise in Hamburg geschrieben, als ich da noch gewohnt habe. Der Text ist von 2004. Es gibt in dem Lied sozusagen zwei Aggregatzustände: In der ersten Strophe ist es der Hürdenlauf und das Kaputtsein und in zweiten Strophe ist es das das Mutigsein, das Voll-Glut-Sein, der Dauerrausch. Eigentlich handelt die erste Strophe von Hamburg und die zweite von Berlin.

Mesut: Für mich gibt es in Deutschland einfach keine Alternative zu Berlin, weil es dort einfach eine internationale Künstlerszene gibt. Das ist schon einmalig in Deutschland und wichtig. Hamburg hat zwar auch eine gute Musikszene, aber es ist alles Deutsch und Berlin ist da ein bisschen internationaler. Der Input den ich in Berlin habe, ist nicht ersetzbar.

Ein Song auf eurer Platte heißt “Lass uns Märchenwesen sein”. Welche Märchenwesen wärt ihr gerne?
Sandra: Schneeweißchen und Rosenrot! Die haben oft am Abgrund geschlafen, aber fanden immer einen Ausweg.

Mesut: (lacht) Auswendig gelernt, gilt nicht!

Kerstin: Meine Lieblingsmärchenfigur ist der jüngere Bruder Christian in dem Märchen „Die Monate“ von Heinrich Seidel. Es handelt von einem Menschen, der stets geneigt ist von Menschen und Dingen das Beste anzunehmen. Er hat im Laufe der Jahre all sein Hab und Gut verloren, weil er selten eine Bitte abschlagen kann. Er gewinnt sein Hab und Gut zurück, durch eben diese Fähigkeit zu schwärmen und das Beste anzunehmen.
Oder darf ich etwas eher Peinliches sagen? Ich wäre gerne das Märchenwesen Daniela Katzenberger! Ich liebe die ja, die Katze.

Mesut: (nach langem Überlegen) Ich nehme Beppo den Straßenkehrer. Weil er folgende Parabel an das Leben gezeichnet hat: Er wurde gefragt, ob es nicht anstrengend sei, wenn er die Straße hochgucke und sehe, was er alles noch kehren müsse. Aber nein, so sehe er das nicht, man müsse einfach nur immer an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Kehrvorgang. Er mache das immer so weiter und am Ende drehe er sich um, und die ganze Straße sei gefegt.

Kerstin und Sandra: (ganz entzückt) Das passt.

Ihr möchtet in dem Song “Lass uns Märchenwesen sein”, dass Dornröschen wachbleibt: Was würde sich dann ändern?
Mesut: Wir müssten mal erwähnen, dass es in dem Song um Mobbing geht.

Sandra: Märchen haben ja immer dieser zwei Ebenen, also sie spielen mit Gut und Böse. Sie enden immer gut und das mag ich an Märchen. Gut und Böse, Arm und Reich, diese typischen Dichotomien, die man überall findet. Und bei dem Lied Märchenwesen sind die Strophen so ein bisschen Staccato und im Refrain geht das dann so auf, so melodiös...

Kerstin (lacht): Also ich beantworte jetzt mal die Dornröschenfrage! Bei Dornröschen geht es ja darum, dass sie mit 15 eingeschlafen ist und zusammen mit dem Hofstaat 100 Jahre lang schlief, weil eine böse Fee sie verzaubert hat. Für uns ist diese böse Fee das Patriarchat, also die Gesellschaft und die Herrschaftsverhältnisse. Wir sind eben der Meinung, dass Dornröschen nicht mit 15 all diese schrecklichen, gefährlichen, schlimmen Dinge tun soll, die 15-jährige Mädchen so tun, zum Beispiel magersüchtig werden und zehn Jahre vor sich hindämmern. Eben nicht diesen Versuchungen erliegen, sich aufzugeben als Mädchen, um sich der Gesellschaft anzupassen, sondern wach bleiben.

Sandra: Es ist eigentlich ein verdeckter kleiner Feminismus.

Kerstin: Genau es ist ein verdeckter feministischer Protestsong und gegen Mobbing. In dem Song wird das Leiden des Dornröschens beschrieben. Schlaflos, die Nacht / Komm wehr dich am Tag! / schulhofgeplagt - und nie ein Vertrag. Eigentlich geht es um den Neoliberalismus und dass man rund um die Uhr arbeiten kann ohne sichtbare Ergebnisse beziehungsweise ohne Verträge. Es geht um unsere Gesellschaft, in der man keine Langzeitverträge machen kann.

Sandra: Es ist also ein sehr moderner neoliberaler Protestsong, in den ein Liebeslied eingebaut ist! Außerdem ist noch die Utopie enthalten. Der Song endet ja mit einem Ton Steine Scherben Zitat aus dem Song “Lass uns ein Wunder sein”, weshalb unser Song auch so heißt. Das war ihre letzte Single und das ist unsere erste. Wir dachten, wir machen genau da weiter, wo sie aufgehört haben. Am Ende steht somit eine schöne Aussage zu Kollektivität, dass nicht nur zwei Personen die Märchenwesen sind, sondern ganz viele. Märchenwesen ist übrigens nicht geschlechterspezifisch, sondern es kann Transgender, Frau oder Mann sein.

Bei dem Song “Ich hol dich aus dem Irrenhaus” geht es um Verrückte. Wie ist man verrückt mit Stil?
Kerstin: Um es mit Slavoj Žižek zu sagen: Liebe dein Symptom wie dich selbst!

Mesut: Jaa!

Sandra: Also das Lied versucht zu beschreiben, wie einer aus Liebe zu jemanden, der scheinbar verrückt ist, diese Verrücktheit mitliebt und ihn gleichzeitig versucht, aus der Verrücktheit zu befreien. Das ist das Paradoxe an dem Lied.

Kerstin: Eigentlich ist ja auch einfach nur ein Liebeslied, denn man verliebt sich auch immer in die Spleens des anderen.

Sandra: Genau, aber es nervt, wenn Leute Verrücktheit als was ganz Schlimmes darstellen. Das ist auch ein Rettungssong, aber ich wollte das darin noch eine eigene Verrücktheit mitschwingt, weil ich das sonst so anmaßend gefunden hätte.

Kerstin: Der Song dreht das aber auch ein wenig um, was wir für Zuschreibungen kriegen, weil uns alle immer so verrückt finden. Seid wir gesagt haben, dass wir auch die Verrückten retten, haben sie Respekt vor uns. Wir können uns an diese Stelle setzen, wo die anderen verrückt sind und wir normal. Und es funktioniert.

Fühlt ihr euch unter den Verrückten am wohlsten?
Mesut: Was ist verrückt?

Sandra: Das ist etwas schwierig, da das Lied von jemanden handelt, der unter Verfolgungswahn leidet, der eben paranoid ist.

Kerstin: Wir wurden letztens darauf angesprochen, dass “Ich hol dich aus dem Irrenhaus” so ähnlich ist, wie “Straßenbahn des Todes” von Element Of Crime. Das stimmt auch, denn in beiden Songs geht es darum, dass man sich auch in die Neurosen des anderen verliebt. Das ist dann eben auch so, wenn jemand an Verfolgungswahn leidet. Denn es ist wichtig ihm zu sagen: “Du bist verrückt.” Das ist auch beruhigend für ihn.

Geschlechterrollen im Pop: Gibt es noch andere Bands in Deutschland, die nicht diesem Mainstreampop entsprechen?
Sandra: Wir versuchen natürlich musikalisch genau zwischen Indie und Mainstream zu sein. Das meiste was in Deutschland wirklich Mainstream ist, ist oft nur pseudoemanzipatorisch. Ich selbst habe ein Problem damit, schlecht über andere Künstler zu reden, aber wen ich gut finde, ist Judith Holofernes. Wir sagen immer nur die, die wir im Mainstream gut finden. 2raumwohnung finden wir auch gut und den Rest kann man sich dazu denken, was wir nicht gut finden.

Kerstin: Doctorella ist die Band, die die Aufräumarbeiten der Nullerjahre macht. Alles was da musikalisch schief gelaufen ist, müssen wir jetzt wieder herausreißen. Seit der Gründung 2008 haben wir versucht, dem damaligen Mainstream zu widersprechen - diesem provokant, rockigen Schlagerpop, der in den Charts ist. Die Sängerinnen sind da eher für die Kommunikation zuständig und der Mann macht dann die Instrumente und so. So sind diese Bands offensichtlich aufgebaut. Wir haben das Gefühl, diese Sängerinnen sind nicht so stark, wie sie tun.
Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir mit allen Mitteln des Mainstream ausgestattet, gegen den Mainstream ankämpfen. Ich vergleiche uns immer gerne mit einer Band wie Pulp. Eigentlich ist alles Pop, an dem was wir machen, aber irgendwie auch überhaupt nicht Pop.

Sandra: Was mich an vielen Deutschrockbands von heute und denen aus den Nullerjahren total nervt, ist, dass die Gitarren immer noch nach Blues klingen; dass die fetten Sounds Zeitgemäßes suggerieren, während untendrunter sie sich eigentlich noch in den Neunzigern befinden. An der internationalen Rockmusik der Nullerjahre, wie z.B. bei den Strokes, finde ich gut, dass die Gitarren mehr jazzig und dadurch poppig und 80ies klangen. Und das Ganze hatte dann etwas Futuristisches und zugleich 60ies-Beathaftes, vor allem in Kombination mit den Keyboards. Daran haben wir uns mit Doctorella abgearbeitet.

Mesut: Ich höre auch kaum deutsche Bands, wobei Mediengruppe ist super. Ich bin nicht so in der deutschen Indieszene, da ich eher USA-Bands gehört habe. Ich kann das aber auch nicht geschlechterspezifisch festmachen. Entweder die Musik berührt mich oder eben nicht. Außerdem finde ich die deutsche Indieszene teilweise ein bisschen spießig. Eine meiner Lieblingsbands ist auf jeden Fall Battles und wenn ich die live sehe, ist das so energetisch und innovativ und die sind über 40! So eine Band wäre bei Mitzwanzigern in Deutschland gar nicht möglich, wage ich zu behaupten. Mir fehlt auch oft der Mut bei deutschen Bands.

Kerstin: Auch bei Sängerinnen fehlt mir oft der Mut. Ich habe beim Texte schreiben sehr darauf geachtet, Sachen zu machen, die sehr exaltiert sind, von denen ich auch weiß, dass viele Leute sich das nicht trauen würden. Auch im Studio haben wir uns an Chansonlegenden wie Hildegard Knef abgearbeitet, einfach um ein anderes Timbre in diesen Deutschrock einzubringen. Ich mag das nicht, wenn die Songs einfach nur radiokompatibel sind, denn oft klingen die zwar gefühlvoll, aber ich bin der Meinung, dass die Gefühle dabei oft auf der Strecke bleiben. Und Mut besteht eben darin, immer energetisch aufzutreten. Bei vielen deutschen Bands habe ich das Gefühl, die können nur dann richtig auftreten, wenn sie ein Stadion füllen. Das sag ich jetzt ohne Neid, ich gönne den Bands ihr Stadion.


Zu eurem Artikel zu Pussy Riot, da habt ihr ziemlich über Musikzeitschriften hergezogen. Wie kann man den anspruchsvollen Musikjournalismus retten?
Kerstin: Vielleicht ist Online-Journalismus ein guter Weg. Ich muss ehrlich sagen, dass ich für die althergebrachten Musikzeitschriften keine Hoffnung mehr habe.

Sandra: Ich glaube ein Problem ist, dass sich die Strukturen innerhalb der Musikzeitschriften immer wieder reproduzieren. Wenn man sich das Impressum anschaut, egal von welcher Musikzeitschrift, sind das fast immer nur Männer. Die Redakteure sind männlich und Frauen im besten Fall Mitarbeiterinnen. Das ist immerhin schon ein Fortschritt zu früher. Ich habe das Gefühl das sind zwei, drei Cliquen, die sich egal bei welchen Zeitschriften immer fortsetzen und kreuzen. Den großen Unterschied sehe ich ehrlich gesagt schon gar nicht mehr. Ganz brutal gesagt, ist es Reproduktion von weißen, männlichen Herrschaftsverhältnissen. Und die machen den Kanon der Musikgeschichtsschreibung und das läuft natürlich wahnsinng über die eigene Identifikation, was man auch keinem zum Vorwurf machen kann. Was aus deren Sicht dann wichtig ist, ist leider das, was Männer machen. Das war ein Gefühl, dass ich schon lange hatte, was aber immer wieder gebrochen wurde von positiven Ausnahmen. Es gibt natürlich in jeder Musikzeitschrift auch gute Artikel und gute Autor_innen und ich will das natürlich nicht verallgemeinern. Aber letztlich hauen von Intro über Spex bis zu Musikexpress und Rolling Stone alle knallhart ihre männliche Geschichtsschreibung durch!

Kerstin: Du kannst als Frau eine Platte machen, die klingt wie ein Mischung aus Pulp, The Strokes und Bob Dylan, du kannst dein Genre erneuern - und du bist trotzdem nur das schräge Mädel. Die Männer hinter den Musikzeitschriften beschließen einfach, dass Frauen die Musik machen, schräge Mädels sind. Und wenn man das ist, dann hat man sogar noch Glück gehabt. Man hat eigentlich nur die Wahl zwischen blöder, angepasster Pop-Tussi und interessanter, exaltierter, verrückter Künstlerin. Aber Geniekunst wird immer nur den Männern vorbehalten. Ebenso der nachdenkliche und ernstzunehmende Rebell.

Sandra: Es ging dabei auch jetzt nicht um uns, wir sind mit unserer Rezeption zufrieden! Ich habe das nur schon lange beobachtet, und bei Pussy Riot hatte ich das Gefühl, da habe ich jetzt etwas, woran ich das festmachen kann. Deshalb habe ich mich auch in dem Blogeintrag so aufgeregt, weil ich mir dachte, da steht jetzt eine feministische Punkband vor Gericht in Russland und die ganze Welt guckt dahin. Da geht es wirklich einmal um Aktionismus und darum, mit Kunst etwas zu ändern. Die machen ihren Punk wirklich aus einer Gefahrensituation heraus und die weltweite Presse berichtet darüber. Nur für die deutschen Musikzeitschriften ist das überhaupt kein Thema! Das verändert auch nichts in ihrer Weltansicht, weil man könnte sagen, Pussy Riot ist eine neue weibliche Subkultur, die sich auf die vorhandene Riot-Kultur bezieht, diese aber erneuert. Mit den Masken und den einfarbigen, bunten, leuchtenden Kleidern ist da auch etwas neues Ästhetisches enthalten. Auch die Art und Weise, wie sie diesen Punk aus der Gefahrensituation heraus formulieren, ist es keiner einzigen deutschen Musikzeitschrift wert, auch nur zwei Songtexte von denen zu analysieren oder sich zu überlegen, wie die Pussy-Riot-Musik funktioniert: wie viel positive Aggression und stolze Opulenz sie trotz ihrer sowohl ökonomisch als auch aktivistisch bedingten Reduziertheit da hingekriegt haben. Stattdessen wird mit Ohren gehört, die die moderne Studiotechnik vermissen. Ha ha Ha. Punk ist seit vielen Jahren eine olle Angelegenheit und da gab es jetzt mal wieder diesen einen Moment wo es neu, frisch, aufregend sein konnte und eben von den Bedingungen her tatsächlich reduziert sein musste .Und tatsächlich eine Regierung stürzen wollte, ein Dinosaurier-Regime. Und wenn Musikzeitschriften so einen Moment nicht mehr erkennen können, dann kann ich sie nicht mehr ernst nehmen. Tut mir leid. Denn das war ja jetzt der berühmte rebellische, situationistische, boulevardesk-überfrachtete „Punk-Moment“, von dem so vieles im Universum der Musikzeitschriftenmänner ausgeht. Dieser Moment, den Greil Marcus in „Lipstick Traces“, seinem vielzitierten Standardwerk über die Avantgarden des 20.Jahrhunderts“auf vielen hundert Seiten beschreibt. Und dazu noch machte dieser Moment im Fall Pussy Riot Politik wie selten zuvor, gegen eine beginnende Diktatur, die sich bereits in allen Strukturen manifestiert hat, inklusive der harten Konsequenzen für seine Protagonistinnnen.

Kerstin: Ich hab sogar mal kurz gedacht, das könnte so ein Erweckungsmoment des Punk sein, wie in den 70ern die Sex Pistols oder in den 80ern Dead Kennedys oder in den 90ern Nirvana und Hole. Aber dann wurde mir schnell klar: nee, so werden die Insider das niemals interpretieren, weil Pussy Riot, das sind ja Frauen und die sind ja nicht aus dem Westen... Elfriede Jelinek und die Zeit-Autorin Mariam Lau waren die einzigen, die auf die Idee kamen, diesen Song „Jungfrau Maria, werde Feministin und vertreibe Putin“ zu analysieren. Sie analysieren doch sonst jeden noch so belanglosen Scheiß! Da steht eine Punkband vor Gericht und warum gibt es dann von einer Musikzeitschrift keine augenzwinkernde, radikale Gegenanklage beziehungsweise eine Verteidigungsschrift aus dem Kunstwerk selbst heraus? Popjournalismus handelt schließlich davon, die Kunst selbst, die Ästhetik und Aussagekraft des Auftritts, zu analysieren.

Sandra: Ich habe täglich online, neben den Zeitungen, auch alle Musik-Zeitschriften gecheckt und sehr spät fanden sich dann dort ein paar Texte, und die waren dann schlimmer als was in der BILD-Zeitung stand! Und wir ändern das jetzt alle, indem wir uns so schöne Strickmasken aufsetzen und die Redaktionen besetzen. (lacht)

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