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naked lunchinterview mit oliver welter

"This Atom Heart of Ours", euer neues Album ist gerade erschienen. Wie fühlt ihr euch?
Wir fühlen uns gut. Mehr als das. Das Album wird zu einem grossen Teil toll rezipiert. Das ist natürlich fürs eigene Befinden nicht unerheblich.

Das Cover zu eurem neuen Album "This Atom Heart of Ours" zeigt eine karge Berglandschaft. Ein guter Ort um verloren zu gehen und wieder gefunden zu werden. Ein ähnlicher Effekt zieht sich durch die ganze Platte. Man kann sich als Hörer fallen lassen um sich zurückzuziehen und um sich dann von euren Lieder finden zu lassen. Interpretiere ich das richtig, oder wolltet ihr etwas ganz anderes mit dieser Platter erreichen?
Ich kann eigentlich nicht sagen was wir mit der Platte "erreichen" wollten. Wir versuchen nur fotografisch genau unsere Gefühlswelten musikalisch festzuhalten. Und es mag halt passieren, dass ein Lied einen Vermeintlich guten Grundtenor hat, aber während der Produktion durch diverse Geschehnisse in andere Gefilde driftet. Ein ständiges Auf und ab. Kaum zu steuern.

Eure Texte trotzen teilweise nur so vor Kraft und Verlangen und treffen dann auf diese unheimlich schönen melancholischen Melodien. In wie weit spielt dieser Gegensatz eine tragenden Rolle? Wird dieser bewusst von euch gewählt, oder entsteht er automatisch wenn ihr eure Lieder schreibt?
Wir mögen die Gegensätze. Schreib das kleinste Liebeslied der Welt und besinge das Universum. So in etwa halt. Droht ein Lied zu sehr in seichtes Fahrwasser zu gleiten, dann kommt von hinten der Chor der Wahnsinnigen, das fiese Geräusch und kämpft gegen das Lied. Allerdings ist dieser Gedanke niemals beim Schreiben der Lieder vorhanden.

Ein weiteres Merkmal eurer Texte ist die Anerkennung der Realität, so schmerzlich sie auch sein mag, um dadurch gestärkter und vielleicht auch Selbstbewusster neue Chancen zu ergreifen. Manchmal ist ja gerade das Realisieren des Schmerzes ein erster Schritt heraus aus dem Tal.
Ja, dem muss man wohl zustimmen. Das Erkennen von Realitäten ist ein entscheidender Schritt, nicht nur im Leben des "Schaffenden". Allerdings ist Musikmachen als therapeutische Form oftmals ungeeignet. Dadurch wird vermeintlich eigentlich mal nichts besser. Es ist vielmehr so, dass durch die Realisierung des Schmerzens etwas an die Oberfläche kommt, etwas aus dem eigenen System entfernt wird. Und das ist gut.

Aber nicht nur textlich ist "This Atom Heart of Ours" großartig. Ihr lasst Sounds entstehen, die scheinbar schweben, spielt mit elektronischem Lärm und fügt beides in einem Gesamtbild zusammen, welches den Hörer immer wieder ins Staunen bringt. Wie muss man sich den Prozess vorstellen, der dahinter steckt?
Der Prozess ist grundsätzlich ein sehr naiver, ein sehr einfacher. Er resultiert eigentlich ausschließlich aus der Freude an Klängen, der möglichen Unfähigkeit "richtiger" musikalischer Zugänge. Vordergründig ist es immer das Lied, das in seiner rohesten Form, also mit einem Instrument und der Stimme reüssieren muss. Dann wird genau betrachtet inwieweit man diese Grundstimmung vorantreiben kann, bzw. wo man gegensteuern muss. Mit Klängen, Sound, akustischen Gebilden.

Ähnlich wie die Texte, durchlebt auch die Musik ein Wechselbad der Gefühle. Da sind die analogen Instrumente, die von Drumcomputer begleitet und von elektronischen Sounds umgarnt werden. Dennoch spürt man immer diese Wärme, auch wenn sie manchmal etwas kratzig wirkt. Dadurch bleibt sie aber wiederum real und versucht nicht den Hörer durch Wohlgefallen zu erblinden. Wie seht ihr das?
Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, aber die Gegensätze reizen uns. Wir sind sehr gelangweilt von Musiken, grad im klassischen Songwriting, die durch Exaktheit, Schönklang und Ähnlichem einem Songideal entsprechen, das besagt, dass alles sich unterwürfig der Melodie, der Stimme zu verhalten hat. Wie kann man etwa singen "I feel so lonesome" ( oder ähnliches ), und im Hintergrung ertönen die Geigen und die Flöten. "I feel so lonesome" - das ist kein schönes Gefühl. Demnach müssen die Geigen gegen elektronisches Fiepsen, und die Flöten gegen Lärmwände ersetzt werden. Denn so ist unsere musikalische Übersetzung eines Gefühls der Einsamkeit.

Ihr habt gerade eure Release Tour beendet. Wie habt ihr diese erlebt und mit welchen Gefühlen geht ihr in die kommende und umfangreicher Tour?
Es war, nach einer sehr durchwachsenden Startshow in Zürich, großartig die Platte erstmals live präsentieren zu können. Wir wussten davor nicht wie wir die Lieder der Platte live umsetzen können. Das Ergebnis hat uns dann selbst erstaunt. Insofern stehen wir den kommenden Liveshows mehr als zuversichtlich gegenüber.

Zum Schluss noch eine etwas andere Frage. Diese stelle ich irgendwie immer, und dreht sich um den Kaffee. Welches Verhältnis habt ihr zu dem Getränk?
Diese Band hat ein, äh, sehr hohes Suchtpotential. In vielen Belangen. So verhalten wir uns auch Kaffee gegenüber. Wir lieben und brauchen ihn. Und trinken davon leider täglich viel zu viel. Ein herrliches Getränk!

01.02.2007 // tore
 

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