kiesgroupinterview mit vander und max
vander, du singst auf der platte, du bist der sänger.
vander: ja, ich sing alles, ich bin sänger! max: nee, ich sing auch schon mal. v: ja genau, ein lied singt max.
ist das auch auf der neuen platte?
v: das ist nicht da drauf, nein. m: aber ich singe auch schon mal im chor mit ...
gut. nach dem das geklärt ist, als einstieg, denn es geht ja heute um euer neues album "gladbach oder hastings", die frage, was hat es mit dem titel auf sich?
v: ja, "gladbach oder hastings". ich war irgendwann mal in england im urlaub und da bin ich durch hastings gefahren, und ich fand es eine sehr interessante stadt. und auch der name war sehr klangvoll. und gladbach fand ich immer schön als wort, weil es so ja gar nicht existiert. es gibt bergisch gladbach und mönchen gladbach, aber nicht nur gladbach. und das hat mich dann so ein bisschen gereizt. hinzu kommt, dass gladbach und hastings sehr ähnlich waren, vom provinziellen her, es ist beides von der industrie wohl ähnlich. zudem ist der titel einfach catchy gewesen.
auf dem album ist auch ein gleichnamiger song drauf.
v: ja. es gibt auch einen song, der heißt "gladbach oder hastings". der ist nach dem gedanken "gladbach oder hastings" als titel zusammenzufassen erst entstanden, wo man sich dann im nachhinein dann eben eine geschichte ausdenkt und sachen hinein interpretiert. in dem song geht es auch darum, dass man im provinziellen eher verzweifelt und irgendwie raus muss aus seinem kaff.
ist der gedanke der dem song zugrunde liegt auch stellvertretend für die ganze platte, so als roter faden?
v: die platte hat definitiv einen roten faden, ja. es geht ziemlich viel um variationen, warum es einem schlecht gehen kann im leben. das kann krankheit sein, das kann arbeitslosigkeit sein, das können depressionen sein. das kann verlangen sein, nach liebe, nach freundschaft, oder eben auch alltäglichere sachen, sei es ein label, das nichts für einen tut, was wir mit lolila ja zum glück nicht haben. oder dass man auch mit bands konfrontiert wird, die einfach nur den finger krumm machen und dabei eine menge rausholen ... also, es gibt menschen, die machen einfach scheiße zu gold, und das ist halt nicht jedem vergönnt. das gibt es eben halt auch.
im booklet zur platte habe ich gelesen, dass ziemlich viele namen mit dabei sind, also die liste ist da doch recht lang. wie viele seid ihr denn bei der kiesgroup?
v: ja. an der cd waren eine menge gastmusiker beteiligt, auch unsere alte liveband war mit dabei. jetzt sind wir geschrumpft auf ein quartett, was die live-sachen angeht. im studio werden wir aber immer mit mehr leuten zusammenarbeiten. da haben wir eben auch peter heine mitgenommen, oder markus türk, der auch von "family 5" ist.
kurze zwischenfrage: was ist "family 5"?
v: das ist eine düsseldorfer band, in der auch der "fehlfarben" sänger peter heine singt. m: und die machen trompetenpunk.
trompetenpunk?
m: nicht zu verwechseln mit krawattenpunk! v: ja genau. schreib" doch bitte, dass "family 5" trompetenpunk machen, und dass wir von denen eben gastmusiker rekrutiert haben. max steht auf und holt mic als geschenk eine platte von "family 5". sehr nett! v: es ist auf jeden fall so, dass wir im studio immer mit einer menge gastmusiker zusammenarbeiten, wir haben auch gastsänger, gastsängerinen etc.
max betreibt ja auch das studio, also ist es dementsprechend einfach, denke ich.
m: was ist einfach?
ja, dass man sagt, o.k. wir haben jetzt zeit zum aufnehmen und holen uns gastmusiker. und nimmt sich dann die zeit einfach.
m: joooaaa. zeit kann man sich ja nehmen, das stimmt, in dem fall. man muss sicher nicht so darauf achten und hat nicht den stress, dass es irgendwie teuer werden könnte. man kann ganz viel ausprobieren. zehn songs schreiben und zehn songs wieder wegschmeissen oder so ...
... zehn songs schreiben und zehn songs wieder wegschmeissen?
allgemeines gelächter! dann kurze pause.
ich hatte vorher nur kurz gelegenheit in das album reinzuhören, deshalb würde ich jetzt gerne von euch eine beschreibung der musik hören ... ich weiß, die frage ist total scheiße, aber ...
v: nee nee, ist schon klar, die hatte ich ja auch gerade schon angeschnitten, die antwort. es zieht sich eben schon ein sehr stringenter faden durch. es ist ja unser zweites album. im gegensatz dazu war das erste album extrem gewollt unstringent. da hatten wir die idee, dass eben jede nummer anders klingt. das eigentliche ziel war beim ersten album, dass wir mal was ausprobieren wollten, damals sangen wir auch noch überwiegend auf englisch, es gab aber auch ein paar ausflüge ins französische und italienische und ins polnische ... das war also mehrsprachig, das erste album. ja, und jetzt haben wir halt eben zu einer bestimmten stringenz gefunden. auf "gladbach oder hastings" ist ein bestimmter roter faden durchziehbar, weil die texte eben auf deutsch sind und sie immer von ähnlichen themen handeln ... nämlich von mir. erneut allgemeines gelächter ...
... ich meinte eher mit der beschreibung des albums die musikalische seite.
v: musikalisch? ... na ja, je nach dem, wer halt am meisten am einzelnen song beteiligt war, beim schreiben. max mag nach wie vor eher die britischen sachen. ich höre immer noch sehr viel jazz, oder auch songwriter-kram, oder auch hippiemusik ... ich weiß nicht, was meintest du gerade, was hörst du momentan recht gerne, max? m: die "kooks". v: die "kooks"? mit "k" "o" "o" ... m: ... "k" und "s" v: ich höre momentan sehr viel "carol king".
und wer hört die "jokes"?
v: die "jokes"! die mussten bei der nummer "die strokes", die auch auf "gladbach oder hastings" drauf ist, ja eher des reimes wegen dran glauben. wir hätten auch die "pokes" nehmen können, aber die sind weniger spannend als die "jokes". die "jokes" sind "ne alte sixties band aus recklinghausen. ich hab" die wieder entdeckt durch das buch, das deren gitarrist geschrieben hat, und das war schon der hammer. in dem wird die ganze beatgeschichte des ruhrgebietest dargestellt ... das buch heißt "beatgeschichte(n) aus dem revier", das "n" von geschichten aber in klammern, also beatgeschichte, in klammer n, aus dem revier. ja, tolles buch von dem gitarristen der "jokes", und darin erfährt man dann eben auch über acht seiten hinweg die geschichte der "jokes", die auch sehr spannend ist.
o.k., sehr interessant ... aber ich weiß jetzt immer noch nicht, wo man euch musikalisch am besten einordnet.
v: hmmm, das ist ... mensch, was sagt man denn dazu? ... ich mag den begriff deutschpop nicht so gerne.
ja klar, deutschpop kann ja auch alles mögliche sein.
v: ähh. punkchansons wurde mal gesagt. das find" ich ganz süß. deutsche punkchansons, das mag ich am liebsten von den sachen, die man uns unterstellt hat.
ihr meintet vorher, je nach dem wer an dem jeweiligen song beim schreiben am meisten beteiligt ist bestimmt sich so ein bisschen die richtung, wo der song hingeht. gibt es im umkehrschluss bei euch dann kein mastermind, wie es bei vielen bands ja der fall ist?
v: bei den meisten songs ist es so, dass max die musik macht und ich mach die texte, wobei es da natürlich schon ausnahmen gibt.
und wie ist es dann mit den gastmusikern? haben die wirklich nur eine gastmusikerrolle, in der sie spielen, was ihr ihnen vorgebt, oder dürfen sie, wenn es um den song selbst geht, schon auch mal mitreden?
v: wir hatten ja eine sechsköpfige band, und da waren eher mehr leute am songwriting beteiligt. aber jetzt, wenn man sich einen gastmusiker für ein oder zwei nummer ins haus holt sind diese dann eigentlich nur für ihren job da. in der regel ist es eben - wie schon erwähnt - so, dass max die musik schreibt, und ich die texte.
texte. ja, noch mal zurück zu den texten. du meintest, es ginge um verschiedene facetten des schlechtgehens.
v: ja, man muss halt, wenn man einen text schreibt, seine substanz raushauen.
und die beziehst du größtenteils von dir selbst?
v: joa.
das heißt, dir ging es im leben auch schon des öfteren schlecht.
v: natürlich. na klar. entweder reflektiere ich mich selbst oder meine umwelt. das ist am ende das, was ich in die texte reinbringe, was ja wahrscheinlich jeder, der einen einigermaßen substanzhaltigen text schreibt, reinbringt. ist klar, ne?! ... es geht auch darum, wenn es einem schon schlecht geht, die sachen auch nach aussen zu tragen. man sagt ja immer so schön, man soll aus seinem herzen keine mördergrube machen. man muss alles zerreden, sonst geht"s halt irgendwie nicht. also, eigentlich ist musikmachen eine einzige große psychotherapie.
nur für einen selber, oder auch für die zuhörer?
v: es ist sehr schön, wenn es auch auf andere passt. wenn sich andere damit identifizieren können, dann ist es schon einen schritt weiter.





















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