Me SucceedsIm Gespräch mit Lorin, Mona und Sebastian

von Christian Heerdt · 14.08.2012

dockville, sonntag, 14.08.2012. nach strahlendem sonnenschein und doppeltem stromausfall auf der bühne saß und aß ich im backstage-catering-bereich mit der band me succeeds aus hamburg. bei leckeren bratkartoffeln, roastbeef und bier redeten wir - hin und wieder mischten sich auch andere ins gespräch ein - über konzerte, kunst und dinosaurier. ja, dinosaurier.


als allererstes kommt aus gegebenem anlass die berühmte stefan raab frage: was war da denn los?
lorin: war nicht unser fehler. wir haben mit unserem mickrigen equipment die ganze stromanlage der bühne lahm gelegt - zwei mal hintereinander.

und das lag wirklich an euch? ihr habt das netz durchgeschossen?
lorin: ja, mit vollem einsatz! nein, ich glaube, es war einfach zu heiß. das war uns auch egal, irgendwie.

das war schon sehr witzig weil euch das publikum wohl gesonnen war - und das nicht nur des schönen wetters wegen.
mona: wir haben nur geschwitzt und das nicht so gemerkt.

lorin: und in dem moment konnten wir auch echt nichts machen. die mikros waren aus und du konntest nicht mal eine lustige ansage machen. das einzige, das funktioniert hat, waren klarinette und melodika. wobei die klarinette auch nicht mehr ging, weil sie wegen der hitze verstimmt war.

sehr charmant war die tatsache, dass ihr trotz allem auf der bühne stehen geblieben seid.
mona: weil wir das gefühl hatten, dass es jeden moment weiter geht.

lorin: wir hatten auch wirklich schon andere konzertsituationen, wo wir in einer galerie zum beispiel den sound komplett selber gefahren haben oder in berlin in so einem abgefuckten laden, da gab es eigentlich überhaupt keinen sound, insofern war heute noch alles gut.

mona: das schlimmste konzert unseres lebens.

mir kamen sofort ein paar gedanken in dem moment. der erste war, "das habt ihr jetzt von dieser elektronischen musik!" zu rufen. das habe ich mir aber verkniffen. der nächste gedanke drehte sich um die band deine lakaien, die mal ein ähnliches problem hatte, dass der strom auf der bühne aus war und die aus der situation heraus den entschluss gefasst haben, eine tour nur mit klavier und gesang zu spielen. habt ihr sowas mal in betracht gezogen?
mona: das ist bei uns technisch leider nicht möglich. wir haben uns zwar akustikversionen von unseren liedern überlegt für gewisse momente, wo das gebraucht wurde, aber es ist nunmal keine akustikband meiner meinung nach. also das ist gar nicht unser ansatz.

lorin: ich sehe das bei uns jetzt aber auch nicht so elektronisch. es ist ja eigentlich nur das schlagzeug, das elektronisch ersetzt wird. und da ist es in unserem fall auch kein computer, sondern schon eine hardwaremaschine. natürlich ist da software drin aber das ist sehr limitiert. heute war es ganz witzig zu beobachten, wie diese maschine auf die hitze reagiert hat. der kasten hat bestimmte parameter und die hat er ununterbrochen geregelt, das war nicht cool, weil irgendwann erwischt es mal den volume-kanal und auf einmal ist beispielsweise der kick weg.

mona: auf jeden fall interessant, dass nicht nur wir sehr gelitten haben unter dieser hitze, sondern eigentlich eher die instrumente.

lorin: ja, die klarinette hat sich ja auch verstimmt. deswegen spielen wir auch lieber bei regen.

mona: das ist auch normal eigentlich so, dass regen ist, wenn wir spielen

war ja auch zum beispiel im letzten jahr so, dass es viel geregnet hat. aber nicht, als ihr gespielt habt, oder?
sebastian: nein, da war schönes wetter. wir haben im kunstcamp gespielt und da war es so heiß.

wie kommt das, dass ihr da gespielt habt?
lorin: weil wir so krass gefragt sind [lacht]. da spielen halt immer hamburger bands im kunstcamp. und die bookerin mag uns glaub ich.

seit ich euch das erste mal gehört habe - das müsste 2008 gewesen sein - habe ich dieses kunstthema bei euch immer so im subtext mitschwingen gesehen.
sebastian: auf dieses thema werde ich bestimmt nicht eingehen! [lacht]

lorin: wie meinst du das, dass da kunst mitschwingt? sind das die bassläufe beispielsweise, die dich das spüren lassen?

nein, ich sehe die musik, die ihr macht, dadurch, dass sie so simpel gehalten ist, als perfektes transportmittel für das, was ihr loswerden wollt. da fungiert die musik eher als mittel zum zweck. somit geben sich sinn und zweck die hand und die musik wird nicht beispielsweise der musikalischen komplexität wegen gemacht, sondern...
mona: ja, ich glaube genau das ist eh der wichtigste aspekt bei uns, dass wir uns nicht als musiker sehen, sondern als… musiker? [lacht]

lorin: ich denke wir sehen uns als - ich nehme dieses wort sehr ungern in den mund - künstler. wir haben hier mit mona und sebastian zwei kunststudenten, die visuelle kommunikation und freie kunst in der grafikklasse studieren oder studiert haben. ich bin angewandter kommunikationsdesigner, der sich meiner meinung nach auf keinen fall künstler schimpfen darf. kommunikationsdesign kratzt zwar oft an der kunst oder dem künstlerischen ausdruck, ist es aber nicht. das kann man schon so trennen. die musik wiederum sehe ich als weiteres ausdrucksmittel neben gestaltung oder allem möglichen. es kann halt sehr viel sein, zum beispiel lyrik. und ich glaub darauf haben wir uns sehr bezogen, weswegen wir von uns auch nicht sagen, dass wir wirkliche musiker sind, sondern der künstlerbegriff würde eher passen. damit habe ich aber auf meine person bezogen ein problem. bei mona sehe ich das schon wieder ein bisschen anders. viele medien schreiben das ja auch bei ihrem soloprojekt. da ist immer die rede von der hamburger künstlerin mohna. bei me succeeds ist das aber anders. wenn wir unsere sachen zusammenpacken, dann passen die alle in diesen weißen passat da vorne rein, während andere bands ja mit riesigen bussen ankommen, weil die ein schlagzeug haben, bei dem es nicht bei bassdrum, snare und tom belassen wird, sondern das hat immer sehr viel klimbim. davon kommen wir immer mehr weg, bei uns wird es echt immer weniger. wir denken immer wir haben was vergessen, aber wir brauchen einfach nicht so viel.

geht ihr da ganz bewusst ran, dass ihr sagt, dass immer mehr reduziert werden muss oder passiert das im affekt?
lorin: das passiert ganz einfach und vielleicht ist das genauso wie mit gestaltung. wenn du zum beispiel an ein gestaltungskonzept rangehst und ein poster machen musst, dann kannst du natürlich sagen "hey ich verbringe jetzt einen tag damit, mir fancy schriften rauszusuchen" oder du sagst "hey, ich habe ein paar gute schriften, die funktionieren" - in unserem fall jetzt gitarre, bass, frauenstimme - und damit machen wir ein geiles poster oder wir machen damit einfach einen simplen song, der dann aber alles sagt. das braucht dann alles kein großes getüdel. natürlich vertüdeln wir uns dann manchmal auch beim produzieren oder so und sagen "oh, die gitarre muss noch ein bisschen mehr hall haben" oder so.

mir ist aufgefallen, dass ihr in der live-umsetzung ein paar drumfills und samples drin gehabt habt, die auf der platte so nicht dabei sind.
sebastian: eher weniger!

ich bin mir ziemlich sicher, dass heute ein paar sachen zu hören waren, die sonst nicht zu hören sind.
mona: ja, stimmt, bei books glaub ich.

lorin: das war absolut aus versehen.

mona: das war schön! wir proben auf jeden fall nicht mehr vor konzerten, das ist wahrscheinlich dann das resultat dessen.

wirklich? wie muss ich mir denn so eine probe von euch überhaupt vorstellen? oder das songwriting? entsteht das alles im kollektiv oder gibt es eine verantwortliche person? du bist ja immerhin auch sehr tüchtig am machen deiner eigenen musik, mona.
mona: das passiert eigentlich alles im proberaum. meistens bringt niemand etwas mit, woran er schon gearbeitet hat. tatsächlich geschieht alles ziemlich pragmatisch. einer fängt an, etwas zu spielen, ein anderer reagiert darauf und wenn es uns allen gefällt, bleiben wir dabei.

das ist ja sehr klassisch und dadurch schon recht romantisch. um noch mal abschließend zur kunst zu kommen: damit werdet ihr doch bestimmt auch aufgrund eurer visuellen ästethik in verbindung gebracht. besonders beim letzten video, das ihr herausgebracht habt, in dem ihr die wundervollen farbigen anzüge tragt.
mona: das haben ja tatsächliche filmstudenten von lorins uni gemacht.

dessen muss man ja auch zustimmen...
mona: ja, aber wir wussten vorher nicht viel und haben uns einfach in fremde hände begeben. das war eine herausforderung für uns als gestalter.

lorin: beziehungsweise haben wir die auch immer unterstützt, ihr eigenes ding zu machen und als sie dann das konzept vorgelegt haben, mussten wir schon kurz schlucken. weil es sehr konträr zu unserem visuellen erscheinungsbild ist. wir haben dann aber gesagt, dass die das jetzt durchziehen sollen, weil es ihr projekt ist. das resultat finde ich so gut, weil es so anders ist als das, was wir uns zu diesem lied, das ja auch sehr speziell ist und durch viele arten interpretiert werden kann, überlegt hätten. als es dann fertig war, war es ein tolles gefühl. eben auch, dass wir gesagt haben, dass die leute freie hand haben und wir uns nicht so stark einmischen wollten.

es kam mir ein bisschen so vor, als ob ihr da so reingezwängt wurdet.
sebastian: ja, genau, so war es auch.

das sieht man euch an, was euch aber charismatisch wirken lässt. sowas zeigt auch einen charakter. ich finde, um einer sache einen ausdruck zu verleihen, muss das ja nicht immer auf eine positive art geschehen, sondern es kann auch ganz klar ein statement gemacht werden, indem man sich in einem kontext zeigt, der nicht selbstrepräsentativ ist. an den gesichtern oder der haltung ließ sich bei euch dann ablesen "so ganz genau das sind wir nicht".
mona: so war es, du hast es gut erkannt.

jetzt sind wir ziemlich abgeschweift...
lorin [hatte mitbekommen, dass ich mir für micachu fragen zu dinosauriern überlegt hatte]: was ist denn mit den dinosauriern? magst du dinosaurier?

ich mag dinosaurier schon.
lorin: welche epoche liegt dir denn da am meisten?

kreide?
lorin: oder jura?

herr am tisch: mahlzahn!

lorin: und welcher ist dein lieblingsdinosaurier?

herr am tisch: judas… äh, jura! nee, jurassic park natürlich!

lorin: welche epoche ist das genau?

herr am tisch: bunte tüte.

lorin: wisst ihr, wie man das in bernstein eingeschlossene nennt? sebastian und ich haben es im deutschlandfunk gehört: eine inklude.

liegt eigentlich auf der hand. welche sind denn eure persönlichen lieblingsdinosaurier?
lorin: triceratops! weil der kann nämlich gegen den tyrannosaurus rex gewinnen!

mona: brontosaurus!

herr am tisch: moment, ihr macht gerade ein interview und da bin ich jetzt mit drin?

alle: ja! [lachen]

sebastian: ich habe mir noch keinen ausgesucht.

lorin: also, es gibt iganodon, der hat die daumen nach unten…

sebastian: ich mag den mit dem langen hals und dem boller oben drauf.

lorin: brachiosaurus!

wenn ihr alle zusammen als band ein dinosaurier wäret, welcher...
lorin: triceratops! weil der hat drei so hörner. ich wäre der hässliche auf der nase, die anderen sind die zwei spitzen. ich bin der, der erstmal in den tyrannosaurus reinrennt und ihm in die magengrube stößt und die anderen beiden stechen ihm dann ins herz. nein, besser, die stechen ihm durch seine kleinen verkümmerten vorderpfoten. ich bin also für den rums zuständig und die anderen für die herzensangelegenheit.

das ist eine sehr schöne antwort. mit rums und herz habt wart ihr ja kürzlich viel unterwegs. wie etwa beim jenseits von millionen festival. wie war das?
sebastian: schön, voll schön.

lorin: unser booker bucht für dieses festival, sonst hätten wir da wahrscheinlich auch nicht spielen dürfen [lacht]. das machen veranstalter aus berlin, die sich damals von dem mamallapuram festival abgesplittet haben und diese idee eines benifizkonzerts weiterführen. dieses jahr ging es glaube ich zugunsten von minderbemittelten armen kindern. die resonanz war sehr gut, ich muss aber eine sache nennen, die ich echt nicht gut fand. neben dem festival war so ein see und am nächsten morgen wollte ich mich abkühlen und ich musste ungelogen 500 meter laufen bis mir das wasser überhaupt bis zum schritt gekommen ist. aber sonst war es schön.

mona: bei den festivals merkt man leider, dass die leute immernoch cds wollen, wir hatten überhaupt keine cds dabei.

das leitet ja schon gleich meine nächste frage toll ein: wie läuft der musikvertrieb bei euch ab? es gibt ja die alte geschichte über euch, wie ihr tonmaterial in bussen und bahnen liegen lasst. und die neuste platte konnte man ja auch gratis runterladen. warum?
lorin: es gibt die platte auch als vinyl. na ja, das mit den online-veröffentlichungen ist ja so eine sache. hätten wir nur die vinyl-scheibe rausgebracht, wäre die wahrscheinlich auch digitalisiert worden, deswegen haben wir von einer vinyl only veröffentlichung abgesehen. und das album gratis online zu stellen ist ja auch ein schönes tool sozusagen, um die leute zu erreichen. lustig ist, dass wir die alben nicht tracken konnten, deswegen wissen wir nicht, wie viele leute es schon runtergeladen haben. das ist sehr schade. wir merken aber schon, dass es sich menschen herunterladen. bei jenseits von millionen war es so, dass wir das lied 'seventeen' spielten und eine sektion des publikums zu jubeln anfing und mitsang. es gibt sogar leute, die es bei itunes kaufen. man kann auch spenden wenn man das album herunterlädt, da sind aber teilweise so beträge dabei, wo man sich denkt, dass der- oder diejenige es auch gleich hätte bleiben lassen können. so ein euro oder so, aber immerhin. es gab aber auch leute, die wirklich 20 euro oder so bezahlt haben.

das klingt für mich nach plus minus null. zumindest habe ich den eindruck, dass ihr nicht den großen reibach macht oder das anstrebt.
mona: nein, wir leben eigentlich nur von der verköstigung auf tour. das ist auch unser ziel. [lacht]

und die ist sehr sehr gut, wenn es so bratkartoffeln gibt wie hier.
lorin: oder chili-cheese-nuggets von burger king. haben wir schon über dinosaurier gesprochen?

schon längst. leider wieder zurück zum thema musik. ihr habt ja euer eigenes label i saw music, mit was für einer schlagzahl bringt ihr denn da sachen raus? spannend sind in dem zusammenhang auch eure seperaten projekte.
mona: also die kassetten, die wir eigentlich jährlich herausgebracht haben, waren immer in der auflage von 100 stück meistens.

lorin: wir haben so das gefühl, dass das mit kassetten nicht mehr so läuft. [lacht]

sebastian: und es kommt ja eigentlich nicht so regelmäßig etwas von den künstlern raus.

lorin: wir könnten das ein bisschen reger betreiben.

ihr wart trotz allem meiner meinung nach immer recht fleißig, besonders was kollaborationen angeht. ich erinnere mich da an ein lied, das ihr 2008 von jenana gecovert habt. macht ihr solche aktionen noch?
mona: zuletzt haben wir da mit arp aubert zusammengearbeitet.

lorin: die haben ein stück von uns geremixt und wir haben eines ihrer stücke gecovert. das ist auf einem kölner label erscheinen, nicht auf i saw music.

covert ihr ausschließlich oder remixt ihr auch?
lorin: wir covern eigentlich nur, wir haben noch nichts geremixt. remixen wäre ein ganz anderer ansatz.

mona: lorin remixt ja bei seinem projekt lorin sylvester strohm, aber zu dritt…

sebastian: wir covern natürlich weil wir eine band sind.

lorin: genau, remixen ist auch eher eine arbeit von einem einzelnen. meiner meinung nach covern wir noch nichtmal, sondern interpretieren mehr. bei pump up the jam ist es ja musikalisch ein ganz anderer ansatz.

was kann man denn in naher zukunft erwarten?
mona: die tune-yards! die spielen jetzt!

und von eurer seite aus?
mona: sebastian hat eine neue tolle band, lovesongs. es sind aufnahmen im gange und es wird eine tolle ep geben. das war's eigentlich.

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