ThomallaIm Gespräch mit Philipp Koller

von Paul-Ruben Mundthal & Dominik Atta Bönisch · 15.08.2012

Anlässlich des EP-Releases »Alftavatn« (20.08. via Krakatau Rec.) hatten wir uns mit Philipp Koller aka Thomalla zusammengesetzt und ein wenig unterhalten.



Hallo Thomalla, deine nächste EP »Alftavatn« steht in den Startlöchern und wird bald auf Schallplatte und als Download released. Wie wichtig ist dir der klassische Distributionsweg 12''? Denkst du lediglich dj´s kaufen sich Vinyl?
Hallo Hallo. Die 12" Single hat natürlich eine lange Tradition und ist heutzutage ja schon fast zu einem Statement mutiert. "Seht her: Es gibt sie noch! Obwohl es ökonomisch und ökologisch nicht sehr sinnvoll ist, lassen wir Stücke auf Vinyl pressen!" Vinyldjs werden auch immer weniger, aber sie sind eben noch da. Klar: Auch für einen selbst ist es viel wert, am Ende etwas Materielles und Abgeschlossenes in der Hand zu halten, in das man den ganzen Arbeitsaufwand projizieren kann.

Die Schallplatte hat grade beim Hören zu Hause ihre ganz eigenen Vorteile. Musik von ihr abspielen heißt im besten Fall sich mit näher mit den Stücken befassen zu müssen; sich mal etwas mehr Zeit für die Musik nehmen abseits des konstanten Streamingwahnsinns. Das kann man sich als Künstler natürlich als ideale Hörsituation vorstellen, geht aber gewiss ein an der Realität Vieler vorbei. Ein bisschen romantische Verklärtheit ist also auch notwendig. Aber ich hatte viele tolle Erlebnisse beim Platten hören und könnte mir vorstellen, dass auch die Alftavatn EP ganz gut auf dem heimischen Plattenteller aufgehoben ist.

Ich persönlich habe noch nie mit Vinyl aufgelegt, aber habe ebenfalls eine kleine Sammlung Platten, welche ich stetig erweitere… Ich merke einfach die Liebe zum Detail in den Foldern. Legst du auf die Gestaltung der Platte ebenfalls ein besonderes Augenmerk? Wer macht deine Grafik und wie kam es dazu?
Die Sleeves und Labels der Krakatau Platten hat Fabian von Bodi Bill gestaltet, da war ich weniger involviert. Er ist da absolut versiert und beim Label für alle visuellen Belange zuständig.

Du scheinst sehr experimentierfreudig: erst Punk, dann post-rock in der unglaublich tollen Band SDNMT dann Indie bei Ter Haar. denkst du diese ganzen Einflüsse hast du benötigt, um nun bei deinem aktuellen Projekt Thomalla anzukommen und bleibst du ein wenig länger?
So fühlt es sich zumindest im Moment an. Du hast jetzt natürlich auch grob meine musikalischen Stationen seit ich 13 war umrissen. Ist natürlich schon ein wenig her und wirkt auf den ersten Blick wie ein wilder Ritt durch den Gemüsegarten. Die Stile treffen sich aber auch an vielen Stellen. Mit elektronischer Musik beschäftige ich mich ebenfalls schon länger, als es Thomalla gibt. Das hatte viel mit dem Interesse für die involvierten Technologien zu tun und der Frage auf welche Art und Weise man auf sich gestellt Musik machen kann.

Ohne mir jetzt irgendwelche Zukunftsprognosen zuzutrauen, habe ich mit Thomalla noch einiges vor. Ich bin da ja streng genommen ziemlich am Anfang. Ein Album steht definitiv auf der Liste; ein Liveset gibt es mittlerweile. Da ist aber auch noch vieles, was ich noch verbessern und ausprobieren möchte. Sowieso sind überall ständig Schrauben nachzuziehen..

Du warst Teilnehmer bei der vergangenen Red Bull Music Academy in Madrid (Rote Raupe berichtete) und hast dort an deiner letzten EP gearbeitet. Wie waren deine Eindrücke und wie war das Miteinander zu den anderen Academy-Teilnehmern?
Die Academy war natürlich eine ganz außergewöhnliche Erfahrung. Nicht umsonst ist das Ganze ja eine recht feste Institution in der Welt der elektronischen Musik. Ich habe echt viel mitgenommen, sowohl in den Lectures wie auch im Umgang mit den anderen Teilnehmern. Vor allem in der Art und Weise, wie man mit individuell verschiedenen Arbeitsweisen und musikalischen Hintergründen kollaborieren kann. Und alles noch am Laptop. Und in so kurzer Zeit. Sich schnell aufeinander einzuschießen ist dann Pflicht. Ein bisschen wie auf Klassenfahrt, nur dass jede/r Einzelne das neue Kind in der Klasse ist. In sehr offener Atmosphäre aber. Am Ende war ich jedenfalls ziemlich beeindruckt, welche Menge an grandioser Musik dort entstanden ist.

Schaut man in deine Favorits auf soundcloud oder facebook sieht man auch den ein oder anderen Sinnbus-Kollegen wie la boom fatale… Hier hast du ebenfalls teilgehabt an der großartigen Damwild Platte… Wie kann man sich diese Community vorstellen? Man kennt und hilft sich?
Genau, das sind Leute, die seit gefühlten Ewigkeiten in verschiedenen Konstellationen um mich herum schwirren. Die schätze die ganze Sinnbuscrew sehr. Wir sind seit einigen Wochen auch räumlich stark zusammengewachsen, das macht den Austausch natürlich viel leichter.

Deine Titelnamen klingen sehr exotisch und mysteriös. Welche Überlegung stellst du bei der Namensfindung an?
Bisher gehe ich zuallererst da nach dem Klang der Worte und das passiert eher am Ende des Schaffensprozesses. Bei Alftavatn war es ein wenig anders: Beim Wandern auf Island habe ich ein Paar Aufnahmen gemacht, die zum Ausgangspunkt für das Stück geworden sind. Wenn man das so verknüpfen kann, fällt die Entscheidung für einen Titel wesentlich leichter.

Mir fiel sehr wohlwollend in Kikoshka der break durch das klassische Schlagzeug auf. Findest du einen gesunden Mix aus elektronischen und analogen Instrumenten wichtig oder arbeitest du ausschließlich digital? Immerhin beherrscht du Klavier, Gitarre (SDNMT) und Akkordeon?
Ich denke, am Ende zählt das klangliche Ergebnis, nicht die benutzten Instrumente oder Tools. Das mag zwar ein wenig floskelhaft klingen, aber hält einem auch die Möglichkeit zum Entdecken und sich selbst Überraschen frei. Der Umstand, einen relativ leichten Zugang zu verschiedenen Instrumenten zu haben (wenn auch vielleicht einen amateurhaften), hilft da natürlich. Andererseits haben sich bei mir aber auch ein paar Instrumente und Techniken bewährt. Dem Prophet 08 zum Beispiel kann ich immer etwas entlocken, mit dem ich zufrieden bin.

Deine Lieder lassen mich natürlich sofort an die Tanzfläche denken und beinhalten wie beispielsweise in Propell eine Kombination, welche ich sehr schätze, nämlich eine treibende baseline, die mich pusht und verspielte Flächen und Synth-Harmonien, welche mich ins träumen kommen lassen. In wie weit arbeitest du systematisch am Liedaufbau und hast du dabei eine bestimmte "Club-Zielgruppe" im Blick?
Beim Produzieren versuche ich , die einzelnen Elemente genau da zu platzieren, wo es sich für mich richtig anfühlt. Manchmal höre ich dafür eher mit einem clubgeschulten Ohr hin. Wenn es ums verzahnen des Materials geht, ist dann eher das musikalische Gespür wichtig. Auf der Tanzfläche funktionieren eben auch viele Stücke, von denen man das gar nicht im ersten Moment erwarten würde. Da kommt es auf diesen bestimmten Moment an. Natürlich gibt es diese Art von Intro/Outro Konvention, um das Auflegen zu vereinfachen. Aber auch hier versuche ich, so musikalisch wie möglich zu bleiben.

Auf deiner EP gibt es ebenfalls eine live-Version. Eher ungewöhnlich für das Elektrogenre. Zeigt dies den besonderen Stellenwert, welcher der Liveauftritt für dich einnimmt? In wie weit gehst du auf Nummer sicher beim Auftritt (festes Set, einstudiertes Mixen…)? Oder lässt du deiner Kreativität und dem Einfluss des vorherrschenden Publikums freien Lauf und variierst stark mittels Ableton live o.ä.?
Wie schon oben erwähnt, fange ich grad erst mit dem Livespielen an. Ich habe mich lange Zeit mit der Ausarbeitung eines Livesets gequält, weil ich nicht zufrieden damit war, nur Clips in Ableton abzufeuern. Zum Teil muss man sich aber damit arrangieren. Zumindest vorerst. Allerdings kann eine gut durchdachte Oberfläche in Ableton Live wie ein eigenes Instrument funktionieren, das man mehr oder weniger beherrscht. Es ist ein stetiges sich Verbessern und ich möchte definitiv so viel tatsächlich live machen wie möglich. Also auch mit der Möglichkeit des Scheiterns inbegriffen. Das muss man dann gegen die Sicherheit, die einem Ableton bietet, aufwiegen. Zudem ist es ziemlich schwierig, das alles allein zu wuppen. Für den Moment bin ich mit meinem Setup zufrieden. Es ermöglicht mir in gewissem Maß Einfluss auf die Struktur, einzelne Sounds und deren Effektierung zu nehmen, ohne zu wenig Spielraum zu haben oder völlig die Kontrolle zu verlieren.

Welche Tracks feierst du zur Zeit am meisten ab?


Kate Bush - Cloudbusting
S. Carey - Avalanche
Sei A - You Can Bring

Für die etwas späteren Stunden: Kink - Express

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