Urban Cone

von Christian Heerdt · 20.07.2012

am 20.07.2012 spielte im hamburger molotow die band urban cone - eine zur zeit gut vom hype getragene band. ich traf die jungs vor ihrem mit circa 180 leuten amtlich besuchten konzert. für eine halbe stunde versammelten wir uns in der molotow-tiefgarage zum plaudern über blogs, musikschulen und ihre angestrebte weltherrschaft.


einige haben vielleicht schon von euch gehört, für alle anderen die generellste aller fragen: wer seid ihr?
wir sind urban cone aus stockholm, schweden. wir spielen seit zwei jahren zusammen.

ich habe gehört, dass ihr euch aus der schule kennt, stimmt das?
ja, das stimmt. wir waren auf einer musikschule [rytmus stockholm]. wir fanden heraus, dass wir die gleichen geschmäcker und ziele haben. also sind wir es angegangen.

was für eine art musik wird dort unterrichtet?
alle arten von musik. pop musik, jazz, soul und funk, etc.

also steht ihr auch auf jazz und funk?
schon, aber bei der schule geht es mehr darum, dass sie dir alles mögliche zeigen wollen. wir wussten aber so ziemlich von anfang an was für eine art von musik wir machen wollten.

es gab also keine art von kompromiss weil einer dies oder der andere jenes machen wollte?
nein, als wir den proberaum das erste mal gemeinsam betraten, erschufen wir unseren eigenen sound.

wer schreibt die songs?
rasmus und emil schreiben die songs und singen auch. wir begannen so mit circa drei songs. einer von denen war urban photograph. den haben wir dann auf myspace gepackt und er hat sich seinen weg durch die blogospähre gebahnt.

das bringt mich zur nächsten frage: was ist hypem?
das ist eine seite, die aus ganz vielen verschiedenen blogs musik zusammensucht und diese dann der welt zum mögen darbietet. es gibt dann eine top100 liste…

die ihr eine zeit lang angeführt habt?
wir waren auf platz 2. nummer 1 waren daft punk oder so. das war für uns riesig denn wir haben dieses lied in rasmus' keller / wohnzimmer aufgenommen.

steht ihr generell auf blogs?
eigentlich schon. wir versuchen auch zu bloggen, aber in der hinsicht sind wir zur zeit ein wenig faul. daran sollten wir arbeiten. trotzdem sind wir gern auf dem neusten stand was neue musik und szenen angeht.

wie stellt man das an, dass blogs einen finden und man auf einmal bei hypem gefeiert wird?
am anfang haben wir gar nichts gemacht. einfach nur demos auf myspace gestellt. dann gab es diesen einen typen, der uns, ein paar tage nachdem wir 'urban photograph' hochgeladen haben, angeschrieben hat, weil es ihm gefiel. dann kam schon der nächste blog und wieder einer und so weiter. wir haben uns eigentlich nicht angestrengt, gefunden zu werden.

in diesem zeitalter, in dem jeder musik irgendwo hochladen kann, warum glaubt ihr, dass ihr gefunden wurdet und andere nicht? 2003 und der arctic monkeys-traum sind ja schon länger vorbei, keiner wird mehr über myspace gefunden…
wahrscheinlich waren wir die letzte band auf myspace [lachen]. es liegt wahrscheinlich einfach an diesem einen song. der ist ja schon eine catchy nummer. das hat sich rumgesprochen. glücklicherweise hat uns dann der blogger vom blog ace auf seinen blog und hypem gestellt.

habt ihr von vornherein geplant, erfolgreich oder bekannt zu werden?
auf jeden fall. wir sind sehr ehrgeizig. deswegen werden wir uns mit nicht weniger als der weltherrschaft zufrieden geben. das klingt jetzt vielleicht abgehoben, aber wir würden es nicht sagen, wenn wir nicht an uns glauben würden [lacht].

solltet ihr dann nicht lieber einen zacken zulegen an der blogfront etc?
sollten wir, ja. derzeit sind wir aber sehr beschäftigt mit dem aufnehmen unseres albums.

das erscheint bei universal, wie kam es dazu?
die haben unsere musik vielleicht auf myspace oder diesem ace blog gehört. daraufhin haben sie uns kontaktiert und kamen bei einem unserer konzerte vorbei. wir haben dafür ein showcase auf die beine gestellt und die leute eingeladen. nach dem konzert kamen sie backstage zu uns und sagten, dass sie gern mit uns arbeiten würden.

wart ihr vor universal bei einer anderen plattenfirma unter vertrag?
nein, wir haben davor alles einfach selbst herausgebracht.

habt ihr andere labels geschrieben? wenn ja, waren da auch indie-labels dabei?
naja, wir haben ein paar ausgewählte indie-labels angeschrieben. als wir angefangen haben mit der band stand für uns von anfang an fest, dass wir binnen 6 monaten ein label haben müssen. und das sollte das größte label der welt sein. wir haben also nicht wirklich nach alternativen geschaut.

das klingt witzig wenn ihr sowas sagt. nehmt ihr euch selbst ernst?
wir glauben halt an das, was wir machen und sind keine vollidioten. wenn man groß hinaus will, sollte man sich auch nicht davor schämen, sowas zu sagen. es gab niemals den gedanken, beispielsweise als zimmermann zu arbeiten und in der freizeit musik zu machen. ein halbes jahr lang haben wir täglich 4 stunden geprobt bevor wir auch nur ein konzert gespielt haben.

wie ist die proberaumsituation in schweden eigentlich? aus meiner erfahrung hier in deutschland ist das alles sehr schwer weil räume meist teuer und schäbig sind.
naja, geprobt haben wir ja bei rasmus im keller. aber wir kennen natürlich das problem. als wir uns nach anderen räumen umgeschaut haben, haben wir viele teure und echt schlechte räume zu gesicht bekommen. die meisten sahen ungefähr so aus wie dieses parkhaus hier.

sprechen wir mal über eure musik. gestern nacht habe ich mir die zwei eps 'our youth part 1' und 'our youth part 2' näher angehört und auch ein paar interviews darüber gelesen. in einem sagt ihr, dass ihr nie eine erklärung für eure texte abgeben werdet. der hörer soll das selbst für sich ausmachen.
es ist uns wichtig, dass die leute sich mit der musik bzw. den texten identifizieren können. jeder soll damit anfangen oder verbinden, was er möchte. in einem anderen interview haben wir mal gesagt, dass, wenn wir direkter schreiben würden, wir genauso gut unser tagebuch veröffentlichen könnten. dann könnte aber kein anderer damit was anfangen. weil es ja dann nur um dich speziell geht. wir halten die sachen offen, damit menschen sich selbst einen reim darauf machen können.

genau dieses gefühl hatte ich als ich die songs hörte. einerseits waren sie sehr offen gehalten, andererseits waren bestimmte passagen für mich total präzise, so wie auf mich zugeschnitten. etwas interessantes fiel mir beim hören der eps noch auf. es scheint, als hätten beide je eine art oberthema, das ihr musikalisch behandelt. bei 'our youth part 1' war das ganz klar das gefühl des eingesperrtseins. dazu gehören offensichtlicherweise sätze wie 'sometimes it feels like i've been trapped for years'. aufgefallen ist mir aber auch im lied 'freak' die zeile 'is it 'cause i'm smaller?'. die bezieht sich ja schon direkt auf einen sehr jugendlichen oder kindlichen zustand. fühlt ihr euch irgendwie ausgeschlossen von was auch immer trotz eurer nennen wir es mal etabliertheit.
erst einmal, wow, sehr gute analyse. wir haben uns alle ein stück weit schikaniert oder ausgeschlossen gefühlt in unserem leben. stockholm, wo wir leben, ist eine große stadt und da fühlt sich jeder mal allein. diese lieder sind ja alle ein teil unserer jugend. wir sind alle noch recht jung und als diese stücke entstanden sind waren wir so um die 18, jetzt sind wir so in unseren sehr frühen 20ern. das ist auch so eine sache, zu der jeder einen bezug hat. auch wenn man älter ist schaut man mal zurück auf seine jugend.

auch das wort 'underground' im lied 'dialogue' fand ich spannend. gibt es eine untergrundszene in schweden zu der ihr vielleicht auch gehört oder ist das auch eher ein bild für etwas?
leute in england können damit sicher was anfangen [lachen]. diese u-bahn-situationen können auch sehr deprimierend sein.

hamburger verstehen das bestimmt nicht. die sogenannte u-bahn verläuft ja hier meist überirdisch. eine sache, die ich nie verstanden habe, nachdem ich aus berlin hierher kam. zurück zur musik: wenn die erste ep das thema des eingesperrtseins beschreibt, so schien mir die zweite ep das ausbrechen zu behandeln. ganz klar stechen da lines wie 'run away from home' im stück 'kings and queens' heraus. dieses lied hat aber auch noch die zeile 'trying to make them understand'. das ist wieder eine sehr adoleszente sache. habt ihr immernoch das gefühl, euch jemandem verständlich zu machen, sprich dass ihr anders seid, obwohl ihr zu dieser großstadtmasse gehört?
sehr interessante frage. wir sind einfach nur menschen, so sollte man es grundsätzlich sehen. als wir jünger waren haben wir nicht in einer großstadt gelebt. in der kleinstadt haben wir uns anders gefühlt. da war der wunsch eigentlich ständig präsent, in die große stadt zu ziehen und das citylife zu leben. so ein lied wie 'kings and queens' ist dann wahrscheinlich auf der einen seite ein abschied an das alte leben und auf der anderen seite die sehnsucht nach einem noch ungewissen ziel oder traum. manchmal, wenn man dieses ziel dann erreicht hat, sieht man, dass es vielleicht gar nicht so wichtig war. man will immer etwas neues. 'someday we'll be something more', weißt du?

glaubt ihr, dass ihr eines tages 'mehr' seid?
klar haben wir jetzt etwas erreicht, das reicht uns aber noch lange nicht.

es bleibt kindlich in 'we should go to france'. da sagt ihr 'no one really likes us' und benutzt diese paris-symbolik, das ist schon sehr kindlich direkt, findet ihr nicht?
frankreich ist ganz klar, mit paris natürlich, das romantischste land der welt. wir haben da auch mal gespielt, ein sehr schöner ort. wir wollten diese symbolik einfach mal benutzen, das hat sich richtig angefühlt.

manchmal sind die einfachsten lieder auch die besten. letzte woche war ich bei kimya dawson, die ja auch sehr verspielt kindliche und sehr direkte texte hat. es ist bestimmt wichtig, ab und an mal ein kind zu sein. dann muss man aber auch zielstrebig sein, wie in eurem lied 'dejá vu', wo es darum geht, neue wege einzuschlagen oder in 'black ocean', einfach wegschwimmen. als ihr diese zwei eps gemacht habt, gab es da vorher den plan, dass man bestimmte oberthemen behandelt?
wir haben einfach gefühlt, dass die songs sehr gut miteinander harmonieren. deine analyse ist verdammt gut und das ist auch das spannende am musikmachen. wir wollen hören was leute über unsre sachen denken. was geht im kopf von anderen menschen vor, wenn sie diese lieder hören? das ist ein tolles gefühl.

und da gebt ihr dem hörer in der hinsicht auch gut futter. wie wichtig ist euch da bildhafte sprache?
ehrlich gesagt schreiben wir nur texte, die sich einfach natürlich anfühlen. wir kreieren in dem moment den moment, in dem wir etwas machen.

also gibt es beispielsweise keine dichter, filme oder bücher über die ihr reflektiert?
naja, wir lesen nicht so viel [lachen]. na klar inspirieren uns einige sachen. aber das sind meistens dinge, die menschen machen. also das leben. wenn wir zum beispiel über frankreich schreiben, dann geht es da nicht um diesen einen aufenthalt, sondern mehr um alles drum herum. gespräche über das thema, filme oder so. bestimmte situationen geben sich dann die hand und wir fügen dann vieles zusammen, sodass daraus etwas allgemeines wird. alles fängt dann mit einer melodie an und…

wenn ich einen song schreibe, beginnt das meist auch mit einer gesangsmelodie. ich murmele einfach ein paar wörter, die sich gerade richtig anfühlen und daraus stricke ich dann etwas.
ja, genau. auf unseren telefonen sind bestimmt 300 voicemails. manchmal sind das auch fürchterliche texte, je mehr das lied aber wächst, desto mehr mag man es. so kann daraus ein ziemlich gutes lied werden. bei 'kings and queens' war das zum beispiel so. wir haben das in einer nacht geschrieben. erst waren wir bei unserem label und wollten 'we should go to france' als erste single veröffentlichen. die haben aber gesagt, dass das nicht single-tauglich sei, weswegen wir ziemlich sauer waren. also gingen wir nach hause, schrieben 'kings and queens' und legten es der plattenfirma am nächsten tag mit den worten 'hier habt ihr eure single' vor. und die sagten sofort ja.

Ihr scheint also das handwerk zu beherrschen. wie setzt ihr eure musik dann live um? es gibt ja mittlerweile sehr viele, die playbacks und dergleichen benutzen.
das ist eine sache, die besonders wichtig ist für uns. wir wollen keine playbacks und so weiter abspielen. also sind wir wie eine klassische rockband nur mit elektronischen sounds dazwischen. deswegen ist ein song wie 'urban photograph' auch so einzigartig. weil er eine art elektronischer pop-funk song ist. der groove ist da beispielsweise sehr entscheidend. wahrscheinlich haben wir diesen jazz- und funk-kram aus der musikschule mitgenommen.

eure zwei eps heißen ja 'our youth 1 & 2'. meiner meinung nach ist es eine sehr erwachsene sache, über die jugend zu reflektieren. glaubt ihr, dass man das nur kann, wenn man älter oder aus seiner jugend herausgewachsen ist?
man hat doch immer ein stück kind in sich und man schaut auch immer in die vergangenheit. auf unserem bald erscheinenden album, das den titel 'our youth' haben wird, gibt es den gleichnamigen song, in dem die zeile 'my youth I want to awake' vorkommt. an unsere jugend werden wir uns immer erinnern und sagen, dass das die besten tage waren.

ihr seid ja noch nicht so unglaublich alt. seht ihr euch in einer art herbst oder spätsommer eurer jugend?
das muss jeder für sich entscheiden, wann er nicht mehr jung ist. es gibt auch leute in ihren dreißigern, die immernoch jugendlich. die jugend spielt sich letztendlich in unseren köpfen ab.

das ist doch ein schönes schlusswort. möchtet ihr noch dringend etwas loswerden?
ja! im september wird unsere nächste single veröffentlicht und etwa im oktober kommt das album raus. die single trägt den titel 'searching for silence' und das album wie schon gesagt 'our youth', diesmal keine parts.

Fotocredit: Nicola von Leffern

Aktuelle News

ROTE RAUPE

ROTE RAUPEEnde

von Andre Habermann · 24.05.2013

Liebe Leserinnen, liebe Leser, oft wurde ich schon gefragt, wieso ich das eigentlich mache. Meine Antwort war: Aus Spaß...

Allah-Las

Allah-LasTourstart

von Bernd Skischally · 23.05.2013

Das läuft ja wie geschmiert: Im Winter noch vertrieben uns die Allah-Las als Vorband des Vorzeige-Tanzschuhs Nick Waterhouse...

Small Black

Small BlackLimits Of Desire

von Wolfgang Merx · 23.05.2013

Mit ihrem zweiten Album »Limits Of Desire« meldet sich das amerikanische Quartett Small Black zurück. Man hört es schon...

Field Report

Field ReportField Report

von Christoph Walter · 22.05.2013

Nach der Trennung von DeYarmond Edison vor knapp sieben Jahren machten sich die Bandmitglieder sehr schnell und mit großem...

Kishi Bashi

Kishi Bashi151a

von Oliver Lichtl · 22.05.2013

kishi bashi veranstalten auf ihrem album »151a« ein wahres streicher-fest. zu einem vollen, breitwandigen orchestersound...

2004 − 2014 ROTE RAUPE · Kontakt · Impressum
Real Time Web Analytics