Logo

ModeselektorInterview auf der Red Bull Music Academy

Modeselektor

Mit MODESELEKTOR regelt sich das Internet endlich von allein.

Die Jungs von Modeselektor traf ich am Freitag im Macumba Club im Norden von Madrid. Auf den ersten Blick, der aller letzte Schuppen, auf den zweiten fast ebenso. Dort angekommen gingen wir in einen dunklen Gang, vorbei an einer Bowlingbahn vor der bereits zirka 60 Jugendliche kampierten, jedoch nicht um Modeselektor zu sehen, sondern um herumzustehen. In Spanien nennt man das Botellón.

Kalt ist es an diesem Abend in Madrid geworden, dazu fängt es auch noch an zu regnen, die Stadt zeigt sich zum ersten Mal von seiner schlechten Seite. Wir warteten zwischen diesem Mob von angetrunkenen Spanier/Innen am Seiteneingang des Klubs auf den Manager. Als wir herein gingen wurde langsam das gesamte Ausmaß dieses Klubs klar. Eine Mischung aus Partyhölle Lloret de Mar und einer Großraumdiskothek, wie man sie beispielsweise in Neubrandenburg finden würde. Ich begrüße Gernot Bronsert von Modeselektor auf der Tanzfläche, er checkt gerade den Sound für heut Abend. "Wenn das Licht erst mal aus ist, spielt der Raum keine Rolle mehr." erklärt er mir. Schließlich hätte man Pfadfinderei als VJ mit im Gepäck, um den Klub ins rechte Licht zu rücken.

ModeselektorModeselektorModeselektorModeselektor

Wir gehen in eine sehr enge Räumlichkeit, die man erreicht, wenn man die langen engen Gänge hier hinter sich gebracht hat. Sebastian Szary erzählt mir, dass sie ja schon seit 10 Jahren überall auf der Welt umhergereist sind, um aufzulegen oder zu spielen, aber diese Kammer hier sei doch schon eine Zumutung. Ein grelles bläuliches Deckenlicht erhellt den Raum, Backstage nennen sie es, man hat hier eine kleine Strahlheizung aufgestellt damit es nicht allzu kalt wirkt. Gernot ascht zweimal seine Zigarette ab erzählt mir was übers Internet.

Facebook und diesen ganzen Social Network Kram hätten Sie nie gebraucht, schließlich gab es Modeselektor schon vor dem Aufkommen von Facebook. Und das mit Erfolg. Bis vor kurzem hatten Sie noch nicht einmal eine Facebook-Seite. "Die hat mal ein Fan für uns erstellt. Irgendwann entschieden wir uns Ihn anzuschreiben um die Seite zu übernehmen, doch dann hat er wohl kalte Füße bekommen und hat diese gelöscht." so Bronsert. "Das war natürlich erst ein bisschen blöd für uns." Auf Facebook seien Sie aber nach wie vor nicht so sehr angewiesen. "Unsere Internetseite Modeselektor.com hat mehr Hits als unsere Facebook-Seite." Erfolg hängt eben doch nicht nur von Facebook ab ergänze ich, vielleicht ist dieser Facebook-Hype ja auch bald zu Ende, Sebastian nickt mir zu. YouTube sei für Sie eher der Schlüssel zum Erfolg gewesen. "Die Crowd hat sich auf YouTube die Videos vom Auftritt des vergangenen Wochenendes angesehen und sie sahen natürlich nur die besten Szenen. Waren sie dann selber beim Auftritt wiederholten Sie natürlich diese Szenen und schon sind die Leute über Kopf gegangen bevor wir überhaupt 30 Sekunden auf der Bühne standen." verrät Gernot. Ob sie sich vorstellen könnten, wie Apparat auch mal in einem Kammermusiksaal vor sitzenden Leuten zu spielen entgegnet mir Szary, dass sie dies auch schon gemacht haben, aber es einfach nicht zu ihrer Musik passen würde. "Die Leute wollen sich halt bewegen, bei unserem Sitzkonzert haben sie es auch nicht lange ausgehalten und haben dann einfach getanzt."

Ich frage ihn, wie er ein deutsches Publikum vom Spanischen oder Japanischen unterscheiden würde. Er überlegt kurz und sagt: "Drinnen drehen Sie alle durch und wollen feiern, die Japaner zum Beispiel verhalten sich am Eingang sehr gesittet. Spielen wir dann erst mal ein paar Minuten, sind auch sie nicht mehr zu bremsen und drehen voll am Rad. Japan eben. Geht das Licht an, fahren sie sich sofort wieder ein und gehen dann."

Bis kurz vor Weihnachten geht Ihre Monkeytown-Tour noch und bis jetzt sind sie sehr zufrieden. Was die beiden schlaucht, sind die langen Wartezeiten; warten auf das Flugzeug, warten auf den Fahrer, warten auf den Auftritt und so weiter. Dann am besten noch Krank werden. Was für ein Rockstarleben entgegne ich Ihm, "eben nicht" erwidert Sebastian. Im Januar ist dann aber erst mal Urlaub und Regeneration angebracht. Der Tourmanager kommt herein und fährt seine Hand mit vier ausgestreckten Fingern vor meinem Gesicht aus: "Noch vier Minuten." Die spanische Zeitung El País warte draußen schon. Gernot darauf: "Die sollen ruhig noch 5 Minuten warten, wir unterhalten uns noch." Die Jungs sind echt tiefenentspannt dachte ich mir. Ich frage sie, ob es etwas Besonderes ist, in ihrer Basis Berlin aufzutreten. "Vielleicht war es ein Fehler die Tour gerade in Berlin zu beginnen. Das Astra war mit 1800 Leuten rappelvoll und wir waren vorher ziemlich nervös, denn unsere Freunde waren ja auch alle da. Letztlich ging aber alles gut und die Party lief super." Der Tourmanager kam wieder, das war´s dann wohl. Ich lasse mir noch ein Autogramm geben und mache ein Foto, mit gutem Gefühl und voller Vorfreude auf den Abend verließ ich das Macumba.

ModeselektorModeselektorModeselektorModeselektor

Gegen drei Uhr war es dann endlich so weit. Nick Hook, Doc Daneeka und Naphta leisteten bereits ein erstes Aufwärmprogramm. Nick Hook, seines Zeichens Produzent und DJ aus New York City war wohl der erste und letzte der im Macumba Dr. Dre aufgelegt hat, aber das hatte er sich auch verdient. Ganz nach spanischer Manier befeuerte er das Publikum mit vielen verschiedenen Genres und ließ auch die Horn-Samples zwischen den Tracks nicht aus.

ModeselektorModeselektorModeselektorModeselektor

Der Klub war gut gefüllt und es roch, als hätte jemand in die Ecken geschissen, aber Spanier rauchen anscheinend zu gern Shit, welches man auf den dunklen Straßen Madrids keinesfalls kaufen sollte, es wäre wohl ziemlicher Scheiß. Schließlich smashten Modeselektor die Crowd und verwandelten diesen Ort dann doch noch in ein sehr gut erträgliches Etablissement. Nicht viel denken, tanzen. Pfadfinderei navigierte sich durch die Grafiklandschaft und leistete auf zwei Leinwänden ein fantastisches Reisebild zum Soundtrack von Modeselektor.

19.11.2011 // paul
 

Kommentar abgeben

 
 
 
 
 
Kommentar absenden
 

Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare die in der Vergangenheit schon einmal aktiviert wurden, werden sofort veröffentlicht.

 
 
Real Time Web Analytics