Roman FlügelInterview auf der Red Bull Music Academy
Nach einem ersten Rundgang auf dem Gelände der Red Bull Music Academy namens Matadero in Madrid traf ich gestern die Alter Ego-Hälfte Roman Flügel aus Frankfurt. Dieser brachte zuletzt das Album “Fatty Folders” heraus. Wir sprachen über lange Nächte, dem darauffolgenden Ausschlafen und über Stühle aus Wäscheleinen. Unser Gespräch in Madrid startete mit dem Niedergang seines Playhouse-Labels, welches er 1993 mitbegründete.
Mit der Zeit und dem steigenden Erfolg wuchs und wuchs das Label, es wurden Büroräume in Offenbach angemietet, Mitarbeiter und Praktikanten eingestellt. Alles zum ersten Mal in Eigenregie und Selbstverantwortung. Die ersten 15 Jahre waren eine sehr harmonische Zeit erzählt er mir. Playhouse hat sich vor 20 Jahren als Projekt seins Freundeskreises gegründet, aber wie bei einer Beziehung fällt es einem dann nach 15 Jahren schwer Schluss zu machen. In der Trennungsphase, sagt er, zieht es sich dann nur schmerzlich in die Länge, bis man dann nach fast drei Jahren merkt, dass man es wirklich beenden sollte. So veröffentlicht Flügel sein neues Album “Fatty Folders” auf dem Hamburger Label DIAL Records.
Mit seinem Alter Ego-Kollegen Jörn Wuttke verstehe er sich aber nach wie vor sehr gut. Dass das Duo nach mehrjähriger Tour einfach mal eine längere Pause brauche, bedeute aber keineswegs, dass sie nicht wieder zusammenkommen würden. Roman konzentriert sich momentan eher auf die Digitalisierung seiner 20-jährigen Musikkarriere. Seinen ersten Track produzierte er mit 20, in einer Zeit, in der er auch selbst noch häufiger auf Techno Partys ging, die im Morgengrauen endeten. Schlaf sei Ihm jedoch nach wie vor extrem wichtig, heute habe er bis um 12 Uhr geschlafen, ich bis um vier, Roman lacht.
Unser Gespräch läuft sehr locker und entspannt nachdem wir uns in die sogenannte Lecture Hall gesetzt haben. Kalt ist es hier, nachdem etwa 30 Academy-Teilnehmer den Workshop von Mannie Fresh verlassen haben. Auch Flügel besuchte seine Lecture und war überrascht von dem Rap-Produzenten, welcher mit seiner sympathisch humorvollen Art und ein paar fetten Beats aus seiner Vergangenheit den Raum zum Nicken und Summen brachte.
"Ich werde das auf jeden Fall erforschen." war Romans Resümee zu dem zuvor Referierenden. In der Lecture Hall verbreitet sich ein Geruch, den man sonst nur in der Zirkusmanege riecht, etwas sehr animalisches versprüht seinen Duft im Herzen der Music Academy des Roten Bullen. "Das sind diese Wäscheleinen, aus denen sie Stühle und Bänke designt haben." so Romans nüchterne Betrachtung. "Die wollen, dass die Teilnehmer diesen Spirit einsaugen."
Ohnehin scheint hier alles sehr durchdesignt. Ein Tonstudio, eine Mensa und die Lecture Hall aus Sandsäcken hat Red Bull in die historischen Hallen einer alten Fleischerei namens Matadero gebaut. Man habe etwas nachhaltiges gesucht verrät einer der Organisatoren. Vier Monate wurde an diesem Konstrukt gefeilt, welches ein Madrider Architektenbüro zusammen mit 110 Helfern geplant und realisiert hat. Entstanden ist neben dieser Sandsack-Stadt ein Studio-Dorf aus insgesamt 9 Zellen. Man wollte einen flexiblen Raum erstellen, in denen sich die Teilnehmer zurückziehen können, um mit den Profis aus dem Biz auf Tuchfühlung zu gehen.
Roman erzählt mir, dass diese Studiozellen so angelegt sind, um das soziale Connecting unter den Teilnehmern zu fördern. Dies hat anscheinend auch gut geklappt, schließlich sehe ich die ersten Pärchen auf den breiten Wäscheleinen-Bänken. Na wenn das nicht der Red Bull-Flavour ist?
Nach unserem einstündigen Gespräch suchen wir noch eine passende Foto-Location, um ein Bild von Roman zu machen. Erst wollte ich ihn im Schaufenster eines Studios neben Mannie Fresh platzieren, doch dieser war gerade sehr beschäftigt, also entschied ich mich ihn allein in eines der Homestudios zu setzen.





















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