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I Heart SharksInterview mit Pierre Bee und Simon Wangemann

I Heart Sharks

Während die Blicke in Richtung Winter schweifen, die Herbstblätter das Ende der warmen Jahreszeit verkünden und der Wollschall zum treuen, täglichen Begleiter wird, veröffentlicht das Trio I Heart Sharks aus Berlin mit ihrem Debütalbum “Summer” ihren ganz eigenen Lobgesang auf die sonnigen Tage. Eine persönliche Hommage an die vielen, darin mitschwingenden Erinnerungen und gleichermaßen ein Aufruf an alle sonnenhungrigen Menschen, die sich anhand der Songs tanzend durch das dunkle Grau draussen vor der Tür bewegen wollen. Wir fragten einmal bei 2/3 der Band nach, was sie diesen Sommer angestellt haben und was sie sich von der selbst proklamierten “Neuzeit” versprechen.


"Let's just pretend it's summer" - wie läuft es denn bisher mit eurem Vorsatz gedanklich am Sommer festzuhalten während die Temperaturen draussen immer weiter fallen?
P: Während der Woche ziehen wir die Vorhänge zu, setzen uns Sonnenbrillen auf, knipsen die Sonnenbank an und hören uns immer wieder unser Album an. Am Wochenende touren wir und lassen den Sommer dann mit wundervollen Menschen rund um Deutschland herum wieder aufleben.

Euer Debütalbum "Summer" ist im Kasten, ein neues Band-Kapitel eröffnet. War die Reise bis zur Fertigstellung der Platte in euren Augen eher ein Abenteuerroman, ein Thriller oder gar ein dramatisches Werk?
P: Es war wie in einem Roman Polanski Thriller, weil du nie genau wusstest, was dich hinter der nächsten Ecke erwartet.

S: Ja, wir wussten nie, was als Nächstes kommt und mit jedem Schritt mussten wir uns neu erfinden.

Wie würdet ihr euren persönlichen Sommer 2011 beschreiben?
S: Wir haben ganz ganz viele Festivals gespielt, tolle Bands kennengelernt und es hat immer dabei geregnet. Ja, im Sommer 2011 waren wir im Tourbus mehr zu Hause als in unseren Wohnungen. Und an den Tagen zwischen den Konzerten haben wir dann noch bei Sonnenaufgang an der Ostsee Videos gedreht oder Pierre hat das Albumartwork fertig gestellt. Ich habe mit einer ganz tollen Musikerin Simonne Jones an ihrem Album gearbeitet, Ruhe hatten wir nie!

Kein Sommer in Berlin, ohne das...?
S: Stöbern am Boxhagenerplatz Flohmarkt und den schwedischen Midsommar im Park feiern.

P: Fahren mit dem Fahrrad durch die ehemalige Industriegegend im Osten in Richtung Müggelsee, mit einer Flasche billigem Champagner in der Tasche und einem hübschen Mädchen auf dem Lenker.

Ihr habt euch seit Bestehen der Band vor allem durch eure Live-Shows eine ansehnliche und loyale Fanbase erspielt. War das für euch Grundlage, um euch dann im nächsten Schritt an die Albumaufnahmen zu machen oder spielte diese Tatsache keine Rolle?
S: Wir haben auch seit Bestehen der Band unsere Musik immer selber aufgenommen und produziert, auch schon lange vor unserer ersten Veröffentlichung mit der Wolves Single vor einem Jahr. Ich habe zusammen mit Gordon Raphael, der unter anderem The Strokes produzierte, ein Studio in Neukölln in dem wir uns immer austoben konnten. Das heißt, der Prozess der Albumaufnahmen war schon lange im Voraus eingeleitet worden. Unsere Fans spielten aber bei der Veröffentlichung dennoch eine riesige Rolle, denn sie haben schon seit langer Zeit immer gefragt wann das Album herauskommt.

P: Die Fans haben auf jeden Fall viel Druck auf uns ausgeübt, das Album zu veröffentlichen. Gleichzeitig sind sie eine großartige Jury, der wir unsere neuen Songs vorspielen können. Die Lieder sind sehr von den Erfahrungen auf der Bühne geprägt worden.

Euer Album wurde durch verschiedene finanzielle Zuschüsse von spendablen Fans ihm Rahmen von Pledge Music ermöglicht. Dieses Konzept hat sich für euch bezahlt gemacht. Wie risikoreich habt ihr das ganze Projekt im Vorfeld eingeschätzt, wie stuft ihr den verbuchten Erfolg im Nachhinein ein?
P: Wir hatten großes Vertrauen in all die Menschen, die uns unterstützt haben. Leider haben wir in dem Dilemma gesteckt, dass wir durch das Touren zwar viel Zuspruch bekommen haben, die Major Labels das jedoch nicht im selben Maße gesehen haben. Deswegen mussten wir eine Alternative finden, die finanziellen Mittel für eine Veröffentlichung aufzutreiben.

S: “Summer” ist das erste Album, bei dessen Veröffentlichung ich beteilligt bin. Ich habe mir im Vorfeld nicht zugetraut das Finanzierungskonzept einzuschätzen. Ich hatte einfach keine Vorstellung davon, wie so ein Prozess funnktioniert. Im Nachhinein kann ich sagen, dass unser Vertrauen in unsere Fans bestätigt worden ist. Wir sind dafür sehr dankbar!

Welche Eigenschaft braucht es eurer Meinung nach für eine junge Band heutzutage am meisten, um sich von anderen talentierten Kollegen abzuheben bzw. auf sich aufmerksam zu machen?
P: Was I Heart Sharks von anderen Bands unterscheidet ist, dass wir nicht ganz und gar in eine Schublade gesteckt werden können. Wir sind eine Mischung aus Paradoxa und Gegensätzen, die irgendwie dennoch zusammenpassen. Wir haben von eine deutsch-elektronische Seite und diesen Britischen Touch, was das Songwriting angeht. Was wir an der deutschen Indie-Szene mögen, ist die Tatsache, dass sich alle Bands untereinander helfen.

S: Ich denke man muss immer fast verbissen an sich selbst arbeiten und seine Ergebnisse in die Welt hinaus tragen. Man muss die Leute da draußen erreichen und ihnen zeigen, wie sehr man sich ins Zeug hängt. Ich glaube wir können das von uns selbst behaupten, und ich beobachte wie es für befreundete Musiker funktioniert. Jim Kroft zum Beispiel ist einer der am härtesten arbeitenden Menschen, die ich kenne. Er ist mir ein großes Vorbild was Durchhaltevermögen und Zuversicht angeht.

Müsstet ihr sie definieren, wie sähe für euch konkret die "Neuzeit" aus? Was würde diese ausmachen?
P: Die Neuzeit ist eine neue Art des Denkens. Ein Paradigmawechsel. Mit jedem neuen Tag werden wir mehr vernetzt, die Distanz ist nicht mehr länger ein Hindernis, Bands kommen ihren Fans immer näher. Die Neuzeit dreht sich darum, wie junge Menschen Deutschland heutzutage wahrnehmen.

Sind Support-Slots, wie zuletzt für Friendly Fires, künstlerisch für euch eine Bereicherung oder ist der musikalische Rahmen, in dem ihr spielt wenig ausschlaggebend für die Art eurer Performance?
P: Du hast eine halbe Stunde Zeit, um Menschen zu zeigen, was dich musikalisch auszeichnet. Es ist also mit einer kurzen Werbung zu vergleichen. “Hi, wir sind I Heart Sharks. Wir mögen Kraftwerk, The Knife, The Maccabees und The Cure und machen Musik, die eine Mischung aus all jenen Bands ist!” Abgesehen davon ist es aber großartig – viele Leute, die uns nun unterstützen, haben uns das erste Mal bei einer Support Show gesehen.

Womit kann man euch auf Tour die größte Freude machen?
P: Lerne alle Songtexte auswendig und schreie sie so laut heraus wie du nur kannst. Kaufe weisse Schuhe und versuche sie während des Konzerts so dreckig wie möglich zu machen. Tanze in Erinnerung an all die guten Zeiten, die hinter dir liegen, und all diejenigen, die dir noch bevorstehen.

31.10.2011 // annett
 

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