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CantInterview mit Chris Taylor

Cant

es gibt sie nicht wie sand am meer, aber immer mal wieder trifft man auf einen künstler, dessen vielseitigkeit und talent ihn nicht nur an ein projekt bindet, sondern ihn breitgefächert in die verschiedensten richtungen treibt. chris taylor ist so jemand. es ist nicht nur die tatsache, dass er innerhalb seiner band grizzly bear als multi-instrumentalist sein können unter beweis stellt, er ist zudem erfolgreich als produzent tätig (grizzly bear, twin shadow, the morning benders) und macht ausserdem seit kurzem unter dem namen cant solo eine gute figur. dabei zeugt allein das spektrum und auch die qualität seiner arbeit davon, dass chris taylor mit wachem geist, großer zuneigung und einem gesunden ehrgeiz bei der sache ist.

wir trafen ihn zum heiteren gedankenaustausch in berlin, bei dem neben seinem album dreams come true seine liebe für das campen ebenso zum gesprächsthema wurde, wie seine lust am reisen oder sogar sein früherer job in einem coffee shop. es gab viel interessantes zu berichten - hier die einladung zum nachlesen.


ausgangspunkt für die arbeit an deinem album "dreams come true" war die tatsache, dass du mehr zeit für dich haben wolltest. andere leuten würden vermutlich urlaub machen, du hast die zeit lieber im studio verbracht. so einer bist du also.
(lacht) ja, ich bin da vielleicht etwas komisch, aber für mich hat das zu dem zeitpunkt einfach einen sinn ergeben. es war eine gute erfahrung für mich, die mir am ende sogar mehr bedeutet hat, als ich es im vorfeld vermutet hätte. ich liebe diesen nervenkitzel, wenn man mit freunden an einer platte arbeitet und diese dann fertig stellt. dementsprechend war es ein noch viel größerer nervenkitzel dieses mal eine platte auf eigene faust zu machen. es war ein sehr befriedigendes erlebnis für mich, vor allem was meinen kreativen ausdruck angeht. ich habe einfach gespürt, dass ich das bedürfnis habe so etwas zu machen. ich habe so viel mit anderen bands zusammengearbeitet und bin mit grizzly bear unterwegs gewesen. daher brauchte ich etwas zeit, um wieder bei mir zu sein. es hat sich angefühlt, als ob ich von der wärme in meinem herzen davon getragen worden wäre und genau die wollte ich wieder finden...das liebliche im leben wieder spüren, weil es dabei war langsam zu verblassen. das wollte ich nicht und ich wollte mich ebenso wenig ausgebrannt fühlen. hätte ich diesen schritt nicht gewagt, dann wüsste ich nicht, ob ich jetzt genauso glücklich wäre, wie ich es momentan bin.

standest du jemals kurz vor einem burn-out?
ja, das kann man wohl sagen. es gab mehrere situationen, in denen ich hauchdünn davon entfernt war. normalerweise habe ich mich wieder etwas davon erholt, wenn ich ein projekt abgeschlossen und mich gleich darauf etwas anderem, neuem zugewandt habe. dadurch habe ich den eindruck gewonnen meine energiereserven wieder aufzufüllen, auch wenn das komisch wirkt. ich brauche diese permanente herausforderung. wenn ich mich an ein neues projekt wage, dann treibt mich das unheimlich an und all die vorhandenen kreativen kräfte beginnen mich mitzureissen. es entsteht ein sog, in dem ich mich treiben lassen und glücklich sein kann.

bist du mit "dreams come true" deinem inneren frieden näher gekommen?
das bin ich ganz sicher. ich glaube schon, dass ich durch die arbeit an dem album ein stück weiter dahin gekommen bin und eine lücke mehr gefüllt habe, wo es eben nötig war. ich will nichts überstürzen und gehe eine sache nach der nächsten an. du kannst nicht alles auf einmal haben. ich bin süchtig danach musik zu machen. für mich ist das besser als jede droge dieser welt. besser, als an einen ort zu flüchten, weil ich mich so den dingen um mich herum stellen und probleme lösen kann, wenn nötig. damit will ich nicht sagen, dass ich in der vergangenheit versucht habe meine probleme mit drogen zu bekämpfen. ich habe schon immer viel gearbeitet, weil ich mich so am besten, auch von mir selbst, ablenken konnte. als das album fertig war, konnte ich einfach nicht aufhören zu schreiben und es hat sich noch nie richtiger angefühlt. das war ein großartiges gefühl und gleichzeitig sehr verlockend. man wird hemmungslos und möchte einfach weitermachen. zum glück gibt es aber auch noch andere dinge ausser der musik, denen ich meine zeit widmen kann. ich mache mir also keine sorgen darüber einmal nicht aus diesem strudel ausbrechen zu können. es war aber wichtig nur auf meine innere stimme zu hören und mich dann von meinen gedanken in eine bestimmte richtung leiten zu lassen. ich brauche grizzly bear und all die anderen sachen aber nach wie vor und will nicht die ganze zeit mein eigenes ding machen. in gewisser weise war das meine art mit mir selbst in den urlaub zu gehen. dabei würde ich wahnsinnig gerne einen richtigen urlaub machen. heiliger strohsack, ein urlaub...das wäre schön! (lacht)

welches ziel würdest du als erstes ansteuern wollen?
hmm, wahrscheinlich würde ich mich in europa herumtreiben, zumal ich eh gerade hier bin. da ich ein paar tage freizeit mit eingeplant habe, werde ich verschiedene sachen machen. in paris lohnt es sich ein wenig länger zu sein. da gibt es so viele restaurants, die inspirierend für die art von restaurant sein könnten, an dem ich selbst gerade arbeite. ausserdem reizt mich island sehr. dort werde ich für ein paar tage campen gehen.

warst du schon einmal da oder wird das eine premiere für dich?
ich war bereits dort. es ist so ein unfassbar schönes land! wenn du da bist, haut dich die landschaft von den socken. phew! (lacht) es gibt nichts vergleichbares. es grenzt fast schon an einen traum. ich campe im allgemeinen ziemlich viel. als ich das erste mal dort war, habe ich mir gleich vorgenommen irgendwann zurückzukommen und eine weile zu campen. ich versuche immer ein paar zusätzliche tage mit einzuplanen, wenn ich schon mal unterwegs bin und mein kalender das zu lässt. ich mag es aus new york rauszukommen, aber genauso gerne denke ich daran im proberaum zu stehen, die band zusammenzutrommeln und loszulegen. zu hause wartet eigentlich immer arbeit auf mich. es hört nie auf, aber ich denke den meisten leuten geht es ähnlich wie mir.

angenommen du streifst in island durch die natur oder sitzt abends in deinem zelt - denkst du in solchen momenten überhaupt daran musik zu machen?
doch, das tue ich. gerade solche momente können sehr inspirierend sein und dich zumindest gedanklich antreiben - dir kreative impulse verschaffen. besonders ein ort wie island eignet sich wunderbar dafür und kann bewusstseinserweiternd wirken. es ermöglicht einem die dinge vor ort, aber auch auf der welt von einer anderen perspektive aus zu betrachten. das ist unglaublich. du musst unbedingt einmal hinfahren. du musst! (lacht) mit japan ging es mir ähnlich, obwohl es eine so unterschiedliche kultur ist. man muss versuchen sich darauf einlassen, und sollte etwas zeit mitbringen, wenn man ganz darin eintauchen will. mir kommt es immer so vor, als ob die menschen dort eine ganz eigene, besondere art haben dinge zu verarbeiten, die welt zu betrachten und miteinander umzugehen. hat man einmal diese ebene erreicht, wo man sich mit alldem vertraut gemacht hat, dann kann man schritt für schritt ein teil davon werden. du kannst mit dem essen beginnen und nach und nach andere bereiche erschließen. ich würde dir raten dich auch ausserhalb der städte zu bewegen. geh raus auf das land - was du da siehst, wird dich umhauen. die landschaft ist etwas ganz besonderes. was ganz wichtig ist, nimm einen japanischen freund oder eine freundin mit, weil dort niemand englisch spricht (lacht).

bist du für gewöhnlich jemand, der alleine loszieht und neue orte oder länder erkundet?
manchmal mache ich das ganz gerne. mit japan war das zum beispiel auch so. da bin ich knapp über eine woche eher los als der rest der band, um mich dort mit freunden zu treffen, die ich über ein, zwei ecken kennengelernt habe. es hieß dann irgendwie "hast du lust herzukommen?" und ich fand die idee super. ich wollte das volle programm und vor allem das alte, traditionelle japan sehen. also eher nicht die typischen sachen, die dir ein tourguide vor die nase setzen würde. ich mag es individueller. es ist wunderbar als musiker an so viele verschiedene orte zu kommen. musik zu machen und dabei auch noch reisen zu können, ist wirklich cool, wenn nicht sogar das beste an meinem job. ich liebe meinen job! (lacht)

schön zu wissen, dass es noch musiker gibt, denen die decke nicht auf den kopf fällt, wenn sie so viel unterwegs sind, oder die sich nicht darüber beschweren andauernd auf reisen zu sein. es kommt wohl darauf an, wie man an die sache herangeht. man kann sich im hotel verkriechen und den tourstress überhand nehmen lassen oder, wie in deinem fall, versuchen den verschiedenen kulturen näher zu kommen und auf entdeckungstour gehen.
da stimme ich dir voll und ganz zu. ich würde niemals den tag im hotel verbringen wollen, wenn ich schon einmal an einem fremden ort bin. meine bandkollegen machen das zum beispiel sehr gerne. sie mögen das herumreisen nicht so sehr wie ich und genießen die zeit weg von ihrem zuhause nicht im selben maße wie ich es tue. vielleicht hätten sie mehr spaß am touren, wenn sie nicht den ganzen tag im hotel oder im club verbringen würden, wie es nun einmal so üblich ist. irgendwann wird es eben teil deines jobs, wenn du als musiker auf der ganzen welt spielst. das kann ich verstehen, aber ich will nicht, dass es sich so anfühlt. ich habe keinerlei grund mich zu beschweren. wenn man in einer band ist, die möglichkeit hat überall auf der welt vor leuten zu spielen, die nur kommen, um deine musik zu hören, dann ist das großartig. wer sich darüber beschwert, bei dem hilft nur noch eine korrektur der einstellung und des blickes darauf, welches glück eigentlich vor einem liegt. wenn du das als musiker nicht wertschätzen kannst, dann weiß ich auch nicht weiter.

vielleicht wäre es dann an der zeit den beruf zu wechseln...
das sehe ich absolut genauso. all die bands, die sich über so etwas beschweren, sollten einfach aufhören zu touren! lasst es doch sein, wenn ihr keinen spaß daran habt. man kann auch musik veröffentlichen, ohne sich dem ganzen "stress" auszusetzen. oder spielt meinetwegen nur ausgewählte konzerte vor kleinerem publikum, wenn euch das alles zu viel wird. wer das reisen als last ansieht, der wird irgendwann daran zugrunde gehen. dann sitzt du wieder zuhause, die leute klauen deine musik aus dem netz und du landest wieder im coffee shop. wenn du das willst, dann nichts wie ran! viel glück damit! (lacht) ich weiß wovon ich rede, denn ich habe jahrelang in einem coffee shop gearbeitet. ich habe auch in einer bäkerei gearbeitet und glasur auf die torten geschmiert. ich habe tolle erinnerungen an diese zeit, aber würde damit nicht mehr mein leben verbringen wollen, obwohl es eine gute arbeit war.

gut, weil du beim verzieren von torten ebenfalls kreativ sein konntest?
(lacht) und wie! das wichtigste ist, dass man stolz auf das sein sollte, was man tut, egal welche arbeit das nun ist. wenn du diesen stolz nicht entwickeln kannst, ist es vermutlich nicht der richtige job für dich. selbst als ich im coffee shop gearbeitet habe, war ich stolz darauf und war mit eifer bei der sache. ich wollte den kaffee jedes mal so gut wie möglich machen und die kunden bestmöglich zufriedenstellen. daher habe ich den job sehr ernst genommen und habe es genossen ganz genau zu wissen, wie ein bestimmter kunde seinen kaffee am liebsten mochte. in japan, zum beispiel, ist aufällig, dass die menschen genau diese eigenschaft haben. sie haben die gabe sich ihrer tätigkeit mit viel liebe und hingabe zu widmen. woanders vergessen die leute oft, wie sich anfühlt, so eine art stolz für welches handwerk auch immer zu entwickeln. das ist wirklich sehr schade...oh, wir sind ganz schön vom thema abgekommen. das ist voll und ganz meine schuld, verzeihung! (lacht)

du musst dich wirklich nicht entschuldigen. um jedoch noch einmal auf dein album zu sprechen zu kommen - die aufnahmen fanden in new york statt. hat es dich bei deinem entdeckungsdrang nicht gereizt deine studio-zelte einmal ganz woanders aufzuschlagen?
ich habe die arbeit am album in upstate new york begonnen, also nicht mitten in der stadt. das war für mich bereits abstand genug, weil ich dem trubel entfliehen konnte, aber gleichzeitig nicht völlig aus der welt war. man fährt ein paar stunden raus, kann jedoch jederzeit zurück. ich wollte gerade in den anfangstagen des ganzen songwritings etwas ausserhalb sein, damit ich mich mit george (lewis jr.) völlig auf die musik konzentrieren konnte. zwei wochen vor beginn der aufnahmen haben wir die arbeit an (twin shadows) "forget" abgeschlossen. wir sind also raus der stadt gefahren und wollten unsere köpfe mit etwas anderem beschäftigen. ich hatte zu dem zeitpunkt keinerlei kompositionen oder dergleichen fertig, lediglich ein paar ideen, was die instrumentierung von "dreams come true" angeht. ich konnte mir niemand anderes als george für eine zusammenarbeit vorstellen, weil wir uns nicht nur musikalisch, sondern auch persönlich sehr nahe stehen. es war einfach die perfekte ausgangsposition das album mit ihm an meiner seite zu machen, was umgekehrt auch für sein album der fall war. diese neu gefundene liebe zusammen musik zu machen, hat uns beide einfach an diesen ort verschlagen. ja, ich bin ganz vernarrt in diesen typen (lacht).

das klingt fast schon filmreif. ich vermute die arbeit hatte dann auch für euch ein happy end?
ja! wir haben von grundauf angefangen songs stück für stück zusammenzubasteln. wir fingen, sagen wir, mit einem drum beat an und haben nach und nach immer mehr dazu gegeben. das ging alles sehr fließend von sich und später haben wir größere brocken hinzugefügt. nach eineinhalb wochen hatten wir zwölf songgerüste. die folgenden fünf monate habe ich damit verbracht mir allein gedanken über den weiteren verlauf der platte zu machen. ich hatte vorher noch nie gesungen oder gar liedtexte geschrieben. der leadgesang war ein völlig neues terrain für mich. ausserdem musste ich mir darüber im klaren werden, welche richtung ich dem album geben wollte - eine nicht ganz einfache sache, weil ich so vieles mag. das kann r'n'b sein, liebeslieder, wütende, düstere songs oder totaler lärm. diese extreme haben nie zu den grizzly bear sachen gepasst. nach der ersten session mit george war ich also etwas verwirrt und brauchte zeit, um zu einem entschluss zu kommen. mit etwas abstand zu allem konnte ich mich nach ein paar monaten wieder meinem eigenen ding widmen. ich konnte nicht darauf warten, dass das album zu mir kommt, wie zum beispiel der sonnenuntergang am abend. wäre das nicht toll? oder ich bestell mir einfach fertige ideen wie ein produkt bei amazon (lacht).

hast du dann bis zum schluss alle fäden allein in deiner hand behalten?
nein, nicht ganz. george und ich kamen wieder zusammen, um erneut an den songs zu arbeiten. ich hatte in der zwischenzeit ja nicht einen finger krumm gemacht (lacht). danach habe ich noch einige zeit alleine weiter gemacht, was teilweise fast an einen albtraum grenzte, weil die aufgabe ein ganzes album mit meinen eigenen songs fertigzustellen doch sehr angsteinflößend für mich war. ich hatte einfach noch nie diese art von verantwortung übernommen. du stellst dich kreativ, aber auch persönlich gesehen alleine in die öffentlichkeit. dieser herausforderung wollte ich mich aber stellen, gerade weil man aus der ganzen arbeit und all den erfahrungen als gestärkte person hervorgeht. darum bin ich so gut es ging am ball geblieben.

hast du während all der zeit auch gegen dich als person oder deine bisherigen vorstellungen ankämpfen müssen?
ja, man ist im ständigen kampf mit sich selbst. ich gehe sowieso immer sehr hart mit mir selbst ins gericht und bin wohl mein größter kritiker. dieses mal stand ich aber auch vor der erkenntnis, dass es einen unterschied macht, ob man "nur" als produzent oder eben zusätzlich als songwriter tätig ist. als produzent habe ich genug erfahrung gesammelt, so dass ich ziemlich genau weiß, was ich tue und mir bei meiner arbeit vertraue. ich agiere von dieser position aus auf einem level, bei dem ich mich sehr auf meine intuition verlasse. als songwriter habe ich mich im gegensatz dazu auf nicht ganz so sicherem terrain bewegt.

aller anfang ist bekanntlich schwer...
das kann man wohl sagen. seit ich sechzehn bin, habe ich keinen einzigen song ganz alleine auf die beine gestellt. dieses erfolgserlebnis, einen fertigen song vor mir zu sehen, habe ich leider nie empfunden. das ist natürlich meine eigene schuld, weil ich immer der ansicht war, dass ich nicht die zeit von anderen dafür verschwenden sollte, damit sie sich meine sachen anhören. also habe ich jahrelang alles hingeworfen, was das anging, und mich nicht weiter damit beschäftigt. jetzt, wo das album aber fertig ist, möchte ich weiterhin songs schreiben und das nicht aus den augen verlieren. ich glaube, dass das gut für mich ist. es könnte der anfang von einer neuen art von kreativem schaffen sein und ich will diese erfahrung nicht mehr in meinem leben missen. seid also gespannt! (lacht)

musstest du dir nach all den jahren als mitglied von grizzly bear und im hinblick auf dein album erst wieder darüber im klaren werden, wie deine eigene musikalische identität aussieht?
ich glaube, ich habe schon immer genau gewusst, wie diese für mich persönlich aussieht, auch wenn ich als teil der band unterwegs war. es ist nur so, dass solche identitäten und vorlieben sich im laufe der zeit verschieben und verändern. prinzipiell würde ich von mir behaupten, dass ich keinerlei schwierigkeiten habe mich auf eine bestimmte sache festzulegen. ich weiß meistens sehr gut, was ich mir von der musik erwarte. trotzdem ist es natürlich so, dass man nicht stehen bleibt, sondern sich weiterentwickelt und neue sachen in seine musikalische identität miteinfließen lässt, so dass sich diese mitunter verformt. auch die persönlichkeit oder die interessen eines menschen bleiben nicht immer gleich. mir ist es nur wichtig, dass ich mir selbst vertraue, wenn ich musik mache. mir ist bewusst, dass es eben nur momentaufnahmen sind und die dinge zu einem anderen zeitpunkt anders aussehen können. man muss sich eben ab und zu auf eine sache festlegen. es ist genauso, als ob du katzenfutter kaufen gehst, dann vor dem regal stehst und zwei tage lang das ganze sortiment aus 25 marken studierst, weil du dir nicht sicher bist, was deine katze am liebsten mag. bis dahin ist deine katze wahrscheinlich verhungert. mit der musik ist es ähnlich. man kommt nicht umhin sich zu entscheiden, damit man vorwärts blicken kann.

bist du, was dein label "terrible records" angeht, genauso entscheidungsfreudig und begibst dich in den unterschiedlichsten genres auf die suche nach talentierten künstlern oder hast du präferenzen?
nein, ich habe eigentlich keine präferenzen, was das betrifft. es gibt keinen strategischen plan, an den wir uns halten, wenn wir uns nach neuen künstlern umsehen, die vielleicht zu uns passen könnten. es wäre fatal die augen nur in eine richtung offen zu halten. wir veröffentlichen, im vergleich zu anderen labels, nicht rund um die uhr neue sachen, sondern gehen die sache relativ langsam an. das hat nichts damit zu tun, dass uns nicht genügend talente über den weg laufen, sondern damit, dass ich glaube nur bestimmten künstlern wirklich behilflich sein zu können. der ansatz des labels ist ein recht bescheidener. wir wollen uns voll und ganz um eine band kümmern, wenn wir mit ihr zusammenarbeiten. daher wäre es falsch zu viele projekte auf einmal anzugehen, oder mit leuten zusammenzuarbeiten, denen wir vielleicht nicht das geben können, was sie von uns erwarten. man muss schon genau abwägen, ob es sich künstlerisch gesehen für beide seiten lohnt. dabei rede ich nicht von label-kram oder finanziellen dingen, sondern davon, ob man bei der arbeit wirklich zueinander findet. wir sind also dahingehend schon etwas wählerisch, bei den sachen, die wir rausbringen. mir gefällt diese einstellung aber, denn ein gutes label muss sich diese eigenschaft bewahren dürfen.

hast du dir für deine eigene musik auch irgendwo rat eingeholt oder war das nicht nötig?
doch, das war es. ich habe viel mit freunden von mir geredet, die wohlgemerkt keine musiker, aber große musikliebhaber sind. vielleicht habe ich unbewusst die meinung von freunden eingeholt, die nicht beruflich mit musik zu tun haben. ich wollte keinen rat von einem kollegen, sondern von jemanden, dem ich vertraue, von dem ich weiß, dass er einen guten geschmack hat und der mir nahe steht. das kann dir noch einmal eine ganz neue perspektive geben. sobald das album fertig war und ich voll und ganz dahinter stehen konnte, war es mir wichtig zu meinen freunden zu gehen und ihnen die songs vorzuspielen. sie haben mir gesagt, dass sie mich als person dabei heraushören konnten, was mir viel bedeutet hat, weil sie mich gut kennen.

ein großes kompliment, oder?
ein sehr großes, das ist wahr. als ich ihren segen hatte, war es so, als ob ich alle personen, inklusive mir selbst, zufrieden gestellt hätte. ich will schließlich, dass leute meine musik hören und habe nicht die absicht nur songs zu schreiben, mit denen ich allein etwas anfangen kann. ich mag es, wenn ich auch andere personen damit glücklich machen kann. mir liegt nichts daran musik exklusiv für mich selbst zu machen, damit sie keiner hört. im idealfall können andere auch etwas damit anfangen. mein label-partner ethan (silverman) war eine große stütze für mich und bei ihm habe ich mir des öfteren rat eingeholt. es ist wichtig, dass man jemanden hat, an den man sich wenden kann, wenn man eine zweite meinung will. mir hat das sehr geholfen und ich würde es jeder zeit wieder tun.

23.10.2011 // annett
 

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