Zola JesusInterview mit Nika Roza Danilova

von Annett Bonkowski · 17.10.2011

als kleines mädchen wollte sie am liebsten opernsängerin werden, dann entfachte eine noch viel größere neugier in ihr und sie begann selbst musik zu machen. aus nika roza danilova wurde zola jesus und ihr stetiger ehrgeiz sorgte dafür, dass sie musikalische einflüsse in breitgefächerter form in sich aufsog und auf ihren ersten beiden alben industrial, elektro, goth, aber auch rock-elemente miteinander in einklang brachte. auf ihrem nunmehr dritten album conatus geht sie gemäß ihrer natur noch einen schritt weiter und forderte sich erneut heraus. die bedeutung des titels ist dabei programm - das streben nach größe sowie eine konstante bewegung. im gespräch mit uns berichtete zola jesus von den schwierigkeiten und rückschlägen eines solchen unterfangens, den pflichten und der verantwortung eines künstlers sich selbst gegenüber und ihrem wunsch niemals an den punkt des stillstands zu gelangen.


du kannst mittlerweile auf mehrere veröffentlichungen zurückblicken. mit welcher vision bist du an die arbeit zum neuen album "conatus" herangegangen?
das neue album war für mich ein versuch meine fähigkeiten beim songwriting und auch programmieren voranzutreiben. ich wollte etwas tun, das sich von dem absetzte, was ich in der vergangenheit getan habe, wie zum beispiel durch den einsatz von live instrumenten und dem schaffen von songs, die nicht dem typischen bild von mir entsprechen, das bisher von mir existiert hat.

gab es während der entstehungsphase der songs irgendwelche rückschläge oder ist alles glatt gelaufen?
es gab eine menge persönliche und auch emotionale rückschläge für mich. das hatte etwas damit zu tun, dass ich grundsätzlich etwas schaffen wollte, das größer sein sollte als alles, was ich jemals getan habe, sogar größer als ich selbst. trotz dieser vorstellung wollte ich dennoch so viel wie möglich alleine machen. dadurch hat es eine weile gedauert bis ich mir neue fähigkeiten angeeignet und meinen eigenen, destruktiven perfektionismus überwunden hatte, der allem anhaftet, was ich anfasse. es war sehr schwierig dieses album zu machen, aber jetzt, da es fertig ist, fühle ich mich viel mutiger und sogar noch offener bei zukünftigen aufnahmen etwas anderes auszuprobieren.

erachtest du es als notwendig dich im laufe deiner karriere ständig neu zu erfinden?
ja, das tue ich, wenn dieser schritt beinhaltet, dass man sich selbst als person sowie seinen werten treu bleibt, an die man glaubt. es ist die pflicht eines künstlers sich fortwährend weiterzuentwickeln, sich zu verändern und zu wachsen, so wie es menschen und auch die kunst als solche nun einmal tun. wenn du stehen bleibst, verlierst du als künstler deine ganze integrität. was mich persönlich angeht, kann ich sagen, dass ich niemals in die situation kommen möchte, in der ich anfange mich in einem bestimmten muster oder position zu wohl zu fühlen oder mich zu sehr daran zu gewöhnen. ich will immer dieses gefühl haben, dass ich auf der kante stehe, etwas tue, dass sich rauh anfühlt und ein wenig über meinen horizont hinaus geht.

strebst du als musikerin nach einer künstlerischen einheit?
absolut. ich glaube, dass viele musiker es als albern empfinden sich als "künstler" zu bezeichnen oder was sie schaffen als "kunst" anzusehen. wir haben uns so sehr davon entfernt musik als kunstform wahrzunehmen. dabei ist popmusik doch auch kunst. es kommt nur darauf an, wie wir uns dem ganzen nähern. wenn du musik für werbespots machst, dann ist die sache offensichtlich ganz anders, aber es sollte niemals vergessen werden, dass musik in allererster linie ein kreativer impuls ist.

gibt es muskalische fauxpas, an die du dich erinnerst und die du bereust?
was meine eigene musik angeht, gibt es dinge, die ich vielleicht in der art nicht noch einmal machen würde. gleichzeitig musste ich aber an diesen punkten ansetzen, um dorthin zu gelangen, wo ich mich nun, künstlerisch gesehen, befinde.

wenn du einen neuen song aufnimmst, wovon bist du dann am meisten besessen?
für gewöhnlich bin ich davon besessen die aufnahme wirklich gut, rein und bestens produziert klingen zu lassen. und davon alles am liebsten selbst in die hand zu nehmen.

wenn dir jemand anbieten würde dir ein reales oder noch nie da gewesenes instrument oder gimmick zu bauen, was würdest du unbedingt haben wollen?
ich hätte wahnsinnig gerne ein instrument, das ich mit meiner stimme spielen und regulieren könnte. was auch immer ich singe, die noten, mein ausdruck und das timing würden dann auslöser dafür sein, dass eine violine oder was auch immer genau dadurch angetrieben wird alles wie vorgegeben zu spielen. vielleicht kann man das jetzt mithilfe von MIDI oder einer anderen raffinierten software machen, aber ich würde das gerne mit akustischen instrumenten machen.

der technologische fortschritt erlaubt es musikern sich ihren fans gegenüber mehr und mehr zu öffnen und ihnen einen einblick darin zu geben, was sie künstlerisch oder privat gerade machen. hast du das gefühl in dieser hinsicht mithalten oder an dieser bewegung überhaupt teilnehmen zu müssen?
manchmal ist es schwierig für mich, weil ich es gerne tun würde und diesen zugang zu meinen fans hätte, aber gleichzeitig bin ich auch eine sehr private person, die sich dagegen sträubt.

welchem musikalischen phänomen begegnest du mit skepsis?
ich stehe allem skeptisch gegenüber, bei dem die ästhetik über jegliche form von emotionalität gestellt wird. es gibt viele neue genres, die überall auftauchen, deren musikalische ausprägung auf eine ästhetisch kühle art und weise sehr cool und ansprechend ist, aber der künstler oder die künstlerin selbst überhaupt nichts an emotionen preisgeben oder für den hörer spürbar werden lassen. für mich ist es völlig unmöglich mit so einer form von musik eine verbundenheit herzustellen.

gibt es ausser der musik noch eine sache, der du dich leidenschaftlich gerne widmest?
ich liebe es zu lesen, mir filme anzusehen und sprachen zu lernen. ausserdem liebe ich es alleine oder in der gesellschaft meines ehemanns zu sein.

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