AdolarInterview mit Micha und Tom

von Maximilian Römer · 14.10.2011

Ab heute steht also das zweite Album „Zu den Takten des Programms“ in den Plattenläden. Zeit mal wieder bei Adolar nachzufragen. Wie wurde die Platte aufgenommen, was hat sich verändert und was passiert jetzt mit der Band, wo man auf ein Mal gehypt wird als gäbe es keinen Morgen. Micha und Tom haben die Fragen beantwortet, sympathisch wie immer.


Am 14.10 steht nun das zweite Album „Zu den Takten des Programms“ in den Plattenläden. Ist die ganze Anspannung nun nach der Produktion abgefallen, oder ist man jetzt nervös, ob sich an die Erfolge der letzten beiden Veröffentlichungen anknüpfen lässt?
Tom: Während des Songschreibens und der Produktion gab es überhaupt keine Anspannung. Im Proberaum und im Studio lief alles wie von selbst. Etwas Aufregung kam erst, als wir Ende April 2011 zum ersten Mal in den Mix des neuen Albums reinhören durften. In diesem Moment wurde uns klar, woran wir da eigentlich 10 Monate gebastelt, geprobt und im März rumrecorded hatten: an einer Art Monster. Also, wir verließen die Pre-Listening-Session total verstört. Wir kamen aus dem Abhörraum ins Tageslicht, es fühlte sich an, als würden wir aus dem Kino kommen - als hätten wir gerade einen Action- oder Horrorfilm mit total vielen Schnitten, Blut und Feuerwerk gesehen, oder so. Wir haben dann Zigaretten geraucht. Der war eigentlich der einzige Anspannungsmoment, an den ich mich erinnern kann.

Micha: Ja, nach der ganzen Arbeit an dem Album sind wir gespannt, wie wie es von der Zuhörerschaft aufgefasst wird. Eigentlich wird es gerade in diesem Punkt erst jetzt im Moment so richtig spannend. Erfolg ist uns egal. Wir können nunmal nichts anderes als Musik machen. (lacht)

Sind Anmerkungen wie "eine der vielversprechendsten hiesigen Rockbands der letzten und kommenden Jahre" ein Segen oder Ballast auf den Schultern?
Tom: Keine Ahnung. Klingt auf jeden Fall groß, irgendwie... Wirklich Nett von dem Journalisten. "Segen" ist absurd und für ein "Ballast auf den Schultern"-Gefühl sind wir viel zu entspannt!

Micha: Also diese Etikettierung übt eigentlichmehr Motivationaus als dass sie Ballastgefühle hervorruft. Wir sind irgendwie noch motivierter durch solche Aussagen!

Wie und wo ist „Zu den Takten des Programms“ entstanden und was hat sich in dem Entstehungsprozess zu dem Debüt-Langspieler verändert?
Tom: Die Songs des Debüt-Langspielers sind ja 2009 in unserem alten Proberaum entstanden. In der Altmark. In einer Stadt namens Bismark. Der fensterlose Proberaum war neben der Skaterbahn und einer Badeanstalt. Das neue Album "Zu Den Takten Des Programms" wurde in Leipzig geschrieben - in einem Proberaum mit Fenstern, direkt auf dem Agra-Gelände, wo am Monatsende immer Trödelmarkt ist. Da war auch ein See in der Nähe, zu dem wir manchmal mit der Straßenbahn oder dem Rad gefahren sind. Den Proberaum haben wir inzwischen aber auch nicht mehr - Pro Album ein Proberaum...

2009 hieß es in einem Interview „Die Musikalische Sozialisation ist bei uns tatsächlich sehr unterschiedlich verlaufen...Pop, Hardcore, Hip Hop, Punk und Fernsehliteratur ...“. Sind dies auch wieder die Einflüsse, die sich auf dem neuen Album finden lassen?
Tom: Ich gucke und habe eigentlich seit knapp 6 Jahren kein Fernsehen. Also ich denke, Jan und Frank gucken immer noch viele Reportagen und Sendungen, ja. Viele gute Bands gibt es ja auf der Welt nicht, hm... wir haben uns letztens auf jeden Fall mal intensiver mit Queen beschäftigt. Bei meinen Texten zum neuen Album haben mir eventuell Molière und Dürrenmatt etwas geholfen, bzw. mich lockerer gemacht.

Micha: Meine Empfehlung in Sachen Humor: Heinz Strunk! Begnadet und witzig, aber doch ein Loser, der nicht glücklich ist. Ansonsten empfange ich auch nur "Die Dritten" und zwar nicht aufgrund meines Alters, sondern aufgrund meiner Zimmerantenne, die einfach nicht mehr hergibt. Gut so.

Man mag ja meinen, dass man mit der Zeit nicht mehr die Wut im Bauch hat, wie noch vor einigen Jahren. Die erste Single „Tanzenkotzen“ verspricht aber was anderes. Ist die Wut im Bauch die Gleiche geblieben?
Micha: Ich hatte früher ne Wut-Core-Band und alle haben es immer mit Emo verwechselt. Schade.

Tom: Nein, das Gefühl im Bauch hat sich verändert. Ich selbst war 2008 z.B. noch eher ziemlich hippie- oder auch emo-mäßig drauf und wusste gar nicht so recht, was richtige Wut eigentlich ist. Verzweiflung und Gras waren die Basis. Wut tauchte also erst später...so nach und nach auf. Hallo Zorn!

Musikalisch gesehen schaltet „Tanzenkotzen“ einen Gang nach oben. Ist die aktuelle Platte brachialer als das Debüt?
Tom: Von 2008 bis heute wurde auf jeden Fall alles brachialer und wütender. Viele Bands dieser Welt starten ja bei der Bandgründung immer an ihrem zornigsten und wildesten Punkt, werden danach aber von Platte zu Platte freundlicher und ruhiger. Wir werden dagegen von Platte zu Platte wilder und witziger. Falls das irgendwann aufhört, wäre das aber auch nicht schlimm für mich - schließlich war unsere Musik nie eine Punkrock- oder Anti-Pop-Versprechung. Wir können ja eigentlich machen, was wir wollen, haha.

Micha: Es gibt bei uns einfach nicht den durchgehenden Faden der Wut in jedem Song. Jedenfalls nicht in seiner rausten Form. Manchmal braucht nämlich die Wut selbst auch ein feines Korsett aus dem sie ausbrechen könnte, aber nicht will...

Ist schon genug Abstand zu den Aufnahmen, dass man beim Durchören der Platte Parts findet, mit denen man nicht unbedingt zufrieden ist, oder seid ihr rundum glücklich mit dem Ergebnis eurer Arbeit?
Tom: Bis jetzt finden wir alles perfekt. Komische Frage! Obwohl, eigentlich interessante Frage.

Micha: Gerade ich persönlich habe immer wieder Stellen im Nachhinein gehört, wo ich jetzt vielleicht was anderes gespielt hätte. Aber, wichtige Lektion: Kunst/Musik braucht auch mal ein Ende der Tüfteleien, sonst wird man wohl nie fertig. Das musste auch ich immer wieder lernen.

Eure EP wurde damals unter anderem mit den Worten „Wenn Pop nicht in erster Linie das Ziel verfolgt, auf Teufel komm raus an die Spitze der Charts zu stürmen, dann klingt er wie „Planet Rapidia“ von Adolar“ beschrieben. Wie sieht das heute aus. Möchte man für seine Arbeit nun ausgezahlt werden oder ist die Motivation die selbe geblieben?
Tom: Es gab und gibt bei dieser Band generell keine Grund-Motivation, die irgendwas mit Geld oder kein Geld, Charts oder nicht Charts zu tun hat. Die Charts sind mir egal, aber wenn wir da mal irgendwann drin landen, ist mir das auch egal. Die Charts sind für mich nicht sowas wie zur Bundeswehr gehen oder Fleisch Essen. Sie sind mir egal und wenn ich ganz dringend Geld brauche, muss ich keinen Popsong schreiben, sondern gehe Kellnern, ins Callcenter oder beantrage Wohngeld. Wenn die Band mal so viel Geld über hat, dass es in die eigene Tasche wandern kann, widerspricht das bei uns aber auch keiner Ideologie. Unsere Grundmotivation war und ist einfach Musik. Wir wollen Songs schreiben, die uns gefallen und die nicht kopiert sind. Das ist der Anspruch. Alles andere passiert oder passiert nicht.

Micha: Word!

Auf den anstehenden Konzerten werden ja hoffentlich auch Songs des neuen Albums gespielt werden. Bedeutet das auch Nervenkitzel oder gibt es mittlerweile die absolute Auftrittsroutine?
Tom: Es bedeutet Freude, was nicht unbedingt bedeutet, dass wir auf der Bühne am laufenden Band grinsen... nur manchmal - ein bisschen.

Micha: Neue Songs live zu spielen ist einfach geil. Nur die alten Songs auch immer noch frisch für uns selbst zu halten ist manchmal schwer. Aber Gott sei Dank ist jeder Auftritt anders.

Interviewanfragen, Plattenkritiken, Tour – Was nervt gerade und auf was habt ihr Lust?
Tom: Wir haben auf alles Lust. Also alles, was nicht der gewohnte Alltag ist. Auch über einen Verriss der Plastic Bomb freuen wir uns.

Micha: Ja, der ganze Rummel ist schon lustig. Es ist aber in jedem Fall besser als wenn wir alle Assessment-Manager in einem jungen Start-Up-Unternehmen mit Casual Friday wären, oder?

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