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BOYInterview mit Sonja Glass und Valeska Steiner

BOY

Der Popkurs Hamburg diente schon einigen deutschen Bands und Musikern als musikalischer Geburtshelfer. Unter anderem sind aus ihm Wir sind Helden hervorgegangen. Auch die beiden Mädels von Boy haben sich vor fünf Jahren dort kennengelernt. Sonja Glass aus Hamburg und Valeska Steiner aus Zürich veröffentlichen mit „Mutual friends“ am Freitag ihre erste Platte – ein locker leichtes Album, mit dem man ganz unbeschwert in die Herbstsaison starten kann.


Eure Platte ist richtig erfrischen, vor allem weil es mal nicht um die großen Krisen geht. Seid ihr so unbeschwert?
Valeska: Ich bin schon eher ein optimistischer Mensch und kann mich mit allem gut arrangieren. Wir sind eher selten melancholisch. Aber trotzdem entstand das eher zufällig, wir haben uns nicht gesagt: „Hey, lass uns ein optimistisches Album machen.“

Gibt es ein zentrales Thema auf der Platte?
Valeska: Das ist gemischt. Es geht hauptsächlich um Aufbruch und Neuanfänge. Ich glaube schon, dass mein Umzug von Zürich nach Hamburg inhaltlich eine große Inspiration für mich war. Manchmal auch nur im übertragenen Sinne. In „Waitress“ zum Beispiel geht es um eine Kellnerin, die in ihrem Café steht und beobachtet wie sich die Welt dreht, sich aber festgewachsen fühlt. Dann will sie raus und endlich zu leben anfangen.

Ihr spielt ja schon seit einigen Jahren zusammen, wie entstehen eure Songs?
Sonja: Dieses album so entstanden, dass ich musikalische Ideen gesammelt habe und sie valeska per mailgeschickt habe. Sie hat dann die Melodien bearbeitet und Texte dazu geschrieben. So flogen die Songs eine ganze Weile hin und her.
Valeska: An einem gewissen Punkt, wenn die Songsskizzen fertig waren sind wir damit nach Berlin zu einem befreundeten Produzenten gefahren, der denn Songs dann Fleisch gegeben hat. Philipp Steinke ist ein langjähriger Freund von mir, früher haben wir viel miteinander gemacht. Wir teilen seinen Geschmack und seine Einflüsse. Wir hatten es davor auch mit anderem Produzenten versucht, das hat aber nicht so geklappt.

Wie und wo habt ihr aufgenommen?
Valeska: Damals hatte Philipp sein Studio noch in seinem alten Kinderzimmer in seinem Elternhaus in Berlin Grunewald. Wir sind über 1,5 Jahre immer wieder dahin gefahren und haben aufgenommen. Das war ein ganz spezieller Ort, ganz abgeschieden von allem. Manchmal waren seine Eltern zuhause und haben für uns gekocht, wir haben viel auf der Terrasse gesessen oder sind spazieren gegangen. Die meiste Zeit haben wir aber in seinem 12 qm Kinderzimmer verbracht. Das war sehr spannend und gut

Ihr habt abgesehen vom Schlagzeug alle Instrumente selbst eingespielt. Wer hat getrommelt?
Valeska: Ganz verschiedene Leute, deswegen passt der Albumtitel „Mutual friends“ auch so gut. Der den man wahrscheinlich am besten kennt ist Thomas Hedlund...

... der Drummer von Phoenix.
Genau. Ich hatte ihn schon mal kennengelernt weil eine befreundete Band mit ihm auf Deutschlandtour war. Wir blieben ein bisschen in Kontakt, aber nicht regelmäßig. Und dann saßen wir im Studio und haben unseren Song „Oh boy“ gehört und dachten, wenn wir einen Wunsch frei hätten, dann, dass Thomas Hedlundden trommelt. Wir haben ihm dann geschrieben und er war total nett. Es ergab sich gut, dass er während einer Phoenixtour einen Offday in Hamburg hatte und da kam er vorbei und hat gespielt. Das war super und es hat sich gelohnt dass wir uns getraut haben.

Wenn man so lange an einem Album arbeitet, wann weiß man denn dann, dass es wirklich fertig ist?
Sonja: Unser Ziel war, dass alle zu gleicher maßen glücklich sind und das trat irgendwann langsam ein. Manche Songs gingen leichter von der Hand, andere waren schwieriger. „Waitress“ zum Beispiel gibt’s in 12 verschiedenen Versionen. Das war so eine Nuss, die wir nicht knacken konnten. Wir dachten bis zum Schluss, dass der Song es nicht aufs Album schafft. Aber es hat doch geklappt.

Als ihr ins Studio seid, hattet ihr trotz eurer EP noch keinen Plattendeal in Aussicht. Mit welchen Erwartungen habt ihr angefangen aufzunehmen?
Wir hatten natürlich das Ziel, damit raus an die Leute zu gehen. Ein Label wäre da eine große Unterstützung gewesen. Aber wir haben eben erstmal angefangen. Als es dann aufs Ende zuging, haben wir aber schon überlegt, wie es weiter geht. Eine zeit lang sah‘s nicht so gut aus, weil viele nicht wussten wo sie es die Platte einordnen sollten.

Und jetzt seid ihr bei Grönlandrecords.
Genau und darüber sind wir sehr glücklich. Wir haben sehr viele Freiheiten und bekommen viel Unterstützung. Wir fühlen uns dort sehr wohl, fast wie in einer kleinen Familie.

Könnt ihr von eurer Musik leben?
Valeska: Noch nicht ganz, aber das wäre großes Ziel. Ich arbeite zur Zeit noch im Café.
Sonja: Und ich spiele nebenher noch für Bosse.

30.08.2011 // anne f
 

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