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O’DeathInterview mit Greg Jamie

O’Death

Bedenkt man, was O’Death in den letzten zwei Jahre erlebt haben, birgt der Bandname eine bitterböse Ironie: Während der letzten Tour wurde bei Schlagzeuger David Rogers-Perry ein bösartiger Knochentumor gefunden. Die Tour musste abgebrochen werden, Rogers-Perry bekam eine neue Schulter und monatelang Chemotherapie. Für den Rest der Band aus New York stand währenddessen immer fest, dass die Musik so lang auf Eis liegen würde, bis Roger-Perrys wieder spielen könnte. Nach zehn-monatiger Therapie ist Roger-Perrys nun wieder gesund und vor einigen Wochen das dritte Album Outside. Wir baten Sänger, Gitarrist und Front-Bart Greg Jamie zum Gespräch.

Euer letztes Album ist drei Jahre her. In der Zwischenzeit habt ihr Schweres erlebt: Euer Schlagzeuger David Rogers-Berry hatte Krebs und musste behandelt werden. Wie hat dieses Erlebnis eure Musik beeinflusst?
Die Auszeit hat uns definitiv beeinflusst. Alles was passiert ist, hat sich so willkürlich angefühlt – nicht, dass David Krebs hatte, sondern dass wir durch unsere Traurigkeit auf einmal von der Musik weggebrochen sind. Wir hatten schon geplant, eine Auszeit zu nehmen und ein neues, völlig anderes Album zu schreiben: introvertierter als vorher. Und dann kam diese Zwangspause wegen Davids Krankheit und plötzlich hatten wir zehn Monate ohne Musik, das war also das Extrem von dem, was wir eigentlich wollten. Plötzlich standen wir vor der Einsicht, dass wir vielleicht nie wieder Musik würden machen können. Als wir dann zurück kamen und anfingen an dem neuen Album zu arbeiten, hat sich das wie eine Wiedergeburt der Band angefühlt. Wir leben nicht zusammen und obwohl wir uns lieben, als wären wir Brüder, sehen wir uns nicht sehr oft, wenn wir nicht gerade mit der Band arbeiten. Deswegen war es umso schöner, wieder zusammen zu kommen und wieder zu arbeiten. Wir waren uns alle einig, dass wir kein lautes, lebendiges, punkiges Album machen wollten. Das hatten wir schon hinter uns. Die Auszeit hat uns geholfen, den nächsten Schritt zu tun.

War „Outside“ für euch auch ein Weg, die Erfahrungen der letzten drei Jahre zu verarbeiten?
Ich glaube, es war für uns als Band eher eine künstlerische Herausforderung als ein Versuch, etwas zu verarbeiten. Wir haben vor den Aufnahmen keinen einzigen Song live gespielt geschweige denn irgendwo zusammen in einem Raum. Das war eine gute Erfahrung: Das Publikum nicht am Songwriting teilhaben zu lassen. Ich glaube David und sein Drumming besonders auf dieser Platte, können nicht oft genug gelobt werden. Das was er da aufgenommen hat, ist unmöglich live replizierbar, weil es so geschichtet und dicht im Sound ist. Genau das wollten wir: Ein Album, dass selbst wir nicht kopieren könnten.

In "Bugs" singt ihr an einer Stelle "I've been wasting most my time, living for the day". Was, wenn nicht der Augenblick, zählt für euch?
Das ist kein Lebensmatra, es ist einfach ein Song. Die Idee hinter dem Song ist es, Dinge zu betrachten, die existieren, ohne einen tieferen Sinn zu haben – eben genau wie bugs, also Ungeziefer. Wahrscheinlich existieren sie eben genau für den Augenblick. Aber ich denke, diese Redewendung auf uns Menschen zu übertragen ist sinnlos, weil wir ein Bewusstsein haben und rational handeln. Ungeziefer läuft nicht rum und sagt: „Oh ich leb einfach Tag für Tag“, die existieren eben nur. Oder ein Blitz: Der macht Licht und verschwindet dann wieder. Oder ein Gorilla wirft eben seine Scheiße umher. Das ist doch kein Leben oder eine bewusste Entscheidung. Dieser Song dreht sich um das Dasein allgemein.

Ihr spielt jetzt seit sieben Jahr zusammen. Durch Bands wie Mumford and Sons oder Noah and the Whale ist (Neo)Folk in den letzten drei Jahren wieder in Mode gekommen. Nervt es euch, dass sie jetzt den Erfolg haben mit der Musik, die ihr schon so lange spielt?
Nein, überhaupt nicht. Wir finden das super. Trends kommen und gehen und sollten dich beim Musikmachen nicht beeinflussen. Als wir die Band gegründet haben, war der Folk, der gerade in war, dieser "freak folk", so wie Devendra Banhardt, Joanna Newsome, Wooden Wand etc. Ich persönlich fand den viel schöner, als das, was heute unter Folk läuft. Der ist offener und versucht nicht so verbissen, nach Folk zu klingen. Und er ist eher eine Mini-Bewegung, der Leuten wie Vashti Bunyan oder den wirklich verschrobenen Sachen, wie Kenneth Higney und Charlie Tweddle Aufmerksamkeit schenkt. Mich reizt es, solche obskuren, alten „Folkies“ zu suchen und wieder zu entdecken. Ich glaube, bei vielen Leuten ist das unten durch, aber ich find’s immer noch super. Ich habe das Gefühl, dass dieser Vergleich unserer Musik mit Mumford and Sons hauptsächlich aus Europa kommt.

Was euch von vielen andern Folkbands unterscheidet, sind eure Punk-Einflüsse. Auf den ersten Blick scheinen Punk, Country and Folk eine komische Kombination zu sein. Aber als ich eure Musik zum ersten Mal gehört hab, hab ich gemerkt, dass das eigentlich ganz gut zu einander passt. Wie kombiniert ihr diese Stile?
Für uns hat das von Anfang an Sinn gehabt. Viele der sehr frühen Folkplatten – und ich denke hier vor allem an The American Primitive Compilations von John Fahey – haben diesen rohen, sehr aufdringlichen Sound. Einerseits lag das an der Aufnahmetechnik, aber gleichzeitig gab es in den damaligen Performances eine ungeheure Intensität, die man heute wohl am ehesten mit Punk vergleichen würde. Damals lag der Fokus eben weniger auf der technischen Perfektion als auf der Natürlichkeit des Performers. Davon wollten wir uns auch etwas bewahren. Denn es ist ursprünglich genau das, was uns am Folk reizt. Gar nicht so sehr die Message oder der Sound.

Woher holt ihr eure Ideen?
Es ist schwierig hier jetzt spezifische Band zu nennen. Wir sind fünf Leute und haben alle einen starken Willen, deswegen ist es schwer, die Inspiration der ganzen Band auf ein paar Namen zu reduzieren. Ich denke, wir sind alle sehr von Filmen beeinflusst. Horrorfilme vor allem. Dario Argento, The Shining oder Texas Chainsaw Massacre. Besonders aber auch post-apokalyptische Filme, wie A Boy and His Dog. Früher waren wir auch sehr von Angst inspiriert. Jetzt ist es eher der offene Raum der uns reizt. Das klingt abgefahren oder? Aber auf jeden Fall besser, als eine Reihe von Bands aufzulisten.

Eure Liveshows sind sehr expressiv, obwohl eure Musik, gerade auf der neuen Platte, gar nicht immer so klingt. Was genießt ihr mehr – Studiosessions oder Bühne?
Das wechselt. Gerade jetzt finden wir unsere Aufnahmen super. Du kannst beim Songschreiben und – aufnehmen viel mehr entdecken, als beim Live spielen. Also gerade jetzt, bin zumindest ich mehr daran interessiert zu sehen, wie sich unsere Band verändert und wächst, als dieses Wachstum einzutüten und konserviert dem Publikum zu präsentieren, das sich vielleicht, vielleicht aber auch nicht, für die Band an sich interessiert. Aber eine herausragende Liveshow kann auch super sein.

20.06.2011 // anne f
 

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