Friendly FiresInterview mit Edd Gibson
Für Friendly Fires ging es vor drei Jahren steil nach oben: „Jump in the Pool“, „Skeleton Boy“ und „Kiss For Life“ und schwupp gab es Gold für das Debutalbum. Jetzt steht die zweite Platte „Pala“ in den Startlöchern und wird am 13.Mai in Deutschland erscheinen. Für die drei Briten läuft deswegen jetzt die PR-Maschine wieder an. Aber anstelle eines ermüdeten, ausgelaugten Edd Gibson treffe ich im Berliner Postbahnhof auf eine ziemlich ausgelassene Plaudertasche.
Euer erstes Album war ein Wahnsinnserfolg. Jetzt das „schwierige zweite Album“. Hat es euch Überwindung gekostet, wieder ins Studio zu gehen?
Das erste Album ist langsam gewachsen. Es hat sich fast so angefühlt, als hätten wir es zwei Mal released. Wir haben ja nach den Aufnahmen erst „Kiss for Life“ gemacht und das nachträglich auf die Platte gepackt und dann noch mal rausgebracht. Danach sind wir soviel getourt und die Leute, die es von Anfang an gehört haben, mussten also doppelt so lang warten wie die anderen.
Aber als wir jetzt ins Studio gegangen sind, war das wie ein Befreiungsschlag. Es hat sich so gut angefühlt wieder kreativ zu sein, anstatt jeden Abend in den gleich aussehenden Garderoben rumzuhängen und die gleichen Songs zu spielen. Es war erfrischend, mal wieder was anderes zu machen. Also haben wir langsam angefangen, aber schnell gemerkt, dass wir die Deadlines, die wir uns selbst gesetzt hatten, gar nicht erreichen würden. Da hat sich dann ein ganz schöner Druck aufgebaut.
Wie und wo ist die Platte entstanden?
Angefangen haben wir einem modrigen Keller in Ost –London. Am Anfang war es ein bisschen komischen, als müssten wir erst wieder lernen, wie man Songs schreibt. Schließlich haben wir seit zwei Jahren nichts mehr geschrieben. Wir haben in London zwei, drei Songs geschrieben, aber so richtig geklappt hat das nicht. Ed (Anmerkung der Redaktion: Mcfarlane, Gesang) ist dann nach Nordfrankreich in eine einsame Hütte mitten im Nirgendwo geflogen. Da hatte er keine Heizung, keine Nachbarn und war isoliert von Allem. Das war sicherlich manchmal ein bisschen beängstigend. Aber ihm tat das gut. Er kam in einen richtigen Rausch: morgens um vier rasten auf einmal seine Emotionen und sein Kopf geriet außer Kontrolle. Da hat er dann die besten Texte geschrieben. Aber wäre er dort länger geblieben, wäre er wahrscheinlich durchgedreht.
Heißt das, dass Ed alles allein schreibt?
Die Lyrics schon. Jacki und ich haben mit den Texten nichts am Hut, wir steuern die Sounds bei. Ed kam also wieder mit seinen Ideen und Konzepten und wir gingen wieder in dieses Kellerloch in London. Aber dann brauchten wir alle einen Break und mieteten uns eine Hütte an der Südküste von London. Es hat geregnet, war total grau und trostlos, aber das war genau die richtige Umgebung um Musik zu machen, die ganz anders klingt, als es da war.
Ich stell mit das ziemlich schwierig vor, an einem so einsamen Ort solche Dance-Musik zu machen, wie man sie von euch kennt.
Ist es aber gar nicht. Wären wir irgendwo in der Karibik gewesen, wo es den ganzen Tag heiß ist und alle Spaß haben und trinken, wäre es viel schwerer gewesen. Man muss sich für so ein Album von der Außenwelt isolieren und darf sich keine Gedanken darüber machen, was draußen los ist. Deswegen sind wir auch aus London weg. Zu wissen, dass all unsere Freunde draußen Spaß haben, hätte uns verrückt gemacht.
Ihr habt ein paar Songs mit Paul Epworth aufgenommen, der unter anderem auch Bloc Party und New Order produziert hat. Wie kam es dazu?
Wir haben fünf Songs mit ihm aufgenommen, das war toll. Manchmal, wenn du lange an was arbeitest, bist du einfach zu nah dran, um noch einschätzen zu können, ob das jetzt gut ist oder was da fehlt. Er war genau der richtige Mann für diese Perspektive. Wir schätzen ihn sehr. Die Single „Live those days tonight“ zum Beispiel haben wir von Anfang bis Ende mit ihm zuammen gemacht: Das war sehr inspirierend.
Ihr habt euch auch ein paar Gastmusiker eingeladen: Alex Frankel von Holy Ghost und den Harlem Gospel Choir.
Dass wir mit Alex Frankel aufnehmen würden, war ursprünglich gar nicht geplant. Wir hatten für den Song „True Love“ zuhause auf dem Computer schon ein Clavinet aufgenommen. Aber dann waren wir eh in New York, um den Harlem Gospel Choir aufzunehmen und dachten, es wäre doch toll, wenn Alex das Clavinet noch mal einspielen könnte. Wir hatten ihn vor zwei Jahren bei einem Festival in Korskia getroffen und den Kontakt gehalten. Dann riefen wir ihn an – er saß gerade mit seiner Freundin beim Abendessen – und er kam vorbei. Wir haben ewig gebraucht, weil er fand, dass unser „britischer“ Funk so seltsam war (lacht). Aber im Großen und Ganzen war das mit Frankel keine richtige Kollaboration, eher ein Vorwand, um mit einem guten Freund Musik zu machen.
Die Platte heißt „Pala“, benannt nach der Insel aus einer Geschichte von Aldous Huxley. Darin entwirft er das Bild von einer Idealgesellschaft, in der alle – dank Drogen, Sex und Freiheit – in absoluter Harmonie leben. Ist euer neues Album ein Konzeptalbum über ein gesellschaftliches Utopia geworden?
Nein, auf keinen Fall. Ein Konzept war nicht beabsichtigt. Ich kann hier nur für Ed sprechen, weil er die Idee zu diesem Titel hatte. In der Geschichte geht es ja nicht nur um die perfekte Gesellschaft, sondern auch darum, dass sie am Ende vernichtet wird. Das wollte Ed aufgreifen: Alles, was einem höheren Ziel dient, ist begrenzt und flüchtig, also muss man das genießen, was man in diesem Moment gerade hat, weil eben nichts von Dauer ist. Wir kommen alle aus diesem verschlafenen St. Alban und auf einmal hatten wir dieses erste Album aufgenommen und tourten durch die Welt. Da haben wir so viele verschiedene Kulturen gesehen, tolle Leute kennengelernt, Dinge erfahren, die ganz anders sind, als das, was wir gewohnt waren und dann kommst du davon zurück und merkst: Du kannst nichts davon mitnehmen. Also musst du diese Erfahrung aufsaugen während du sie machst und später davon profitieren. Das ist der tiefere Sinn hinter dem Namen der Platte.
Ich fand es interessant, dass der namensgebende Song „Pala“ so heraussticht aus dem Rest der Platte. Er ist ganz langsam, sphärisch und relaxt. Das ist man von euch ja sonst nicht gewohnt. Wolltet ihr diesmal unbedingt einen Gegenpol auf der Platte haben?
Nein überhaupt nicht. Es ist einfach erfrischend zu experimentieren und genauso war es auch mit Pala. Unsere Songs waren bisher alle schneller als 150Bpm und Pala ist jetzt unter 100. Das ist für uns schon neues Terrain. Es könnte allerdings die Leute irritieren, die sich Pala – des Namens wegen – als erstes anhören und dann denken, das wäre unsere generelle neue Richtung. Ist es nicht.
Der NME fand in den Texten auf dem neuen Album eine Verbindung zu dem Psychoanalytiker Freud. Wie wichtig sind euch eure Texte und wie viel Sinn sehr ihr in ihnen?
(lacht laut und lange). Freud? Oh mein Gott, das ist ja lächerlich. Das muss einer dieser übers Knie gebrochenen Vergleiche sein. Nein, mal ehrlich. Die Lyrics liegen ganz in Eds Hand, aber ich bin mir sicher, dass er keinen Vergleich zu Philosophen oder Psychoanalytikern anstrebt. Sie sind noch nicht mal autobiografisch. Da soll jeder rein legen, was er denkt oder gern hätte.





















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