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Everything EverythingInterview mit der Band

Everything Everything

2010 veröffentlichten everything everything aus manchester ihr debut 'man alive'. darauf verbinden sie so gekonnt wie kaum jemand anders art rock-elemente mit rhythmen und melodien aus soul und pop - michael jackson trifft radiohead also. was so unmöglich klingt, ist auf platte tatsächlich extrem gewitzt und schlüssig, und, vor allem, sehr schon anzuhören. nun tourt die band nach zahlreichen auftritten für den nme durch europa, um ihr debut einer breiteren masse vorzustellen. nach ihrem schweißtreibenden konzert im atomic café befragten wir jonathan (gesang, keyboard), alex (gitarre), jeremy (bass) und michael (schlagzeug) zu ihren einflüssen und plänen.


wenn ihr euer debut-album heute anhört, seid ihr heute immer noch zufrieden damit? oder würdet ihr gerne ein paar dinge ändern?
jeremy: ich meine, es wäre nicht richtig, ganz zufrieden damit zu sein. wenn wirklich alles zu hundert prozent passen würde, würden wir sofort aufhören, musik zu machen.
jonatahan: wir waren letztens in einer radioshow, und da wurden ein paar songs unseres debuts gespielt, die ich wirklich seit einer ewigkeit nicht mehr gehört hatte. es war ziemlich befremdlich für mich, aber im endeffekt ist unser debut eine ehrliche reflexion der zeit, zu der wir es aufgenommen haben, und damit sind wir sehr zufrieden.

drei viertel euer band hat musikwissenschaften studiert. welchen einfluss hat das auf die art und weise, wie ihr musik wahrnehmt?
jeremy: wahrscheinlich sind wir mehr davon beeinflusst als wir denken, vor allem was das schreiben neuer stücke angeht. überhaupt hat sich dadurch verändert, wie wir musik wahrnehmen und als was wir musik sehen. aber egal, welches fach man drei jahre lang studiert, und vor allem, wenn der stress der abschlussarbeit näher rückt: man hat irgendwie das gefühl, nicht den rest des lebens damit verbringen zu wollen, was man studiert hat. uns ging es genau so, aber nach dem studium haben wir aber ein paar monate pausiert und kaum musik gehört. im endeffekt hat uns das studium aber sehr geholfen, mit anderen über musik zu kommunizieren, vor allem innerhalb der band. man kennt zum beispiel einfach die akkorde (lachen). viele künstler studieren musik und wollen mehr theoretisches wissen darüber, wir kamen aber aus der musiktheorie und wollten mehr künstler sein. jetzt sind wir irgendwo in der mitte.

fühlt ihr euch als art-school band, und wie sieht es mit dem genre 'art-rock' aus?
jonathan: 'art-rock' ja, art-school band nein! es ist einfach, dieses genre heranzuziehen, aber was ist denn kunst? vor allem im rockbereich? und außerdem klingt das ganze ziemlich pompös.
jeremy: ...womit wir aber leben können!

vor einem jahr hatte ich euch im londoner koko gesehen. wie würdet ihr eure karriere seit euren ersten professionellen shows beschreiben, wenn ihr sie als geometrische form darstellen solltet?
jonathan: sie hat die form eines pudelschwanzes! nein, eines fuchses! aber mal ernsthaft: wir klingen heute viel besser. ich würde sagen, eine pyramide.
guy (manager): ... eine umgedrehte pyramide! ihr seid breiter und weiter geworden.
alex: ich würde auf eine sinus-kurve tippen, es geht andauernd auf und ab.

in einem früheren interview hattet ihr einmal betont, dass wir in dieser dekade ein wahnsinnig beschleunigtes und überladenes leben führen. eure musik wirkt auch oft auf den ersten blick überladen und beschleunigt. seht ihr euch als produkt dieser dekade oder reflektiert ihr diesen wandel?
michael: unsere musik reflektiert das wahrscheinlich, und wir fühlen uns von schnelligkeit im allgemeinen angezogen, aber das ist eigentlich nicht das, was unser hauptbezugspunkt ist.
jonathan: beispielsweise unser bandname spricht ja für diese überladenheit. ich denke da ziemlich viel darüber nach und fühle mich auch davon beeinflusst. auf der welt gibt es so viele möglichkeiten und ein riesiges angebot an unterhaltung, dass die aufmerksamkeitsspanne unweigerlich kürzer geworden ist, zehn sekunden vielleicht, zwanzig.
alex: das ganze begann sicherlich mit dem internet, die alte art der kommunikation ist einfach tot.
(während des gespräches betreten zwei fans den backstageraum und fragen, ob sie zwei signierte cds kaufen können. nachdem die band schon einen besonderen song ihres debuts als geburtstagsgeschenk für einen der beiden gespielt hatte, schenken sie ihnen noch obendrein zwei platten inklusive autogramme. an sympathie ist diese band kaum zu überbieten!)

wo wir gerade von der kurzen aufmerksamkeitsspanne geredet haben – würdet ihr eure musik als „leicht verdaulich“ bezeichnen? muss man sie mehrmals anhören, ihr zeit geben, um sie komplett zu erfassen?
alex: naja, manche leute hören das album ein paar mal an, manche hören es gar nicht an, und wieder andere brauchen ihr ganzes leben um es zu verstehen. (lacht über die satire) es ist wahrscheinlich wie bei jeder anderen band: es gibt leute, die unsere musik verstehen und die, die sie eben nicht verstehen, es ist...
guy, manager: ... ich sitze jetzt hier, weil sich ihre musik mir gleich beim ersten hören erschlossen hat!

klar, es hängt auch vom song ab, 'two for nero' zum beispiel...
jonathan: ...ja, es hängt vom song ab, es hängt ab von vielen Dingen. es kommt vor allem auch auf den hörer an. der kontext ist alles. (band nickt zustimmend)

ihr habt viel für den britischen nme getourt - inwiefern seht ihr euch als teil des britischen indie-zirkus?
jonathan: ich glaube wir gehören zu gar keinem zirkus, und das ist auch gut so, wir wollen nicht teil irgendeiner gang sein. aber klar, wir hatten ein paar auftritte bei bbc radio 1 und für den nme, aber wir waren nie auf dem cover irgendeines musikmagazins.
alex: wir können uns glücklich schätzen, dass alles so gut läuft. eine band zu sein, die komplett durch den nme gehyped wird, kann für manche super sein, für andere der anfang vom ende. wir hatten bis jetzt sehr viel glück, von allem ein bisschen zu bekommen.
jonathan: in der tat hängt sehr viel von glück und timing ab, und davon hatten wir einen gesunde portion, denke ich.
michael: stimmt. grundsätzlich braucht man einfach die bbc, den nme, einfach die promotion, insbesondere in der heutigen zeitt, sonst ist es fast ein unmöglicher weg, als band nur irgendwie halbwegs erfolgreich musik machen zu können.
jonathan: ja, wir hatten sehr viel glück – unsere single 'final form' wird gerade neben keane auf bbc radio 1 sehr viel gespielt.

mal abgesehen von keane, gibt es große britische bands, die ihr bewundert?
jeremy: klar, wirr mögen elbow, radiohead...
jonathan: wir mögen auch coldplay, wir waren 16, als parachutes herauskam, und das war ein wahnsinnig tolles album.

was habt ihr euch als ziele für die zukunft gesetzt? ist ein neues album in sicht?
jeremy: wir wollen das neue album, wenn möglich, dieses jahr fertig stellen, sodass wir es hoffentlich nächstes Jahr dann herausbringen können. hoffentlich.

wie mir foals-mastermind yannis philippakis vor ein paar wochen erzählte, wolle er in den nächsten vier jahren schnell zwei platten veröffentlichen und sich dann auf eine griechische insel zurückziehen, um dort als bauer zu leben. habt ihr einen ähnlichen masterplan?
jonathan: das ist auch exakt unser plan!
alex: da habe wir lange nicht mehr drüber geredet!
jeremy: und dann heiraten wir uns gegenseitig! (großes lachen)
michael: ich denke wir arbeiten zunächst auf das neue album hin, das ist erstmal die nächste wegmarke, an die wir jetzt denken können.
alex: unser einziger plan ist, die freude an der musik nicht zu verlieren und uns davon begeistern zu lassen. das ist das wichtigste.

wollt ihr hierbei einfach ganz frei sein und euch treiben lassen, oder habt ihr lust mit dem nächsten album in eine ganz bestimmte und ganz andere richtung zu gehen?
alex: wir wollen eigentlich genau diese beiden richtungen kombinieren, denke ich.
jeremy: wenn man es schafft, die band zwischen diesen beiden extremen hindurch zu manövrieren, dann ist das perfekt. es kann sehr gezwungen wirken, irgendeinen festen stil zu verfolgen.
alex: wenn wir jetzt wüssten, wohin wir wollen, dann würde es wahrscheinlich schon nicht mehr natürlich klingen.

ihr habt heute abend einen ganz neuen song gespielt, wohl eines der ersten male überhaupt. wie hat sich denn dieses stück entwickelt?
jeremy: es war eigentlich ziemlich unspektakulär. jonathan hatte eine demo gemacht, und sie war bereits so gut, dass wir vieles nicht mehr ändern wollten. der beat zum beispiel, er kommt vollständig von der demo, auch die geloopte gitarre.
jonathan: ja, tatsächlich basiert das ganze auf einem tempo, das einem großen hit von rihanna entliehen ist, 'so hard'. von diesem ausgangspunkt hat sich alles entwickelt.
alex: wir haben es vor ein paar monaten geschrieben und erst vor etwa zwei wochen wirklich so weit gehabt, dass wir es live spielen konnten. wir mussten so viel ändern, bis es sich richtig angefühlt hat, aber er hat noch nicht zu hundert prozent die form angenommen, die uns vorschwebt, das alles ist noch im anfangsstadium.

die letzte frage: an welchem ort würdet ihr eure musik selbst hören wollen, z.b. 'nasa is on your side'?
jonathan: im space-shuttle natürlich!

(vielen dank an julian klaas für die mitarbeit)









































03.05.2011 // jakob
 

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