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the long blondesinterview mit dorian cox

man setzt euch in eine zeitmaschine, welche dich zurück in die 30er oder 40er jahre versetzt. du steigst aus…
eine großartige vorstellung. was würde ich dann tun? ich glaube, ich würde viele dieser schönen alten mäntel, hüte und schuhe kaufen. denn jedes mal, wenn ich einen film aus den dreißiger oder vierziger jahren sehe, will ich die klamotten, die die typen anhaben.

wäre das deine epoche gewesen?
eigentlich mag ich dinge aus jeder ära. vor allem musik, bücher und filme. aber doch, die dreißiger waren schon eine glanzvolle zeit.

das artwork eurer cds und layout eurer homepage scheinen mit viel bedacht gewählt worden zu sein. wie wichtig ist euch der stil?
das ist in der tat sehr wichtig für uns. es zeigt, wer du als band bist und hilft den leuten zu verstehen, worum es uns geht. andererseits fände ich es aber auch nicht gut, wenn wir nur über solche punkt nachdenken würden. denn dann wäre das am ende ein puzzle ausgeheckter ideen, das uns nicht wirklich repräsentiert.

"we do not listen to the beatles, the rolling stones, jimi hendrix, the doors or bob dylan". mit dieser aussage gewannt ihr viel aufmerksamkeit. es scheint, dass selbstpromotion ein anderes steckenpferd von euch ist.
(lacht) das stimmt schon. aber wenn man in einer band spielt, dann muss man so etwas einfach tun. damals, als wir "the long blondes" gründeten, nannte jede band aus england diese musiker als ihre größten einflüsse. es war einfach langweilig. allerdings habe ich auch nichts gegen einige dieser musiker.

war es eure absicht mit dieser aktion die aufmerksamkeit der masse zu gewinnen?
auf jeden fall. das schlimmste, was einer band passieren kann, ist das sie einfach nicht ihren lokalen gegebenheiten entwächst. immer nur in den clubs des heimatortes zu spielen und im selben trott zu bleiben. nun, wir waren leidenschaftlich bei der sache und wollten einfach einen schritt weiter gehen. wir wollten die aufmerksamkeit der menschen. dazu muss man eben manchmal so etwas machen.

mit dem slogan eine phantasie pop band bestehend aus nico, nancy sinatra, diana dors und barbara windsor gründen zu wollen, begründetet ihr "the long blondes". wer würde welchen part übernehmen, angesichts der tatsache, dass ihr zwei jungs in der band habt?
(lacht) wahrscheinlich wäre ich nico, denn ich bin der größte und wohl auch der erbärmlichste in der band. screech, unser schlagzeuger, sollte barbara windsor sein. weil (grinst) ... weil, er locken hat. die mächen dürften alles weitere unter sich ausmachen.

während eure eps und eure band im letzten jahr auf gute resonanz stießen, hattet ihr immer noch feste anstellungen. immer wieder musstet ihr euch ein, zwei tage frei nehmen um konzerte mit der band zu spielen, anschließend wieder zurück. wie war in der rolle eines dr. jekyll and mr. hyde zu stecken?
es war furchtbar. manchmal, wenn wir gigs in schottland spielten, mussten wir nach feierabend sofort nach schottland und dann die ganze nacht durch auf den ersten zug direkt zur arbeit warten. im büro musstest du dann telefongespräche entgegennehmen und dich um einiges mehr kümmern. du wärst am liebsten tod gewesen. während dieser zeit kam es zu einigen merkwürdigen begebenheiten. als wir zum beispiel einen wirklichen großen gig mit franz ferdinand in london spielten, rief jemand von screechs kollegen an. sie fragten, ob er nicht ein paar drinks mit ihnen trinken gehen wollte und er antwortete: "das geht nicht. ich bin gerade in london. wir spielen ein konzert mit franz ferdinand. es war ein albtraum und ich bin sehr dankbar dafür, dass wir das hinter uns haben.

wann wurde euch bewusst, dass ihr einen wendepunkt erreicht habt?
als der nme uns als "best new band" auszeichnete. das war ein ziemlicher schock für uns. wir begriffen, dass es menschen gab, die eine wirklich große erwartungshaltung uns gegenüber hatten. eine menge menschen hörten sich unsere musik an und warteten nur auf weitere veröffentlichung. wir mussten einfach den sprung wagen. rückblickend war es eine sehr gute entscheidung.

als rough trade dann an eure tür klopfte, bedeutete das einen weiteren schub für euch?
absolut. es geschah alles in derselben woche. an einem tag wurden uns der nme award überreicht und am anderen kam das angebot von rough trade. in dieser zeit konnte man dieses das-ist-es-gefühl förmlich greifen.

im moment ist eure erste lp noch "subject to be released". seid ihr mit dem, was bei den aufnahmen herauskam, mit dem fertigen produkt zufrieden?
ja. jede band träumt wahrscheinlich davon, ihr debüt aufnehmen zu können. andere menschen warten auf diese chance wahrscheinlich ihr ganzes leben. nun, wir waren zu der zeit im stress, denn wir mussten auch eine menge konzerte spielen. so spielten wir konzerte in amerika und europa, während der albumaufnahmen. das ist auch der grund, warum das ganze so lange gedauert hat. wir sind mit allem sehr zufrieden. der aufnahmeprozess hat uns allen sehr viel spaß gemacht und was dabei rauskam, funktioniert wirklich sehr gut als album.

dieser tage kommen viele bands von der insel, gehypet vom nme. wie schwer, denkst du, wird es für euch werden, euch auch nach dem hype zu etablieren?
schwer zu sagen, denn es scheint, dass der hype um uns bereits relativ früh angefangen hat. das war in england vor ungefähr zwei jahren und wir haben es anscheinend geschafft, diese euphorie um uns zu erhalten. ohne eine wirkliche veröffentlichung und ohne die ganze promotion, die so etwas mit sich bringt. es ist uns gelungen eine fangemeinde aufzubauen, die immer weiter wächst. ich glaube die leute schätzen besonders, dass wir vieles, vor allem diese ganzen kleinen single-releases, in eigenregie gemacht haben. daher denke ich, dass diese menschen uns auch nach der albumveröffentlichung noch folgen werden. ich denke, dass du, wenn es so einen hype um dich gibt, dich einfach auf deine musik konzentrieren musst. am ende kannst du eben auch nicht mehr machen, als songs schreiben.

20.09.2006 // nico
 

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