New Found LandInterview mit Anna Roxenholt und Moritz Lieberhühn
Wenn Familienmitglieder zusammen Musik machen, birgt das immer eine gewisse Gefahr – für die Band, aber auch für den familiären Haussegen. Bestes Beispiel: Die Gebrüder Gallagher. Bei New Found Land steht gewissermaßen auch eine kleine Familie auf der Bühne: Das schwedisch-deutsche Ehepaar Anna Roxenholt und Moritz Lieberkühn. Seit drei Jahren lebt Anna in Berlin. Sesshaft geworden ist sie mit Moritz in einer kleinen Altbauwohnung in Berlin-Kreuzberg. Ein Gespräch mit dem Ehepaar über ihr aktuelles Album „The Bell“ und darüber, warum gute Musik oft traurig ist.
Im Februar ist eure zweite Platte „The Bell“ erschienen. Dafür habt von der ehemaligen Duettbesetzung verabschiedet und spielt nun mit einer Band von acht bis zehn Leuten. Wie ist die Platte entstanden?
Anna: Die Bandmitglieder sind alles Leute, die ich noch von zuhause, aus der Musikschule in Göteborg kenne. Außer Moritz sind das alles Schweden. Wir hatten nur zehn Tage Zeit in dem Studio in Südschweden. Deswegen habe ich alles vorbereitet. Ich schreibe die Songs und die Texte und überlege mir vorher genau, wie alles arrangiert werden soll. Denn trafen wir uns im Studio. Ich bringe die Songs mit und die anderen fügen nur noch ihre Teile dazu. Da blieb diesmal nicht viel Zeit für große Diskussionen.
Heißt das, dass du alles allein machst?
Anna: Zum großen Teil Melodie, Texten und Struktur stammen von mir. Ich geh dann aber nicht zum Schlagzeuger und sag ihm, wie er sein Instrument spielen soll. (überlegt) Obwohl doch, das mache ich ziemlich oft (lacht). Aber die Songs stehen im Grundgerüst, ich will dann nur noch die Farbe von jedem Bandmitglied haben.
Ihr beschreibt das Album selbst als „Cheerful deathdance“, einen fröhlichen Totentanz also. Was meint ihr damit?
Anna: Ich finde, die Melodien klingen sehr fröhlich, aber die Texte behandeln oft traurige Dinge. Ich hoffe, das kann eine Ermutigung und Inspiration sein für Leute, denen es gerade nicht so gut geht. So was wie eine Aufheiterung eben.
Warst du traurig als du die Platte geschrieben hast?
Anna: Ja, ich schreibe Musik meistens dann, wenn ich traurig bin.
Das passiert so oft, dass Musiker dann schreiben, wenn sie traurig sind. Muss man traurig sein, um gute Musik zu machen?
Anna: Nicht unbedingt. Aber wenn du glücklich bist, dann genießt du dein Glück und machst viele schöne Dinge. Du gehst raus, triffst Leute oder wie auch immer. Ich kann nur für mich selbst sprechen, aber Songs schreiben ist für mich wie eine Therapie. Ich schreibe dann, wenn ich irgendwas bewältigen muss. Klar ist mir in letzter Zeit auch viel Schönes passiert, aber das muss ich nicht so verarbeiten. Ich schreibe über das, was raus muss aus meinem Kopf.
Abgesehen davon, dass ihr nun eine Band und kein Duo mehr seid, was hat sich denn im Vergleich zum ersten Album noch geändert?
Anna: Das erste Album waren meine ersten musikalischen Gehversuche, das erste Mal, dass ich komplette Songs mit Lyrics geschrieben habe. Also ich würde sagen, ich bin jetzt schon viel besser im Songwriting geworden (lacht). Aber das bin ja trotzdem noch ich und es sind meine Songs, auch wenn sie gewachsen sind. Was geblieben ist, ist die Mischung aus Melancholie und Heiterkeit, wie Lachen und Weinen zur selben Zeit. Es gibt sehr viele Widersprüche auf der Platte.
Moritz: Abgesehen vom Sound ist natürlich die Herangehensweise als Band auch ganz anders, als als Duo. Wenn man mit einer Band spielt, dann ist das ein demokratischer Prozess. Man muss viel mehr diskutieren und Kompromisse finden. Es ist so zu sagen eine psychologische Herausforderung. Wir hatten das Glück, dass Anna alles perfekt vorher geplant und arrangiert hatte. Da gab es nicht mehr viel zu diskutieren, aber wir hatten ja auch nur eine gute Woche Zeit im Studio. Anders hätten wir das gar nicht geschafft.
Anna: Das erste Album ist innerhalb von zwei Jahren entstanden. Das war schön, weil wir in die Songs rein wachsen konnten und viel mehr verändern konnten. Aber gleichzeitig war das auch ganz schön frustrierend, weil irgendwann willst du sowas auch fertig haben. Mittlerweile haben wir schon genug Material für das dritte Album, aber dafür wollen wir uns wieder mehr Zeit lassen.
Es gibt einen schwedischsprachigen Song auf der Platte. Der Rest ist englisch. Wieso fällt der eine aus dem Rahmen?
Anna: Ich hatte den auf Schwedisch geschrieben und wollte, dass er auf der Platte ist. Er passt vom Sound gut zur Platte, ihn zu übersetzen hätte sich aber falsch angefühlt. So ist es ein kleiner Link zu unserer Heimat, ein Bonussong für alle, die gern schwedischsprachige Texte hören.





















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