Those Dancing DaysInterview mit Cissi Efraimsson und Mimmi Evrell
Those Dancing Days aus Schweden halten die Tradition hoch, dass aus dem Norden immer mit aufgeweckter Popmusik zu rechnen ist. Waren die fünf Schwedinnen bei ihrem ersten Album noch mitten im Teenager Alter, finden sie sich auf Album Nummer zwei nun ein Stück erwachsener wieder. Wir haben Cissi Efraimsson (Schlagzeug) und Mimmi Evrell (Bass) in Berlin getroffen, um uns darüber aufklären zu lassen, was es mit dem gemeinsamen Erwachsenwerden auf sich hat, welche Tag- oder auch Alpträume sie auf ihrem neuen Album verarbeitet haben und warum der Zusammenhalt der Gruppe besonders groß geschrieben wird.
Eure Musik strahlt Jugendlichkeit aus und wirkt sehr direkt. Gibt es bezüglich der Texte Themen, die ihr aufgrund dieser Rahmenbedingungen ausblendet oder die euch nicht passend erscheinen?
Mimmi: Wir schreiben prinzipiell über Sachen, die uns in den Sinn kommen, aber natürlich gibt es Themen, die wir noch nicht abgedeckt haben. Beinahe hätte ich so etwas wie Essen gesagt, aber das stimmt nicht, denn ein paar ältere Songs von uns greifen dieses Thema auf (lacht).
Cissi: Wir sind noch nicht wirklich politisch in unseren Songs geworden, obwohl wir unsere Umgebung wahrnehmen und ab und zu schon einmal textlich gesehen in Richtung Natur und die Umwelt allgemein gegangen sind.
Wenn man erwachsen wird, nimmt man viele Dinge in seiner Umgebung anders war, reflektiert sie in einem anderen Licht. Habt ihr während der letzten Jahre solche Erfahrungen gemacht?
Mimmi: Beim ersten Album war ich erst sechzehn, nun bin ich zwanzig. Zwischendurch ist natürlich viel passiert und man verändert sich, nimmt viele neue Eindrücke in sich auf und verarbeitet sie. Ich hoffe doch stark, dass wir uns alle in den letzten Jahren weiterentwickelt haben.
Cissi: Wir haben in den letzten fünf Jahren sehr viel miteinander erlebt und haben die unterschiedlichsten Situationen zusammen gemeistert. Das hat uns unheimlich zusammengeschweisst. Ich weiß nicht, ob es einschneidende Momente gab, die ich jetzt nennen kann. Es ist schon komisch, aber auch schön, dass wir nun alle erfahrener sind und so vieles in der Vergangenheit geteilt haben.
Mimmi: Wir sind auf jeden Fall viel bessere Musikerinnen geworden. Wir hatten ja auch genügend Zeit uns zu verbessern und waren viel auf Tour. Wenn manche Leute jetzt sagen wir würden anders klingen, dann hat das sicherlich auch etwas damit zu tun. Wir sind einfach viel selbstbewusster geworden, was unser Spiel angeht.
Wie sehr hat dieses neu gewonnene Selbstbewusstsein denn die Songs auf dem jetzigen Album geprägt?
Cissi: Es gibt so einige Sachen, die uns in dieser Hinsicht neue Türen geöffnet und uns weiter getrieben haben. Dadurch, dass sich unsere Spieltechniken verbessert haben, hatten wir viel mehr Möglichkeiten uns in den Songs auszuleben. Einiges davon wäre für uns vor ein paar Jahren spielerisch noch unmöglich gewesen, aber jetzt haben wir das nötige Selbstbewusstsein und das Können dafür. Wir wollen mit jeder Platte ein Level weiter nach oben gehen.
Mimmi: Vorher haben wir viel Zeit damit verbracht uns selbst zu finden. Jetzt haben wir in dieser Hinsicht mehr Gewissheit, was wir wollen und was wir umsetzen können. Die Tatsache, dass wir diesen Schritt in der Entwicklung zusammen gegangen sind, hat uns definitiv weiter nach vorne gebracht.
Wenn man den Albumtitel "Daydreams And Nightmares" einmal wörtlich nimmt, dann fällt auf, dass beide Begriffe Welten auseinander liegen. Ihr verbindet das Angenehme mit dem Fürchterlichen. Seht ihr im Leben immer sowohl die Sonnen- als auch die Schattenseiten?
Cissi: Wir sind erst nach dem Schreiben der Songs auf den Albumtitel gekommen. Ich denke, er rührt daher, dass die Songs im Allgemeinen diesen Kontrast widerspiegeln. Es sind immer sonnige und dunkle Ansätze vorhanden und den Songs haftet etwas Bittersüßes an. Das kommt wahrscheinlich daher, dass wir sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen gesammelt haben.
Mimmi: Da stimme ich dir vollkommen zu. Keiner der Songs geht nur in eine dieser Richtungen. Es ist immer etwas von beidem vorhanden. Ich glaube das ist ein typisch schwedisches Ding. Viele schwedische Künstler machen Musik, die nicht eindeutig nur fröhlich oder nur traurig ist. Es ist immer etwas von beidem vorhanden. Auf unserem ersten Album gibt es ähnliche Tendenzen. Selbst die offensichtlich poppigen Stücke waren nicht immer durchgängig heiterer Sonnenschein, sondern hatten durchaus ihre kleinen Schattenseiten. Wir sind auch als Persönlichkeiten eher Menschen, die beides in sich tragen und nicht nur eines davon nach aussen kehren.
Verlangen euch die zum Beispiel etwas dunkleren Texte mehr ab als diejenigen, die von einer positiven Grundstimmung heraus entstehen?
Cissi: Jeder von uns hat mal schwierige Phasen durchgemacht, aber ich würde nicht behaupten wollen, dass das auch das Schreiben beeinflusst hat. Ich persönlich finde nicht, dass wir bei den weniger fröhlichen Songs mehr Energie aufwenden mussten, um diese entstehen zu lassen. Zum Glück war das für uns kein Problem, auch wenn wir manchmal kleine persönliche Krisen in diesen verarbeitet haben.
Mimmi: Ja, das sehe ich auch so. Wenn die Stimmung bei einer Probe mal gedrückt war, dann haben wir automatisch auch so an unseren Instrumenten agiert. Demnach ist es uns nicht schwerer gefallen solche dunkleren Schwingungen beim Songwriting zu zulassen.
Meistens lassen sich beängstigende Situationen oder Alpträume nicht vermeiden. Wenn ihr jedoch in solche Situationen geratet, wie geht ihr damit um?
Cissi: Augen zu und durch! (lacht) Es geht gar nicht anders, finde ich. So schlimm es auch sein mag, man muss sich den Dingen stellen.
Mimmi: Ich scheue mich vor Konflikten. Von daher nehme ich lieber Reissaus und renne davon! (lacht) Ich wünschte, es wäre nicht so.
Wie reagiert ihr auf musikalische Hindernisse oder Probleme?
Mimmi: Ich werde sauer, aber wir haben uns zum Glück gegenseitig und haben viel Geduld, falls mal etwas nicht so klappt wie wir und das vorgestellt haben. Wenn man mal einen schlechten Tag hat, dann ist das nicht so schlimm. Wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können und dann nimmt jemand anderes einfach die Zügel in die Hand.
Gibt es Tagträume in euren Köpfen, die ihr gerne für immer festhalten wollen würdet?
Cissi: Oh, ganz bestimmt. Ich merke zwar, dass ich älter und erwachsener werde, aber angenehme Tagträume würde ich mir am liebsten für immer bewahren. Es wäre schrecklich, wenn man auf einmal vergisst, wie es ist Spaß zu haben oder sich solchen Dingen wie Tagträumen nicht mehr hingeben könnte.
Mimmi: Ich will niemals aufhören nach mehr im Leben zu streben und eines Tages an den Punkt kommen, an dem ich nicht noch ein klein wenig weitergetrieben werde. Mit etwas zufrieden zu sein, ist ein schönes Gefühl, aber ich will meistens noch mehr. Vielleicht gerade deshalb, weil ich schnell zufrieden zu stellen bin. Es würde mich nicht glücklich machen nur herum zu sitzen und Fernsehen zu schauen, auch wenn das manchmal nett sein kann.
Cissi: Also ich könnte mich an diesen Gedanken gewöhnen, ich mag es vor dem Fernseher zu sitzen! (lacht)
Welche Alpträume würde ihr hingegen am liebsten aus eurem Gedächtnis löschen?
Mimmi: Als ich kleiner war, hatte ich mal diesen Traum, dass ein Eisbär all meine Freunde fressen würde und als er dabei war mich anzuknabbern, bin ich aufgewacht. Ich kann mich noch genau daran erinnern, weil ich diesen Traum mehrmals hintereinander hatte und alles so realistisch war. Es war jedes Mal exakt die gleiche Situation. Unheimlich!
Cissi: Ich habe schon viel Unangenehmes geträumt, aber nichts, was ich wirklich bereuen würde. Meistens fühlt es sich für mich so an, als ob ich mitten in einem Fantasy Film wäre. Meine Träume sind immer sehr realistisch. Wenn ich zum Beispiel viele Kriminalfilme gucke, dann fange ich automatisch an das auch auf meine Träume zu übertragen. Plötzlich bin ich dann eine Kriminalistin, die Räuber fängt und Leute erschießt (lacht).
Habt ihr eure Emotionen einmal in einem Song verarbeitet, gehen die eigentlichen Aufnahmen dann weniger aufwühlend über die Bühne oder kocht im Studio schon mal die Stimmung über, wenn ihr zu fünft an den Songs arbeitet?
Mimmi: Wir haben die Hälfte der Songs live aufgenommen. Deswegen waren wir gerade bei diesen Stücken unheimlich aufgeregt und mussten sehr fokussiert sein. Es blieb uns gar keine andere Wahl, weil niemand dafür verantwortlich sein wollte, wenn ein Take in die Hose geht. Es war ein eher technischer Prozess und weniger ein emotionaler. Ich konnte mich nur darauf konzentrieren alles richtig zu machen und habe mir keine Gedanken um meine Gefühle gemacht.
Cissi: Ich muss bei den Aufnahmen immer etwas aggressiv sein. Anders geht es gar nicht. Ich muss mich immer selbst anstacheln und spiele am Besten, wenn ich wütend bin. Für mich ist es gut, wenn ich bei den Takes alles aus mir heraus lassen kann und ich bin wohl eher im Studio emotional aufgewühlt als beim Songwriting selbst. Ich stelle mir ab und zu gerne vor, dass ich jemanden mit meinen Drumsticks verhaue (lacht). Etwas Provokation ist in meinem Fall das beste Mittel.
Ihr seid eine reine Mädchen Band, was die Besetzung angeht. Habt ihr das Gefühl, dass sich Frauen im Allgemeinen besser öffnen können, was die Musik und Texte angeht? Diese Eigenschaft wird dem weiblichen Geschlecht ja gerne attestiert.
Cissi: Das ist schwer zu sagen. Wir waren ja schon immer eine reine Mädchen Band und können nicht viel dazu sagen, ob ein männliches Bandmitglied einen etwas anderen Vibe mitbringen würde. Was ich aber festgestellt habe ist, dass Mädchen sehr viel mehr aufeinander achten und sie immer mit ihren Kolleginnen befreundet sein müssen. Anders würde es überhaupt nicht funktionieren. Es würde wohl niemals vorkommen, dass zwei Mädchen in einer Band spielen oder es lange darin aushalten, wenn sie sich eigentlich gar nicht leiden können. Männer haben damit nicht so ein großes Problem. Sie können das ganz gut trennen, aber das ist nur so eine Theorie von mir (lacht).
Auf eurem neuen Album habt ihr mit Patrik Berger, einer nicht unbekannten Größe im Popbusiness, zusammengearbeitet. Er hat unter schon bei Produktionen von Robyn erfolgreich Händchen angelegt. Wie seid ihr auf ihn gekommen?
Cissi: Wir hatten vorher ein paar andere Produzenten getroffen, aber er war der erste auf den wir uns sofort einigen konnten.
Mimmi: Einige andere Produzenten waren zwar gut, aber wollten uns auch zu sehr ihren eigenen Stempel aufdrücken. Zumindest hat es sich für uns so angefühlt. Ich hatte bis dahin gar nichts von ihm gehört, aber während er mit uns gearbeitet hat, kam "Dancing On My Own" von Robyn raus und das hat ihm viel Aufmerksamkeit beschert. Wir haben uns sehr für ihn gefreut. Seine Arbeitsweise hat uns sehr viel gebracht. Er ist wahnsinnig professionell ohne langweilig zu sein.
Cissi: Er kann sehr wählerisch sein, aber das hat auch seine Vorteile. Er kann sich lange mit nur einem Detail aufhalten. Er vergisst dann sogar zu essen!
Mimmi: Für uns war es hilfreich, dass da jemand war, der so fokussiert und teilweise streng mit uns war, weil wir in Sachen Disziplin nicht unbedingt die Besten sind. Patrik wusste immer genau, ob noch mehr in uns steckt und wie weit wir gehen konnten.
Auf dem neuen Album habt ihr unter anderem mit Orlando Weeks von The Maccabees zusammengearbeitet, der euch gesanglich unterstützt hat. Wie hat es sich für euch angefühlt zur Abwechslung einmal eine männliche Perspektive in einem eurer Songs zu haben?
Cissi: Es war schon ein wenig seltsam einen Mann in unser kreatives Umfeld zu lassen, weil wir ihn kaum kannten. Andererseits mögen wir alle seine Stimme sehr gerne und von daher haben wir uns richtig auf ihn gefreut.
Mimmi: Ich stelle es mir etwas schwer vor, wenn man von aussen in so eine eingeschweisste Truppe wie unsere kommt. Egal, ob Mann oder Frau, aber Orlando hat seine Sache toll gemacht. Ich weiß nicht, ob er unbedingt etwas von seinem männlichen Wesen mit in die Songs hinein transportiert hat, aber er hat sich recht wohl bei uns gefühlt und das war das Wichtigste für uns und auch ausschlaggebend für den Song.





















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