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The Bewitched HandsInterview mit Sebastien Adam

The Bewitched Hands

aus dem französischen reims tönt seit dem letzten jahr ein sechserpack, der sich nun mit seinem debütalbum birds & drums aufmacht seine spielfreude rund um dem globus zur schau zu stellen und zudem den ehemals halsbrecherischen namen the bewitched hands on top of our heads um ein paar buchstaben gekürzt hat. im gespräch mit uns schildert sebastien adam, unter anderem, wie es ist mit so vielen verschiedenen personen in einer band zu spielen und was das für auswirkungen auf die musik hat.


musikalisch gesehen nehmt ihr euch auf euren neuen album "birds & drums" eher friedlich gestimmten klängen an. dennoch kombiniert ihr die heitere musik in eurem video "sea" mit visuell kontrastierenden bildern von kämpfen und gewalt. was hat euch dazu bewogen ein so völlig gegensätzliches video zu machen?
wir haben uns nie wirklich gefragt, wie unsere musik klingen sollte, da wir gerne mit einer großen vielfalt von einflüssen und stimmungen spielen. ich würde unser album "birds and drums" nicht unbedingt als friedlich in klanglicher hinsicht bezeichnen, zumindest nicht von vorne bis hinten und ein song wie "cold" widerlegt diese beschreibung ebenfalls. die idee für das video für "sea" wurde von "abcdcd" an uns heran getragen und auch von ihnen umgesetzt. wir fanden, dass es ein interessanter blickwinkel auf den song war. ausserdem war die idee weitaus origineller als das typische cliché eines band videos, wo die typen in einem cabrio zum strand fahren etc. abgesehen davon, war die thematische abhandlung mit all den kämpfen und der gewalt aber nicht ausschlaggebend für uns und sollte nicht vordergründig sein, auch wenn uns dieser kontrast im zusammenhang mit der musik interessanter erschien als eine simple veranschaulichung des songs. die rüstungen aus pappe suggerieren ja auch ein künstliches bild sowie eher kindlich gespieltes kämpfen, was wiederum den spaß im song aufgreift.

songwriting ist nicht in jedem fall autobiographisch und kann dazu führen, dass künstler in ihren songs in verschiedene rollen schlüpfen und sich mit thematiken beschäftigen, die nicht aus ihrem eigenen leben gegriffen sind, ähnlich wie es schauspieler auf der bühne tun. ist das eine form von songwriting, die inspirierend für euer vorgehen beim schreiben ist?
um ehrlich zu sein, das schreiben von texten hat bei uns noch nie an erster stelle gestanden, wenn wir songs komponieren. die meisten songtexte sind eher aus einem automatischen schreibprozess heraus entstanden, in dem wir der klanglichen auswirkung der wörter eine größere bedeutung zusprechen als ihrer eigentlichen bedeutung. daher ist es schwierig diese frage zu beantworten. wir gehen nicht auf diese art und weise an das songwriting heran und wir fühlen uns auch nicht als schauspieler und autoren. benjamin und anthonin, die den leadgesang übernehmen, würden ihr verhalten auf der bühne wohl ebenfalls nicht als interpretation einer rolle ansehen.

es gibt eine ganze reihe an verschiedenen musikalischen einflüssen auf dem album. resultieren diese aus der tatsache, dass jedes bandmitglied seine eigene kleine kreative aura in die musik miteinfließen lässt? wenn ja, wie war es für euch am ende alles zusammenzuführen?
wir sind tatsächlich davon überzeugt, dass die vielfalt der einflüsse daraus resultiert, dass wir sechs mitglieder in der band sind. wir haben zwar eine menge gemeinsamer einflüsse, aber trotzdem haben wir in unserer jugend nicht genau dieselben dinge gehört und einige von uns haben sich einer bestimmten band, einem stil oder einer musikalischen bewegung verstärkt angenommen. ich glaube dies trägt einiges zu der musikalischen vielfalt der band bei. wenn baptiste einen song schreibt, klingt dieser mit sicherheit ganz anders als ein song, den anthonin schreiben würde. wenn letzterer im studio jedoch an einer songidee von baptiste arbeitet, bringt er dadurch ideen in den song ein, auf die baptiste in dieser form gar nicht gekommen wäre. auch die anderen von uns fügen durch zusätzliche gitarrenakkorde oder gesangsharmonien dem jeweiligen song wiederum eine weitere facette hinzu. so arbeiten wir einfach.

englisch ist nicht eure muttersprache, dennoch singt ihr alle eure songs darin. habt ihr es als notwendig angesehen das zu tun, um überhaupt ausserhalb von frankreich gehört zu werden oder ist die musikalische botschaft für euch in allererster linie ausschlaggebend?
wir haben mit the bewitched hands noch niemals in französisch gesungen, obwohl einige von uns individuell gesehen schon in unserer muttersprache gesungen haben. wir haben uns aber nie wirklich die frage gestellt in welcher sprache wir singen sollten, weil es sich für uns ganz natürlich anfühlt uns in englisch auszudrücken und alle bands, die uns mit ihrer musik inspiriert haben aus england oder amerika kommen.

als musiker ist man, natürlich abhängig vom genre, auch teil der unterhaltungsindustrie. betrachtet ihr euch selbst überhaupt als entertainer oder ist das eine bezeichnung, die euch völlig zuwider ist, auch wenn ihr technisch gesehen menschen mit eurer musik unterhaltet?
technisch gesehen, ist das tatsächlich der fall. wir haben nicht die ambitionen menschen zum lachen zu bringen oder zu amüsieren, aber wir sind eine band, die nun einmal popsongs spielt und wir mögen es, wenn diese einprägsam und gerade heraus sind. wir können also als entertainer angesehen werden und haben auch kein wirkliches problem damit als solche bezeichnet zu werden. es kann manchmal als abwertend ausgelegt werden, aber für uns ist das kompatibel mit dringlichkeit und musikalischer ambition.

es gibt einen song namens "underwear" auf eurem album, in dem ihr über jemanden singt, der zwei wochen lang dieselbe unterwäsche trägt. mal ehrlich, was hat es damit auf sich?
dieser song soll ein witz sein. wir wollten noch einen anderen songtext dafür verfassen, aber haben das nie geschafft...! ich persönlich lehne jede verantwortung hinsichtlicher der lyrics ab.

gibt es einen besonderen moment oder ein bestimmtes musikstück, an das du dich erinnern kannst, welches dich dazu bewogen hat musiker zu werden?
ich habe mit neun jahren angefangen gitarre zu spielen. an mehr kann ich mich wirklich nicht erinnern...anthonin könnte wahrscheinlich über den tag reden, an dem er nirvana live gesehen hat kurz bevor kurt cobain starb...

wie ist die lage, wenn ihr alle zusammen songs schreibt - viele spontane, magische momente oder doch eher bodenständige, rationale arbeitsmethoden?
es ist eine mischung aus beidem. spontanität spielt eine große rolle, wenn wir komponieren und aufnehmen, jeder bringt seine ideen ein: gitarrenmelodien, gesangsharmonien, diskussionen bezüglich der songstruktur...magische momente führen dazu, dass eine idee plötzlich sinn macht, aber da wir sehr oft gleichzeitig komponieren und aufnehmen, ist das rationale arbeiten auch immer präsent, was die technische seite in sachen aufnahmen und produktion angeht.

05.02.2011 // annett
 

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