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WarpaintInterview mit Emily Kokal

Warpaint aus Los Angeles wollen nicht so sein wie die Anderen - und müssen sich dafür nicht mal besonders bemühen. Nach einem durchweg gelobten Album, das vergangen Monat hier in Deutschland veröffentlicht wurde, spielt die Band das erste Mal Live - und erfindet sich auf der Bühne jeden Abend neu. Ein Gespräch über Sound und Prozess des Musikmachens.


Hast du ein klassisches Instrument gelernt?
Nein, gar nicht. Ich kenne die Grundlagen, das war's. Jeder in meiner Familie hat gesungen, ich komme aus einer sehr musikalischen Familie. Wie es dazu gekommen ist, das ich angefangen habe Musik zu machen? Ich war im Kino, wir haben einen Film gesehen - "Emperor of the Sun, ich war ungefähr fünf - und als ich nach Hause kam, habe ich mich ans Klavier gesetzt und den Titelsong nachgespielt. Darauf hin hatte ich Klavierunterricht, was ich genau zwei Monate durchgehalten habe... Viel lieber habe ich mir Songs selbst beigebracht und später auch angefangen mir eigene Sachen auszudenken. Ich war im Chor und habe Musiktheater gespielt - irgendwie war Musik für mich immer wichtig. Das - und Tanz - waren mir als Kind die zwei wichtigsten Dinge.

Gerade habe ich einen Text lesen "How Women Become Musicians von Mavis Bayton - sie schreibt, dass viele Frauen die in Bands spielen, Klavier als Erstes Instrument gelernt haben, meinst du das stimmt? Wird in Interviews oft thematisiert, dass ihr alle weiblich seit?
Nicht so sehr wie ich das erwartet habe. Interessant was sie schreibt, weil es wirklich sehr wenige Frauen gibt, die (Rock-) Musik machen. Ja, wir haben alle irgendwie mit Klavier angefangen - wahrscheinlich weil das das einfachste Instrument ist um einfach darauf rumzuspielen. Eine Gitarre in die Hand zu nehmen erfordert da ein bisschen mehr - Bewusstsein. Ich habe anfangen, weil der Freund meiner Mutter Gitarre gespielt hat - er hat mir die Grundlagen gezeigt. Ich habe mich hingesetzt und ausprobiert - die Songs aus dem Gehör zu spielen - das war ein Ansatz, der für mich Sinn gemacht hat, vielleicht mehr als nach Noten zu spielen.

Also war der Sound am wichtigsten um die Songs oder die Musik zu verstehen? Ich glaube, man kann Pop nur so verstehen: der Soziale Aspekt von Pop hat meiner Meinung nach viel mit dem Sound zu tun. Bei eurem Album hatte ich immer das Gefühl, dass es bei den Songs weniger auf die Lyrics oder die Musik an sich an kommt - und mehr auf den Sound. Sprecht darüber, wie ihr klingen wollt?
Wir spielen einfach zusammen - und dann kommt das eine zum anderen. Wir hatten noch nie ein Gespräch über unseren Sound. Wir haben nicht die Absicht, nach irgendetwas zu klingen ... außer uns selbst. Wir versuchen, uns nicht beeinflussen zu lassen und einfach aus dem Moment heraus Musik zu machen. Unsere Songs sind eine Mischung aus extrem vielen Bestandteilen - die Texte, die einzelnen Instrumente. Ich mag unseren Ansatz, weil dir die Ideen nie ausgehen, wenn du mit Nichts anfängst und kein konkretes Ziel hast. Du fängst einfach an zu spielen - eine Millionen Möglichkeiten! Die Angst, keinen Plan zu haben und sich zu verzetteln kann ich nicht verstehen. Spiel einfach! Und selbst wenn es am Anfang nicht gut klingt - machst du etwas Eigenes.

Wenn ihr aufnehmt dann ist der Moment, den du grade beschrieben hast, "einfangen" - sind die Songs jedes Mal anders, wenn ihr sie spielt?
Wenn wir den Song "gefunden" haben, arbeiten wir daran, an der Form, am Sound. Wir suchen nach dem Moment, wo wir alle das Gefühl haben, dass es "richtig" klingt - der wahrscheinlich komplizierteste Teil. Keiner ist mit dem Song richtig zufrieden, bis nicht alle es sind. So ein interner Test: der Song ist "ganz", wenn wir alle damit zufrieden sind. Wir haben keine Regel was das Songwriting angeht. Aber wir haben bestimmte Regeln was unseren Stil betrifft: was passt und was vielleicht gerade nicht. Ich glaube, wir spielen sehr demokratisch. Alles soll seinen richtigen Platz haben.

Meinst du, das ist kollektive Intuition? Oder redet ihr viel über eure Songs?
Wahrscheinlich beides. Ein Gespräch kann der ganzen Sache auch eher im Weg stehen: so bald wir anfangen zu spielen, löst sich das Problem von alleine. Das Vertrauen, dieses "vielleicht klingt das hier alles nicht richtig, aber wenn es genau das ist, was wir suchen, werden wir das alle merken."

Wir lange habt ihr an den Songs gearbeitet, die ihr für eure EP und das Album aufgenommen habt?
Einige der Songs sind ziemlich alt: Lissie's Heart Murmus - der letze Song auf dem Album - war einer der ersten Songs, die wir je geschrieben haben. Einige der Songs wurden geändert oder sogar neu geschrieben, bis wir sie letztendlich aufgenommen haben. Bis du aufnimmst, ist alles sehr offen, aber dann ... naja, danach ändern wir trotzdem immer noch alles! Nimm "Burgundy" und "Krimson" - der selbe Song in zwei unterschiedlichen Versionen! Wir haben Songs verworfen und neu interpretiert - einige der Songs haben lange gebraucht, ein paar sind ziemlich schnell geschrieben worden.

Live spielen ist für euch bestimmt essentiell, wenn eure Songs ständig in Veränderung sind?
Yeah, it's like how we get our YaYa's out, you know? (lacht) Live spielen ist die Möglichkeit die Songs "dichter" zu machen - erst nach dem wir die EP und das Album aufgenommen hatten, haben wir das erste Mal live gespielt! Auf der Bühne kommen wir jedes Mal näher daran, wie unsere Songs klingen sollen - sie verändern sich ständig. Das ist völlig ok, wenn es sich anders anhört - wenn es sich so eben gerade besser anfühlt. Es gibt keine Regeln, so lange es gut klingt.

Interessant, wenn man sich anschaut wie Musik heute gehört und wahrgenommen wird - der Prozess des Musikmachens wird immer wichtiger, weil der Auftritt wichtiger ist als der aufgenommen Song...
Du meinst: Regeln aussen vor lassen und zu der Idee des Songs zurück kommen?

Ja, dazu. Und auch zu der Praxis des Musikmachens.
Der Spontanität.

Genau.
Du erfindest die Songs jedes Mal neu, wenn du etwas riskierst und dich vom Standart weg bewegst. Die ganzen Elemente, die vielleicht beim ersten Spielen keinen Sinn gemacht haben, finden dann zusammen. Die Songs immer und immer wieder zu überarbeiten und zu ergänzen - das lässt sie nicht altern. Alle - wir und das Publikum - können diesem ganzen Prozess etwas abgewinnen: die gemeinsame Erfahrung von etwas Neuem.

01.11.2010 // ann-kathrin
 

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