Nils Koppruch
Nach sechs Platten mit Fink ist “Caruso” nun dein zweites Solo-Album. Arbeitet es sich als Solokünstler leichter, weil man die komplette Kontrolle hat und nicht auf die anderen Bandmitglieder achten muss oder wirkt sich diese große Freiheit unter Umständen manchmal auch negativ aus?
Als Solokünstler, der gleichzeitig auch noch die Produzentenrolle ein-nimmt, hat man nur einfach andere Probleme als ein Bandmitglied. Manche dinge werden einfacher, andere dafür schwerer. Ich bin froh, dass ich beide Modelle kennengelernt habe. In Zukunft hoffe ich, wieder andere Musiker enger einbeziehen zu können.
Im Gegensatz zum recht düsteren “Den Teufel tun” sind die Songs auf “Caruso” deutlich optimistischer ausgefallen und eher so, wie man es von Fink gewohnt war. War das damals ein bewusster Schritt, mit “Den Teufel tun” erst einmal etwas auf Distanz zum bisherigen Schaffen zu gehen?
Ich höre diese Einschätzung zur Zeit öfter, kann sie aber nicht wirklich teilen. Bei “Den Teufel tun” ging es mir darum, den Song / das Lied als tradierte Kunstform und meine eigene Haltung als Solokünstler dazu zu verhandeln. Das brauchte ich bei „Caruso“ nicht mehr. Vielleicht ist das Album etwas verspielter geworden, aber mit Begriffen wie “düster” oder “optimistisch” tue ich mich in diesem Zusammenhang schwer.
“Caruso”, das Titelstück der neuen Platte, beklagt das Schicksal eines vor allem von den Konzertveranstaltern schlecht behandelten Künstlers. Beruht das auf eigenen Erfahrungen - wie viele tote Pflanzen in den Backstageräumen musstest du schon ertragen?
Die toten Pflanzen sind eigentlich nicht das Hauptproblem. Das Neonlicht macht einen mürbe. Und anstatt das Lied als Klage zu hören, sehe ich noch die Möglichkeit, es als Lobpreisung all derer zu hören, die trotz widriger Umstände ihre Träume verfolgen.
Überhaupt macht das ganze Album einen recht persönlichen Eindruck. Zumindest als Hörer hat man ständig das Gefühl, dass einem da jemand aus seinem Leben erzählt…
Ich erzähle nur das, was mich beschäftigt, alles andere überlasse ich dem Hörer…
Die klare, unmittelbare Sprache in den Texten und die amerikanisch beeinflusste Musik passen jedenfalls bestens zum Bild des “Großstadtfolkers”. Siehst du dich selbst in der klassischen Folktradition verwurzelt?
Nein, in einer amerikanischen Folktradition kann ich naturgemäß nicht verwurzelt sein und eine deutsche bzw. deutschsprachige Folktradition gibt es in dieser Form nicht. Ich positioniere mich in Ermangelung eines entsprechenden Modells quasi in einer imaginären, selbsterschaffenen Folktradition und führe die dann fort.
Unter dem Pseudonym "SAM". bist du seit vielen Jahren außerdem erfolgreich als Maler tätig. Ähneln sich deine Herangehensweisen an die Malerei und die Musik oder sind das für dich zwei verschiedene Bereiche, die sich nur ganz am Rand berühren?
Grundsätzlich sind das zwei unterschiedliche Bereiche, die verhindern, dass ich zum Fachidioten werde. Andererseits muss es aber ähnliche Herangehensweisen geben, da ja der gleiche Mensch dahinter steckt. Ich werde das weiter beobachten…
In einem Artikel gab es mal folgenden Satz zu lesen: “Das ist typisch Koppruch: Er hat so viel zu tun, dass er mit seinen größeren Projekten langsamer vorankommt, als ihm lieb ist.“ Stimmt das? Immerhin ist dein Output ja durchaus beachtlich…
Ich glaube, das bezog sich auf eine Zeit, als ich die Arbeit an „Caruso“ unterbrochen habe, um für den Dokumentarfilm „Wasser & Seife“ die Musik zu machen. Wahr ist aber, dass ich mehr und manchmal schneller Ideen habe, als ich sie aufschreiben bzw. auch noch umsetzen kann.
Im November geht es auch zusammen mit Gisbert zu Knyphausen, der im Song „Die Aussicht“ zu hören ist, auf Tour. Was schätzt du an Gisberts Musik besonders - immerhin seid ihr, wenn man so will, Vertreter zweier unterschiedlicher Songwriter-Generationen?
Gisbert ist ein sehr talentierter Songschreiber und darüber hinaus ein toller äh...Interpret, Performer, Showmann. Ich war von Anfang an von seiner Bühnenpräsenz beeindruckt und außerdem mag ich Gisbert. Unsere Herangehensweise unterscheidet sich nach meinem Verständnis allerdings nicht durch eine Generationsfrage, sondern durch unsere Herangehensweise an sich.
Steht in den nächsten Monaten erst einmal die Tour an erster Stelle oder gibt es derzeit noch andere Projekte, an denen du arbeitest?
Ja, jetzt steht erstmal die Musik an erster Stelle. Allerdings werde ich im Oktober noch an einer Gruppenausstellung teilnehmen und muss dafür noch einiges vorbereiten. Und dann ist da noch der relativ junge Hamburger Musikpreis “hans”, für den ich jetzt im zweiten Jahr noch einmal die Trophäe gestalten werde. Außerdem würde ich gern noch ein Album aufnehmen. Ich glaub, ich kann’s noch besser machen.





















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