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JunipInterview mit José Gonzáles und Tobias Winterkorn

Lange Zeit war es still um die drei Herren von Junip aus Schweden. Diesen Sommer ist Schluss mit der Funkstille und die Band sendet gleich zwei musikalische Lebenszeichen aus dem Norden. Das erste klangliche Signal schicken sie mit ihrer EP "Rope and Summit" voraus, der schon wenig später im September das Album "Fields" folgen wird. Anlässlich des musikalischen Doppelschlags trafen wir José Gonzáles und Tobias Winterkorn, die uns einen Blick hinter die Kulissen des Entstehungsprozesses der Aufnahmen gewährten.


Es gab eine Pause von mehreren Jahren zwischen eurer ersten EP "Black Refuge" und der neuen EP "Rope and Summit" bzw. dem kommenden Album "Fields". Wäre das musikalische Ergebnis der neuen Veröffentlichungen ohne diese Pause ein anderes gewesen oder hätte sich nicht allzu viel für euch geändert?
Tobias: Doch, diese Pause hat vieles verändert. Es gab zwei Versuche ein Album zu machen, 2000 und 2005. Die Songs waren aber nicht gut genug, sogar ein bisschen langweilig. Es wäre vielleicht keine gute Idee gewesen die damaligen Songs zu veröffentlichen. Die Pause hat uns gut getan, hat uns reifer gemacht und wir sind bessere Musiker geworden. Jetzt waren wir bereit diesen Schritt zu gehen und es war das Beste, was wir machen konnten.
José: Vorher standen wir auch auf eher düstere Musik. Beim Jammen für das Album haben wir dann eher Songs gespielt, die schneller und insgesamt etwas leichter in ihrer ganzen Art waren. Musikalisch ist definitiv etwas in all der Zeit bei uns passiert. Sonst waren wir immer etwas melodramatisch und langsam. Daher war es verlockend eine positivere Platte zu machen.

Menschen verändern und entwickeln sich natürlich über einen bestimmten Zeitraum. Inwiefern habt ihr euch zwischen den EP's und dem jetzigen Album als Musiker weiter entwickelt?
Tobias: Ich würde sagen, wir haben uns viel weiter entwickelt. José hat viel Erfahrung gesammelt als er seine Solo-Touren gemacht hat. Ich selbst habe auch in verschiedenen Bands gespielt und war solo unterwegs. Wir sind, was unsere Spielfähigkeiten angeht, besser geworden. Ich bin nun sicherer auf den Instrumenten und das wirkt sich auf der Bühne und die Arbeit im Studio aus. Wir haben die Songs schließlich selbst aufgenommen, was eine großartige Erfahrung war.
José: Ich habe mich in all der Zeit mehr an die Bühne gewöhnt. Ich bin immer sehr statisch in meinem Ausdruck als Solo-Künstler. Mit der Band im Rücken bin ich lockerer. Ich glaube, ich habe mich künstlerisch gesehen aber nicht so viel verändert. Jedenfalls leider nicht zum Besseren (lacht). Es ist nur anders. Der einzige Gegensatz, der mich als Musiker hat wachsen lassen, ist der, dass ich sowohl solo als auch mit einer Band arbeiten kann. Auf Tour mit Zero7 waren die Erfahrungen ähnlich wie die mit zusammen mit Junip. Hätten wir vor 5 oder 10 Jahren ein Album veröffentlicht, hätte es wahrscheinlich sehr anders geklungen. Wahrscheinlich wäre es auch nicht besonders gut gewesen (lacht). Wir haben zwar als Trio aufgenommen, aber haben live zusätzliche Musiker mit dabei. Wir wussten bei den Aufnahmen genau was wir wollten, damals waren wir in dieser Hinsicht unsicherer. Auch was die Produktion allgemein angeht.

Tobias, du hast gesagt, dass eure ersten musikalischen Schritte als Junip langweilig waren. Nun seid ihr allem Anschein nach zufrieden und stolz auf das Album. Kannst du den Weg dahin beschreiben?
Tobias: Damals sind wir drei zusammen gekommen und haben stundenlang gejammt und dann die Songs aufgenommen. Anschließend hatten wir so viel Material, dass wir die besten Stücke herausgegriffen haben. Wir hatten einfach zu viel Musik zur Auswahl, aber nichts davon hat unseren Ansprüchen wirklich genügt. Jetzt haben wir durch die neuen Songs ein viel sicheres Gefühl bekommen, was Songs angeht. Die eigenen Erwartungen haben sich über Zeit hinweg geändert. Wir sind viel selbstbewusster geworden. Bei den jetzigen Aufnahmen hatten wir nur noch zehn überschüssige Songs. Wir sind auch sehr bedacht bei der Auswahl für Album vorgegangen. In all den Jahren waren wir das erste Mal wirklich zufrieden mit Ergebnis.

Hat euch die neu gewonnene Sicherheit bezüglich der Song-Ideen dazu bewogen bei den Aufnahmen besonderen Wert auf die perfekte Umsetzung zu legen oder war das Gegenteil der Fall?
Tobias: Oh, wir sind trotz der guten Ideen manchmal sehr wählerisch gewesen, was den Sound angeht. Ich kann stundenlang an Synthesizer-Sounds arbeiten, um sie perfekt zu machen. Manchmal wussten wir von Anfang an, dass unsere Entscheidung bezüglich des Sounds richtig war und haben es dabei belassen. "Der nächste Song, BITTE!" (lacht), Wir sind beide Wege gegangen, man kann eine gute Idee so schnell kaputt machen, wenn man zu lang an ihr arbeitet. Ich mag es Songs etwas Ruhe zu gönnen, sie ein paar Tage oder auch ein paar Wochen nicht anzurühren. Dann höre ich sie mir wieder an. Es hat fast zwei Jahre gedauert das Album zu machen. Wir sind wohl so etwas wie kleine Perfektionisten. Jetzt nach zwei Monaten habe ich das Album wieder angehört. Nachdem wir an seiner live Umsetzung auf Bühne gearbeitet haben, klingt alles schon wieder etwas anders. Ich denke mir, irgendwas winziges fehlt...(lacht) Ich wollte lieber nicht zu genau hinhören. Es ist sowieso zu spät um etwas zu verändern.

Warum habt ihr euch entschieden nach zwei EP's ein Album und z.B. keine Reihe von EP's zu veröffentlichen? War das zu keinem Zeitpunkt eine Option?
Tobias: Das ist eigentlich eine gute Idee. Jetzt, wo du das erwähnst, klingt der Gedanke gar nicht so abwegig. Vielleicht ist da etwas dran. Ich mag das Format der EP. Es ist eine gute Länge, um Songs wirklich in sich aufzunehmen. Ein ganzes Album ist meist zu lang, um sich auf alles zu konzentrieren. Man braucht öfter eine Pause. Uns hätte diese Idee mit den EP's etwas eher kommen sollen. Darauf sind wir gar nicht gekommen (lacht). Wir wollten zunächst auch nicht noch eine zweite EP vor dem Album rausbringen, aber unser Management fand die Vorstellung gut, um die Vorfreude auf das Album zu schüren. Wer weiss, vielleicht machen wir vor dem nächstem Album noch eine EP!
José: Ich bin eher ein Liebhaber von richtigen Alben. Es macht auch mehr Sinn diese zu promoten als einzelne Singles oder EP's. Ich mag zwar das Format von EP's, aber kommerziell gesehen, ist es immer schwieriger für Künstler, weil EP's oftmals nicht einmal Erwähnung in Musikmagazinen finden. Für mich sind 40 Minuten und 10 Songs, die ein Album im Durchschnitt hat, einfach sinnvoller. Ich habe als Solokünstler einige EP's gemacht und weiss, dass Fans das sehr mögen, weil es für sie einfacher ist auf diesem Weg auf Musik zuzugreifen und sie zu konsumieren. Es hat sich vieles auf diesem Gebiet geändert. Gerade jetzt, wo alles digitaler wird, ist es natürlich verlockend Schritt für Schritt Musik zu veröffentlichen und keine zwei Jahre zu warten bis ein ganzes Album fertig ist. Trotzdem ist es immer noch so, dass Plattenfirmen darauf aus sind, dass Künstler vorrangig Alben aufnehmen. Wir wollen in Zukunft weiterhin ab und an EP's veröffentlichen, aber nicht vorschnell agieren. Wenn wir neues Material haben, dann werden wir es sicherlich auch noch einmal in EP-Form rausbringen.

Mittlerweile geht die Tendenz immer öfter dahin EP's oder auch einzelne Songs als Vorgeschmack auf richtige Alben kostenlos im Internet zu veröffentlichen. Sobald Songs fertig sind, haben Fans oft Gelegenheit sich diese anzuhören. Eure neue EP "Rope and Summit" ist ebenfalls kostenlos erhältlich. Was war der Beweggrund dafür?
Tobias: Ich finde es toll Musik auf diese Weise schnell für die Fans zugänglich zu machen. Viele Leute kennen uns noch nicht, da ist dieser Weg eine gute Möglichkeit unsere Musik bekannter zu machen, indem sie als Download angeboten wird. Wenn es möglich ist und kein zu großer finanzieller Verlust damit einher geht, sollte jede Band so etwas machen. Solche Dinge üben immer eine Anziehung auf Musikliebhaber aus. Magst du die EP, magst du eventuell auch das Album und wirst neugierig darauf gemacht.

Sind die Songs der "Rope and Summit" EP und die des Albums alle zur selben Zeit entstanden?
Tobias: Ja, alle sind gleichzeitig entstanden. Es gab lange Diskussionen, welche Songs auf die EP und welche auf das Album kommen sollten. Die Entscheidung hat fast zwei Wochen gedauert. Es ist gar nicht so einfach. Sollen alle schlechteren Songs auf die EP? Nein, das konnten wir nicht machen. Immerhin ist das doch der erste Eindruck! (lacht) Wir mussten versuchen eine Balance zu finden und haben uns Meinungen von ausserhalb eingeholt. Nun sind wir zufrieden damit...hmm, fast zufrieden. Ich kann mich einfach nicht entscheiden! (lacht)

Die Arbeit an "Fields" hat zwei Jahre in Anspruch genommen. Habt ihr die Zeit und die Tatsache genossen euch nach euren Soloprojekten allein auf dieses eine Projekt konzentrieren und den Fokus wieder auf die gemeinsame Arbeit zu legen nachdem ihr ein paar Jahre nicht zusammen aktiv wart?
Tobias: Ja, das haben wir. Wir hatten allgemein eine sehr konzentrierte Arbeitsweise, bei der wir stundenlang Songs geschrieben. Dann war es irgendwann eine traumähnliche Atmosphäre, wo alles schnell voran ging. Manchmal entstanden zwei Songs an einem Tag. Dann wiederum gab es Phasen, wo wir etwas fauler waren. Beide Zustände wechselten sich fast periodisch ab, aber alles hat sich toll angefühlt. Es gab auch einen Monat lang eine Ruhephase, wo nichts passiert ist. Es gab also Auf und Ab's. Beim Mixen haben wir dann festgestellt, dass wir noch an bestimmten Dingen arbeiten mussten und dadurch hat sich einiges in die Länge gezogen, die aber nötig war, um das Ergebnis so gut wie möglich zu machen.
José: Ich wollte, dass wir schnell arbeiten, aber manchmal war es doch ein langwieriger Prozess. Ich habe mir zum Beispiel sehr viel Zeit bei den Texten gelassen.

Ihr seid alle seit vielen Jahren befreundet und teilt eine gewisse musikalische Verbundenheit miteinander. Hatte das positive Auswirkungen auf eure Zusammenarbeit?
Tobias: Ja sehr sogar. Wir sind alle sehr gut aufeinander eingestellt und beim Zusammenspiel läuft vieles ganz automatisch, aber trotzdem natürlich ab. Wir kennen uns einfach zu gut und wissen genau, was zusammen passt. Ich war vorher in vielen anderen Bands aktiv, aber in keiner anderen Band so lange. Man merkt Unterschied beim Arbeiten. Selbst, wenn wir Ruhephasen hatten und dann wieder zusammen kamen, war das alles kein Problem für uns.
José: Als wir 2008 wieder zueinander gefunden haben, war das ein sehr natürlicher Prozess. Es war vom Gefühl her so, als ob wir fast nahtlos an 2005 angeknüpft hätten . Live sind nun zwei weitere Mitglieder dabei. Das ist auch interessant, denn man kennt sich nicht so gut und gleichzeitig erweitern neue Leute das Bild immer ungemein.

Ihr habt das Album teilweise selbst produziert. Weiss man als Künstler immer selbst, was am besten für die Songs ist oder ist Hilfe von ausserhalb nicht manchmal doch hilfreich?
José: Nein, als Künstler weiss man auf keinen Fall immer, was das Beste für die eigene Musik ist. Von ausserhalb kann leicht der Eindruck entstehen, dass das so sein muss, weil man die Songs schließlich schreibt, aber ich würde dem nicht unbedingt zustimmen. Don Alsterberg, der Co-Produzent unserer Platte, hat uns wegweisende und gute Tipps gegeben, vor allem was die Spielweise auf manchen Songs anging. "Spielt schneller, mehr Groove!" Er war wie ein Trainer im Studio! (lacht) Nach einer langen Zeit im Studio können solche Vorschläge sehr nützlich sein, weil man so geblendet ist oder man kann sich gegenseitig in der Band nicht so offenherzig sagen, was einem gefällt oder nicht gefällt. Da ist ein Aussenstehender, der das übernimmt, hilfreich. Wie gesagt, kennen uns schon sehr lange, da sollte das einfach sein, aber in einer Band schlüpft man schnell in seine Rolle und dann kann es hier und da schwierig werden. In manchen Situationen funktioniert es ohne Probleme, andere Male kann es einem persönlich schwerer fallen schonungslos offen miteinander umzugehen. Wir sind auf sozialer Ebene wohl nicht sonderlich begabt (lacht). Trotzdem weiss jeder von uns genau, was er will.

José, ist nun die Zeit gekommen, um sich allein auf Junip zu konzentrieren und deine Soloarbeit ruhen zu lassen?
José: Ja, das ist der Plan. Ich mache nur noch sehr, sehr wenige Solo-Sachen momentan. Das ganze nächste Jahr oder noch länger werde ich mich nur Junip widmen.

Eure Musik wird des öfteren als "Dark Pop" beschrieben. Sie hat dennoch einen besänftigenden, tröstenden Charakter bei dem es stets so scheint, als ob Hoffnung ein wichtiges Element im einzelnen Song ist.
José: Ja, der hoffnungsvolle Gedanke scheint immer wieder durch und wir gestalten unsere Songs bewusst so, dass sie diese Wirkung beim Hörer erzielen. Es ist sehr wichtig, dass man am Ende des Songs nicht den Kopf hängen lässt, sondern stattdessen wieder neuen Mut schöpft. Wir wollten es vermeiden eine Stimmung zu erzeugen, die zu düster ist. Ich mag es aber, wenn die Texte etwas mehr in diese dunkle Richtung gehen während die Musik etwas positiver gestimmt ist. Besonders die ersten beiden Songs des Albums und auch die Songs der EP sind nicht so getragen und strahlen etwas Positives aus.

02.08.2010 // annett
 

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