Souterrain TransmissionsInterview mit Krista Schmidt
Was bringt eine junge Frau dazu ihre Koffer zu packen, ihrer Heimat Chicago für immer den Rücken zuzuwenden und nach Berlin zu ziehen? Die große Liebe oder Midlife-Crisis? Falsch! Sie will ein Recordlabel gründen und Bands ihres amerikanischen Zuhauses eine Plattform in Europa bieten? Richtig! Das Wagnis hat sich gelohnt und mit Unterstützung ihres Freundes Christof Ellinghaus hat Krista Schmidt mit Souterrain Transmissions ein Independentlabel etabliert, welches im familiären Rahmen ein gutes Release nach dem anderen hervorbringt. Von wegen „ein Ideal bleibt ein Ideal“ – namenhafte Künstler wie CocoRosie und Laura Gibson haben bei den Wahlberlinern nun ihr zu Hause gefunden. Warum gerade Berlin und warum Vinyl doch immer noch besser als mp3 ist, die Labelinhabern hat Rede und Antwort gestanden.
Wann hattest du die Idee Chicago zu verlassen und Souterrain Transmissions in Berlin aufzubauen?
Ich habe vierzehn Jahre bei Touch and Go Records gearbeitet und habe dort das „International Department“ geleitet, welches sich hauptsächlich auf den europäischen Markt konzentriert hat. Als Touch and Go dann seine Pforten schloss und alle Mitarbeiter arbeitslos waren und ich wiederum über meine Zukunft nachgedacht habe wusste ich, dass mein nächstes Ziel Europa werden würde. Ich war schon immer „europhil“ und mein Ziel war es nach Berlin zu ziehen. Die Pleite von Touch and Go gab mir somit die Chance diesen Traum in die Tat umzusetzen. Christof Ellinghaus und ich hatten beide die selben Ideen und Visionen bezüglich eines europäischen Labels, welches nordamerikanische Bands umsorgen sollte. Die großartige und fantastische Idee war also geboren und es gab kein zurück mehr. Nachdem ich mein ganzes erwachsenes Leben in der Indiewelt verbracht habe, auch mit dem Wissen wie schwierig es nordamerikanische Bands in Europa haben, hat diese Idee einfach Sinn gemacht. Nun darf ich nicht nur in der schönsten Stadt Europas arbeiten, sondern veröffentlich auch Platten von Bands, die ich liebe. Wie glücklich kann ein Mädchen sein?
Seit Jahren existiert ja schon dieser Berlin-Hype. Ist Berlin gut geeignet als Sitz eures Labels?
Um ehrlich zu sein glaube ich, dass man heutzutage überall in der Welt ein Label aufbauen kann. Es ist wohl eher eine persönliche Sache und wichtig, wo man Inspiration findet. Berlin ist eine Stadt voller Leben und einer unvorstellbaren Energie und hier finde ich eben meine Inspiration. Für mich persönlich ist das also der beste Ort.
Wenn man sich euer Roster anschaut sieht man, dass ihr genreübergreifend arbeitet. Wie kommt es zu der Zusammenarbeit? Seit ihr alle alte Freunde oder nimmt man hier als Fan seine Lieblingsband unter Vertrag?
Wenn wir eine Band unter Vertrag nehmen machen wir dies nicht, weil wir denken, dass sie bald einen wahnsinnigen Erfolg haben könnten. Unsere Vision ist es ein Label aufzubauen mit qualitativ hochwertiger Musik und Künstlern, an die wir wirklich glauben. Für mich ist es sehr wichtig, dass zwischen Künstlern und Label Vertrauen und eine gute Beziehung steht. Wir sind alle verrückte Musikliebhaber. Das ist alles was wir wissen. Wir haben Leidenschaft für unsere Bands. Daher haben wir keine Regeln, nach denen wir unsere Bands unter Vertrag nehmen. Wir nehmen die Künstler unter Vertrag, die wir lieben und wo wir uns sicher sein können, dass wir zu 100% hinter ihnen stehen. Es gibt also keine perfekte Formel. Ich halte nichts von Genres – das ist viel zu langweilig!
Welches war euer erfolgreichstes Release und welches war für euch persönlich am erfolgreichsten?
Ich muss sagen, dass CocoRosie die erfolgreichste Veröffentlichung war. Persönlich für mich war das aber Musee Mecanique. So eine unglaublich gute Band, wir können es nicht abwarten, bis der Rest von Europa diese Musiker kennenlernt.
Eure Künstlerauswahl ist im Vergleich zu anderen Indielabels doch recht klein. Liegt optimale Betreuung in eurem Interesse oder denkt ihr an Zuwachs?
Unser Label wächst stetig. Viele andere Indielabels gibt es schon länger und die hatten daher schon die Möglichkeit sich ein größeres Roster aufzubauen. Wir sind gerade in diesem Aufbauprozess. Wir wollen aber auch nicht einfach Bands unter Vertrag nehmen nur um ein großes Roster zu haben. Wir nehmen uns einfach Zeit und veröffentlichen nur Platten von den Künstlern, die wir lieben. Ein paar Bands, auf die wir ein Auge geworfen haben sind: Zola Jesus, Twaeak Bird, All The Saints, Shugo Tokumaru und Annuals – aber da werden noch mehr dazukommen.
Mp3’s und CDs sind praktisch, keine Frage – aber wie sieht es mit dem guten, alten Vinyl aus?
Ich liebe Vinyl! Obwohl Vinyl nicht so unkompliziert, wie zum Beispiel Mp3s sind, hat eine Schallplatte für mich so etwas befriedigendes. Ich akzeptiere Mp3s und besitze auch welche, aber das Gefühl, wenn man eine Schallplatte aus dem Sleeve zieht und auflegt, das ist einzigartig. Ich glaube Vinyl ist dieses eine Format, das nie vergehen wird. Da hat sich das ein bisschen so, wie mit Metal. Man denkt, dass dieses Genre so langsam ausläuft und dann gibt es doch wieder ein großes Comeback.
Inwiefern hatte die Krise der Musikindustrie Auswirkungen auf euer Label?
Ich glaube eigentlich nicht an eine Krise, sondern eher an den Wechsel der Musikgenerationen. Wir haben es jetzt mit einem neuen Musikkonsumenten zu tun. Der Schlüssel zum Erfolg ist sich eben diesem anzunehmen. Die Zeiten ändern sich eben und es wichtig sich auch zu verändern um zu überleben. Labels wurden ja schon immer gezwungen sich neu zu definieren und zu entwickeln und ich glaube, dass ist eigentlich keine schlechte Sache.
Zu guter Letzt: Wer hat den Namen hervorgebracht und warum?
Fred Schmidt





















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