Frightened RabbitInterview mit Scott Hutchison
Im Interview vor dem Abschlusskonzert ihrer ersten Headliner Tour in Deutschland bekennt sich ein sichtlich entspannter und gut gelaunter Scott Hutchison zu seiner Liebe zur Popmusik, plaudert über den merklich gewandelten Sound auf ihrem aktuellen Album „The Winter Of Mixed Drinks“ und freut sich über das mittlerweile entspanntere Verhältnis zum NME.
Hi Scott, du hast gesagt, dass „Swim Until You Can’t See Land“ der Leitgedanke vor Beginn der Aufnahmen des neuen Albums war. Es ist der Titel der ersten Single und der Refrain taucht beispielsweise auch in „Man / Bag Of Sand“ wieder auf. Offensichtlich ist das der rote Faden, der sich durch das gesamte Album zieht?
Ja, auf jeden Fall. Das war der Ausgangspunkt und bevor ich überhaupt angefangen habe, eine Note zu Papier zu bringen, hatte sich dieser Satz in meinem Kopf festgesetzt. Das Album erzählt eine bestimmte Geschichte einer Person von Anfang bis Ende und diese Phrase war in gewisser Hinsicht der Beginn der ganzen Story.
Passend dazu scheint auch „das Meer“ eine sehr starke Metapher zu sein, die omnipräsent ist?
Das hängt wohl damit zusammen, dass ich den größten Teil der Songs in einem kleinen schottischen Küstenstädtchen (Crail- Anm. d. Red.) geschrieben habe. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie zuvor am Meer gelebt, das war sehr inspirierend und hatte definitiv einen großen Einfluss auf mich.
Im Gegensatz dazu ist das neue Album „The Winter Of Mixed Drinks“ betitelt. Was hat es damit auf sich?
Das kommt daher, weil ich der Meinung war, diese „Meer“ Metaphorik zur Genüge ausgereizt zu haben. Daher wollte ich den Titel des Albums in einen ganz anderen Kontext stellen. Es geht ja im Wesentlichen darum, sich selbst zu verlieren, etwas hinter sich zu lassen oder sich einfach treiben zu lassen. Das sind ja alles Gefühlszustände, die sich auch nach dem Genuss einiger Drinks einstellen können und das wollte ich mit diesem Titel universeller, eben losgelöst von der „Meer“ Szenerie ausdrücken.
(In dem Moment wird sinnigerweise frisches Bier Backstage gereicht, dem wir gern zusprechen)
Es ist ja ziemlich offenkundig, dass TWOMD im Vergleich zu „ The Midnight Organ Fight“ deutlich offener, klanggewaltiger und man könnte fast schon behaupten optimistisch klingt. Ist der einzige Grund für diesen Wandel, dass du dieses Mal keine gescheiterte Beziehung verarbeiten musstest?
Das ist in der Tat der Hauptgrund. Seit der Veröffentlichung von TMOF hat sich viel getan in meinem Leben und man kann sagen es ist eindeutig besser geworden! Ich bin viel rumgekommen auf der Welt, habe eine Menge interessante Menschen kennen gelernt und kann jetzt auch von meiner Musik leben. Das war vorher nicht der Fall. Alles läuft einfach wunderbar und das spiegelt sich natürlich auch in der Grundstimmung der Platte wider.
In einigen deutschen Reviews wird kritisiert, der neue Sound sei fast schon zu ausladend und ihr habet euch gar in die Richtung von Stadionrockern wie U2 und Coldplay entwickelt. Was denkst du über derartige Vergleiche?
Das ist doch großartig! Es war ja genau meine Absicht so ein Album zu machen, alles sollte größer und gewaltiger klingen. Ich wollte mich auf keinen Fall wiederholen und ein zweites TMOF schreiben. Der Sound sollte deutlich über das was man auf dem letzten Album hören konnte hinausgehen und sich in eine ganz neue Richtung weiterentwickeln. Ich denke das ist mir gelungen und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Wenn manche Leute meinen, wir seien bei dem ein oder anderen Stück vielleicht ein bisschen zu weit gegangen, kümmert mich das ehrlich gesagt nicht!
In einem Interview hast du mal gesagt, ihr wäret keine „Singles“- Band, normalerweise stehe eher das Album als Gesamtwerk im Vordergrund. Nun habt ihr mit „Swim Until You Can’t See Land“ bereits großen Erfolg gehabt und als nächstes werdet ihr mit „Nothing like you“ einen richtigen Uptempo Ohrwurm inklusive zweier verschiedener Videoversionen veröffentlichen. Wollt ihr diesmal unbedingt auf Nummer sicher gehen, dass die Platte die Aufmerksamkeit bekommt, die sie eurer Meinung nach verdient?
Nun ja, ich glaube zwar immer noch nicht, dass wir die klassische Single- Hit Band sind, trotzdem haben wir schon immer versucht eingängige Songs zu machen. Ich liebe einfach Popmusik, und mag es nicht, wenn man zu versnobt ist und diese Art von Musik für nicht intellektuell genug hält. Popmusik zu machen ist ja nichts, wofür man sich schämen müsste!
Vielleicht, ja nur vielleicht haben wir uns ja wirklich schleichend zu einer Popband gewandelt, aber das ist vollkommen o.k. so.
Auf dem Album benutzt ihr eine Reihe von Samples. Würdest du uns verraten woher sie stammen?
Na klar. Es gibt eine Menge Künstler, vor allen Dingen auf unserem Label Fat Cat, die überhaupt kein Problem damit haben von uns gesampled zu werden. Da kann man The Twilight Sad beispielsweise nennen, oder auch die großartigen Our Brother The Native. Dann sind da noch Frog Eyes, eine befreundete kanadische Band. Es gibt aber auch ein paar Samples, da würde ich lieber nichts riskieren (muss lachen). Auf jeden Fall haben wir uns aber auch selbst gesampled.
In der Vergangenheit hast du dich beschwert, dass Ihr keine NME typische Band seid. Kannst du erklären inwiefern, denn die Besprechung von „The Winter Of Mixed Drinks“ war nicht wirklich schlecht, geradezu versöhnlich in meinen Augen.
Ja, der NME ist uns in der Tat wohlwollender gesonnen im Moment. Man kann ja auch nicht sagen, dass sie in der Vergangenheit richtig mies uns gegenüber waren, trotzdem halte ich ihn immer noch nicht für ein besonders gutes Magazin. Ich lese ich ihn nicht und werde das auch in Zukunft nicht tun! Der NME hat nun mal einfach seinen festen Platz in der Musiklandschaft und ich bin froh darüber, dass die Leute dort nun auch anfangen uns zu unterstützen. Davon ab kenne ich ein paar Leute, die da schreiben und weiß, dass sie schon immer Fans von uns waren, daher ist das Verhältnis völlig entspannt.
Ihr seid ja recht Internet affin, ihr alle „twittert“ und eure Website wurde auch gerade erst relaunched. Hier in Deutschland gibt es eine breit gefächerte Independent Musik Blogger Szene die nicht so von musikalischen „Instanzen“ wie dem NME geprägt ist. Was denkst du im Allgemeinen darüber, dass sich Musikjournalismus mehr und mehr ins Internet verlagert?
Oh, das ist eine interessante Frage, die nicht ganz so einfach zu beantworten ist. Sicher muss man diese Entwicklung von zwei Seiten aus betrachten. Einerseits ist diese ganze Blogger Szene und auch die Aggregatoren wie Hypemachine, speziell in den USA, sehr hilfreich für Bands, die noch am Anfang stehen, um die nötige Popularität zu erreichen. Aber auf der anderen Seite will plötzlich jeder eine Meinung haben und diese ist leider nicht notwendigerweise gut geschrieben oder durchdacht. Das ist meiner Meinung nach das Hauptproblem, wobei ich nicht sagen will, dass das in Musik Printmedien zwingend anders ist.
Man könnte sage, dass ihr die Speerspitze der neuen schottischen Indierock Bewegung seid, wobei man sicherlich die Jetpacks und The Twilight Sad nicht vergessen darf. Kannst du dir erklären woran es liegt, dass die Akzeptanz gerade in den USA so groß ist, was ja keine Selbstverständlichkeit für UK Indie Bands ist?
Was uns betrifft, hängt das mit Sicherheit damit zusammen, dass wir hart dafür gearbeitet haben und immer wieder dort getourt sind. Hier in Europa ist das ja erst unsere erste, wenn auch kleine Headliner Tour und wir stehen noch ganz am Anfang, aber in den Staaten ist es bereits unsere sechste und diese Anstrengung zahlt sich einfach irgendwann aus. Wir haben ja nie erwartet es dort über Nacht zu schaffen, am Anfang waren es auch nur durchschnittlich 20 Zuschauer am Abend , aber nach und nach wurden wir immer bekannter und die Zuschauerzahlen stiegen kontinuierlich. Und das ist auch genau das, was wir hoffen hier zu schaffen, daher werden wir auf jeden Fall immer wiederkommen und versuchen unsere Fangemeinde stetig zu vergrößern.
Was hältst du von den deutschen Fans im Vergleich zu denen in den Staaten?
Ich kann noch nicht viel über die deutschen Fans sagen, aber die vergangenen zwei Konzerte waren großartig, das Publikum sehr euphorisch, lautstark und wir haben ein super Feedback bekommen. Was die Staaten angeht, fühlen wir uns nirgends heimatnäher. In Städten wie Chicago oder NY ist der Zuspruch einfach unglaublich. Es ist schon komisch an Orten soweit weg von zu Hause zu spielen und sich dabei so willkommen, fast heimisch zu fühlen. Das ist das Beste was einem als Musiker passieren kann.
Ihr habt gerade in Texas das SXSW gespielt. Wie war das für euch, schildere uns doch mal ein paar Eindrücke.
Für uns war es in erster Linie unglaublich anstrengend. Wir haben an vier Abenden gespielt, acht Shows und dazu noch fünf oder sechs Radio Sessions. Wir wollten einfach sicherstellen, dass uns so viele Leute wie möglich hören. Das ist denke ich ist das Entscheidende, wenn man zu so einem Riesenfestival fährt. Es war jedenfalls keine entspannte Urlaubsreise, wirklich sehr ermüdend. Wir wussten nicht, was uns dort erwartet, aber alles in allem haben wir es trotz all der Anstrengungen sehr genossen und Zeit für n paar Margheritas war auch immer noch übrig.
Jetzt sind wir auch schon bei meiner letzten Frage angelangt. Ihr habt mittlerweile einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt. Ist nun das Ende der Fahnenstange erreicht, oder welche Ziele wollt ihr in naher Zukunft noch erreichen?
Hauptsächlich will ich einfach nur weiter Alben machen und unseren Sound ständig weiterentwickeln und nicht stagnieren. Das nächste Album soll wieder komplett anders werden als TWOMD. Das wird meine nächste große Herausforderung, auf die ich mich schon sehr freue. Momentan habe ich aber noch nicht mit den Arbeiten an neuen Songs begonnen, aber im Laufe des nächsten Jahres kann man hoffentlich schon mit der nächsten Veröffentlichung rechnen.





















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