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Los Campesinos!

Am Rande ihrer kurzen Stippvisite in Deutschland hatten wir Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Waliser Septett Los Campesinos!. Im Interview klären sie uns auf, ob sie mit ihrem dritten Studioalbum „Romance Is Boring“ nun das Ende der Spaßgesellschaft einleiten wollen.


Zuerst einmal möchte ich sagen, dass euer Output wirklich enorm ist! Zählt man „We Are Beautiful! We are Doomed!“ als vollwertiges Album, so ist „Romace Is Boring“ nunmehr schon eure dritte Veröffentlichung innerhalb der letzten zwei Jahre. Wollt ihr diesen hohen Release Level auch in Zukunft weiter aufrecht erhalten, oder ist es jetzt langsam mal an der Zeit es etwas ruhiger angehen zu lassen?
Ich denke alles was wir tun können, ist das Maß zu finden, mit dem wir gut leben können. Wir haben uns nie zu sehr gehetzt, sondern stattdessen einfach immer dann aufgenommen, wenn es das Touren oder auch unsere Inspiration gerade erlaubt haben. Wir mögen es einfach immer irgendwie „busy“ zu sein und neue Musik zu schaffen, allerdings könnten wir das nicht, wenn wir uns in irgendeiner Art dazu gezwungen fühlten. Sollten wir wirklich mal eine Pause einlegen, und oftmals scheint das eine wirklich verlockende Option zu sein, wüsste ich gar nicht womit wir dann unsere Zeit verbringen sollten.

Es scheint, als wolltet ihr auf dem neuen Album euer Fun/ Tweepop Image ein wenig hinter euch lassen. „In Medias Res“ zum Beispiel behandelt das Thema Tod und auch in“ The Sea Is A Good Place to Think Of The Future“ hören wir ungewöhnlich melancholische Töne. Ist das der normale Prozess des Erwachsenwerdens, oder gab es einen besonderen Anlass, der euch reflektiver, ja vielleicht sogar trauriger hat werden lassen?
Es ist eigentlich nie eine bewusste Entscheidung gewesen irgendetwas hinter uns zu lassen. Ich würde eher sagen das war eine natürliche Weiterentwicklung, die wir als Songwriter zwangsläufig durchgemacht haben. In dem Maße in dem wir uns von reizbaren Studenten zu Erwachsenen gewandelt haben, hat sich auch unsere Musik an Profil gewonnen. Das sind ganz natürliche Veränderungen. Ich würde auch in Frage stellen, dass eher pessimistische Thematiken ausdrücklich neu sind. Ich denke Herzschmerz und Angst waren durchaus schon Themen, die von Anfang an in unseren Texten präsent waren. Jede „extra“ Traurigkeit ist nur auf die Erfahrungen zurückzuführen, die ich seitdem gemacht habe, eine Anpassung daran, wie ich die Welt jetzt sehe

Ich habe irgendwo gelesen, du schämst dich heutzutage sogar ein wenig für die Lyrics aus“Hold On Now,Youngster“ Zeiten?
Das stimmt, aber dabei handelt es sich vor allem um Songs, die dann letztlich gar nicht auf HON,Y veröffentlich worden sind. Zu der Zeit war ich noch viel zu verbissen was das Songwriting anging und wollte unbedingt versuchen genau das zu erraten was die Leute hören wollen. Heute verspüre ich keine Notwendigkeit mehr dazu und schreibe einfach ehrlich darüber was mich bewegt.

Man könnte sagen, nicht nur die Themen, die ihr behandelt sind „düsterer“ geworden, auch der Sound hat sich doch merklich gewandelt. Er ist deutlich rauer geworden und es lassen sich Einflüsse amerikanischer Gitarrenbands wie Pavement oder Guided By Voices heraus hören.
Die von dir genannten Bands haben uns eigentlich von Anfang an stark beeinflusst und meiner Meinung nach ist ihr Einfluss auf „Romance is boring“ auch nicht präsenter als zuvor. Ich denke der veränderte Sound lässt sich eher auf unsere Entwicklung als Musiker und die Musik die wir seit Gründung der Band gehört haben, zurückführen. Der Einfluss der Bands, mit denen wir auf Tour waren hat sicherlich auch eine große Rolle gespielt. Das schlimmste was eine Band machen kann, ist ihren „Sound“ zu finden und zu versuchen sich darin zu begraben.

Ihr seid ja in der glücklichen Situation durch euren wirklich empfehlenswerten Blog einen sehr engen Kontakt zu eurer Fanbase zu haben. Man könnte beinahe von einer Art Community sprechen. Die Reaktionen eurer Fans auf den Pre-Album Song „There Are Listed Buildings“, den ihr dort online gestellt hattet, waren dementsprechend so gut, dass ihr was die Albumveröffentlichung angeht eigentlich von vornherein auf der sicheren Seite wart. Was wäre denn passiert, wenn sich bereits im Vorfeld abgezeichnet hätte, dass das neue Material überwiegend negativ aufgenommen worden wäre, immerhin sind es ja zu einem Großteil potenzielle Albumkäufer, die den Blog verfolgen?
Ich weiß nicht, ob man das unbedingt eine “glückliche Situation “ nennen kann. Sicherlich sind wir froh in einer Zeit zu leben, in der wir die Möglichkeit haben so direkt mit unseren Fans kommunizieren zu können, aber das sind Möglichkeiten die heutzutage grundsätzlich auch jeder anderen Band zur Verfügung stehen. Die Tatsache, dass wir, wenn du es so nennen willst, solch eine Community haben ist zu einem großen Teil sicherlich der Bereitschaft unserer Fans zu verdanken (wofür wir natürlich unendlich dankbar sind), aber andererseits haben wir auch die entsprechenden Anstrengungen unternommen die Möglichkeiten des Web 2.0 Zeitalters effektiv zu nutzen. Ich bin wirklich überrascht, dass es nicht viel mehr Bands ebenso machen.
Und was die Reaktionen der Leute auf unsere Musik angeht, kann man natürlich sagen, dass wir schon bemüht sind, die Fans nicht zu enttäuschen, allerdings darf man sich als Songwriter davon nicht allzu sehr leiten lassen. Sollte das Ergebnis dann mal nicht den Geschmack der Leute treffen ist das zwar keineswegs beabsichtigt, aber das wichtigste ist doch sich selbst treu zu bleiben und daran zu glauben was man ehrlich geschaffen hat.

Ein anderer wichtiger Aspekt über den ich gern sprechen möchte, ist die Tatsache, dass Aleks die Band verlassen hat und durch Gareths Schwester Kim ersetzt worden ist. Ihr habt ja stets betont am besten als ein harmonisches Kollektiv zu funktionieren. War es sehr schwierig mit ihrem Ausstieg fertig zu werden oder verlief Kims Integration völlig reibungslos?
Wir wussten ja immer, dass es Aleks’ Wunsch war irgendwann wieder an die Universität zurückzukehren, daher war ihre Entscheidung für uns kein wirklicher Schock mehr, obwohl es sicherlich angenehmere Nachrichten gegeben hätte. Kims Einstieg hätte allerdings nicht reibungsloser ablaufen können. Alles klappte so wunderbar, dass es mir schwer fällt überhaupt noch mehr zu diesem Thema zu sagen.

In dem Kontext, hast du oder irgendjemand sonst aus der Band auch schon mal mit dem Gedanken gespielt ebenso wie Aleks die Band zu verlassen und zurück an die Universität zu gehen?
Ich kann zwar hier nicht für die anderen sprechen, aber für mich war das nie ein Thema. Die Universität läuft einem ja nicht weg und sollte es irgendwann mit der Band einmal zu Ende sein, ist noch genug Zeit wieder dorthin zurück zu kehren und mein Studium fortzusetzen

Ihr seid ja bekannt dafür, eine kraftvolle und sehr energetische Liveband zu sein und die Reaktionen seitens der Presse auf euren Eurosonic Auftritt Anfang des Jahres waren ziemlich überschwänglich, so dass ihr sicherlich einige der anwesenden Festivalbooker auf euch aufmerksam gemacht haben werdet.
Besteht die Chance euch im Sommer auch auf deutschen Festivalbühnen zu sehen?

Das Eurosonic Festival war wirklich seltsam dieses Jahr. Wir hatten eine Menge Probleme mit unserem Equipment und der Strom fiel auch noch aus. Darüber hinaus war der ganze Konzertraum voll mit Leuten aus der Musikindustrie und diversen Festival Bookern, sodass keine rechte Stimmung aufkam. Es fehlte schlicht die Begeisterung und der Enthusiasmus, der einem von Leuten entgegengebracht wird, die einfach nur kommen um die Musik zu genießen und nicht um auszuloten, ob man wohl gut ins Lineup „ihres“ Festival passt.
Unsere bisher einzige Festivalerfahrung in Deutschland, vor einigen Jahren auf dem Melt, war wirklich wunderbar, also hoffentlich konnten wir auch bei den deutschen Vertretern auf uns aufmerksam machen und bekommen die Möglichkeit wieder ein Festival hier zu spielen.

08.04.2010 // thorsten
 

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