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first aid kitinterview mit johanna und klara söderberg

erste hilfe zu leisten ist ehrensache. dass das auch musikalisch geht, wenn die ohren sich nach etwas schönem sehnen, beweisen johanna und klara söderberg aus schweden, die mit jugendlichem enthusiasmus als first aid kit hinaus in die welt ziehen. von bright eyes inspiriert, die vorliebe für folk musik im herzen und mit dem drang mit einfachen mitteln schönes aus der taufe zu heben, begibt sich das schwestern-duo nun mit dem debütalbum "the big black & the blue" auf die reise. wir haben sie bei ihrem halt in berlin besucht, der kälte getrotzt und viel wissenswertes erfahren.


auf eurer myspace seite lasst ihr verlauten "we aim for the hearts, not the charts". das ist ein recht sympathischer vorsatz, aber was genau ist denn eure strategie, um diesem vorhaben gerecht zu werden?
klara: wir versuchen unsere musik und das wir allgemein tun nicht allzu sehr zu analysieren. es ist wichtig für uns, dass wir uns einfach auf die musik selbst konzentrieren und nicht unbedingt auf das, was sonst um uns herum geschieht. ausserdem liegt uns viel daran über dinge zu singen, die uns am herzen liegen.

nun ist in der presse oft betont worden wie jung ihr beide seid und wie aussergewöhnlich es ist, dass ihr euch gerade der folk musik widmet, wo das teenager sein doch immer mit einem gewissen grad von wildheit assoziiert wird. sind euch wegen eures alters schon oft vorurteile begegnet?
klara: oh ja, das passiert die ganze zeit.
johanna: jeden tag! wir werden von journalisten oft sofort auf unser alter angesprochen. dabei sind wir gar nicht der meinung, dass etwas so ungewöhnliches dabei ist in diesem alter diese art von musik zu machen.
klara: erst gestern hat uns ein journalist gefragt, warum wir nicht über jungs und parties singen, wie es sich für mädchen in unserem alter gehört. mit solchen verallgemeinerungen können wir nichts anfangen. junge leute in unserem alter verstehen unsere texte. wenn dann jemand von uns denkt, dass unsere texte nur aufgrund unserer geringen lebenserfahrung gestellt sind oder wir versuchen cool zu sein, dann ist das schon etwas beleidigend. es ist ja nicht so, als ob wir reifer erscheinen wollen, um jemanden zu beeindrucken. ehrlich gesagt, finde ich, dass so junge leute wie wir meistens reifer sind als viele glauben. unsere freunde sind da auch nicht anders als wir.
johanna: mir ist es noch nicht passiert, dass einer meiner freunde zu mir ankam und mich gefragt hat, was dieses oder jenes in den texten bedeutet, weil es zu erwachsen rüberkam. wir werden immer nur von journalisten darauf angesprochen.

vielleicht hat es auch ein wenig damit zu tun, dass das gesamtpaket bei euch überrascht. nicht nur eure musik, sondern auch euer gesang wirkt, als ob ihr schon lange zeit nichts anderes tun würdet und dabei viel erfahrung mit im spiel ist.
klara: wir haben keinerlei klassische ausbildung oder gesangsunterricht gehabt. auch was den gesang angeht, machen wir uns keine besonderen gedanken darum, sondern singen einfach drauf los. vielleicht ist es gerade das, was diesen effekt bewirkt. es entsteht alles auf einer natürlichen basis. immerhin singen wir sehr viel und das am besten jeden tag.
johanna: am anfang waren wir natürlich nicht auf dem level, wo wir jetzt sind. da kann man schon unterschiede hören. jetzt sind wir stimmlich auch besser aufeinander eingestellt und wir fühlen uns insgesamt sicherer.
klara: selbst wenn wir keine konzerte spielen, singen wir die ganze zeit. das ist für uns ganz normal. manchmal passiert es sogar, dass wir einen tag lang gar nicht miteinander reden, sondern nur singen!

eure stimmlichen qualitäten beruhen also eher auf der tatsache, dass ihr viel übt. wir sieht es mit inspiration allgemein aus? trägt sie eventuell auch einen teil dazu bei und wenn ja, von wem oder was lasst ihr euch dabei inspirieren?
klara: wir üben schon, aber nicht unter dem, was normalerweise darunter verstanden wird. es geht uns zum beispiel nicht darum wie wild tonleitern rauf und runter zu singen.
johanna: was die inspiration angeht, denke ich schon, dass wir sachen von ausserhalb auf uns einwirken lassen. wir sind aber nicht unbedingt von sängern inspiriert, die technisch gesehen perfekt sind. wir fühlen uns viel mehr von gesängen berührt, die es verstehen, wahre emotionen zu vermitteln. beim singen achten wir darauf genau das gleiche zu tun. wir sind nicht wirklich an der technischen seite oder dem richtig bzw. falschem singen interessiert.
klara: es ist natürlich nicht der fall, dass wir das völlig ausser acht lassen. es ist immer eine kombination von beidem, emotionen und technik, wobei wir beim gesang ganz klar mehr wert auf emotionen legen.

was hat denn in allererster linie euer interesse am folk genre geweckt?
klara: ich war 12 jahre alt als ein freund mir von bright eyes erzählt und mir ihre musik empfohlen hat. ich bin ihr sofort verfallen, was wohl mit der einfachen struktur der songs und der von ihnen ausgestrahlten ehrlichkeit zusammenhing. danach haben wir angefangen uns die musikalischen einflüsse von bright eyes näher anzuhören und so kam eines zum anderen und wir haben all diese tolle, alte folk musik entdeckt.

das musik business ist bekanntlich sehr schnelllebig, aber folk musik scheint seit seinen ursprüngen einen recht festen platz innerhalb des ganzen systems eingenommen zu haben. was denkt ihr ist der grund für diese stabilität?
klara: folk musik spielt in der tat seit jeher eine bedeutende rolle. ich denke die art von musik wird immer gehört werden.
johanna: seit jahrzehnten kommen immer wieder interessante künstler, die sich diesem speziellen genre verschreiben. es steckt so viel tradition dahinter und ich glaube, dass das maß an authentizität, das mit der musik verknüpft ist, seinen teil dazu beiträgt, dass musiker sich stets inspiriert fühlen in diese richtung zu gehen.

du hast das wort tradition verwendet, was sehr gut passt, da zum beispiel der narrative aspekt von folk songs oft von großer bedeutung ist. menschen waren schon und sind noch immer daran interessiert geschichten zu hören. kann folk musik diesen aspekt besser als andere genres transportieren?
johanna: oh, das ist schwer zu sagen...
klara: ich weiss nicht genau...aber ja, das scheint zumindest eine sinnvolle interpretation zu sein. menschen mögen einfache dinge und interessieren sich für stimmen. zusammen mit akustischen gitarren kann das völlig ausreichen, wenn man gut ist. bei folk musik kann der hörer meistens ganz genau den text mitverfolgen, was bei anderen arten von musik nicht unbedingt der fall ist.
johanna: das macht folk auch oftmals so glaubwürdig und lässt ihn in gewisser weise aufrichtig erscheinen. man hat daher gleich einen viel persönlicheren draht zu den songs. nicht so wie all die songs, die im radio laufen und von denen man eher abgeschreckt ist, weil sie so künstlich klingen.

durch eure cover version vom fleet foxes song "tiger mountain peasant song" habt ihr viel aufmerksamkeit erhalten, was auch dazu führte, dass ihr euch entschieden habt, eure fans aufzufordern euch vorschläge für weitere cover versionen zu schicken. wie fiel denn die reaktion darauf aus?
klara: wir haben sehr viele zusendungen erhalten, aber aus zeitlichen gründen hatten wir bisher leider gar nicht die gelegenheit mehr als zwei songs umzusetzen, weil wir an unserem album gearbeitet haben oder ständig unterwegs waren. für viele der songs hätten wir uns erst einmal hinsetzen müssen, um sie zu lernen. deswegen ist es ist noch nicht gelungen sehr viel mehr als zwei stücke auszuprobieren.
johanna: es ist ja auch nicht so, als ob wir nur als cover band wahrgenommen werden wollen. nach dem fleet foxes cover haben wir viele großartige reaktionen bekommen, daher dachten wir, dass es nett wäre vielleicht ab und zu weitere cover versionen aufzunehmen. trotzdem schreiben wir ja auch eigene songs. die haben natürlich priorität. ich wünschte, wir hätten die zeit, um diese aktion mit cover songs weiter zu verfolgen, aber momentan reicht die zeit nicht dafür aus.

wie haben sich denn die aufnahmen zu eurem debütalbum "the big black & the blue" gestaltet?
johanna: wir haben bei uns zu hause aufgenommen und das dann die meiste zeit über an den freien wochenenden oder in den ferien, weil wir beide noch zur schule gingen. jedes mal, wenn wir einen neuen song hatten, haben wir ihn gleich aufgenommen. durch die ständigen unterbrechungen bei den aufnahmen hat es rund sieben monate gedauert bis alles im kasten war. wir konnten nie für einen längeren, geplanten zeitraum am album arbeiten, daher hat es sich etwas in die länge gezogen. unser vater hat die songs zusammen mit uns produziert und das arbeiten war sehr angenehm und einfach.

waren noch mehr familienmitglieder bei diesem ganzen prozess mit involviert?
klara: nicht, was die wirklichen aufnahmen oder das songwriting angeht. unsere mutter hat aber natürlich alles mitverfolgt und uns wichtiges feedback gegeben.
johanna: es war schön, dass wir so viel entscheidungsfreiheit hatten und unsere ideen nach unseren vorstellungen ausleben konnten. es war nie der fall, dass unsere eltern uns irgendwelche vorschriften gemacht haben oder ähnliches.
klara: mir gefällt die tatsache, dass wir alles selber gemacht haben. dadurch sind die songs wahrscheinlich nicht perfekt, aber sie haben dafür diesen gewissen "home-made-touch", den wir ganz sympathisch finden. wer weiss, was beim nächsten album geschieht. vielleicht haben wir dann eine richtige band und probieren ganz andere sachen aus.

sowohl eurer musik als auch eurem artwork haftet ein hauch von nostalgie an, der im gesamtkonzept sehr stimmig wirkt. was macht die vergangenheit denn zu etwas besonderem für euch?
klara: ja, das ist wahr. wir fühlen uns schon ein wenig in der zeit zurück versetzt, was unsere musik angeht. unser gesang weckt wohl die größten assoziationen in diese nostalgische richtung. geschichte hat allgemein etwas faszinierendes an sich. der aspekt der zeitlosigkeit ist sehr reizvoll und sicherlich auch schuld daran, dass wir ein bisschen an der uhr drehen, was unsere interessen angeht. egal ob musik oder literatur, wir mögen es, uns mit dingen zu beschäftigen, die einen geschichtlichen wert haben. moderne musik gefällt uns aber auch. um noch einmal auf bright eyes zu kommen, das schöne an dieser musik ist, dass sie junge leute wie uns dazu bringt viele neue sachen und ihre wurzeln zu entdecken, die schon so weit zurückliegen. obwohl die inhalte oft modern sind, gibt es trotzdem diesen touch von nostalgie, der mitschwingt.

wie kann man sich denn die situation für so junge, dem folk verfallene musiker wie euch vorstellen, wenn man an euer heimatland schweden denkt? ist es schwer fuß zu fassen?
klara: schweden ist jetzt nicht unbedingt ein land, in dem die folk musik unheimlich populär ist, aber dafür sind die schweden sehr offen, was musik angeht und das land selbst blickt auch auf eine lange musikalische tradition zurück. man hat in schweden immer das gefühl eine große familie von musikern um sich zu haben und es herrscht viel akzeptanz untereinander.
johanna: das ganze umfeld macht es einem schon leichter sich zu behaupten, weil man oft das gefühl hat, dass die menschen sehr viel interesse an dem zeigen, was man tut. vielleicht liegt es daran, dass schweden nicht so groß ist und daher dieser familiensinn aufkommt

22.01.2010 // annett
 

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