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ÖdlandInterview mit Lorenzo Papace

Ödland spielen nicht nur mit Tönen, sondern auch mit (bewegten) Bildern und Geschichte. Die kollektivistisch anmutende Band aus Lyon spielt seit 2008 zusammen und zieht ihre Inspiration aus der Musik pre-1900 und erinnert mit ihrem verspielten Ansatz, minimalistische Klavierarrangements, Spielzeugsounds und Tiergeräuschen ein bisschen an CocoRosie. Lorenzo Papace - eigentlich Filmemacher und Grafiker - schreibt die Songs, die von Alizée Bingöllü - eigentlich Schauspielerin - mit einer weichen und vor allem nicht perfekten Stimme verton - oder viel mehr: eingesprochen - werden. Jeder der 5 Songs auf ihrer EP erzählt eine eigene Geschichte, jede für sich ist ein kleines Universum, das bevölkert wird von elternlosen Mädchen, Raupen und anderen Monstern. Weltfremd werden sie dabei nicht - weil sie sich nicht von ihren Ideen und Ansätzen fesseln lassen, sondern das Experiment für sich zur Maxime machen.


Wie ist Ödland entstanden?
Ich habe mit Alizée zusammen an Kurzfilmen gearbeitet - sie ist Schauspielerin und ich fand es immer toll mit ihr zu arbeiten. Im Dezember 2008 entstand die Idee ein musikalisches Projekt zu starten, rein akustisch. Ich wollte in der Band all das verarbeiten, was ich an der Zeit des 19. Jahrhunderts so mag, besonders die Musik. Ich schlug Alizée und Isabelle Royet-Journoud (Ukulele und Sounds) eine Band zu gründen. Isabelle kannte ich durch ihre Fotografie. Léa Bingöllü ist die Schwester von Alizée und spielt Geige. Man sagte mir, dass sie nur sehr selten für andere Leute spielt und ich nahm sie in die Band, direkt nach dem sie mir vorgespielt hatte. 2009 traf Alizée Alice an der Schauspielschule. Sie spielt Cello, das war genau das, was unserem Projekt noch fehlte.

Was inspiriert euch?
Das 19. Jahrhundert, hauptsächlich. Wenn ich komponieren, fließt da immer meine Liebe zur Musik der Romantik und dem amerkanischen Ragtime. Genauso sind die Lyrics von den Ideen dieser Zeit beeinflusst - natürlich auch von unserer eigenen, persönlichen Eindrücken und Märchen und Geschichten. ... Ich habe schon immer klassische Musik von Bizet, Debussy or Tchaikovsky gemocht - die inspiriert mich hauptsächlich, schon seitdem ich ein Kind war.

Welche Rolle spielt Kunst in eurem Leben (und in eurer Musik)?
Ich bin eigentlich Grafikdesigner, Fotograf und mache Filme. Isabelle ist ebenfalls Fotografin. Sicher, deswegen sind Bilder sehr wichtig. Ich hab das gesamte Artwork zur ersten EP gemacht und arbeite auch gerade an dem Layout für das Album. Für mich ist das etwas selbstverständliches, die Menschen auch eben auch Bilder zur Musik. Aber das muss auch zueinander passen und sich ergänzen, sonst kann es ganz leicht schief gehen. Isabelle und ich sind mit unseren Fotos sehr nah an dem, was Ödland ausmacht: etwas neues, inspiriert von etwas aus dem letzen Jahrhundert. Ich arbeite immer noch mit Silbergelantine und mit alten Kameras - damit die Seele der Bilder nicht verloren geht.

Wenn ihr eurer Musik in einem Bild (real existierend oder auch nicht) darstellen solltem welches wäre das, oder: wie würde es aussehen?
Ich glaube das Cover der EP beschreibt unsere Musik ganz gut: Alizée in einem Wald mit Harfe und einem schwedischen Feenhut. Ich kann gar nicht genau sagen, wann das Bild entstanden ist. Irgendwann zwischen gestern und heute. Wir arbeiten immer noch an unseren Bildern - aber alles findet sich irgendwo in dieser Richtung.

Wo und wie schreibt ihr oder macht ihr Musik? Wie und Wo habt ihr die EP aufgenommen?
Ich schreibe meine Texte überall. "Mathilde RossignoI" wurde in einem Restaurant geschrieben, "Les yeux de L'oiseau bei IKEA und "La chanson du parasite" nachdem ich eine Doku über Parasiten und andere Schädlinge gesehen hatte. Wir haben die EP in meiner Wohnung aufgenommen - da wo wir auch immer geprobt haben. Ich habe Mikrophone und anderes Zeug zum aufnehmen gekauft. Wir haben alles gleichzeitig, im selben Raum, aufgenommen - wir nehmen die Instrumente nie einzeln auf. Die Fehler und Geräusche passen einfach in die Songs. Wir wollen keine Perfektion.

Wo wart ihr schon und wo wollte ihr noch hin?
Bis jetzt haben wir nur in unserer Heimatstadt Lyon gespielt aber wir planen eine Tour durch Deutschland und Frankreich im Juli 2010. Es gibt einen kleinen Wald in der Nähe von Östersund in Schweden, der Ödland heißt. Das wäre der perfekt Platz für einen Konzert.

Gibt es einen Künstler oder eine Band die ihr sehr mögt und die wirklich jeder kennen sollte?
Zu viele, unter anderem CocoRosie, Lonley drifter Karen oder Dionysos. Ich höre aber auch viel klassisches Musik: Bizet, Debussy und Tchaikovsky. Diese Komponisten sind eigentlich meine Hauptinspirationsquelle - und die Musik die mich schon immer fasziniert hat.

01.12.2009 // ann-kathrin
 

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